Ernst Gottlob Schmidt (* 1798 vermutlich in Eckartsberga im Thüringer Kreis des Kurfürstentums Sachsen; † 3. Dezember 1877 in Kreuznach) war ein deutscher Ingenieur-Offizier (Garnison-Bau-Director, Ingenieuroffizier vom Platz, im aktiven Dienst zuletzt Hauptmann, mit dem Charakter als Major verabschiedet), der sich auf dem Gebiet der Provinzialrömischen Archäologie des Rheinlands und der Nahegegend betätigte.

Leben Ausbildung und Dienst im preußischen Ingenieurkorps Ernst Schmidt war ein Absolvent des Wilhelm-Ernst-Gymnasiums in Weimar im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Er trat am 23. Oktober 1823 als Unteroffizier (Offizieranwärter) in das Magdeburgische Füsilier-Regiment „Generalfeldmarschall Graf Blumenthal“ (Brandenburgisches) Nr. 36 in königlich preußische Dienste ein. Wahrscheinlich besuchte er, wie für die Laufbahn als Ingenieuroffizier vorgeschrieben, die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule in Charlottenburg. Am 25. April 1824 wurde er zum Sekonde-Lieutenant, am 13. April 1837 zum Premier-Lieutenant (Oberleutnant) befördert. Er war Mitglied des Ingenieur- und PionierkorpsVgl. Kölner Domblatt. Amtliche Mitteilungen des Central-Dombau-Vereins vom 10. März 1844, S. 1: „Ingenieur-Officier Schmidt in Mainz“ (Google-Books) in der Bundesfestung Mainz,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1823, Mittler, Berlin o. J. , S. 97 (Google-Books;… für das Jahr 1824, Mittler, Berlin o. J. , S. 97 (Google-Books; … für das Jahr 1825, Mittler, Berlin o. J. , S. 100 (Google-Books; … für das Jahr 1830, Mittler, Berlin o. J. , S. 119 (Google-Books. wo die dem VIII. Armee-Korps in Koblenz unterstellten 35. und 36. Infanterie-Regimenter seit 1820 stationiert waren. Als Secondelieutenant wurde Schmidt zum Fortifikations-Dienst in die Bundesfestung Luxemburg abgeordnet.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee: für das Jahr 1832. Mittler, Berlin o. J. , S. 175 (Google-Books); … für das Jahr 1833. Mittler, Berlin o. J. , S. 175 (Google-Books). 1833 wurde das 36. Infanterie-Regiment nach Saarlouis verlegt, auch Secondelieutenant bzw. Premierlieutenant Schmidt wird 1835, 1840 und 1842 dort geführt.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1835, Mittler, Berlin o. J. , S. 116 (Google-Books); … für das Jahr 1840, Mittler, Berlin o. J. , S. 109 (Google-Books); Statistik und Hand-Adreßbuch der Rheinprovinz für das Jahr 1842. Koblenz 1842, S. 294 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Koblenz). Ab 1844 war er aus Saarlouis zum Fortifikations-Dienst in Mainz abgeordnet.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1844, Mittler, Berlin o. J. , S. 117 und 192 (Google-Books); … für das Jahr 1845, Mittler, Berlin o. J. , S. 194 (Google-Books). Ingenieur-Premierlieutenant bzw. -Hauptmann Schmidt wirkte 1843–1851 mit an der ersten Befestigung der Rheinkehle entlang der Rheinfront der Mainzer Neustadt. Seit dem 20. Januar 1844 Hauptmann, wurde er im Juni 1851 zum Garnison-Bau-Director des VIIIten Armee-Corps ernannt.Beilage zur Preußischen Wehr-Zeitung. Militairische Zeitung 4,7 (=306) (1851) vom 24. Juli 1851, S. 3 (nach S. 1962) (Google-Books); Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1852, Mittler, Berlin o. J. , S. 182 (Google-Books); … für das Jahr 1853, Mittler, Berlin o. J. , S. 184 (Google-Books). 1852–1854 fungierte Ingenieur Hauptmann Schmidt als Garnisonbaudirector auch in Münster. Auf eine schriftliche Bitte des Dortmunder Magistrats hin wurden der Königliche Garnison-Bau-Director Ingenieur-Hauptmann Schmidt zu Münster und der Königliche Landrat Christian Adolf Wilhelm Pilgrim zu Dortmund beauftragt, die alte Stadtmauer zwischen Burgtor und Kuckelkentor zu begutachten. Nach einer Besichtigung am 11. September 1852 sprachen sich beide für die teilweise Abtragung der Stadtmauer aus.Karl Woerle: Eine Statistik von Dortmund. Köppen, Dortmund 1869, S. 16 (Google-Books). Am 21. März 1854 wurde „Schmidt, Hauptmann von der 3ten Ingenieur-Inspection und Garnison-Bau-Director des VIIIten Armee-Corps“ unter Versetzung zur 2. (eher: 1.) Ingenieur-Inspektion zum Platz-Ingenieur der Festung Küstrin ernannt.Preußische Wehr-Zeitung. Militairische Zeitung 6,81 (=589) (1854) vom 9. April 1854, S. 3736 (Google-Books); Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1854, Mittler, Berlin o. J. , S. 186 und 192 (Google-Books). In Küstrin führte er 1854/55 Baumaßnahmen an den Bastionen Philipp, Kronprinz und König durch. Er wurde, wie ihm bereits 1848 zugesichert worden war, mit dem Charakter eines MajorsMagdeburgische Zeitung. Anhalter Anzeiger vom 14. November 1848, S. 2 (Digitalisat) aus dem aktiven Militärdienst verabschiedetReinhold Dalitz: Das Magdeburgische Füsilier-Regiment Nr. 36 seit seiner Entstehung bis zum Jahre 1886. Ernst Siegfried Mittler, Berlin 1887, S. 332 (etwas ungenau). und lebte danach im Ruhestand als Major a. D. in Kreuznach in der Rheinprovinz. Während der Dienstzeit von Ernst Schmidt nahm das 36. Infanterie-Regiment an keinen Feldzügen und Gefechten teil.

