mini|hochkant=1.5|Wasserpalais (1722/23) mit Seitenflügeln (1788/92) mini|hochkant=1.5|Schloss und Schlosspark Pillnitz aus der Luft gesehen
Das Schloss Pillnitz, die ehemalige Sommerresidenz der Kurfürsten und Könige von Sachsen, liegt unmittelbar an der Elbe im heutigen Dresdener Stadtteil Pillnitz auf der Flur eines gleichnamigen, früher dort befindlichen Dorfes. Ein von in Pillnitz ansässigen Adligen bewohntes Renaissanceschloss, brannte 1818 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. In der Nähe wurde zwischen 1819 und 1830 das von Christian Friedrich Schuricht entworfene Neue Palais mit dem zwischen dessen Flügelbauten gelegenen Fliederhof erbaut.
In Pillnitz hatte der Bau eines für die Lustbarkeiten des Dresdener Hofes bestimmten Lustschlosses inkl. der Parkanlagen bereits 1720 unter der Herrschaft von August dem Starken mit dem Bau des von Matthäus Daniel Pöppelmann entworfenen Wasserpalais (1720–1721) begonnen und war mit dem Bau des gegenüberliegenden Bergpalais (1722–1723) fortgesetzt worden. Zum Ensemble des Pillnitzer Lustschlosses gehören außer den genannten Gebäuden des Schlosses auch die im nahegelegenen Königlichen Weinberg befindliche Weinbergkirche und die auf einer Anhöhe über dem Friedrichsgrund gelegene Gotische Ruine.
Sehenswert ist auch der zum Pillnitzer Lustschloss gehörende Schlosspark. Im nordwestlichen Teil des Parks liegt der Englische Garten mit dem Englischen Pavillon. Auf einer Insel steht dort der Bronzeabguss eines überlebensgroßen Kopfes der Göttin Juno. Unweit vom See, in dem die Insel liegt, steht die Pillnitzer Kamelie. Im nördlichen Parkteil befindet sich der Chinesische Garten in dem der Fontänenteich angelegt und der Chinesische Pavillon erbaut wurde. Sehenswert sind auch die Tritonengondel, das durch zwei Seitenflügel zur Orangerie erweiterte Ringrenngebäude und das Palmenhaus im hinteren Teil des Schlossparks.
Vorgeschichte (1403–1640) mini|hochkant=1|Das 1818 abgebrannte „Alte Schloss“ mit Venustempel, Wasser- und BergpalaisIn: Sachsen sonst und jetzt. Bd. 1. Grimm, Dresden/Leipzig , Bl. .
Erstmals wurde Pillnitz am 5. August 1403 urkundlich ewähnt; damals bewohnten Vasallen der Burggrafen von Dohna dort eine Wasserburg, wo heute das Neue Pallais steht. Die von Markgraf Wilhelm von Meißen (1343–1407) unterzeichnete Urkunde bestätigt der Ehefrau des Heinrich von Karaß den Grundbesitz von Pillnitz als Leibgedinge; erstmals werden auch der Friedrichsgrund und die Meixmühle erwähnt sowie Weinbau und Fischfang als Erwerbsquellen genannt. Außerdem bestätigt die Urkunde die Existenz von zwei Gutshöfen, von denen der eine im Ober- und der andere im Unterdorf von Pillnitz lag, als eigenständige Pillnitzer Liegenschaften.Hans-Günther Hartmann: Schloss Pillnitz – Vergangenheit und Gegenwart. 5., erw. u. überarb. Neuauflage. Verlag der Kunst, Dresden 2008, ISBN 978-3-86530-099-7, S. 14. Nachdem 1420 „Friedrich Karlewitc zeu Bilnitz“ auf Pillnitz „gesessen“ hatte, kam dessen Pillnitzer Grundbesitz über seine Söhne, welche die beiden Gutshöfe separat verwaltet hatten, an die wohlhabende Patrizierfamilie Ziegler. Wygand Ziegler erhielt 1486 den Lehnbrief über die ungeteilte Herrschaft Pillnitz, zu der die beiden Gutshöfe im Ober- und Unterdorf Pillnitz, das Dorf Pillnitz selbst mit der dazugehörigen Elbfähre und der Elbinsel, der Fischfang und die Orte Krieschendorf und Borsberg gehörten; beide Gutshöfe verblieben seitdem in ungeteilten Besitz. Die zum Rittergut Pillnitz gehörenden Ortschaften in der Umgebung wechselten hingegen im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts des Öfteren den Besitzer. 1514 kamen noch die Orte Wachwitz und Pappritz zum Grudbesitz des Rittergutes hinzu.Hans-Günther Hartmann: Schloss Pillnitz – Vergangenheit und Gegenwart. 5., erw. u. überarb. Neuauflage. Verlag der Kunst, Dresden 2008, ISBN 978-3-86530-099-7, S. 15. 1569 verkaufte Caspar Ziegler seinen Pillnitzer Grundbesitz an Christoph von Loß den Älteren († 1609), den Reichspfennigmeister, Oberschenk und Hofrat des sächsischen Kurfürsten Christian I.Martina Schattkowsky (Hrsg.): Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Band 27). