mini|Friedhof Rosenberg Der Friedhof Rosenberg ist der Zentralfriedhof der Stadt Winterthur. Die im Stil der Reformarchitektur erbaute Anlage wurde 1914 als Nachfolge des Friedhofs Rychenberg erstellt. Seit seiner letzten Erweiterung 1942 erstreckt sich die Fläche des Friedhofs über 170'000 m² und beherbergt heute rund 12'000 Grabstätten. Als städtischer Hauptfriedhof enthält er Grabstätten aller bekannten Winterthurer Geschlechter und der für die Stadt bedeutenden Personen der zweiten industriellen Revolution.
Der Friedhof wird mitsamt seinen Gebäuden und wichtigen Grabmälern vom Bund als B-Objekt im Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung geführt.
Architektur mini|Haupteingang des Friedhofs Der Friedhof am Rande des Lindbergwalds lässt sich einerseits in einen innerhalb und einen ausserhalb des Walds liegenden Bereich teilen. Anderseits teilt sich die Anlage auch in den älteren, durch die die Architekten Rittmeyer&Furrer nach dem sogenannten «dialogischen Prinzip» gestalteten Teil sowie den nördlichen durch den Architekten Robert Merkelbach erweiterten Bereich. Das dialogische Prinzip äussert sich in Gegensätzen, den Wechseln zwischen aussen und innen, zwischen hell und dunkel – beispielsweise wenn man zwischen den einzelnen Friedhofsteilen wechselte – sei es nun ob man vom offenen Friedhofsteil in den Waldteil hineinlief oder einen Urnenhain betrat. In der Anlage des Friedhofs wurde dabei bewusst auf offene Achsen verzichtet, die Wege sind versetzt angelegt.
Eine Lindenallee führt zum im Süden liegenden Haupteingang des Friedhofs. Durch das schmiedeeiserne Eingangstor gelangt der Besucher auf den grossen, terrassierten Eingangshof, um den sich die verschiedenen Friedhofsgebäude gruppieren. Flankiert wird der Eingang von einem Abwarts- sowie einem Aborthäuschen. Die beiden eingeschossigen Gebäude haben dem Eingang zugewandte Arkadengänge und ein Walmdach. In der Mitte des Platzes führt eine Treppe in die 1971 errichtete unterirdische Aufbahrungshalle. Sie ist im typischen Stil der 1970er Jahre im Innern mit Sichtbeton ausgekleidet. Vor dem Bau der Aufbahrungshalle wurde die Mitte des Platzes durch mehrere Bäume markiert. Am nördlichen Rand des Platzes steht die Friedhofskapelle, die jedoch in ihrer Funktion durch die Abdankungshalle abgelöst wurde, in der früher das Krematorium untergebracht war. Auf der Ostseite gelangt man über eine Freitreppe zur im Waldteil gelegenen Abdankungshalle mit angrenzendem Krematorium. Die Abdankungshalle erinnert in ihrer Ästhetik an eine Waldkapelle, das neue Krematorium ist ein Betonskelettbau aus dem Jahr 2003. Gegenüber der Abdankungshalle, im Westen, liegt unterhalb des terrassierten Hauptplatzes die Gärtnerei. Sie fügt sich mit ihrer Architektur und dem Walmdach ebenfalls in das Gesamtensemble ein. Westlich der Gärtnerei befindet sich ein Werkstattgebäude im Stil der Schweizer Nachkriegsmoderne, das sich in seiner Bauweise und Ausrichtung den älteren, repräsentativeren Friedhofsbauten baulich unterordnet.
