Das Kleinkraftrad Simson S 50 ist ein vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ unter dem Markennamen Simson zwischen 1975 und 1980 hergestelltes Zweirad.
Das Fahrzeug darf in Deutschland trotz der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei und in allen Bundesländern bereits mit 15 Jahren gefahren werden (Führerscheinklasse AM).
Fahrzeuggeschichte Das S 50 war ein gänzlich neu konstruiertes Kleinkraftrad und löste die bisherigen Vogelserie-Modelle Star und Habicht ab. Einen Entwurf des S 50 mit dessen wesentlichen Merkmalen und Optik gab es bereits 1967, als Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph das „Offene Prinzip“ erdachten. Gemeint war damit ein Konzept, das Änderungen je nach Erkenntnis- und Entwicklungsstand ohne Aufgabe der Grundkonzeption ermöglichte.Im Blickpunkt: Formgestaltung im Kraftfahrzeugbau der DDR. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 314–315. Die offizielle Präsentation erfolgte auf der Leipziger Herbstmesse 1974. Die Serienfertigung begann jedoch erst im Februar 1975.Weiterentwicklungen aus Suhl. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1975, S. 267–268. Zielstellung war es, über die Funktion als Verkehrsmittel hinausgehend auch der zunehmenden Bedeutung von Kleinkrafträdern für Freizeitgestaltung und sportliche Aktivitäten gerecht zu werden.Neuentwicklung aus Suhl: MOKICK S 50. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1974, S. 267–270; 289. Dies schlug sich in der auf Motorradoptik orientierten Gestaltung nieder, und die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Lackierungen und alsbald drei verschiedenen Ausstattungsvarianten erfüllte individuelle Wünsche besser als die bisherigen, in nur einer Variante erhältlichen Typen. Neu waren auch Rahmen, Fahrwerk und Motor und entsprachen dem sportlicheren Charakter. Allerdings stellte die ausschließliche Ausstattung mit einem 3-Gang-Getriebe verglichen mit dem bisherigen Habicht einen Rückschritt dar. Anlässlich der Leipziger Frühjahrsmesse 1978 wurden S 50 N, S. 50 B1 und S 50 B2 mit der Auszeichnung Gutes Design bedacht.GUTES DESIGN DDR 1978. In: form+zweck, 10. Jahrgang, Heft 5/1978, , S. 2–3. Das S 50 zählte neben dem Multicar 25 zu den wenigen Kraftfahrzeugen der DDR, die das höchste Gütezeichen Q erlangten, es wurde im Dezember 1975 verliehen.30 Jahre SED – dem IX. Parteitag entgegen. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1976, S. 133–135.
Die Fahrzeuge wurden von der DDR auch in verschiedene, meist sozialistische oder Entwicklungsländer exportiert. In Westdeutschland wurde es hingegen nicht angeboten. Das S 50 war in der DDR steuerfrei und durfte ohne Kennzeichen benutzt werden. Es fiel lediglich ein Haftpflichtbeitrag von 8,50 DDR-Mark pro Jahr an. Auch wegen seines für damalige Verhältnisse sportlichen, modernen Aussehens war das S 50 besonders bei den Jugendlichen in der DDR beliebt und begehrt. Im Vergleich zur ebenfalls verbreiteten Jawa Mustang wies das S 50 eine Reihe von Vorzügen auf, weshalb der Import der Jawa-Kleinkrafträder nach Erscheinen des S 50 beendet wurde.
Im Frühjahr 1978 erhielt das S 50 einen neu geformten Tank, der aufgrund seiner Form im Volksmund Bananentank genannt wurde. Optisch sollte damit das „Loch“ zwischen Tank und Motor besser geschlossen und die Linie gestreckt werden. Bis Anfang 1978 gab es eine Anzahl weiterer Änderungen im Detail, unter anderem Verstärkungen am Fahrwerk und eine geänderte Telegabel zur Verbesserung ihrer Dichtheit.Mokick Simson S 50 Modell 1978. In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1978, S. 52–53. Im März 1979 wurden Blinker und Telegabel noch einmal etwas verändert. 1980 wurde das S 50 vom S 51 abgelöst. Insgesamt wurden 580 700 Stück vom Typ S 50 gebaut.
Das Konzept des S 50 wurde noch weit über dessen Bauzeit hinaus bis zur Werksschließung von Simson im Jahr 2002 angewendet, zuletzt in Gestalt des S 53.
