Bedingt durch das teilweise ozeanische Klima der Rhön mit hohen Jahresniederschlägen um 1000 Millimeter sind die hydrologischen Voraussetzungen für das Vorhandensein zahlreicher Gewässer in der Rhön gegeben. Natürliche stehende Gewässer finden sich nur wenige. Von großer Bedeutung sind die Fließgewässer der Rhön. Quellen und Moore nehmen eine Sonderstellung ein. In der Rhön ist der Landschaftswasserhaushalt noch relativ naturnah. Beeinträchtigungen durch Industrie, Landwirtschaft und Siedlungen sind im Ausmaß geringer als in vielen anderen Regionen.
Stehende Gewässer
Neben künstlich angelegten Fischteichen und Badeseen gibt es vor allem im östlichen Bereich der Rhön einige mit Wasser gefüllte Dolinen, die durch Auswaschung von Salzlagerstätten oder Muschelkalk als Erdfall entstanden sind. Die meisten Speicherseen Thüringens liegen im Vorland und sind nicht mehr der Rhön zuzurechnen. Größere Seen fehlen in der Region.
Liste der stehenden Gewässer in der Rhön
Geordnet nach Landkreisen, beginnend mit dem Wartburgkreis im Norden der Rhön, dann im Uhrzeigersinn:
NameBildGemeinde / LageBeschreibungBernshäuser Kutte150px|Bernshäuser KutteBernshausen, Wartburgkreis Erdfallweiher (Doline) im Wartburgkreis und mit 250 m Durchmesser bereits der größte See der thüringischen Rhön.Schönsee150px|SchönseeUrnshausen, Wartburgkreis Der Schönsee ist ein weiterer Erdfallsee (Doline) der Region mit einer Fläche von 3,4 ha.Seebaer See150px|Seebaer SeeSeeba, Landkreis Schmalkalden-Meiningen Der Seebaer See ist ein Erdfallsee der durch Auswaschung von Muschelkalk entstanden ist. Er hat einen Durchmesser von ca. 280 m.Speicher Eckardts150px|Stausee in 98590 Schwallungen-EckardtsEckardts, Landkreis Schmalkalden-Meiningen Der Speicher Eckardts ist eine Talsperre, die den Schildbach aufstaut. Sie hat ein Volumen von 80.000 m³, die Staumauer hat eine Höhe von 7,14 m.Frickenhäuser See150px|Frickenhäuser SeeMellrichstadt-Frickenhausen, Landkreis Rhön-Grabfeld Der Frickenhäuser See ist mit seiner Fläche von 1,1 Hektar der größte natürliche See Unterfrankens. Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte als Doline ist er vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in die Liste der „Schönsten Geotope Bayerns“ aufgenommen worden.Basaltsee am Steinernen Haus150px|Basaltsee am Steinernen Haus bei GinolfsGinolfs, Landkreis Rhön-Grabfeld Die Bezeichnung Basaltsee taucht in der Rhön mehrfach auf. Es sind jeweils aufgelassene Basalt-Steinbrüche, die sich mit Wasser gefüllt haben. Dieser befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Lange Rhön nordwestlich von Ginolfs, einem Ortsteil von Oberelsbach. Er ist als Geotop für den Landkreis Rhön-Grabfeld gelistet. Die Fläche beträgt ca. 4500 m².Rothsee150px|Basaltsee am BauersbergBischofsheim in der Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld Der Rothsee ist ein künstlich angelegter See mit einer Fläche von ca. 9000 m². Er liegt am Bauersberg in der Gemeinde Bischofsheim.Burgwallbacher See150px|Burgwallbacher SeeBurgwallbach, Landkreis Rhön-Grabfeld Der Burgwallbacher See ist ein durch Aufstau des Weihersbachs künstlich angelegter Badesee mit einer Fläche von ca. 1,4 ha. Er gehört zur Gemeinde