Kamasutra ( für Kamasutra) ist ein Instrumentalalbum, das der US-amerikanische Musiker Prince am 14. Februar 1997 unter dem Musikprojekt The NPG Orchestra bei seinem Label NPG Records veröffentlichte. Er arrangierte, komponierte und produzierte alle Songs des Albums, das zunächst nur telefonisch per Mailorder oder online über seine damalige Website auf MC erhältlich war. Im Januar 1998 erschien es dann auf CD als Bonus-Album zu Prince’ 20. Studioalbum Crystal Ball.

Als Autor und Interpret von Kamasutra benutzte Prince das unaussprechbare Symbol, das er damals als Pseudonym besaß. Die Musik zählt zu den Genres Easy Listening, Klassik, New Age und Smooth Jazz. Als Gastmusiker wirkten Clare Fischer, der Saxofonist Eric Leeds und das Blechbläserquintett Hornheads mit.

Prince veranstaltete keine nennenswerte Musikpromotion für Kamasutra. Da es in den internationalen Hitparaden nicht geführt wurde, konnte es keinen Gold- oder Platinstatus erreichen. Zudem war das Interesse der Massenmedien an dem Album äußerst gering, sodass nur sehr wenig Rezeption existiert, die überwiegend negativ ausfiel.

In den Liner Notes beschreibt Prince auf spirituelle Weise die Herkunft seines unaussprechbaren Symbols sowie die Liebe zu seiner damaligen Ehefrau Mayte Garcia, die er als seine Seelenverwandte bezeichnete.

Entstehung Bereits im Frühjahr 1994 begann Prince in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) mit den Arbeiten an Kamasutra und übersandte einzelne Sätze an Clare Fischer sowie dessen Sohn Brent (* 13. Juli 1964), der für die Transkription verantwortlich war. Prince experimentierte dabei mit einem Synclavier, das zu jener Zeit als führendes Orchester-Sampling-System galt. Die komplexe Musik nahm er digital auf 48 Tonspuren auf, was die Transkription erheblich erschwerte. Brent Fischer transkribierte die Aufnahmen größtenteils Spur für Spur; dieser Prozess dauerte rund drei Monate. Anschließend faxte er die Transkriptionen an seinen Vater Clare Fischer, der in den Martinsound Studios in Alhambra (Kalifornien) sowie im Tonstudio Ocean Way Recording in Hollywood die Arrangements ausarbeitete. Üblicherweise nahm Prince nach Fischers Rücksendung der Überarbeitungen keine weiteren Änderungen vor. Bei Kamasutra veränderte er hingegen nahezu sämtliche Arrangements, mischte das Album neu ab und passte die Orchesterparts an.Thorne (2017), S. 340.Azhar (2016), S. 84.

Als Prince am 14. Februar 1996 Mayte Garcia in Minneapolis (Minnesota) heiratete, ließ er Kamasutra von einer selbst gebrannten CD abspielen, während das Paar im Kirchengang zum Traualtar schritt.Azhar (2016), S. 86. Am ersten Hochzeitstag veröffentlichte er das Album auf MC; laut einer damaligen Pressemitteilung von NPG Records handele es sich um eine „orchestral-Ballettartige Interpretation der Liebesgeschichte von Prince und Mayte“.Uptown (2004), S. 479.

Gestaltung des Covers Die beiden Artdirectoren Michael van Huffel und Steve Parke (* 1963) waren für die Covergestaltung zuständig, die sie bereits für das im September 1995 veröffentlichte Album The Gold Experience übernommen hatten.

Das Frontcover von Kamasutra zeigt ein Schwarzweißfoto von Mayte Garcia als Ballerina, die vor Prince’ unaussprechbarem, überdimensional dargestelltem Symbol posiert. Allerdings besitzt ausschließlich die auf MC veröffentlichte Fassung ein Cover; die CD-Version im Rahmen des limitierten Boxsets von Crystal Ball enthält weder ein Cover noch ein Booklet.

