mini|349x349px|Dorothea Kliche-Behnke (2021) Dorothea Kliche-Behnke (* 8. Mai 1981 in Herdecke) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Seit 2021 ist sie Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.

Leben und Ausbildung Dorothea Kliche-Behnke stammt aus einer Stuttgarter Unternehmerfamilie.Rüdiger Soldt, Eine spricht vom Ende der Volkspartei SPD, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. April 2026, S. 4. Sie wurde 1981 in Herdecke geboren und wuchs zunächst in Weibersbrunn im Landkreis Aschaffenburg auf, bevor sie 1989 mit ihrer Familie nach Stuttgart zog. Dort legte sie am Karls-Gymnasium ihr Abitur ab. Bereits als Jugendliche engagierte sie sich politisch im Jugendrat Stuttgart-Süd.

Von 2000 bis 2006 studierte sie an der Universität Tübingen Germanistik, Geschichte und katholische Theologie auf Lehramt. 2015 promovierte sie mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über autobiografische Romane im Kontext von Nationalsozialismus und Shoah.

Berufliche Laufbahn Nach Abschluss ihrer Promotion arbeitete Kliche-Behnke von 2015 bis 2021 als Referentin der Geschäftsleitung bei der Paul Lange & Co. OHG in Stuttgart. Das Großhandelsunternehmen für Fahrradteile wurde 1949 von ihren Großeltern gegründet und gehört zu den führenden Unternehmen der europäischen Fahrradbranche. Mit ihrer Wahl in den Landtag ruht diese Tätigkeit seit April 2021.

Politische Laufbahn

Kommunalpolitik Kliche-Behnke trat 2004 der SPD bei und war von 2007 bis 2019 Vorsitzende der SPD im Landkreis Tübingen. Sie wurde 2009 in den Gemeinderat der Stadt Tübingen gewählt, wo sie ab 2011 stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion war. Ab 2014 fungierte sie als ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters. Als Gemeinderätin saß sie in den Aufsichtsräten der Stadtwerke Tübingen und der Altenhilfe Tübingen. Ihr Gemeinderatsmandat gab sie 2023 auf, um sich auf ihre Tätigkeit als Landtagsabgeordnete zu konzentrieren.

Landespolitik Von 2016 bis 2026 gehörte Kliche-Behnke dem Landesvorstand der SPD Baden-Württemberg an, von 2018 bis 2026 als eine von vier stellvertretenden Landesvorsitzenden.

Bei der Landtagswahl 2016 kandidierte sie erstmals im Wahlkreis Tübingen, konnte jedoch mit 12,6 % der Stimmen kein Mandat erzielen. Bei der Landtagswahl 2021 gelang ihr mit 11,6 % der Stimmen der Einzug in den Landtag über ein Zweitmandat.Gewählte Abgeordnete laut vorläufigem Endergebnis Seit 2021 ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Zur Landtagswahl 2026 kandidiert sie erneut für den Wahlkreis Tübingen. Auf der in Folge der Landtagswahlreform erstmals aufgestellten Landesliste der SPD stand sie auf Platz 2, direkt hinter dem Spitzenkandidaten Andreas Stoch. Bei der Wahl verfehlte sie erneut ein Direktmandat, zog jedoch über die Landesliste in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Seit 2026 ist sie Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion.

Nach der Landtagswahl 2026 und dem darauf angekündigten Rücktritt des SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch kündigte sie an, für den Parteivorsitz der SPD Baden-Württemberg zu kandidieren. Bei einer Mitgliederbefragung erhielt sie jedoch nur 24,5 Prozent der Stimmen und unterlag damit dem Duo Isabel Cademartori und Robin Mesarosch.

Ausschüsse und Sprecherfunktionen Im Landtag ist Kliche-Behnke ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration. Darüber hinaus war sie Mitglied der Enquete-Kommission „Krisenfeste Gesellschaft“.

Politische Positionen Kliche-Behnke setzt sich insbesondere für Familienpolitik, Bildung und soziale Gerechtigkeit ein. Als gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion kritisierte sie wiederholt die grün-schwarze Landesregierung für unzureichende Fortschritte bei der Gleichstellung und beim Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Sie brachte für ihre Fraktion Gesetzentwürfe zur besseren Finanzierung von Frauenhäusern und für einen interkollegialen Ärzteaustausch bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ein.

Kliche-Behnke setzt sich für ein Sexkaufverbot nach dem Nordischen Modell ein.

In der Wissenschaftspolitik fordert sie bessere Rahmenbedingungen für Hochschulen und Studierende. Sie unterstützt die Forderung nach einem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte.

Sie betrachtet den Rechtsextremismus als größte Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung.

Ehrenamtliches Engagement Kliche-Behnke ist seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert. Sie ist Vorsitzende der Familienbildungsstätte Tübingen e. V. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums der Kunststiftung Baden-Württemberg, Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Tübingen, des Kuratoriums der HfT Stuttgart, im Stiftungsrat der Stiftung Haus Lindenhof und des Beirats des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg sowie außerordentliches Mitglied des Landesfrauenrats Baden-Württemberg. Kliche-Behnke ist zudem Mitglied im Kuratorium der Aktion Sahnehäubchen der Caritas Tübingen und des Programmbeirats des d.a.i Tübingen.

Seit November 2025 ist sie Mitglied im Kuratorium der Max-Planck-Campus Tübingen. Diesem gehören die Max-Planck-Institute für Biologie, biologische Kybernetik und Intelligente Systeme sowie das Friedrich-Miescher-Laboratorium an.

Als katholische Christin engagiert sie sich als Mitglied des Kirchengemeinderats der St. Petrus-Gemeinde in Tübingen-Lustnau und als Delegierte zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Sie ist Mitglied der Tübinger Tafel e. V., des TSV Lustnau, des Sozialverbands VdK, der AWO, bei ver.di und in verschiedenen kulturellen Vereinen.

Kliche-Behnke ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.

Privates Kliche-Behnke ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie wohnt mit ihrer Familie im Tübinger Stadtteil Lustnau.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen Nationalsozialismus und Shoah im autobiographischen Roman. Poetologie des Erinnerns bei Ruth Klüger, Martin Walser, Georg Heller und Günter Grass, De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-060731-4 (zugl. Diss. Univ. Tübingen 2015)

Weblinks

Abgeordnetenprofil auf der Webseite des Landtags von Baden-Württemberg Website von Dorothea Kliche-Behnke

Einzelnachweise

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