Jochen Brandi (* 1. Mai 1933 in Göttingen;Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten: vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 230 f. univerlag.uni-goettingen.de. † 24. November 2005 in Agadir, Marokko)Geburts- und Sterbedaten (mit allerdings falschem Sterbeort) nach: Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. Digitalisat auf stadtarchiv-goettingen.de (PDF; 2,9 MB), abgerufen am 16. Oktober 2025. - Ohne Seitenzählung, PDF-Seite 124. war ein deutscher Architekt und Stadtplaner in Göttingen.
Leben und Wirken Jochen Brandi ist der Sohn des Architekten Diez BrandiZum Vater-Verhältnis siehe Brandi. In: Bauwelt, Jg. 75 (1984), Heft 15 vom 20. April 1984, S. 658. (Mit autobiographischen Angaben. Der Sohn schreibt hier vor allem über sein Verhältnis zum damals im Sterben liegenden Vater Diez Brandi in einer Bauwelt-Serie über Architekten-„Väter und Söhne“, S. 656 ff.) und von Antje Brandi, geb. HomfeldtThomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 230. sowie der Enkel des Historikers Karl Brandi.
Nach dem Abitur absolvierte Jochen Brandi eine Maurerlehre und unternahm ein Studienreise in die USA und nach Mexiko. Dann studierte er Architektur an der TU München sowie an der TU Braunschweig bei Friedrich Wilhelm KrämerBrandi. In: Bauwelt, Jg. 75 (1984), Heft 15 vom 20. April 1984, S. 656 ff, hier S. 658. und legte 1957Christoph Gunßer: Human und urban. Architekt Jochen Brandi gestorben. In: Baumeister, Jg. 103, 2006, Heft 1, S. 4. sein Diplom bei Egon Eiermann an der Universität Karlsruhe ab.Sebastian Redecke: Jochen Brandi (1933–2005). In: Bauwelt, Heft 48/2005 (= Stadtbauwelt 168), S. 3. (Digitalisat auf bauwelt.de, abgerufen am 9. Oktober 2025)Susanne Arndt, Karl Arndt: Jochen Brandi. Eine Architektin und ein Kunsthistoriker erinnern sich im Gespräch an den Göttinger Architekten. In: Göttinger Stadtgespräche. (…), Hrsg. Christiane Freudenstein. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-30095-4 (Digitalisat, abgerufen am 21. März 2021), S. 252–258, hier S. 258. Danach arbeitete Brandi ab 1959 zunächst als „Sozius“ im Architekturbüro seines Vaters Diez Brandi in Göttingen. In einem von ihm selbst später beschriebenen „aufbrechenden Generationskonflikt“ endete die Zusammenarbeit vier Jahre später und Jochen Brandi richtete 1963 sein erstes eigenen Büro ein, zunächst in einer ausgedienten Garage. Das Büro etablierte sich, zog in den Ritterplan 5 in die Göttinger Altstadt, wurde größer und firmierte bald als „Brandi + Partner“. Partner waren später u. a. Armin Sgodda und Matthias Rüger (1991–1994).
„Von ganzem Herzen Göttinger“ war Jochen Brandi mit Schwerpunkt in Göttingen und Südniedersachsen tätig. Er verantwortete die Planung von stadtbildprägenden Neubauten wie dem Parkfriedhof Junkerberg in Göttingen-Weende und dem EAM-Verwaltungshochhaus an der Kasseler Landstraße in Göttingen-Grone.