Liner Notes Die Liner Notes sind teilweise autobiografisch; Prince schildert darin die spirituelle Herkunft seines Symbols sowie seine Beziehung zu Mayte Garcia und schreibt dabei in der dritten Person: mini|Das unaussprechbare Symbol „Im tiefsten Schlaf erinnerte Mayte O(+> daran, dass beide einen Plan ausarbeiten sollten, er sich auf den Weg machte, um sein erstes Leben auf Erden zu führen, damit er sie eines Tages als seine wahre Seelenverwandte erkennen würde. Das war der Plan. Für ihr letztes Leben auf Erden wählt sie den Namen ‘Princess Mayte’ und er den Namen ‘Prince’. Sie werden Väter mit demselben Vornamen wählen – ‘John’ [Garcias Vater heißt John Garcia]. Ihr zweiter Vorname wird der Vorname und die zweite Initiale seines Vaters sein – ‘Jannell’ [Mayte Jannell Garcia] wie in ‘John L.’ [Prince’ Vater hieß John L. Nelson]. Der Name von Prince’ Mutter ist ‘Mattie Dell’ [Mattie Della Shaw], Maytes Mutter heißt ‘Nell’ [Janelle Garcia, Spitzname „Nelly“]. Und Prince’ Nachname war ‘Nelson’ wie in ‘Nell’s Sohn’.“

„Sie vereinbarten, dass Maytes Familie sie eines Tages zu einem Konzert [25. Juli 1990] von Prince in Barcelona, Spanien, und dann wieder irgendwo in Deutschland bringen würde. Prince sieht Mayte zum ersten Mal mit ihrer Mutter Nelly vor einer Arena [8. August 1990, Maimarkt] in Deutschland stehen. Er sagt scherzhaft zu Rosie Gaines, mit der er sich gerade unterhält: ‘Guck Mal, Rosie, da ist meine zukünftige Frau!’ Weder er noch Rosie nehmen die Bemerkung ernst. Nelly überredet Mayte, Prince vor seinem Konzert eine Videokassette ihres Bauchtanzes zu zeigen. Nelly weiß, sobald er ihre Tochter sich bewegen sieht, dass … Sie geben die Videokassette an einen von Prince’ Tänzern – Kirk, dessen Nachname zufällig ‘Johnson’ lautet, wie in ‘John’s Sohn’. Er bringt die Videokassette eilig zu Prince und nach einem Blick …“

„Mayte und Prince werden Freunde. Wie Schwester und Bruder stehen sie immer füreinander ein, gegen jeden Widersacher. Bald tritt Mayte The New Power Generation bei und bittet Prince oft, ihre Familie in Puerto Rico zu besuchen. Eines Tages verspricht er ihr, dass er es machen wird. Obwohl es noch lange dauern wird, wird der Tag, an dem er sein Versprechen hält, sein Leben für immer verändern. Sein jüngstes Album zu dieser Zeit [1992 Love Symbol] wird eine Sammlung von Lovesongs sein, die hauptsächlich für und über Mayte geschrieben wurden. Und es wird ein interessantes Dilemma darstellen: Der Titel des Albums ist eine unaussprechliche Hieroglyphe, die das männliche und das weibliche Geschlechtssymbol miteinander verschmilzt. Auf diese Weise entsteht etwas, das Prince zwar schon oft benutzt hat, das aber nun für ihn zu repräsentieren scheint – die perfekte Liebe. Und doch, niemand wird wissen, wie man dieses neue Symbol nennt. Kein Ton scheint passend für das zu sein, was Prince für die Verschmelzung zweier Seelen hält, die zusammen eine bilden.“

„Also betet er heute in Puerto Rico … Ganz allein starrt er auf den Ozean und fleht den Himmel um eine Antwort an. ‘Was ist das Symbol? Was bedeutet es wirklich?’ Eine Stimme sagt zu ihm: ‘Es ist dein Name’. Viel wurde über Prince’ Entscheidung, seinen Namen in dieses unaussprechbare Symbol zu ändern, gesagt, aber manchmal bewegt sich die Freiheit auf mysteriöse Weise und am Ende heißt es: ‘Was auch immer, Erdnussbutter ist deine Marmelade’. Am verständnisvollsten von allen ist Mayte, seine wahre Seelenverwandte, die einfach mit einem Lächeln sagen wird: ‘Ich habe dich sowieso nie Prince genannt’. Zufall oder Schicksal?“

Musik Das Instrumentalalbum basiert im Wesentlichen auf einem Thema, das in verschiedenen Variationen wiedergegeben wird. Die Musik lässt sich dem Genre New Age zuordnen und enthält Einflüsse aus Easy Listening, Klassik und Smooth Jazz. Damit betrat Prince musikalisches Terrain, das er zuvor in seiner Karriere nicht erkundet hatte. Auf dem Album wird er von einem Orchester begleitet; die Arrangements stammen von Clare Fischer.