links|mini|Blick vom Hauptplatz auf den Rundweg und das Gemeinschaftsgrab Birkenhain Der südliche Friedhofsteil wurde von Rittmeyer nach dem dialogischen Prinzip gestaltet. Das äussert sich im Friedhof in Gegensätzen, die zueinander im Dialog stehen: Es gibt im Friedhof Wechsel zwischen aussen und innen, zwischen hell und dunkel. Im Eingangsbereich steht die Gärtnerei dem Krematorium gegenüber. Der offene Teil des Friedhofs wird dem Waldteil gegenübergestellt und die Urnenhaine stehen im Kontrast zum umliegenden Wald. Dabei wurde in der Anlage des Friedhofs auf offene Achsen verzichtet, die Wege sind um eine Wegbreite versetzt angelegt, um offene Achsen zu brechen. An den Wegkreuzungen wurde jeweils ein kleiner Platz angelegt und grössere Bäume wurden als Orientierungspunkte gepflanzt. Die grundsätzlich geometrisch angeordneten Grabfelder werden durch immergrüne Thujahecken abgegrenzt. In der südwestlichen Ecke, direkt hinter dem Friedhofseingang, sind in einem Viertelkreis Familiengräber sowie das 2003 errichtete Gemeinschaftsgrab Birkenhain angeordnet. Charakteristisch für den Waldteil sind die erst später von Rittmeyer & Furrer entworfenen Urnenhaine, die stilistisch wie Waldlichtungen in den Wald eingebettet sind. Am Rand dieser Urnenhaine sind Privatgräber vieler bekannten Winterthurer Familien zu finden. Diese Familiengräber entsprachen jedoch nicht der Philosophie von Robert Rittmeyer, dass mit dem Tod alle gleich sind, wurden aber letztlich aus finanziellen Gründen trotzdem angelegt. Weiter finden sich eine Vielzahl von Architekturgräbern im Friedhof, die zugleich eine Spezialität des Friedhofs sind Abgerufen am 13. März 2021. und sich in dieser Vielzahl auf kaum einem anderen Zürcher Friedhof finden lassen.
Beim nördlichen Friedhofsteil, der Erweiterung Merkelbachs von 1940, stand die Bepflanzung durch Fritz Haggenmacher unter dem Eindruck der damaligen Wohngartenbewegung. Typisch für diesen Teil sind japanische Ahornbäumchen sowie kleine Zierbrunnen, die in Natursteinmauern eingelassen sind. Die Gräber sind im Gegensatz zum ursprünglichen Friedhofsteil nur von der Talseite her zugänglich und zwischen den Gräbern gibt es mehr Spielraum für Bepflanzung. Beim Wegsystem behielt Merkelbach das Konzept Rittmeyers bei; das dialogische Prinzip hat er jedoch nicht weiterverfolgt. Der von Merkelbach angelegte dritte Urnenhain wurde konzeptionell als «Garten im Wald» angelegt. Er ist grösser als die beiden von Rittmeyer & Furrer angelegten Urnenhaine und erweckt dadurch nicht mehr den Eindruck einer Lichtung im Wald. Weiter unterscheidet er sich in seiner Ausrichtung und besitzt im Gegensatz zu den beiden ersten Urnenhainen kein ausgestaltetes Zentrum. Auch die ersten der entlang der östlichen Friedhofsgrenze erbauten Urnennischenwände gehen auf diese Erweiterung Merkelbachs zurück.
Friedhofskapelle mini|Friedhofskapelle Wer durch den Haupteingang schreitet, blickt als Erstes über den Hauptplatz auf die rechteckige Friedhofskapelle. Deren Eingangstür auf der Südseite liegt in einer Achse mit dem gegenüberliegenden Haupttor des Friedhofs. Ein halbkreisförmiges Oblicht über dem Eingang wird seitlich von zwei weiteren, gleichförmigen Fenstern flankiert. Vor dem Eingang hat die Kapelle eine arkadengestützte Vorhalle.
An der Westseite gibt es ebenfalls teilweise Arkaden, die jedoch nicht durchgängig sind und sich nicht an das Vordach anschliessen. Oberhalb der Arkaden ist ein auffälliges Mosaik von Karl Hugin angebracht. Rechts neben den Arkaden befinden sich zwei hohe Halbkreisbogenfenster, links davon ein weiteres kleines Fenster. Die dem Wald zugewandte Ostseite ist mit einem weiteren Eingang und zwei kleinen, halbkreisförmigen Fenstern weniger aufwendig ausgeschmückt. Im Norden wird das Dach mit einem Krüppelwalm abgeschlossen. Die Südfassade hat mehrere verschiedenartige Fenster. Die Kapelle besitzt ein Walmdach mit einem Dachreiter am südlichen Firstende; der Turmhelm ist aus Kupfer. Weiter sorgen an der Ost- und Westseite je drei Dachgauben für Beleuchtung in der Kapelle.
Das Innere der Kapelle ist mit Holztäfelung, Ornamenten und Jugendstilleuchten ausgeschmückt.
