Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (, abgekürzt DİTİB) ist die größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland.

Der Verband mit Sitz in Köln-Ehrenfeld ist ein seit dem 5. Juli 1984 beim Amtsgericht Köln eingetragener Verein. Er untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanlığı) der Türkei, welches früher dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert war und heute dem Präsidenten direkt unterstellt ist. Er ist Gründungsmitglied des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland. Der Vorsitzende der DİTİB ist in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Zudem werden die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der DİTİB für fünf Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden. ZDF-Sendung „Forum am Freitag“, 26. Oktober 2012, abgerufen am 5. November 2017.

Organisation Als in der Bundesrepublik Deutschland tätiges Organ der türkischen Regierung mit religiöser und sozialer Zielsetzung vertritt die DİTİB ein Islamverständnis im Sinne des in der Türkei vorherrschenden sunnitischen Islams. Die Satzung des eingetragenen Vereins wird von der DİTİB nicht veröffentlicht, sondern ist nur beim zuständigen Amtsgericht Köln einsehbar. Zu den Zielen zählen die religiöse Betreuung, Aufklärung und Unterweisung der in Deutschland lebenden türkischen Muslime, Einrichtung und Unterhalt von Gebets- und Unterrichtsstätten und die Ausbildung von Laienpredigern, außerdem die Veranstaltung von sozialen und kulturellen Aktivitäten und Sprachkursen sowie die Durchführung von Berufsbildungsmaßnahmen.Sevket Kücükhüseyin: Türkische politische Organisationen in Deutschland, Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 2002, ISBN 3-933714-55-9.

Organe sind Mitgliederversammlung, Vorstand und Beirat. Letzterer wird als das mächtigste Organ des Vereins benannt, denn er bestimmt laut Satzung den Vorstand: „§ 9, Absatz 2. Wahl des Vorstandes: Der Vorstand wird auf die Dauer von 2 Jahren gewählt. Zur Wahl stellen können sich nur vom Beirat vorgeschlagene Personen. Der Beirat hat für die Wahl eines Vorstandsmitgliedes 2 Kandidaten aufzustellen.“ Gleichzeitig nimmt der Beirat „gegenüber der DİTİB Leitungs-, Steuerungs- und Kontrollbefugnisse wahr. So besteht der mächtige Beirat, der an Entscheidungen über alle grundlegenden Fragen des Verbands beteiligt werden muss und zumeist die endgültige Entscheidungsbefugnis hat, ausschließlich aus Diyanet-Funktionären. Zudem haben Diyanet-Vertreter in den DİTİB-Mitgliederversammlungen ein größeres Stimmengewicht als die Vertreter der 896 DİTİB-Ortsgemeinden.“

Organisatorisch unterhält der Verein zehn Abteilungen: Abteilung für das Persönliche Büro des Vorsitzenden, Medien und Öffentlichkeitsarbeit Abteilung für Beratungs- und Aufsichtsdienste Abteilung für Religionsdienste und religionspädagogische Praxis Abteilung für Außenbeziehungen Abteilung für Pilgerfahrtswesen (Hadsch und Umra) Abteilung für Familie und soziale Dienste Abteilung für Bildung, Forschung und Publikationsdienste Abteilung für Verwaltung und Finanzdienste Abteilung für Humanressourcen (Personal) Abteilung für Bauwesen und Liegenschaften

Die DİTİB unterhält außerdem einen Bestattungsfonds zur Finanzierung und Organisation der Überführung und Beisetzung verstorbener türkischer Muslime in die Türkei.

Im Gründungsjahr 1984 waren 230 Vereine angeschlossen. Im Jahr 2002 waren es über 770 Moscheevereine mit jeweils 130 bis 150 Mitgliedern. Im Jahr 2005 waren es nach Angaben des Verbandes 870 Vereine, im Jahre 2007 mehr als 880 und im Jahre 2014 896 Vereine.Über uns. DİTİB-Website, abgerufen am 5. November 2017. Die angeschlossenen Ortsgemeinden haben ihren Sitz zumeist in größeren westdeutschen Städten und betreiben dort Moscheen, bei denen es sich in der Mehrzahl um sogenannte Hinterhofmoscheen handelt. Sie sind rechtlich und wirtschaftlich selbständige eingetragene Vereine, die die Prinzipien und satzungsgemäßen Zwecke der DİTİB verfolgen und die DİTİB als Dachverband anerkennen. Allerdings begeben sich viele Mitgliedsorganisationen in eine verstärkte Abhängigkeit von der DİTİB-Zentrale, indem sie dieser ihre Immobilien überschreiben. Im Jahr 2001 wurden 55 von 66 Moscheeneubauvorhaben in Deutschland von Moscheegemeinden getragen, die der DİTİB angehörten.

