Der Pazifische Maulwurf (Scapanus orarius) ist eine Säugetierart aus der Gattung der Westamerikanischen Maulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Er kommt entlang der pazifischen Küste Nordamerikas vom Südwesten von British Columbia bis zum Nordwesten von Kalifornien vor. Teilweise tritt er hier gemeinsam mit dem Townsend-Maulwurf auf, nutzt abweichend von diesem aber häufiger waldreiche Habitate. Allerdings ist er auch in offeneren Gebieten anzutreffen. Es handelt sich um einen mittelgroßen Vertreter der Maulwürfe, der wie alle grabenden Angehörigen der Gruppe typische Anpassungen dafür besitzt. Dazu gehören ein walzenförmiger Körper, ein kurzer Hals und grabschaufelartige Vordergliedmaßen. Das Fell ist dunkelgrau gefärbt.

Die Lebensweise ist in Teilen gut erforscht. Die Tiere legen unterirdische Tunnel und Gänge an, die weit verzweigt sind und in mehreren Ebenen verlaufen. Äußerlich sichtbar sind die Gangsysteme durch Maulwurfshügel, deren Häufigkeit mit der Dichte der Beutetiere korreliert. Als Hauptnahrung dienen Regenwürmer, daneben frisst der Pazifische Maulwurf auch eine Vielzahl von Insekten und teilweise auch Pflanzen. Der Nachwuchs kommt einmal jährlich zur Welt und wächst in einem gepolsterten Nest auf. Die Art wurde im Jahr 1896 wissenschaftlich eingeführt. Es sind zwei Unterarten anerkannt. Der Bestand wird als nicht bedroht eingestuft. Das häufigere Auftreten in waldreicheren Landschaften führt zu weniger Konfliktpotential mit dem Menschen. Fossilfunde des Pazifischen Maulwurfs sind nicht bekannt.

Merkmale Habitus Der Pazifische Maulwurf ist ein mittelgroßer Vertreter der Westamerikanischen Maulwürfe und besitzt eine Kopf-Rumpf-Länge von 10,6 bis 16,8 cm. Der Schwanz wird 2,1 bis 4,6 cm lang und macht damit weniger als ein Viertel der Gesamtlänge aus. Das Gewicht variiert von 61 bis 91 g. Männchen sind in der Regel größer als Weibchen, womit ein auffallender Geschlechtsdimorphismus vorliegt. Zudem sind die Individuen im östlichen Verbreitungsgebiet größer als die im westlichen. Äußerlich ähnelt der Pazifische Maulwurf den anderen Westamerikanischen Maulwürfen und zeigt wie diese eine deutliche Anpassung an eine grabende Lebensweise. Der Körper ist dadurch walzenförmig, der Hals kurz und die Vordergliedmaßen sind zu kräftigen Grabwerkzeugen umgestaltet. Das samtige Fell weist einen dunkelgrauen Farbton auf. Im Winter tendiert es eher zu schwarzen, im Sommer zu braunen Farbtönen. Eine Unterwolle fehlt, die Haare sind etwa gleich lang. Der Schwanz zeigt sich nur spärlich behaart, er ist fleischig, an der Basis nur wenig eingezogen und spitzt sich zum Ende hin zu. Vom ähnlichen Kalifornischen Maulwurf (Scapanus latimanus) unterscheidet sich der Pazifische Maulwurf dadurch, dass der nackte Bereich der spitzen Schnauze bis zum vorderen Rand der Nase reicht. Die Nasenlöcher öffnen sich sichelartig geschlitzt und zeigen nach oben. Generell sind die Augen klein und äußere Ohrmuscheln nicht erkennbar. Die Hinterfußlänge beträgt 1,5 bis 2,4 cm. Weibchen besitzen vier Paare an Zitzen, zwei in der Brust- und je eines in der Bauch- und Leistengegend. Die Zitzen sind stärker nach außen positioniert als bei anderen Vertretern der Gattung.

