Der Eisbach, in der Region auch die Eis und am Unterlauf Altbach genannt, ist ein 38 km langer Bach in der nordöstlichen Pfalz und im Südosten von Rheinhessen (beide in Rheinland-Pfalz). Er entspringt bei Ramsen im nördlichen Pfälzerwald und fließt nach Osten zum Rhein, in den er bei Worms als linker Nebenfluss mündet. Benachbarte Gewässer sind der Eckbach und die Pfrimm, die südlich bzw. nördlich des Eisbachs zum Rhein fließen.
Name Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Eis in einer Urkunde des Lorscher Codex aus dem Jahre 766, wo sie Isina heißt. Der Name Eis wird von der Namenforschung nicht etwa von dem gleichlautenden Wort für gefrorenes Wasser hergeleitet, sondern entweder mit dem Eisenerz in Verbindung gebracht, das früher in der Region abgebaut wurde, oder auf die germanische Wurzel īs ‚sich heftig bewegen, eilen, schnell fließen‘ zurückgeführt. Die Deutung als „Eisenbach“ stammt von Ernst Christmann und wird durch den früheren Namen Isenberg des Hauptortes Eisenberg gestützt. Diese Deutung wird aber von anderen Forschern angezweifelt oder entschieden abgelehnt, weil sie auf einer falschen Wiedergabe des Wortes „Isena“ im Lorscher Codex, Nr. 820, „Isenade“ beruhe.Christmann benutzte die hier fehlerhafte Edition der Urkunde Codex Laureshamensis, Nr. 820, durch Heinrich Boos: Urkundenbuch der Stadt Worms, Band 1, Berlin 1886, S. 4, Nr. 7. Die Ausgabe von Karl Glöckner: Codex Laureshamensis, Band 2, Teil 1, Darmstadt 1933, S. 244 literature.at bringt die korrekte Schreibung. Vgl. Hans Ramge: Die Siedlungs- und Flurnamen des Stadt- und Landkreises Worms, Giessen 1979 (S. 312 f.), der die Deutung Christmanns für „nicht unanfechtbar“ (S. 313) hält, und Henning Kaufmann: Der Eisbach (die Eis) und der Siedlungsname Eisenberg, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, Band 73, 1976, S. 175–177, der sie als unhaltbar ablehnt. Hans Ramge und Henning Kaufmann halten die Herkunft des Namens von der Wurzel īs für möglichRamge, S. 313. bzw. für gegeben.Kaufmann, S. 175 f.
Dass die ursprüngliche Eis heute den Namen Eisbach trägt, geht auf das Königreich Bayern zurück, zu dem die linksrheinische Pfalz ab 1816 gehörte. Als damals die bayerischen Beamten die Pfalz kartografisch erfassten, wollten sie in Unkenntnis der Namensentstehung deutlich machen, dass die Eis ein Bach sei, der im Winter vereisen könne. Trotzdem hat der alte Name in der Region bis heute überdauert, z. B. in der Bezeichnung „Mühlheim an der Eis“ für den Ortsteil der Gemeinde Obrigheim.
Geographie Verlauf Der stärkste von sieben Quellbächen des Eisbachs entspringt am Nordhang der Hohen Bühl () im nördlichen Pfälzerwald südwestlich der Gemeinde Ramsen auf einer Höhe von .Höhe und Lage der Eisbachquelle auf: , abgerufen am 7. Februar 2021. Nach 1,5 km fließt dem Gewässer von links der Hollerbach zu, der mit gut 2 km zwar etwas länger ist, aber weniger Wasser führt. Am Zusammenfluss beginnt der 6 Hektar große Stausee Eiswoog. Unterhalb von diesem nimmt der Eisbach beim Weiler Kleehof von rechts den 3,5 km langen Bockbach auf. Hier ändert sich die zunächst nördliche Fließrichtung nach Nordosten, die nun bis zur Mündung beibehalten wird. Anschließend passiert der Eisbach Ramsen sowie die Kleinstadt Eisenberg. Am unteren Ende von Ebertsheim mündet von rechts der 5 km lange Seltenbach und wenige Meter abwärts von links der stärkste Zufluss, der 10 km lange Rodenbach. Nach Passage des Weilers Quirnheim-Tal und der Gemeinde Mertesheim durchbricht der Eisbach beim Grünstadter Ortsteil Asselheim den Westrand des Oberrheingrabens und erreicht die Rheinebene. Zwischen Mertesheim und Asselheim gibt es auf beiden Seiten des Tals Felsformationen aus braunem Sandstein, dem sogenannten Kapuzinerstein, der bis ins 20. Jahrhundert hinein abgebaut wurde.