Die DİTİB regelt die Entsendung hauptamtlicher Hodschas bzw. hauptamtlicher Theologen (etwa: Imame / Prediger und Vorbeter) aus der Türkei, die als Staatsbedienstete für rund fünf Jahre in die Bundesrepublik kommen und vom jeweiligen Konsulat besoldet und beaufsichtigt werden. Es wird bemängelt, „dass diese Vorbeter oft weder die genauen Lebensumstände der Türken in Deutschland kennen noch die deutsche Sprache in ausreichendem Maße beherrschen“.

Jeder DİTİB-Moscheeverein wählt sich aus den eigenen Mitgliedern regelmäßig einen Vorstand. Diese Ortsvorstände wiederum wählen sich aus ihren Reihen ihre DİTİB-Landesvorstände. Beide Strukturen sind zivil organisiert und arbeiten rein ehrenamtlich.

In jedem DİTİB-Moscheeverein und jedem der 15 DİTİB-Landesverbände gibt es jeweils einen gewählten Jugend- und Frauenverband. Bereits seit 2013 besteht ein DİTİB-BundesfrauenverbandDİTİB: Erster muslimische Bundesfrauenverband in Deutschland gegründet. DİTİB-Bundesverband, 1. Dezember 2013, abgerufen am 5. November 2017. und seit 2014 der DİTİB-Bundesjugendverband „Bund Der Muslimischen Jugend“, kurz: BDMJ.Bund Der Muslimischen Jugend gegründet. DİTİB-Pressemeldung, 8. Januar 2014, abgerufen am 5. November 2017.

Kontrolle über die Landesverbände Die Zentrale der DITIB in Köln übt über die Landesverbände ein hohes Maß an Kontrolle aus, Entscheidungen der Landesverbände werden häufig in Rücksprache mit ihr getroffen. Die Anbindung an türkische Auslandsvertretungen ist hoch, die zuständigen Attachés erwarten eine enge Koordinierung. 2018 trat der Vorstand des Landesverbandes Niedersachsen und Bremen unter Yilmaz Kilic unter Protest zurück, da der Versuch einer engmaschigen und ständigen Kontrolle durch das türkische Generalkonsulat in Hannover die eigenständige Arbeit des Vorstandes unmöglich gemacht habe. Das Konsulat hatte zuvor erfolglos versucht, die Neuwahl des missliebigen Vorstandes zu verhindern. Als das nicht gelang, habe das Konsulat in Ankara sich über den Vorstand beschwert, der Versuch des Landesverbandes, die DITIB-Zentrale in Köln um Hilfestellung zu bitten, scheiterte.

Der Einfluss der für Religion zuständigen Konsulatsbeamten auf die Landesverbände ist groß, ohne ihre Zustimmung kann faktisch kein Vorstand gewählt und keine Satzung geändert werden.

Führungspersonal Besteht schon laut Satzung eine enge Verbindung mit dem türkischen Staat, so ergibt sich in der Praxis, dass qua Amt die Botschaftsräte für Religionsangelegenheiten der Republik Türkei in der Bundesrepublik Deutschland die DİTİB-Präsidenten stellen. Zwischen 2003 und 2007 war Rıdvan Çakır Präsident der DİTİB. Von April 2007 bis 2011 war Sadi Arslan, Botschaftsrat in der türkischen Botschaft, Vorsitzender. Generalsekretär wurde Ali Ihsan Ünlü. Erstmals wurde mit Ayten Kiliçarslan eine Frau in den DİTİB-Vorstand gewählt und sogleich zur stellvertretenden Generalsekretärin bestimmt. Sie schied allerdings bereits 2009 wieder aus dem Vorstand aus. Von 2011 bis 2012 war Ali Dere Vorsitzender, von 2012 bis 2014 İzzet Er, von 2014 bis 2019 Nevzat Yaşar Aşıkoğlu, von 2019 bis 2023 Kazım Türkmen. Seit 2023 ist Muharrem Kuzey Vorsitzender.

Der ehemalige Leiter der DİTİB-Abteilung für Interreligiösen Dialog, Bekir Alboğa, war vom 1. Oktober 2007 bis 31. März 2008 Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland.

