mini|310px|Lage der Stadt Vinkovci in der Gespanschaft Vukovar-Syrmien mini|hochkant=1.7|Stadtansichten
Vinkovci [] (ungarisch Vinkovce, lateinisch Cibalae, deutsch Winkowitz) ist eine Stadt im Osten Kroatiens (35.312 Einwohner, 2011) unweit der Grenze zu Serbien. Die Kroaten stellen mit 92,35 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Unter den Minderheiten stellen Serben die größte Gruppe (7 Prozent) dar.
Vinkovci ist Kreisstadt und liegt in der Gespanschaft (Županija) Vukovar-Syrmien in einem uralten Siedlungsgebiet. Das Stadtbild wird durch barocke Architektur geprägt. Vinkovci ist ein wichtiger Verkehrs- und vor allem Eisenbahnknotenpunkt, dessen Rangierbahnhof jedoch bereits stillgelegt ist. Die Stadt wird auch das „Tor Kroatiens“ genannt.
Geographie Vinkovci liegt ca. 16 km Luftlinie südwestlich von Vukovar, an beiden Ufern des Flusses Bosut, im östlichen Teil der slawonischen Ebene und ist ca. 34 km nördlich von Bosnien und Herzegowina entfernt.
Geschichte Frühgeschichte Vinkovci war schon in neolithischer Zeit (vor 7000 Jahren) besiedelt. Während der Bronzezeit konnte sich eine eigenständige Kultur entwickeln, die sog. Sopot-Kultur.Nummer des Denkmalschutzregisters: Z-4914. Später siedelten hier vor allem illyrische Stämme, die dann von Kelten verdrängt wurden.
Antike Nach der Eroberung Pannoniens durch die Römer entstand hier die römische Siedlung Cibalae, die wohl seit der Zeit Hadrians ein Municipium und seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. die Colonia Aurelia Cibalae war. Die Stadt, die durch eine sie umgebende Mauer geschützt wurde und sich über eine Fläche von etwa 860 × 650 m erstreckte, war auch ein wichtiger Straßenknotenpunkt. Konstantin der Große errang in der Schlacht bei Cibalae am 8. Oktober 316 einen Sieg über Licinius. Im 4. Jahrhundert brachte die Stadt zwei römische Kaiser hervor: Valentinian I. und Valens. Ein wichtiger archäologischer Fund ist der im Jahr 2012 geborgene spätantike Schatz von Vinkovci.Hrvoje Vulić, Damir Doračić, Richard Hobbs, Janet Lang: The Vinkovci treasure of Late Roman silver plate: preliminary report. In: Journal of Roman Archaeology. Band 30, 2017, S. 127–150. Šime Vrkić, Goran Skelac: Vinkovačko blago: rezultati preliminarne analize kasnoantičke ostave srebrnih predmeta / Der Vinkovci-Schatz: Ergebnisse der vorläufigen Analyse eines Schatzes an Silbergegenständen aus der Spätantike. In: Vjesnik Arheološkog Muzeja u Zagrebu. Band 49, 2016, S. 145–218 (Digitalisat) Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging auch Cibalae unter. 378 zerstörten die Westgoten die Stadt. Weitere Zerstörungen richteten die Hunnen, Gepiden, Ostgoten sowie Awaren an.
Der historische Stadtkern des heutigen Ortes liegt innerhalb der Mauer der römischen Siedlung von Colonia Aurelia Cibalae.Ivana Iskra-Janošić: Colonia Aurelia Cibalae. Entwicklung der Stadt. In: The autonomous towns of Noricum and Pannonia. Narodni Muzej Slovenije, Ljubljana 2004, S. 169–195 . Seit dem dritten Jahrhundert war die Stadt der Sitz einer frühchristlichen Diözese. Die zwei örtlichen Heiligen, Eusebius von Cibalae und Pollio von Cibalae, gehören in dieser Periode.
Mittelalter Um 800 ließen sich um die Ruinen der Stadt die slawischen Kroaten nieder. Sie gründeten das Dorf Sv. Ilija neben den Ruinen Cibalaes, das seit dem 11. Jahrhundert in ungarischen Chroniken erwähnt wird. Nach der Zerstörung durch den Mongolensturm von 1242 wurde das Dorf erstmals unter dem kroatischen Namen Vinko bzw. Vinkovci erwähnt. 1527 wurde die Siedlung von den Osmanen erobert und zerstört.
Frühneuzeit Nach der Vertreibung der Osmanen 1699 durch die Habsburger wurden die Bewohner der umliegenden Dörfer nach Vinkovci umgesiedelt. Dadurch entwickelte sich das Dorf wieder zu einer Stadt. In der Zeit der Habsburgermonarchie wurden in der Stadt und ihrem Umland verschiedene Bevölkerungsgruppen angesiedelt, aber vor allem Kroaten. Die verkehrsgünstige Lage kam der Entwicklung der Stadt auch in der österreichisch-ungarischen Monarchie zugute.