Bei der Durchquerung des Westteils der Ebene durchfließt der Eisbach zunächst die Ortsteile Albsheim, Mühlheim, Colgenstein, dann den Hauptort Obrigheim und schließlich den Weiler Neuoffstein. Dort nimmt er das bei der Zuckerrübenverarbeitung anfallende Wasser des Südzucker-Werks auf, pro Arbeitstag etwa 350 m³. Nach Querung der Grenze zu Rheinhessen folgt Offstein. Dann passiert der Eisbach die südwestlichen und südlichen Stadtteile der Nibelungenstadt Worms, nämlich Heppenheim, Wiesoppenheim, Horchheim und Weinsheim.
Am Ablass in Weinsheim zweigt vom Eisbach der Wormser Stadtbach ab. Dieser künstlich angelegte Nebenarm, der seit den 1930er Jahren vollständig in Rohren kanalisiert ist, unterquert die L 395 und läuft dann nördlich am Renolit-Werk vorbei, weiter durch das Gelände der ehemaligen Heyl’schen Lederfabrik an Kirschgartenweg und Speyerer Schlag und entlang der Eisbachstraße in die Wormser Innenstadt. Bis zum 19. Jahrhundert floss der Stadtbach weitgehend offen durch die Stadt: er wurde neben der Leonhardspforte durch die Stadtmauer geführt, dann floss er durch die Gerbergasse, hinter dem Neumarkt und der Münze (heute: Stadtbibliothek Worms) vorbei, unter der Dreifaltigkeitskirche hindurch, die Färbergasse und Zeughausgasse entlang und südlich am Stift St. Paulus vorbei, dann am Bettelvogtturm durch die Stadtmauer hindurch und von dort direkt vor der Mauer nach Norden, ohne in den unmittelbar dabei gelegenen Woog einzumünden. Stattdessen floss der Stadt-Eisbach weiter in nördlicher Richtung bis zur Bachspitze (dort heute die Nibelungen-Schule) und vereinigte sich mit dem Gießen, der am Neuturm in den Rhein mündete., SS. 42, 54–56, 70–74, 76–77, 84–89, 98–99., S. 97, 200 und Karte 20 im hinteren Einbandspiegel mit Legende auf S. 1025., S. 77–79. Der Stadtbach läuft seit dem Bau der städtischen Kanalisation 1885–1893 unterirdisch. Der Woog wurde 1842/43 verfüllt und der Gießen im Zuge des Hafenbaus 1890–1893 zugeschüttet.
Der Hauptlauf des Eisbachs wird ab Weinsheim „Altbach“ genannt. Auf Höhe der Landesstraße 523 (Worms–Bobenheim-Roxheim) zweigt vom Altbach nach links der neue Mariamünsterbach ab, der in den 1880er Jahren zwecks Verlegung des alten Maria-Münster-Bachs angelegt wurde. Der alte Maria-Münster-Bach war ein Seitenarm des Stadtbachs, zweigte in der Wormser Vorstadt bei der Michaelskirche von diesem ab und zog zum Maria-Münster-Kloster, wo er durch eine Wasserpforte der Stadtmauer lief und vor der Mauer weiter nach Norden zum Woog floss, in den er mündete.Reuter, Peter und Johann Hamman SS. 55, 58–59, 72–73, 86–89.
Nach der Abzweigung des Mariamünsterbachs durchfließt der Altbach südlich des Wormser Stadtzentrums die Gemarkung Bürgerweide, ehe er an der Südspitze des Floßhafens auf HöheHöhe und Lage der Eisbachmündung auf: , abgerufen am 7. Februar 2021. in den Oberrhein mündet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mündete der Altbach südlich von Worms in den Gießen.Boos: Geschichte der rheinischen Städtekultur. Band 3, S. 78.
Der Höhenunterschied von 195 m zwischen Quelle und Mündung bewirkt, bezogen auf die Gewässerlänge von 38,2 km, ein mittleres Sohlgefälle von 5,1 ‰.
Einzugsgebiet Das 130,18 km² große Einzugsgebiet des Eisbachs wird über den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es grenzt: im Süden an das des Rheinzuflusses Eckbach im Südwesten an das des Hochspeyerbachs, einem Nebenfluss des Speyerbachs, der in den Rhein mündet im Westen an das des Nahezuflusses Alsenz im Norden an das der Pfrimm, die ebenfalls in den Rhein mündet
Die höchste Erhebung ist die Hohe Bühl mit Höhe im Südwesten des Einzugsgebiets.