Herausgabe des schriftlichen Nachlasses seines Bruders Friedrich Wilhelm Schmidt Sein Bruder Oberstleutnant Friedrich Wilhelm Schmidt (1786–1846)Lebenslauf bis 1820 von „Premier-Lieutenant Friedrich Wilhelm Schmidt. Geboren den 12. April 1789 (sic!) zu Eckartsberga in Thüringen, vom März 1813 ab im Lützowschen Corps … Wurde durch Allerh. C.-O. vom 30. März 1820 zum Großen Generalstabe versetzt“; Franz von Zychlinski: Geschichte des 24sten Infanterie-Regiments, Bd. II Von 1816–1838. Mittler (A. Bath), Berlin 1857, S. 57f (Google-Books).Friedhelm Schwemin: Offizier und Römerforscher. Skizze zu Leben und Werk von Friedrich Wilhelm Schmidt (1786–1846). In: Vestische Zeitschrift. Zeitschrift der Vereine für Orts- und Heimatkunde im Vest Recklinghausen 105 (2014/15), S. 199–223. war zuletzt Abteilungschef im preußischen Großen Generalstab. Dieser wurde als Generalstabsoffizier verschiedentlich an andere Standorte versetzt, so 1821 bis 1830 nach Trier (1828/29 abgestellt zur Aufnahme der römischen Grenzsicherungsanlagen in der Rheingegend), 1830 bis 1834 nach Koblenz, 1834 bis 1838 in Berlin und 1838 bis 1842 nach Münster, ab 1842 wieder in Berlin.Ernst Schmidt: F. W. Schmidt's, Königl. Preuss. Oberstlieutenant, Lokaluntersuchungen über den Pfahlgraben oder limes transrhenanus vom Rhein … In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 6 (1859/60), S. 107–202, bes. S. 107–113. Friedrich Wilhelm Schmidt machte anlässlich seiner dienstlichen Aufträge viele archäologische Beobachtungen – darunter die Auffindung eines Römerlagers am Annaberg bei Haltern am See –,Reinhard Stupperich: Ein Aureus des Augustus aus Haltern. In: Boreas. Münstersche Beiträge zur Archäologie 13 (1990), S. 168–172, bes. S. 168f (PDF der Universitätsbibliothek Heidelberg). die er teilweise nicht mehr selbst veröffentlichen konnte. Ernst Schmidt gab 1859–1861 den schriftlichen Nachlass seines Bruders heraus. mini|links|Grabmal von Tiberius Iulius Abdes Pantera, um 40 n. Chr., heute ausgestellt in der Römerhalle Bad Kreuznach|150px