Während der Habsburgermonarchie ist die Stadt zum Militärzentrum geworden und hat ihre barocke Erscheinung bekommen.
Neuzeit In den turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts wechselte die Stadt mehrmals den Herrn. Die letzten und größten Zerstörungen erlitt sie während des kroatischen Heimatkrieges 1990/91, als Vinkovci zentraler Kriegsschauplatz wurde und von der jugoslawischen Armee bombardiert wurde. Dabei wurde mehr als die Hälfte der Stadt zerstört, viele Menschen mussten fliehen.
Politik Kommunalwahlen Bei der Kommunalwahl vom 16. Mai 2021 waren 29.197 Bürgerinnen und Bürger in Vinkovci wahlberechtigt und aufgefordert den neuen Gemeinderat sowie den neuen Bürgermeister zu wählen, wovon 13.064 Menschen ihr Wahlrecht nutzten. Dabei gab es insgesamt 12.591 (96,46 %) gültige und 462 (3,54 %) ungültige Stimmen. Bei einer Wahlbeteiligung von 44,74 % kam es zu folgendem Ergebnis:Stadt Vinkovci, Gemeinderatswahl 2021, Endergebnis, abgerufen am 26. September 2023 Parteien und Wählergemeinschaften %2021 Stimmen2021 Sitze2021HDZ / HSU / HSPHrvatska demokratska zajednica / Hrvatska stranka umirovljenika / Hrvatska stranka prava49,0616512DPDomovinski pokret 15,519573MOST / HS / ŽZMost nezavisnih lista / Hrvatski suverenisti / Živi zid 14,217983SDPSocijaldemokratska partija Hrvatske 10,613302 KANDIDACIJSKA LISTA GRUPE BIRAČAKandidacijska lista grupe birača 5,26571 HSS / HSLS / HNS / ZELENA LISTA Hrvatske stranke prava dr. Ante StarčevićHrvatska seljačka stranka / Hrvatska socijalno-liberalna stranka / Hrvatska narodna stranka – Liberalni demokrati / Zelena lista3,54460 HSP AS Hrvatske stranke prava dr. Ante Starčević1,92380Gesamt1001259121Wahlbeteiligung44,7 %
Bürgermeister Bei der Wahl des Bürgermeisters im Mai 2021 waren die Einwohner in der Stadt Vinkovci aufgerufen, ein neues Oberhaupt zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,78 % und der amtierende Stadtchef Ivan Bosančić wurde für seine zweite Amtszeit mit 7.710 Stimmen (59,0 %) bestätigt.Stadt Vinkovci, Bürgermeisterwahl 2021, Endergebnis, abgerufen am 26. September 2023
Wappen Das Stadtwappen ist das historische Wappen der Stadt Vinkovci aus dem Jahr 1923. Das Wappen ist durch silberne Streifen in drei Teile geteilt, einer horizontal und der andere vertikal. Das erste rechte Feld ist goldfarben und mit drei Weinreben verziert. Das linke Feld ist rot und zeigt drei Weizenstiele. Auf dem dritten unteren Feld befindet sich ein Steintisch in Weiß, und über dem Tisch schweben drei Störche. Über dem gesamten Wappen befindet sich eine goldfarbene Krone als Mauerwerk. Städtepartnerschaften Vinkovci unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Ohrid, in der Region Südwesten (Nordmazedonien) in Nordmazedonien Camponogara, in der Region Venetien in Italien Kenzingen, im Landkreis Emmendingen in Baden-Württemberg, Deutschland Široki Brijeg, im Kanton West-Herzegowina in Bosnien und Herzegowina
Bevölkerung Laut Volkszählung im Jahre 2011 lebten in Vinkovci:2. POPULATION BY ETHNICITY, BY TOWNS/MUNICIPALITIES, 2011 CENSUS, dzs.hr, abgerufen am 18. August 2019. 92,35 % Kroaten 4,87 % Serben 0,46 % Magyaren 2,32 % andere BevölkerungsentwicklungBevölkerungsentwicklung 1857 bis 2001dzs.hr 1857 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1931 1948 1953 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2021 4493 5773 7315 8123 9832 11670 12640 16038 18633 20834 25313 31605 35944 38580 35912 35312 30394 Bei der Volkszählung der ungarischen Behörden im Jahr 1910 waren von insgesamt 9220 Einwohnern 3698 Kroaten, 3160 Deutsche, 1391 Ungarn, 802 Serben und 169 andere Nationalitäten. Nach Konfessionszugehörigkeit waren 7.151 Personen römisch-katholisch, 776 reformiert und 823 griechisch-orthodox.Volkszählung von 1910 - Vinkovci (Vinkovzce) Seite 472 und 473
Laut der Volkszählung im Jahr 2001 waren von 35.912 Einwohnern 31.962 Kroaten (89 %), 2514 Serben (7 %), 215 Ungarn (0,6 %), 108 Roma (0,3 %) und 72 Ruthenen (0,2 %).