Schädel- und Gebissmerkmale Die Schädellänge reicht von 32,1 bis 34,7 mm, die Breite an den Warzenfortsätzen misst 15,4 bis 16,8 mm. Im Bereich der Orbita ist er 7,4 bis 8,4 mm weit, die Höhe des Schädels beträgt 8,8 bis 10,1 mm. Er zeichnet sich durch einen breiten Hirnschädel und ein schmales sowie lang ausgezogenes Rostrum aus. Dessen Breite auf Höhe der Molaren variiert von 8,0 bis 9,0 mm, auf Höhe der Eckzähne von 3,5 bis 4,2 mm. An der Stirnlinie verläuft er flach. Der Mittelkieferknochen überragt nach vorn das Nasenbein. Die Nasenöffnungen richten sich nach vorn. Die Paukenblasen auf der Schädelunterseite sind vollständig und abgeflacht. Am Unterkiefer hebt sich der vergleichsweise große horizontale Knochenkörper hervor. Das Gebiss ist vollständig und setzt sich aus 44 Zähnen mit folgender Zahnformel zusammen: . Wie bei allen Neuweltmaulwürfen ist der obere vordere Schneidezahn vergrößert, aber nicht so stark wie beim Kalifornischen Maulwurf. Die nachfolgenden Zähne bis zum dritten Prämolar ähneln sich weitgehend und sind einspitzig (unicuspid), auch wenn am letzteren ein zusätzlich kleines Höckerchen auftreten kann. Die beiden vorderen Molaren der oberen und unteren Zahnreihe heben sich durch ihre auffallende Größe hervor, der letzte wiederum ist deutlich kleiner. Insgesamt stehen die Zähne gleichmäßig verteilt und sind nicht so dicht gedrängt wie beim Kalifornischen Maulwurf. Die obere Zahnreihe ist 9,5 bis 11,2 mm lang, die untere Prämolaren-Molaren-Reihe erstreckt sich über 10,3 bis 10,9 mm.

Genetische Merkmale Der diploide Chromosomensatz lautet 2n = 34.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Pazifischen Maulwurfs Der Pazifische Maulwurf kommt im westlichen Nordamerika vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Südwesten der kanadischen Provinz British Columbia südwärts über einen Großteil des US-Bundesstaats Washington sowie den westlichen und nördlichen Teil von Oregon bis hin zu den nördlichen Küstenregionen von Kalifornien. Nach Osten hin schließt es die westlichsten Gebiete von Idaho mit ein. Die Nordgrenze wird etwa auf Höhe des Fraser River zwischen Vancouver und Chilliwack erreicht, die Südgrenze liegt bei Mendocino. Eine Population kommt auf Vashon Island im Puget Sound von Washington vor. In Oregon ist ein Großteil des Willamette Valleys sowie der südliche Landesteil nicht besiedelt, in letzterem tritt der Kalifornische Maulwurf auf.

Die Tiere sind an eine Vielzahl von Landschaften angepasst. In British Columbia wurden sie im Zusammenhang mit verschiedenen Bodentypen dokumentiert, so mit eiszeitlichem Geschiebemergel mit angeschwemmten Tonen, mit Sanden und Kiesen sowie mit Flussablagerungen. Des Weiteren ist die Art auf Ackerflächen und Wiesen beziehungsweise in Graslandschaften mit Artemisia-Bestand ebenso wie in Nadel- und Laubwäldern oder in Dünengebieten anzutreffen. Laubwälder bestehen häufig aus Erlen und Hartriegeln, Nadelwälder aus Gelb-Kiefern, Douglasien, Küstenmammutbäumen, Hemlocktannen und Fichten. Die direkten Küstenlandschaften, küstennahe Seen oder Flussmündungen unter stärkerem Gezeiteneinfluss werden aber gemieden. Das Vorkommen des Pazifischen Maulwurfs ist positiv gekoppelt mit der Dichte der Regenwürmer in einer Region. In zuträglichen Lebensräumen können bis zu 10 Individuen je Hektar auftreten, die Populationsdichte geht in Bereichen mit einer geringen Beutedichte auf bis zu einem Individuum auf 14 ha zurück. Die Höhenverbreitung in British Columbia reicht nur selten über 350 m hinaus. In weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes tritt der Pazifische Maulwurf sympatrisch mit dem Townsend-Maulwurf (Scapanus townsendii) auf. In diesen Fällen bevorzugt letztere Art häufiger offenere Landschaften mit schweren Böden, erstere hingegen Flusstäler und Wälder. Allerdings nutzen beide Vertreter teils syntopisch die gleichen Wiesen und Ackerflächen, während der Townsend-Maulwurf nicht in Wälder vordringt, wo der Pazifische Maulwurf anwesend ist.