Aufbauend auf dem Serien-S 50 gab es Ende der 1970er Jahre auch Versuche mit 100 cm³ und zwei Zylindern. Da man aber bereits MZ-Motorräder baute, wurden diese Entwicklungen nie in Serie gebaut.
Ausführungen mini|Simson S 50 B1 von 1978 mit neuer Tankform; Farbe rapsgelb, Zündspule unter dem Tank; hier mit Seitengepäckträgern als Zubehör Generell unterschied man zwischen den Varianten S 50 N, S 50 B, S 50 B1 und S 50 B2.
Das S 50 N lief ab Mitte 1975 vom Band. Es wurde ausschließlich in Blau und mit grauen Plaste-Hülsen an den hinteren Federbeinen angebotenKraftfahrzeuge auf der Leipziger Herbstmesse 1974. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1974, S. 318–321. und hatte eine schlichte elektrische Anlage (ohne Blinker, kein Zündschloss, nur innenliegende Zündspule). Ein Bleiakku fehlte beim S 50 N ebenfalls, es gab lediglich eine Halterung für vier Monozellen für die Hupe, da die Lichtmaschine nur Wechselstrom lieferte. Eine elektrische Besonderheit war zudem, dass beim S 50 N das Rücklicht und die Tachobeleuchtung über die Lichtspule für den Scheinwerfer in Parallelschaltung mitversorgt wurden, eine Drossel gab es demzufolge nicht. Deshalb konnten Rücklicht und Tachobeleuchtung bei diesem Typ recht schnell durchbrennen, etwa bei locker sitzender Bilux-Lampe im Scheinwerfer oder einem defekten Schleppkontakt im Abblendschalter. Die Soziusfußrasten wurden direkt an der Schwinge befestigt. Somit war das S 50 N etwas leichter. Es war als wenig Ansprüche an die Wartung stellendes Fahrzeug vor allem für den Einsatz in Gegenden mit geringem Verkehrsaufkommen (Land- und Forstwirtschaft) konzipiert.
Das S 50 B ging als erstes Modell im Februar 1975 in Serie. Es besaß unter anderem ein Zündschloss sowie eine 4-Leuchten-Blinkanlage, für deren Betrieb ein Bleiakku 6 V / 12 Ah und eine Ladeeinrichtung vorhanden waren. Im Januar 1976 wurde das B-Modell durch das Modell B1 ersetzt. Das S 50 B1 hatte, neben den Einrichtungen des S 50 B, ein Standlicht, eine Lichthupe, 25-W/25-W-Fahrlicht und eine außenliegende Zündspule. Der Lichtaustrittsdurchmesser des Scheinwerfers vergrößerte sich geringfügig von 130 auf 136 mm, vor allem aber verbesserte sich die Lichtausbeute durch geänderte Streuscheibe und Reflektor. Auf der Leipziger Herbstmesse 1976 wurde schließlich das S 50 B2 vorgestellt, das anstatt des verschleißanfälligen Unterbrechers eine innovative wartungsfreie Hochspannungskondensatorzündung, entwickelt vom VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt, und einen 6-V-35-/35-Watt-Scheinwerfer hatte. Die Jawa Babetta gab es bereits zuvor mit einer kontaktlosen Zündung, dabei handelte es sich aber um eine Transistorzündung. Äußerlich unterschied sich das Modell B2 vom Modell B1 lediglich durch grafische Details an den Seitendeckeln und dem rechten Motorgehäusedeckel mit dem Schriftzug „electronic“.Eine neue Variante des Mokick S 50: Simson S 50 B2 „electronic“. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1976, S. 269–270.
Die S 50-B-Typen hatten verchromte Federbeinhülsen am Hinterrad und wurden in den Farben schwefelgelb (damalige Bezeichnung: rapsgelb), kirschrot, saharabraun oder saftgrün ausgeliefert. Mit Ausnahme des Rapsgelbs wurden die S 50-Farben auch später an den S 51-Modellen verwendet.