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86583-235-1, S. 285. An Christoph von Loß den Älteren erinnert noch heute ein überlebensgroßes Epitaph in der Weinbergkirche. Mit der Herrschaft derer von Loß begannen in Pillnitz umfangreiche Baumaßnahmen, die zu einem Wandel vom ehemaligen Herrensitz in der Pillnitzer Flur zu einem repräsentativen Adelssitz in Nähe der kurfürstlichen Residenzstadt Dresden führten. In mehreren Abschnitten entstand in Pillnitz eine vierflügelige unregelmäßige Schlossanlage im Baustil der Renaissance, die den Einfluss derer von Loß am kurfürstlichen Hof zur Geltung bringen sollte. Der Sohn und Erbe von Christoph von Loß dem Älteren, Joachim von Loß († 1633), kam nach seinem Tod als der „Böse Loß“ in Verruf, weil er zu seinen Lebzeiten den Bauern, die seinen Grundbesitz bewirtschafteten zu Unrecht umfangreiche Frondienste und hohe Abgaben auferlegt hatte. Einer Sage zufolge soll er, nachdem er gestorben war, von Zeit zu Zeit als großer „schwarzer Hund“ bellend und heulend um Mitternacht in Pillnitz und Umgebung erscheinen. Die älteste Tochter vom „Bösen Loß“, Sophie Sibylle von Loß, heiratete 1636 Günther von Bünau, der, nachdem seine Ehefrau Sophie Sibylle 1640 gestorben war, in deren Rechte eintrat und 1643 mit dem Rittergut Pillnitz und den dazugehörigen Dörfern beliehen wurde. Seine Herrschaft war durch langwierige Streitigkeiten mit seinen Untertanen über den Umfang der zu leistenden Frondienste geprägt.Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Pillnitz. Leipzig 1856. Sowohl von den Zieglers, den Loß' als auch den Bühnaus wurde das 1818 niederbrannte Renaissance-Schloss bewohnt, das vormals ein burgartiges, mit einem Wallgraben umgebenes und einem Turm versehenes Gebäude gewesen sein mag. Spuren vom Wallgraben und einer Zugbrücke hat man noch nach dem Schlossbrand gefunden. Ansonsten ist vom abgebrannten Renaissance-Schloss als Schriftstück nur eine Bewertung des Gutsbesitzes des Christoph von Loß und der Gebäudesubstanz von Schloss und Nebengelass durch kurfürstliche Kommissare aus dem Jahr 1578 überliefert.
Geschichte (1694 bis heute) mini|Lageplan von Schloss Pillnitz 1725
Nach einem weiteren Besitzerwechseln erwarb der regierende sächsische Kurfürst Johann Georg IV. 1694 Schloss Pillnitz, um es seiner Mätresse Magdalena Sibylla von Neitschütz zu schenken. Nach dem Tod von Johann Georg IV. gelangte dessen Bruder und Nachfolger August der Starke 1706 durch Rückkauf in den Besitz des Schlosses. Er schenkte es seiner Mätresse Constantia von Cosel, die von 1713 bis 1715 im Schloss wohnte. Nachdem die Gräfin in Ungnade gefallen und auf Burg Stolpen in Gefangenschaft gesetzt worden war, nahm August der Starke das Schloss 1718 durch Enteignung wieder in seinen Besitz zurück. Wie bereits ereits 1718 von ihm geplant, ließ er ab 1720 das alte Renaissance-Schloss zu einem zeitgemäßen Barockschloss ausbauen und Wasser- und Bergpalais errichten – beide zunächst ohne Seitenflügel. Grundlage für diese Neubauten waren Entwürfe von Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune; Longuelune war es auch, der Stilelemente des aus Frankreich stammenden klassizistischen Barocks und die rechtwinkligen Formen in die Bauplanung einbrachte. Ab 1723 war Schloss Pillnitz die Sommerresidenz vom Dresdner Hof; im Schlosspark dienten verschiedene Spielanlagen dem Zeitvertreib der Höfischen Gesellschaft.Catrin Lorenz: Barockes Spiel in Pillnitz. Die Spielanlagen im Pillnitzer Schloßpark und ihre Auswirkungen auf dessen gartenkünstlerische Gestaltung. In: Die Gartenkunst. 12 (1/2000), S. 42–62. Neben dem Schlossareal entwickelte sich aus einem älteren Herrensitz ein Rittergut, das als Vorwerk Pillnitz bezeichnet wurde.Martina Schattkowsky: Zwischen Rittergut, Residenz und Reich. Die Lebenswelt des kursächsischen Landadligen Christoph von Loss auf Schleinitz (1574–1620). In: Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Band 20, Zugleich Habil-Schrift Uni Potsdam 1999;er Leipziger Univ.-Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-936522-81-5, S. 354f. Durch Besitzerwechsel wurde aus dem frühere Rittergut später ein Kammergut.Arthur Weichold: Wilhelm Gotthelf Lohrmann. Lebensbild eines hervorragenden Geodäten, Topographen, Astronomen, Meteorologen und Förderers der Technik in Wissenschaft und Praxis in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1. Auflage. Verlag Barth, Leipzig 1985, S. 29. Bild 37. Kammergut Pillnitz; farbig, untertuschte Zeichnung.; 2. Auflage Online-Ressource: Hans‐Joachim Felber, PDF, In: Astronomische Nachrichten. (Band 308, 2006, Nr. 1: 70-70.), Leipzig 1987/2006.