Schönau an der Brend im Landkreis Rhön-Grabfeld.Basaltsee Tintenfass150px|Basaltsee Tintenfass Riedenberg RhönRiedenberg, Landkreis Bad Kissingen Das Tintenfass ist ein weiterer Basalt-Steinbruch in der Rhön, der sich mit Wasser gefüllt hat. Von 1908 bis 1970 wurde hier Basalt abgebaut und über eine Seilbahn ins Tal transportiert. Der maximale Durchmesser beträgt ca. 130 m.Guckaisee150px|Guckaisee im Sommer 2010Rodholz, Landkreis Fulda Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie ist der Guckaisee ursprünglich durch einen Bergrutsch und Aufstauung des Baches Lütter entstanden. In der Folge wurde hier eine Freizeitanlage gebaut. Mittlerweile handelt es sich um zwei benachbarte Weiher mit einer Fläche von 0,5 ha.Haunestausee150px|Naturschutzgebiet HaunestauseeMarbach (Petersberg), Landkreis Fulda Das Landschaftsschutzgebiet „Haunestausee bei Marbach“ liegt ca. 6 km nordöstlich von Fulda. Der nördliche Teil wird für Freizeitaktivitäten genutzt, der südliche Teil steht unter Naturschutz. Das Gebiet ist außerdem Teil des Auenverbundsystems Fulda. Die Talsperre dient in erster Linie dem Hochwasserschutz.
Fließgewässer mini|Sohlenverbauung der Sinn in Wildflecken – kein Platz für Tiere mini|Hochwasser im Auwald, Sinn, Rhön
Hydrologie Fließgewässer haben wegen des ausgeprägten Geländeprofils in der Rhön nicht selten den Charakter eines Wildbachs mit entsprechender Geschiebedynamik. Wenn sie nicht verbaut wurden oder rückgebaut worden sind, haben sie durch Umlagerung von Geschiebematerial das Potential zur Schaffung ständig neuer Lebensräume wie Kiesbänken, Uferabbrüchen und Auwäldern. So haben Hochwasserereignisse, z. B. wenn Schneeschmelze und Starkregenereignisse zusammentreffen, eine erhebliche kreative Kraft zur Umgestaltung der gewässerbegleitenden Landschaft.
Ökologie Zahlreiche Lebensgemeinschaften haben sich auf genau diese, stets im Wandel begriffenen und selten gewordenen Lebensräume spezialisiert.
So sind in der Rhön Kiesbänke, die aufgrund ständiger Umlagerung ohne Bewuchs bleiben, Brutplätze für Flussregenpfeifer und Flussuferläufer.
Eine besondere ökologische Bedeutung kommt dem Kieslückensystem im Gewässer zu. Es wird in der Limnologie als Hyporheisches Interstitial, und Benthal bezeichnet. Kiesbetten mit Zwischenräumen ohne Feinsedimente sind die Laichgebiete der Salmoniden und Lebensräume der Flussperlmuschel, aber auch die weniger bekannten Kleinfische wie Schneider, Bachschmerle und Schlammpeitzger sind darauf angewiesen. Viele Kleinlebewesen verbringen ihr gesamtes Dasein im Kieslückensystem. Durch Eintrag von Feinsedimenten (z. B. aus der Landwirtschaft oder von Baustellen) werden die Zwischenräume aufgefüllt und damit der Lebensraum zerstört.
An steilen Uferabbrüchen brütet die Wasseramsel und der Eisvogel gräbt seine Brutröhre.
Auwälder sind auf einen hohen Grundwasserstand und regelmäßige Überschwemmungen angewiesen. In der Rhön stellen sich dort Pflanzengemeinschaften ein, die meist aus Schwarzerle, Esche, Bruchweide, Springkraut, Goldstern, Milzkraut, Große Brennnessel und Kletten-Labkraut bestehen. Die heimische Art Großes Springkraut (Rühr-mich-nicht-an) wird teilweise durch den Neophyt Drüsiges Springkraut ersetzt.