Technik Rahmen und Fahrwerk mini|Simson-Versuchsfahrer, Dezember 1978
Zu den markantesten Neuerungen zählte die Verwendung einer (ungedämpften) Teleskopgabel mit 130 mm Federweg anstatt einer Schwinge am Vorderrad. Am Hinterrad blieb es bei der vom Habicht bekannten Schwingenkonstruktion mit hydraulisch gedämpften Federbeinen von 85 mm Federweg. Der neue, stets schwarz lackierte Rahmen unterstrich den Fokus auf gute Reparaturmöglichkeiten: Er gliederte sich in einen Haupt- und Hinterrahmen, die miteinander verschraubt waren, ebenso wie die Fußrastenträger und die Auspuffaufhängung. Nachdem bereits ab 1965 bei den Rahmen der bisherigen Vogelserie Erfahrungen mit Schweißautomaten in der Produktion gesammelt wurden, waren nun am S 50-Rahmen Lage und Form der anzuschweißenden Teile so gewählt, dass der Schweißprozess in der Produktion innerhalb von 1,5 min möglich war.30 Jahre Deutsche Demokratische Republik − 30 Jahre erfolgreiche Entwicklung des Automobilbaus in der DDR. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 298–302. Die vorn wie hinten identischen Laufräder wurden mitsamt der Bremstrommeln unverändert von den Vorgängertypen übernommen, sodass sich ein ausgesprochen hohes Maß an Standardisierung und somit auch Reparaturfreundlichkeit ergab. DDR-typisch wurde die Kette auch am S 50 nach MZ-Patent gekapselt. Die Betätigung der Hinterradbremse erfolgte anders als bisher mit Gestänge ohne Seilzug. Die Schutzbleche waren weniger voluminös als bei den Vorgängermodellen und stets silbergrau lackiert. Die Sitzhöhe konnte verglichen mit dem Habicht um 5 cm verringert werden, was eine sportlichere Fahrweise gestattete. Der neu geformte Tank fasste 9,5 l Kraftstoff, dieser wurde 1978 durch einen anders geformten Tank mit 8,7 l Fassungsvermögen ersetzt. Eine deutliche, sportliche Veränderung ergab sich durch den halbhohen, verstellbaren Rohrlenker und den leichtgängigen, funktionssicheren Wickelgasgriff, bei dem der Drehgriff direkt mit dem Seilzug verbunden war. Beim Innenzugdrehgriff der Vorgängertypen hingegen bewegte sich durch eine Spirale im Drehgriff ein Aluminiumschieber in einer Ausfräsung des Lenkers, der mit dem Seilzug verbunden war. Diese Gasgriffe erforderten regelmäßige Wartung und neigten zur Schwergängigkeit. Hinter den Seitendeckeln im Rahmendreieck des S 50 befand sich auf der rechten Seite ein Ansauggeräuschdämpfer mit dem Nassluftfilter. Auf der linken Seite waren abschließbar der Bleiakkumulator, das Zündschloss, Ladeanlage, Sicherung und Bordwerkzeug bzw. kleine Ersatzteile untergebracht.
Motor mini|S 50-Motor. Verglichen mit dem S51-Motor mit stärkerer Verrippung des Zylinderkopfes aber kürzeren Rippen am Zylinder, und eine rundere Bauform des Motorblocks. Die Zündspule ist hier noch innenliegend. Der vollgasfeste Motor des S 50 wurde aus dem in der Schwalbe und dem Star verwendeten 50-cm³-Zweitaktmotor entwickelt, der die Bezeichnung M53/1 KF (KF= Kickstarter & Fußschaltung) trägt. Der Motorblock bestand aus Leichtmetall. Der Zweikanal-Leichtmetallzylinder mit eingeschrumpften Laufbuchsen kam ohne Zylinderkopfdichtung aus. Unverändert blieb auch das klauengeschaltete 3-Gang-Getriebe, der schrägverzahnte Primärtrieb und die Kupplung.
Die Weiterentwicklung für das S 50 erhielt die Bezeichnung M53/2 KF und unterschied sich hauptsächlich durch die Fahrtwindkühlung, die elastische Motoraufhängung und das obere nadelgelagerte Pleuellager, das trotz der damals mäßigen Ölqualität die Verwendung von einem Öl-Benzingemisch von 1:50 gestattete (gegenwärtig verfügbare, hochwertige Öle lassen eine weitere Absenkung des Ölanteils zu). Der BVF-Vergaser wurde im Detail verändert und trug nun die Bezeichnung 16 N1-8. Dabei wurden im Teillastbereich wesentlich günstigere Lambda-Werte als bisher erreicht, sodass sich bei konstant 50 km/h eine Einsparung von fast 1 l/100 km ergab. Der Auspuff wurde auf die rechte Fahrzeugseite verlegt.