Lebensweise Territorialverhalten Die Lebensweise des Pazifischen Maulwurfs ist nur punktuell gut untersucht. Er ist zumeist unterirdisch aktiv und gräbt ausgedehnte Tunnel- und Gangsysteme, die insgesamt bis zu 450 m lang sein können. Sie bestehen aus engen, nur 5 cm breiten Röhren, die sich gelegentlich in größere Kammern mit einem Durchmesser von 10 cm öffnen. Deren Funktion ist nicht genau bekannt. Prinzipiell bestehen drei verschiedene Gangebenen. Oberflächennahe Gänge werden in der Regel nur einmalig genutzt und dienen hauptsächlich der Nahrungssuche, Wanderungen oder werden von Männchen auf der Suche nach Weibchen in der Paarungszeit angelegt. Sie sind nur 2,5 bis 5 cm tief. Bei diesen Tunneln gräbt ein Tier nicht direkt, sondern drückt das Erdmaterial nach oben, so dass auf der Erdoberfläche kleine Rippeln entstehen. Auf diese Weise kann es bis zu 275 m in einer einzigen Nacht bewältigen. Weitere Gänge zur Nahrungssuche verlaufen in 15 bis 20 cm, teilweise auch bis in 90 cm Tiefe und werden täglich aufgesucht. Sie fungieren gleichzeitig als Fallen für bodenlebende Wirbellose. Hier befinden sich auch häufig die Nester. Zusätzlich werden die Nester durch Baumwurzeln oder ähnliches geschützt. Sie sind mit Pflanzen ausgekleidet. Von der dafür notwendigen Kammer führen radial mehrere Gänge fort. Ein dritter Gangtyp reicht 100 bis 200 cm in den Untergrund und entsteht zumeist in trockenen Jahresabschnitten. In den Tunneln und Gängen kommt es wegen der fehlenden Frischluftzufuhr teilweise zu einer Verringerung des Sauerstoffgehaltes auf bis zu 14,3 % (normal 20,9 %) und gleichzeitig zu einem Anstieg des Kohlenstoffdioxid auf bis zu 5,5 % (normal 0,04 %), der durch das Atmen angereichert wird. Eine Beeinträchtigung der Aktivitäten der Tiere ist dadurch nicht zu verzeichnen. Als eine Anpassung daran ist beim Pazifischen Maulwurf wie bei einigen anderen grabenden Maulwurfsarten das Hämoglobin modifiziert, wodurch eine erhöhte Sauerstoff-Bindungsaktivität ermöglicht wird. Diese wirkt auch unbeeinflusst von den relativ niedrigen Temperaturen in den Tunneln.

Der Pazifische Maulwurf gräbt zwar ganzjährig, die intensivste Periode fällt aber in den Herbst und Winter, wenn die Böden gut durchfeuchtet und locker sind. Bei den Grabungsaktivitäten schafft das Tier den Aushub an die Erdoberfläche, wodurch die charakteristischen Auswurfhügel (Maulwurfshügel) entstehen. Ein einzelner Hügel hat einen Durchmesser von etwa 30 cm, ist 15 cm hoch und besteht aus 2,6 l Erdmaterial. In seiner aktiven Phase zum Jahresende und -wechsel kann der Pazifische Maulwurf 200 bis 400 Hügel anlegen. Die Anzahl der Hügel in einer Region korreliert mit der Dichte an Beutetieren. Für die Errichtung eines Hügels benötigt er rund 33 Minuten.

Wie andere grabende Maulwürfe auch ist der Pazifische Maulwurf territorial und einzelgängerisch. Nur während der Paarungszeit kommen männliche und weibliche Tiere zusammen. Jedes Individuum unterhält ein einzelnes Revier, das rund 0,12 ha groß ist. Die randlichen Bereiche werden nur selten aufgesucht. Ein über einen Zeitraum von 50 Stunden beobachtetes Tier bewegte sich in einem Umkreis von 39 m. Die Aktivitätszeiten dauerten bis zu fünf Stunden an, beschränken sich dabei jedoch nicht auf eine bestimmte Tageszeit. Dadurch bestand auch keine Synchronität zwischen benachbarten Individuen. Die längste Schlafphase währte rund vier Stunden. Die Tiere sind außerdem gute Schwimmer und können Gebiete nach Überschwemmungen rasch neu besiedeln. Lediglich Jungtiere, die das mütterliche Gebiet verlassen, sind im Sommer stärker oberirdisch aktiv.

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