Zuflüsse Folgende Zuflüsse des Eisbachs sind mit Fließgewässerkennziffer erfasst:
Name Seite Länge[km] EZG[km²] Mündungauf kmMit km sind die Eisbach-Kilometer flussabwärts ab der Quelle gemeint. Mündungsort GKZ Hollerbach links 1,99 2,97 1,36 23918-12 Habersbach links 0,95 1,14 2,57 23918-132 Bockbach rechts 3,36 5,09 3,52 oberhalb Ramsens 23918-14 Abttalbach links 1,64 2,39 3,63 23918-16 Erbsbach (Bach am Lehrberg) links 0,79 0,83 4,24 23918-18 Ellenbach links 2,61 5,46 5,04 Ramsen 23918-2Rehbach rechts 1,32 1,23 6,00 Ramsen 23918-312 Diebskellerbach rechts 2,55 1,72 6,92 unmittelbar unterhalb Ramsens 23918-32 Mühlgraben links 0,39 0,10 12,68 Eisenberg(-Ost) 23918-392 Seltenbach rechts 5,41 15,83 14,48 unmittelbar unterhalb Ebertsheims 23918-4 Rodenbach links 8,84 42,84 14,55 unmittelbar unterhalb Ebertsheims 23918-6 Quirnheimer Bach links 2,34 2,37 14,81 unmittelbar unterhalb Ebertsheims 23918-72 Papiergraben links 0,42 0,14 16,17 Mertesheim 23918-7912 Kützelsborn links 0,86 1,37 18,70 Asselheim 23918-792 Krausmühlgraben links 0,92 0,40 19,72 unterhalb Asselheims 23918-7992 Reisbach links 2,51 12,04 25,51 Offstein 23918-8 Eisgraben rechts 0,29 0,15 30,08 Worms-Wiesoppenheim 23918-932
Geologie Die ältesten Spuren der Eis sind Ablagerungen roter Feinsande, die bei Monsheim gefunden wurden. Es handelt sich um verwitterten Buntsandstein der Haardt, der vermutlich im Mindel I-Glazial von einem langsam fließenden Gewässer, wahrscheinlich dem frühesten Vorläufer der Eis, abtransportiert und als Flussterrasse sedimentiert wurde. darin: S. 209 f. und 234. Die Eisbach-Terrassen sind geologisch bisher nicht umfassend untersucht worden. Die relative Abfolge der Terrassen ist weitgehend geklärt, aber ihre zeitliche Einordnung ist nur teilweise gesichert.
Die pleistozänen Terrassen des Eisbachs nach Garst darin S. 150–159, 163–165, 170–180. Beigefügt ist eine Karte der Terrassen von Pfrimm, Eis, Eckbach und Isenach. Terrassenstufe Niveau über Eis-Talsohle Zeitliche Zuordnung Vorkommen der Terrassenstufe Niederterrasse ca. 4–6 m Jungdiluvium Beginnt erst östlich von Heppenheim, östlich von Horchheim als breiter Schuttkegel bis in die Stadt Worms Jüngere Talwegterrasse ca. 10 m JungdiluviumFür die Pfrimm wurden die jüngeren Talweg-Terrassen der Würm-Eiszeit zugewiesen: , darin: S. 144. Beigefügt ist als Tafel 14 eine Karte der Pfrimmterrassen östlich von Wachenheim und der Eisterrassen östlich von Heppenheim. Bei Albsheim, Colgenstein-Heidesheim, Obrigheim, zwischen Heppenheim und Horchheim Ältere Talwegterrasse ca. 20 m Mitteldiluvium Bei Mühlheim, Albsheim und Colgenstein-Heidesheim auf der Ebene zwischen Heppenheim und Großniedesheim Jüngere Hochterrasse ca. 35–40 m Altdiluvium Bei Kerzenheim und Ebertsheim Ältere Hochterrasse ca. 50–60 m Altdiluvium Unterste Teile der Schotterterrassen bei Stauf, Hertlingshausen, Hettenleidelheim, Wattenheim und Tiefenthal, sowie bei Eisenberg Jüngere Hauptterrasse ca. 70 – 120 m Altdiluvium, bei Monsheim: Mindel I-Glazial Obere Teile der Schotterterrassen bei Stauf, Hertlingshausen, Hettenleidelheim, Wattenheim und Tiefenthal. Außerdem in verschiedenen Höhen bei Monsheim, Abenheim und Osthofen
Der Eisbach-Vorläufer der Hauptterrassen-Zeit floss noch in nordöstlicher Richtung. Die Hochterrassen sind bereits Talrandablagerungen, aber erst die Talwegterrassen stehen mit dem heutigen Lauf der Eis in enger Beziehung. In der Zeit der älteren Talwegterrasse floss der Bach ab Colgenstein-Heidesheim südlich seines heutigen Bettes direkt nach Osten.Garst, S. 165. Seit der jüngeren Talwegterrasse nimmt die Eis ungefähr ihren heutigen Verlauf. Zu Beginn des Holozäns haben sich die Abflussmengen des Eisbachs erheblich verringert.Scharpff, S. 80 f.
Umwelt Fließgewässertyp Aufgrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie wurden die Fließgewässer in Deutschland biozönotischen Fließgewässertypen zugeordnet. Der Oberlauf des Eisbachs ist bis zur Einmündung von Seltenbach und Rodenbach bei Ebertsheim ein feinmaterialreicher, silikatischer Mittelgebirgsbach (Fließgewässertyp 5.1). Unterhalb von Ebertsheim ist der Eisbach ein karbonatischer, fein- bis grobmaterialreicher Mittelgebirgsfluss (Fließgewässertyp 9.1).
Gewässergüte