Nachdem der Architekt noch um 1970 die gestalterisch stark kontrastierende Filiale der Deutschen Bank mit bronzeeloxierten Metallfassaden in die Göttinger Altstadt neben das Alte Rathaus entworfen und ausgeführt hatte,Deutsche Bank AG Filiale Göttingen. In: Städte Forum, Städtebau Architektur Wirtschaft, 12. Jg., Heft 1/1971 (Sonderheft ‚Göttingen‘), Verlag Edgar Hartmann, Osterode/Harz 1971, S. 80 f. faszinierten Brandi später die entwerferischen Auseinandersetzungen mit historischen Bauten immer mehr. Er nahm dies auch zum Anlass für eine Veröffentlichung zur eigenen denkmalpflegerischen Positionsbestimmung mit dem Titel „Phantasie in der Nutzung“.Jochen Brandi: Phantasie in der Nutzung – Denkmalpflege und Denkmalschutz. In: Von Laves bis heute. Über staatliche Baukultur. Hrsg. Stiftung Niedersachsen, Redaktion Anna Teut, Braunschweig 1988, ISBN 3-528-08736-6, S. 251–255. Brandi selbst führte sein Verständnis von Geschichtlichkeit auf den Einfluss seines Großvaters, des Historikers Karl Brandi, zurück. Schon in den 1980er Jahren war Brandi die Rettung der denkmalgeschützten Lokhalle, einer riesigen Industriehalle hinter dem Göttinger Hauptbahnhof, mit zu verdanken.Susanne Arndt, Karl Arndt: Jochen Brandi. Eine Architektin und ein Kunsthistoriker erinnern sich im Gespräch an den Göttinger Architekten. In: Göttinger Stadtgespräche. (…), Hrsg. Christiane Freudenstein. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-30095-4 (Digitalisat, abgerufen am 21. März 2021), S. 252–258, hier S. 252 f.Vgl. auch Karl Burmeister, Matthias Heinzel: Die Göttinger Lokhalle im Otto-Hahn-Zentrum. Von der Industrie-Ruine zur vielfältig nutzbaren Mehrzweckhalle. Mit Geschichte der Bahn und des Ausbesserungswerkes von 1854 bis 1976. Göttinger Tageblatt Buchverlag, Göttingen 2001, ISBN 3-924781-38-9, S. 90 ff., S. 102 ff. Die Stadt ehrte seine engagierte Initiative 2010 posthum mit der Benennung des rückwärtigen Bahnhofs-Vorplatzes nach seinem Namen.Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. Digitalisat auf stadtarchiv-goettingen.de (PDF; 2,9 MB), abgerufen am 16. Oktober 2025. - Ohne Seitenzählung, PDF-Seite 124 (Kapitel „Jochen-Brandi-Platz“) Jochen Brandi stellte seinen Umgang mit historischer Bausubstanz erstmals in großem Umfang beim Umbau des Deutschen Theaters Göttingen (1981–1984) unter Beweis.Alt und neu verbinden. Baukonzept und Realisierung. In: Deutsches Theater in Göttingen. Ein Haus für die Zukunft. Ein Theaterbuch. Zusammengestellt von Hans-Christian Winters und Norbert Baensch. Hrsg. Deutsches Theater Göttingen, Göttinger Tageblatt und Vereins- und Westbank Göttingen. Göttingen 1984, S. 19–28. Insbesondere das neben den Neurenaissance-Altbau gesetzte Glasfoyer als neuer Haupteingang wurde stadtbildprägend und ist vielfach publiziert worden.Deutsches Theater in Göttingen, Umbau und Erweiterung. In: Baumeister, Heft April 1982, S. 352–354. – Eva Ruthenfranz, Gerd von Bassewitz: Ein Theater wird zur Augenweide. In: Art – Das Kunstmagazin, Nr. 12/Dezember 1984, S. 56–58. – Foyer aus Stahl und Glas, Deutsches Theater Göttingen. In: Detail, Heft 5/1985 (Sonderdruck), S. I–VI. Deutsches Theater Göttingen. In: Der Baumeister, Heft 4/1985, S. 46–51. Brandi scheute bei diesen und anderen Altbau-Projekten vor starken Eingriffen in Substanz und Erscheinungsbild von Baudenkmälern durchaus nicht zurück. Eines seiner letzten Projekte solcher entwerferischen Interventionen in Altbauten und Altstädte war der 2002–2004 realisierte Glasanbau am mittelalterlichen Westerturm, einem Wahrzeichen von Duderstadt.Nils Ballhausen: Der Westerturm in Duderstadt, Erschließung eines Wahrzeichens. In: Bauwelt, Heft 42/2004, S. 24–27; bauwelt.de (PDF; 1,1 MB) abgerufen am 20. Februar 2022.
Schon früh war Jochen Brandi auch außerhalb von Göttingen tätig, wo er wichtige Bauten und Entwurfs-Impulse hinterließ. So bezeichnete Sebastian Redecke in einem Brandi-Nachruf ein Berliner Projekt sogar als dessen „wohl wichtigsten Bau“: Er meinte ein 1976 fertiggestelltes Terrassenhaus mit 15 Wohnungen am Schleswiger Ufer im Berliner Hansaviertel, das den architektonischen Gedanken seines Lehrers Eiermann folge. Das zusammen mit Wilfried Bete entwickelte Stahlskelett-Gebäude mit dem System „baukasten“ war der erste große Erfolg des Büros Brandi + Partner und ging aus dem 1967 gewonnenen 1. Preis im internationalen Wettbewerb der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) hervor. Es wurde von der Stahlindustrie unterstützt, von ihr 1976 in einer dreisprachigen Broschüre mit einer Auflage von 20.000 Stück veröffentlicht und errang 1977 den Europäischen Stahlbaupreis. Brandi unterhielt seit 1973 ein Zweigbüro in Berlin, hatte für dieses ambitionierte Projekt eigens eine „Brandi Entwicklungsgesellschaft Berlin“Planungsbüro Brandi: Jochen Brandi und Partner, 1976, S. 1. gegründet und wohnte und arbeitete sogar zeitweise in seiner „Versuchsstation“, wie die Publikationsbilder zeigen. mini|hochkant|Grabplatte Jochen Brandi auf dem Stadtfriedhof Göttingen Außerdem war Brandi vor allem in seinen späten Jahren als Planer weltweit unterwegs. Dabei reizten ihn auch Projekte mit einer städtebaulichen oder politischen Dimension. Er gewann 1997 den 3. Preis beim internationalen Wettbewerb für das Gorée-Mahnmal in Dakar (Senegal), das an den Sklavenhandel erinnert. 1999 gewann er den 1. Preis beim „Pier 40“- Wettbewerb in New York (USA). Ebenfalls ein Wettbewerbsgewinn war die seit 2001 entwickelte Planung für die städtebauliche Neugestaltung der Bucht von Izmir (Türkei). 2004 erhielt er den 1. Preis für das Zentrum von Moskau-Balashikha (Russland).