mini|Schloss Pillnitz um 1800 (Elbeseite) mit Wasserpalais, Löwenkopfbastei, dem Venustempel und im Hintergrund dem Alten Schloss (v. l. n. r.)
Um Platz für den von ihm geplanten Venustempel zu schaffen, ließ August der Starke 1723 die alte Schlosskirche »Zum Heiligen Geist« abreißen und die evangelische Weinbergkirche im nahegelegenen Königlichen Weinberg errichten.Hans-Günther Hartmann: Schloss Pillnitz – Vergangenheit und Gegenwart. 5. erweiterte und überarbeitete Neuauflage. Verlag der Kunst, Dresden 2008, ISBN 978-3-86530-099-7, S. 16. Der Venustempel bestand aus einem oktogonalen Mittelsaal und vier mit diesem verbundenen quadratischen Eckpavillons. Die Wände des für höfische Festlichkeiten vorgesehenen Mittelsaals schmückten Porträts der Mätressen Augusts des Starken und weiterer Hofdamen. Die offenherzigen Bildnisse der Mätressen hinderten August den Starken, der nicht nur sächsischer Kurfürst, sondern in Personalunion auch König von Polen war, nicht daran, den südöstlichen Eckpavillon des Venustempels als katholische Hofkapelle zu nutzen.Hans-Günther Hartmann: Schloss Pillnitz – Vergangenheit und Gegenwart. 5., erweiterte und überarbeitete Neuauflage. Verlag der Kunst, Dresden 2008, ISBN 978-3-86530-099-7, S. 29f. Der Venustempel fiel ebenso wie das Renaissance-Schloss dem Brand von 1818 zum Opfer.
mini| Medaille vom Fürstentreffen, abgebildet sind Leopold II. von Österreich, Friedrich Wilhelm II. von Preußen als Teilnehmer und Friedrich August III. von Sachsen als Gastgeber Das Schloss wurde ab 1765 von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, einem Urenkel von August dem Starken, als Sommerresidenz genutzt. 1791 war es Tagungsort der Pillnitzer Fürstenversammlung. Gastgeber des Treffens der regierenden Fürsten von Österreich und Preußen und ihrer Entourage war Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, der jedoch an den Verhandlungen nicht beteiligt war. Hauptgegenstände der Verhandlungen waren die „polnische Frage“ und die Beendigung des Krieges Österreichs gegen die Türkei. Auf Drängen der anwesenden französischen Emigranten wurde am Ende des Fürstentreffens die Pillnitzer Deklaration verabschiedet, in welcher sich Österreich und Preußen verpflichteten, den im Ergebnis der Französischen Revolution entmachteten König Ludwig XVI. bei der Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich zu unterstützen.Karl Otmar von Aretin: Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-33583-0, S. 24.
mini|Ruinen vom alten Königl. Schloß zu Pillnitz, Stich von Christian Friedrich Sprinck, 1818 mini|hochkant=0.8|Sandsteinobelisk vom Alten Schloss auf der Löwenkopf-Bastei (Kopie)Das Original befindet sich im Schlossmuseum. Es handelt es sich um einen der beiden Obelisken, die einst die Terrassentreppe vor dem Ostflügel des Alten Schlosses schmückten und mit Flachornamenten im Stil des Manierismus versehen waren. (Quelle: Hans-Günther Hartmann: „Pillnitz-Schloß, Park und Dorf“. Weimar 1996, ISBN 3-7400-0995-0).