Die Stadt Vinkovci hat sich in den letzten einhundert Jahren bis 2011 verdreifacht. Mittlerweile ist auch hier ein deutlicher Bevölkerungsrückgang, wie in ganz Kroatien, deutlich zu erkennen.
Sehenswürdigkeiten Die katholische Kirche der zwei Heiligen Eusebius und Polion wurde 1777 im Barockstil als einschiffiger Bau mit polygonaler Apsis und einem Glockenturm erbaut. Die Hauptfassade ist vertikal durch Doppelpilaster in drei Felder unterteilt, zwischen denen sich in der Bodenzone zwei halbkreisförmige Nischen befinden, in denen die Skulpturen des Heiligen Nikolaus untergebracht sind. In der Mitte befindet sich der rechteckige Haupteingang und neben der Ostfassade befindet sich eine Bodensakristei. Der Innenraum wurde im Stil eines Baldachingewölbes erbaut.Denkmalregisternummer: Z-1174. Das Pfarrhaus, gleich neben der katholischen Kirche, wurde zwischen 1777 und 1780 erbaut. Das Erdgeschoss hat einen Grundrisssockel in Form eines langgestreckten Rechtecks. Die Hauptfassade besteht aus einem Mittelteil mit einem Portal und der Eingang ist mit einer hölzernen, profilierten Tür versehen. Der Mittelteil endet mit einem halbkreisförmigen Tympanon und die Wandscheibe ist durch Pilaster in Felder unterteilt, in denen die Fenster u-förmig geformt sind. Das Dach ist doppelwandig mit Pyramidenstumpf.Denkmalregisternummer: Z-4427. Das Gebäude der Kunstgalerie wurde als freistehendes Gebäude Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts mit rechteckigem Grundriss errichtet. Während der Militärgrenze diente es als Sitz der damaligen Offiziere. Die Räume im Erdgeschoss sind gewölbt und unter dem Gebäude befindet sich ein Keller.Denkmalregisternummer: Z-1173.
Die ehemalige gotische Kirche des Heiligen Elias wurde bereits im 11. Jahrhundert errichtet. Erweiterungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind bis heute erhalten geblieben. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche entsakralisiert und in ein Militärgebäude umgewandelt. 1885 ging das Gebäude in Privatbesitz über und grundlegend rekonstruiert. Im Jahr 1965 wurden archäologische Ausgrabungen durchgeführt, die die nördliche frühromanische Phase der Kirche freilegten. Heute dient sie gelegentlich zu Museums- und Galeriezwecken.Denkmalregisternummer: Z-1175. Der Wohnsitz ehemaliger Kommandanten und Offiziere am Ban-Josip-Šokčević-Platz wurde im nördlichen Anbau des späteren Gerichtsgebäudes vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Das Gebäude hat einen unregelmäßigen rechteckigen Grundriss mit einer symmetrischen Straßenfassade und einem glatten Fassadenabschluss. Das Dach des Gebäudes ist komplex und mit Pfefferziegeln gedeckt.Denkmalregisternummer: Z-4190. Ebenfalls am Ban-Josip-Šokčević-Platz befindet sich das heutige Stadtmuseum im Zentrum von Vinkovci, an der Ecke zum zentralen Stadtpark. Es wurde im Jahr 1775 als Verwaltungsgebäude für das Militär erbaut. Das Gebäude wurde einstöckig, mit rechteckigem Grundriss aus Ziegeln errichtet, das mit einem hohen vierstöckigen Dach und Pfefferziegeln bedeckt wurde.Denkmalregisternummer: Z-1172.
Sport- und Kulturvereine Die Stadt hat kulturell und sportlich sehr viel zu bieten. Im kroatischen Vereinsregister „Registar udruga Republike Hrvatske“ sind 324 aktive Vereine mit Sitz in Vinkovci registriert. 23 Vereine wurden mittlerweile aufgelöst (Stand: IX/2023):Vereinsregister in Kroatien
In der Stadt findet neben der Comicstrip-Ausstellung noch jährlich ein Volksfest statt. „Vinkovačke jeseni“ ist ein Herbstfest, auf dem die Kultur und Gebräuche Kroatiens ausgestellt sind.
Jedes Jahr im Mai findet das Symposium „Schauspieler Festspiel“ statt.
Der Fußballverein HNK Cibalia Vinkovci spielt in der zweithöchsten Fußball-Spielklasse in Kroatien in der 1. kroatischen Fußballliga. Der Verein wurde im Jahr 1919 gegründet und hieß nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1992 „NK Dinamo Vinkovci“. Der größte Vereinserfolg gelang 1999 mit dem Erreichen des Endspiels im kroatischen Pokalfinale.
Bildung mini|310px|Ivan Goran Kovačić Grundschule mini|310px|Josip Kozarac Grundschule