Eigene Beiträge zur provinzialrömischen Archäologie Ernst Schmidt war Mitglied des 1842 gegründeten Zentral-Dombau-Vereins zu Köln und seit 1858 Vorstandsmitglied des 1856 in Kreuznach gegründeten Antiquarisch-historischen Vereins für Nahe und Hunsrücken (heute: Verein für Heimatkunde für Stadt und Kreis Bad Kreuznach e. V.). 1860 publizierte er einige Grabdenkmäler, die im Oktober 1859 und Sommer 1860 bei Eisenbahn-Abböschungsarbeiten am Rupertsberg in Bingerbrück gefunden worden waren,Aufgenommen von Wilhelm Brambach (Hrsg.), Friedrich Ritschl: Corpus inscriptionum Rhenanarum. Rudolph Ludwig Friderichs, Elberfeld 1867, Nr. 737–745, S. 154f (Google-Books)., , , , , , u. a. = Datensätze HD075609, HD075610, HD075611, HD075612, HD075613, HD075614, HD075615 u. a. der Epigraphischen Datenbank römischer Inschriften (EDH). darunter den Grabstein für Tiberius Iulius Abdes Pantera aus Sidon, der in der 1. Kohorte der Bogenschützen gedient hatte.Karl Rossel: Kretische Bogenschützen am Rhein. In: Periodische Blätter der Geschichts- und Alterthumsvereine zu Kassel, Wiesbaden und Darmstadt 11 (1859), S. 309–311, bes. S. 310f (Digitalisat des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde e. V. Kassel 1834). = Datensatz HD075608 bei der Epigraphischen Datenbank römischer Inschriften (EDH). mini|Befundplan der Ausgrabungen am spätrömischen Kastell in Kreuznach, 1858–1866 Nachdem bereits einige archäologische Funde in diesem Areal gemacht worden waren, bei deren Auffindung seit 1858 teilweise auch Schmidt zugegen gewesen war, wurde er 1865 vom Antiquarisch-historischen Verein mit systematischen Ausgrabungen im Bereich der sogenannten Heidenmauer – den Resten eines Römerkastells – in Kreuznach beauftragt, deren Ergebnisse er anschließend ausführlich veröffentlichte.Die Inschriften wurden aufgenommen von Wilhelm Brambach (Hrsg.), Friedrich Ritschl: Corpus inscriptionum Rhenanarum. Rudolph Ludwig Friderichs, Elberfeld 1867, Nr. 727–730, S. 153 (Google-Books)., , und = Datensätze HD076265, HD076275, HD076276 und HD076277 der Epigraphischen Datenbank römischer Inschriften (EDH). Einige der 1864 an der Heidenmauer gemachten und von Schmidt veröffentlichten Funde (u. a. ein Handmühlstein, eine Münze und ein Stück Wandbekleidung) gelangten 1878 als Geschenk des Kaufmanns Franz Hermann Wolff aus Köln in das Museum für Völkerkunde zu Leipzig.Bericht des Museums für Völkerkunde in Leipzig 6 (1878), S. 19 (Digitalisat im Internet Archive).

Schmidtsche Münzsammlung in der Friedrich-Schiller-Universität Jena Schmidt war auch außerordentliches Mitglied des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande in Bonn. Nach dem Tod seines Bruders erbte er dessen umfangreiche Münzsammlung und vereinigte sie mit seinen eigenen Beständen. Ernst Schmidt beschrieb Münzbilder und Münzlegenden der ursprünglich 4346 Münzen umfassenden Sammlung in einem Katalog, der postum vom Weimarer Gymnasiallehrer Otto Knott (* 1858; † nach 1936)Aus Fischbach, besuchte das Karl-Friedrichs-Gymnasium zu Eisenach, 1878 Abitur, studierte in Jena klassische Philologie, 1883 mit „De fide et fontibus Polyaeni“ promoviert (Google-Books), seit 1883 Hauslehrer im Holsteinischen, seit 1885 am Gymnasium Weimar, erhielt 1903 den Professorentitel; Adolf Neitzert: Bemerkungen zur lateinischen Grammatik und zum grammatischen Unterricht im Lateinischen. In: Ludwig Weniger (Hrsg.): Jahresbericht über das Wilhelm-Ernst-Gymnasium in Weimar von Ostern 1878 bis Ostern 1879. Hof-Buchdruckerei, Weimar 1886, S. 3–18, bes. S. 18 (Google-Books); Staatshandbuch für das Grossherzogtum Sachsen. H. Böhlau Nachf., Weimar 1913, S. 100; Einwohnerbuch der Stadt Weimar. Dietsch & Brückner, Weimar 1936, S. 48. herausgegeben wurde. Die Brüder Schmidt hinterließen ihre Sammlung 1878 dem Wilhelm-Ernst-Gymnasium, das sie beide absolviert hatten.Hermann Rassow: Jahresbericht über das Wilhelm-Ernst-Gymnasium in Weimar von Ostern 1878 bis Ostern 1879. Hof-Buchdruckerei, Weimar 1879, S. 22 (Google-Books). Heute bildet die noch 4313 antike Münzen zählende Sammlung als Dauerleihgabe der Klassik Stiftung Weimar den bedeutendsten Teil des Akademischen Münzkabinetts der Universität Jena.Ariane Lorke: Schätze der Universität. Die wissenschaftlichen Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. IKS, Jena 2009, S. 106 und 117.

Schriften Herausgeber von nachgelassenen Werken seines Bruders