Verbauungen
Da Fließgewässer jedoch häufig durch Baumaßnahmen reguliert werden, um ihren Platzbedarf einzuschränken, sind diese Lebensräume weitgehend verlorengegangen oder auf minimale Reste geschrumpft. Oft stellt der unmittelbare Uferbewuchs den einzigen Rest der Lebensgemeinschaft des einstigen Auwalds dar. Uferverbauungen sollen verhindern, dass bei Hochwasser landwirtschaftliche Flächen verlorengehen, Sohlenverbauungen verstärken deren Wirkung noch und machen den Bach zum Kanal. Querverbauungen dienen häufig als Wehre für kleine Wasserkraftanlagen. In früheren Zeiten wurden auch die anliegenden Wiesen im Frühjahr auf diese Weise gewässert. Diese Querverbauungen stellen häufig ein unüberwindliches Hindernis für wandernde Wasserlebewesen dar.
Hochwassermanagement Inzwischen hat sich bei den Wasserwirtschaftsämtern die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein übermäßiger Ausbau der Fließgewässer zu immer höheren Hochwasserspitzen führt. Dort, wo es möglich ist, wird den Bächen und Flüssen wieder mehr Raum gegeben. Durch Rückbau von Ufer- und Sohlenbefestigungen wird das Vertiefen des Gewässers verhindert und das Überschwemmen von benachbarten Flächen erleichtert. Bei Wiesen und Weiden treten dabei kaum Schäden auf. Ideal für diese Strategie sind Auwälder. Mit dieser Art des natürlichen Hochwasserschutzes kann das Wasser länger in der Fläche bleiben, der Abfluss wird verzögert, die Hochwasserspitzen abgeflacht und die Grundwasserneubildung gefördert.
Biber
Das in den letzten Jahren wieder zunehmende Vorkommen des Bibers unterstützt die Bemühungen des Hochwasserschutzes. Die intensive und kostenlose Bautätigkeit der Biber bewirkt eine Umgestaltung der Auenlandschaft mit dem Ergebnis, dass das Wasser zurückgehalten wird und viel länger in der Fläche bleibt. Auf diese Weise wird Hochwasserereignissen die Spitze genommen, auch die Artenvielfalt nimmt zu.
Projekte zur extensiven Beweidung des Uferbereichs von Fließgewässern Projekte zur extensiven Beweidung von Uferflächen an Fließgewässern haben gezeigt, dass diese Nutzungsform die Strukturvielfalt des Gewässers und damit auch die Artenvielfalt fördert. Gerade die Beweidung mit Rindern, die die Futterpflanzen nicht zu tief abfressen, fördern die Pflanzenvielfalt. Auch wurde festgestellt, dass Rinder das drüsige Springkraut fressen und so dessen Bestand kontrollieren, so z. B. an der Sinn in Eckarts zu Zeitlofs. Der Vertritt des Großviehs am Ufer bewirkt das erwünschte Aufbrechen verfestigter Uferstrukturen. Umlagerungs- und Geschiebeprozesse werden begünstigt, die hydromorphologische Dynamik und die Gewässerstrukturgüte nehmen zu.
Wasserqualität der Fließgewässer Da im Bereich der Rhön wenig industrielle Landwirtschaft betrieben wird und auch wenig Industrie angesiedelt ist, befinden sich die Gewässer überwiegend in vergleichsweise gutem ökologischem Zustand. Probleme gibt es durch Sickerwässer von Halden des Kalibergbaus. In der Vergangenheit kam es auch zu Belastungen von Gewässern durch Sprengmittelrückstände (Hexogen) im Bereich des Truppenübungsplatzes Wildflecken.
Weblinks zur Wasserqualität in der Rhön
Gewässergütekarte Thüringen Gewässergütekarte Bayern Gewässergütekarte Hessen
Liste der Fließgewässer in der Rhön
Geordnet nach den fünf Flusssystemen, beginnend im Norden, dann im Uhrzeigersinn:
Nebenflüsse der Werra
Die Werra ist selbst nicht zur Rhön gehörig, begrenzt sie aber im Nordosten, daher sind die folgenden, zur Rhön gehörigen Nebenflüsse alle orografisch links.