Der Albumtitel nimmt direkten Bezug auf das Kamasutra. Das Titelstück basiert auf einem achttönigen Motiv, das kontinuierlich wiederholt wird; Variationen entstehen überwiegend durch Änderungen der Instrumentierung statt durch neue melodische Elemente. At Last … “The Lost Is Found” ist harmonisch komplex und weist deutliche Jazz-Elemente auf. The Ever Changing Light zeichnet sich durch einen melodisch sanften Harfensound aus, der gelegentlich an die Musik von Andreas Vollenweider erinnert. Kamasutra/Overture # 8 enthält ein wiederkehrendes Saxophonmotiv und einen Beat, erzeugt von einem Drumcomputer; das Stück erinnert gelegentlich an die Filmmusik zu Der Pate (1972) von Nino Rota. Das üppig instrumentierte Coincidence or Fate? ähnelt der Filmmusik in Prince’ Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond (1986).Lizie (2020), S. 166.Garcia (2018), S. 302.

Das Stück Serotonin nannte Prince zuvor Kamasutra Overture #5 und platzierte es bereits im Juli 1995 auf seinem Album The Versace Experience (Prelude 2 Gold). Den Song The Plan veröffentlichte er im November 1996 in einer leicht gekürzten Version auf seinem Album Emancipation.

Titelliste und Veröffentlichungen mini|Illustration aus dem Kamasutra #TitelDauer1The Plan2:022Kamasutra11:493At Last … “The Lost Is Found”3:374The Ever Changing Light2:595Cutz3:036Serotonin0:477Promise/Broken3:468Barcelona2:169Kamasutra/Overture # 83:1110Coincidence or Fate?3:2411Kamasutra/Eternal Embrace4:02Spieldauer: 41:03 min.Autor aller Songs ist Prince Kamasutra erschien am 14. Februar 1997 von Prince – unter dem Musikprojekt „The NPG Orchestra“ – bei seinem eigenen Label NPG Records ausschließlich auf MC. Beide Seiten der Kassette enthalten das 41-minütige Werk, das ausschließlich für registrierte Mitglieder seiner damaligen Website erhältlich war.

Ende Januar 1998 erschien Kamasutra zudem auf CD als Bonus-Album im limitierten Boxset Crystal Ball. Singles wurden nicht ausgekoppelt, Musikvideos nicht produziert, und Coverversionen sind nicht bekannt.

Mitwirkende Musiker Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert, produziert und vorgetragen. Abgesehen von allen Blas-, Blechblas- und Streichinstrumenten, die von Clare Fischers Orchester, Eric Leeds (* 1952) und dem Blechbläserquintett Hornheads eingespielt wurden, spielte Prince sämtliche übrigen Musikinstrumente selbst. Zum Orchester gehörten unter anderem Andy Martin, Árni Egilsson, Dennis Budimir, Don Palmer, Don Shelton, Gayle Levant, Jack Nimitz und Larry Bunker.Liner Notes von der Kompaktkassette Kamasutra, NPG Records, 1997. Brian Gallagher (* 1963; † 2016) (von Hornheads) – Tenorsaxophon in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8 Dave Jensen (von Hornheads) – Trompete in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8 Eric Leeds – Baritonsaxophon, Flöte und Tenorsaxophon in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8; Baritonsaxophon in Promise/Broken Kathy Jensen (von Hornheads) – Baritonsaxophon in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8 Michael B. Nelson (von Hornheads) – Posaune in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8 Steve Strand (von Hornheads) – Trompete in Kamasutra und Kamasutra/Overture # 8

Technisches Personal Prince – Haupt-Orchestrator und Toningenieur Arne Frager – Toningenieur Brent Fischer – musikalische Transkription Brian Gardner – Mastering Clare Fischer – Orchesterarrangements in allen Songs außer in The Plan; Dirigent von 76 Orchestermusiker Kirk Johnson – Mastering Larry Mah – Toningenieur Michael van Huffel – Artdirector Morris Repass – Orchestermanager Nicole Nodland – Fotografin von Mayte Garcia Ray Hahnfeldt – Toningenieur Shane T. Keller – Toningenieur Steve Durkee – Toningenieur Steve Parke – Artdirector

Rezensionen Das Interesse von Massenmedien und Musikkritikern an Kamasutra war sehr gering; die vorhandene Rezeption fiel überwiegend negativ aus.

Mark Brown von der ehemaligen Website Sidewalk.com vergab keine Bewertung und bezeichnete das Album als „einfach nur hübsche New-Age-Hintergrund-Streichermusik“. Er zeigte sich wenig überrascht, dass Prince es „umsonst“ dem Boxset Crystal Ball beigefügt habe.