Zeitgenössische Stimmen vermitteln, dass ein Teil des beruflichen Erfolgs von Jochen Brandi auch auf seiner kommunikativen und charismatischen Persönlichkeit beruhteSusanne Arndt, Karl Arndt: Jochen Brandi. Eine Architektin und ein Kunsthistoriker erinnern sich im Gespräch an den Göttinger Architekten. In: Christiane Freudenstein (Hrsg.): Göttinger Stadtgespräche. (…). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-30095-4, S. 252–258; books.google.de: „Und wenn der Charmeur wortgewandt eines seiner Werke erläuterte, war man schnell in den Bann gezogen“ (Monika Zimmermann).
Schriften
Planungsbüro Brandi: Jochen Brandi und Partner. Hrsg. Beratungsstelle für Stahlverwendung Düsseldorf. Göttingen 1976 (= Stahl und Form, Heft 5). Brandi. In: Bauwelt, 20. April 1984, Jg. 75, Heft 15, S. 658. (Mit autobiographischen Angaben. Der Sohn schreibt hier vor allem über sein Verhältnis zum damals im Sterben liegenden Vater Diez Brandi in einer Bauwelt-Serie über Architekten-„Väter und Söhne“, S. 656 ff.) Alt und neu verbinden. Baukonzept und Realisierung. In: Deutsches Theater in Göttingen. Ein Haus für die Zukunft. Ein Theaterbuch. Zusammengestellt von Hans-Christian Winters und Norbert Baensch. Hrsg. Deutsches Theater Göttingen, Göttinger Tageblatt und Vereins- und Westbank Göttingen. Göttingen 1984, S. 19–28. Qualität des Lebens in der »Provinz«. In: Göttinger Pofil. Hrsg.: Der Oberstadtdirektor der Stadt Göttingen, Redaktion Detlef Joannson, Presseamt. Göttingen ohne Jahr [ca. 1985], ohne Paginierung. (Zweiseitiger Aufsatz zu Perspektiven der Göttinger Stadtplanung.) Umnutzungen. Alte überdachte Räume neu „überdacht“. In: Daidalos, Nr. 21, 15. September 1986, S. 67–77. Phantasie in der Nutzung – Denkmalpflege und Denkmalschutz. In: Von Laves bis heute. Über staatliche Baukultur. Hrsg. Stiftung Niedersachsen, Redaktion Anna Teut, Braunschweig 1988, ISBN 3-528-08736-6, S. 251–255. Möglichkeiten stadträumlicher Zugriffe am Waterlooplatz. In: Visionen für Hannover, von Laves bis morgen. Hrsg. Architektenkammer Niedersachsen. Hannover 1989, ISBN 3-9801409-6-2, S. 77–78. (Mit Foto des entwerfenden Brandi.) Mutters Garten. Ein Rundgang durch den Garten von Antje Brandi nachgezeichnet von ihren Söhnen. Hrsg. Jochen Brandi u. a., Selbstverlag o. O. (Göttingen) 1989, 2. Auflage 1994.
Werkliste (Auswahl) Das im Folgenden aufgelistete, architektonische Werk von Jochen Brandi ist bisher nicht monographisch erforscht und daher eine vorläufige Übersicht im weiteren Aufbau.
1955–1957: Herman-Nohl-Schule in Göttingen, Immanuel-Kant-Straße 44b, zusammen mit Diez BrandiAndrea Mesecke: Brandi, Diez. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online. K. G. Saur-Verlag, Berlin / Boston 2009. Biografie zu Jochen Brandis Vater, mit Erwähnungen des Sohns. 1960: Zweiter Preis im Architektenwettbewerb zum Neubau eines Jugendzentrums in Göttingen, Godehardstraße