Zentralmoscheen mini|hochkant=1.4|DITIB-Zentralmoschee Köln

Seit November 2009 wurde der schon länger geplante, im Vorfeld umstrittene Neubau einer DİTİB-Zentralmoschee Köln auf dem Gelände der Deutschland-Zentrale der DİTİB im Kölner Stadtteil Ehrenfeld umgesetzt. Eine weitere DİTİB-Zentralmoschee Essen wird im Stadtteil Altendorf errichtet. Die Richtfeste beider Moscheen wurden 2011 bzw. 2012 gefeiert.

Die Turkologin Ursula Spuler-Stegemann warnte, es sei sonderbar, dass die DİTİB so viele Moscheen hierzulande „nach Kriegsherrn wie dem Konstantinopel-Eroberer Mehmed II. benenne“.

Der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Wolfgang Huber und die Soziologin und Islamkritikerin Necla Kelek warfen dem Verband im Jahr 2007 anlässlich von Moscheebauten in Deutschland vor, mit zweierlei Maß zu messen. In Deutschland fordere man Religionsfreiheit für Muslime und baue Moscheen, in der Türkei hingegen verweigere dieselbe Behörde türkischen Christen und türkischen Aleviten den Bau ihrer Sakralgebäude und volle Religionsfreiheit.

Kontroversen Antisemitismus, Verhältnis zum Islamismus und zur Integration Unter Çakırs Präsidentschaft legte die DİTİB besonderes Augenmerk auf ihre Darstellung als integrationsbereiter Faktor in der deutschen Gesellschaft. Die DİTİB war Mitinitiator der Massenveranstaltung „Gemeinsam für Frieden und gegen Terror“. An dieser Demonstration in Köln nahmen am 21. November 2004 über 20.000 Muslime teil. Unter den Gastrednern waren die grüne Politikerin Claudia Roth, der bayerische Innenminister Günther Beckstein und der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens. Ziel der Veranstaltung war es, Gewalteinsatz im Namen des Islams zu verurteilen.

Nach dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Frankreich riefen die großen deutschen Islamverbände zur „Mahnwache für Toleranz und gegen Extremismus“ ans Brandenburger Tor nach Berlin. Ein halbes Jahr später berichtete Robin Alexander in der Welt am Sonntag, dass die Veranstaltung vom Bundeskanzleramt organisiert worden sei. Diesem Vorwurf wurde vom Zentralrat der Muslime Deutschland widersprochen.

2015 berichteten die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)Christoph Ehrhardt: Mit dem Gestus der Salafisten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juli 2015, abgerufen am 3. November 2017. und Report München, dass radikale Islamisten auch in DİTİB-Moscheen aktiv seien. So wurde ein Foto bekannt, auf dem ein Vorstandsmitglied der DİTİB Dinslaken mit ausgestrecktem Zeigefinger posierte, einer Geste aus Salafistenkreisen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde kritisiert, dass es zu oft eine „stillschweigende Solidarität“ der alten Herren in den Moscheevorständen gegenüber den fehlgeleiteten, wütenden jungen Männern und Frauen gebe. Davon distanzierte sich der DİTİB-Dachverband in einer Presseerklärung.Entwicklungen in Dinslaken. DITIB Pressestelle, 15. Juli 2015, abgerufen am 3. November 2017. Das verantwortliche Vorstandsmitglied trat umgehend vom Amt zurück, und im November 2015 wurde nach angekündigtem Rücktritt des alten Vorstandes ein neuer Vorstand gewählt.Dinslaken: Neuanfang für die Ditib-Moschee. Rheinische Post, 21. Dezember 2015, abgerufen am 4. November 2017.

Im selben Jahr stellte die DİTİB-Gemeinde Melsungen eine ausführliche Sammlung von Sprüchen über Juden aus dem Koran und den Hadithen auf Türkisch ins Netz, in der Juden als Diebe, Lügner, Vertragsbrecher, Prophetenmörder sowie überheblich und geizig charakterisiert werden.Stefan Laurin: Ditib-Gemeinde stellt antisemitische Hetze ins Netz. In: Die Welt, 24. November 2015, abgerufen am 4. November 2017. Diesbezüglich hat sich der DİTİB-Landesverband Hessen distanziert.Stellungnahme des DITIB-Landesvorstands Hessen zum Ortsverein DITIB-Melsungen: Internetseite der Gemeinde Melsungen. DITIB-Landesvorstand Hessen, 24. November 2015, abgerufen am 4. November 2017.