Abdankungshalle Die Abdankungshalle, früher mit Krematorium, steht im Waldteil des Friedhofs. Der aus einem Mittelschiff mit zwei flankierenden Seitenschiffen bestehende basilikale Bau erweckt den Eindruck einer Waldkapelle. Vom Hauptplatz her erreicht man die Halle über eine breite Treppe, die zum zurückversetzten Haupteingang führt.
Die gegen Westen ausgerichtete zweiflüglige Eingangstür der Abdankungshalle ist mit Ornamenten ausgeschmückt. Auf der Rückseite des ehemaligen Krematoriums befindet sich das als Apsis ausgeführte ehemalige Ofenhaus mit den seit 2003 nicht mehr benutzten Kremationsöfen. Eine offene, von schmalen dorischen Säulen gestützte Vorhalle umschliesst das Gebäude bis zur Apsis auf der Rückseite. Licht fällt durch über dem Vordach liegende kleine Halbbogenfenster sowie unterhalb des Vordachs liegende rechteckige Fenster in den Raum. Auf der Rückseite hat die Apsis hohe rechteckige Fenster. Über der Abdankungshalle thront ein steiles Satteldach.
Die Abdankungshalle bietet im Erdgeschoss 180 Sitzplätze und auf der Empore zusätzliche 30 Plätze. Mit einer Zusatzbestuhlung kann die Abdankungshalle bis zu 280 Personen Platz bieten. Das Interieur der Halle ist konfessions- und religionsneutral gestaltet. Auf der Empore befindet sich eine Orgel der Firma Kuhn Orgelbau mit 11 Registern.
Geschichte Vorgeschichte und Krematoriumsbau mini|Inneres des Krematoriums in den 1910er-Jahren 1905 gründete sich in Winterthur die Genossenschaft Feuerbestattungsverein Winterthur mit dem Ziel, in Winterthur möglichst bald eine Feuerbestattung zu ermöglichen. Zwei Jahre nach deren Gründung reichte die Genossenschaft bei der Stadt ein Gesuch um Zuweisung eines Bauplatzes für ein neues Krematorium ein.
Dieses Gesuch löste bei den städtischen Behörden eine Überprüfung des bisherigen Friedhofstandortes aus. Die Bodenbeschaffenheit des 1871 angelegten Friedhofs Rychenberg war nicht überall für eine Erdbestattung geeignet, weil der Verwesungsprozess teilweise unbefriedigend war. Die Untersuchungen führten im folgenden Jahr zum einstimmigen Beschluss, den Friedhof an den östlichen Waldrand des Lindbergs auf dem Rosenberg zu verlegen. Als Vorbild für die Standortswahl diente der 1906 in München durch Hans Grässel errichteten Waldfriedhofs. Der zukünftige Friedhof sollte nach Wunsch der Stadt auch zu einem Teil im Wald liegen. An dieser Stelle wiesen die Behörden 1908 dem Feuerbestattungsverein auch einen entsprechenden Bauplatz zur unentgeltlichen Nutzung zu.
Unabhängig von der restlichen Friedhofsplanung schritt danach der Feuerbestattungsverein mit seinen Planungen fort. Am 11. August 1909 bewilligte eine ausserordentliche Generalversammlung einen Kredit von 116'550 Fr. für den Krematoriumsbau, während die Stadt einen Beitrag von 20'000 Fr. zum Bau beisteuerte. Als Architekten für den Krematoriumsbau wurden die beiden bekannten Winterthurer Architekten Bridler & Völki verpflichtet. Der Krematoriumsbau konnte 1910 fertiggestellt werden und am 16. Januar 1911 wurde in Winterthur die erste Kremation durchgeführt.
Friedhofsplanung mini|links|Luftaufnahme von 1923 Mit der Zuweisung des Bauplatzes für das neue Krematorium begann 1908 auch die Planung für den neuen Friedhof. Bereits bei der Standortsauswahl holte sich die Stadt die Einwilligung der damals noch eigenständigen Gemeinde Veltheim, auf deren Gemeindegebiet der neue Friedhof teilweise geplant war. Nach Vorbild des 1906 in München durch Hans Grässel errichteten Waldfriedhofs sollte ein Teil des zukünftigen Friedhofs im Wald liegen. Erste Zeichnungen Rittmeyer & Furrers für solch einen Friedhof datieren ebenfalls auf das Jahr 1908.