mini|Wappen Friedrich IV. Truchseß von Emmerberg (nach 1587) mini|Ruine Emmerberg um 1900 mit verfallen Stallgebäuden im Vordergrund mini|Burg Emmerberg vom Süden aus gesehen
Die Burgruine Emmerberg (Emerberg) ist eine mittelalterliche Höhenburg im schon weit fortgeschrittenen Verfallsstadium auf einem Bergrücken über der Prossetschlucht im Südosten von Niederösterreich in der Marktgemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf. Die Burg war ein Glied der Befestigungslinie an der Nordgrenze der karantanischen Mark und war von der Mitte des 12. bis in das späte 18. Jahrhundert bewohnt. Danach erfolgte der Abbruch der Dächer und der allmähliche Verfall der Festungsanlage durch Steinraub und Verwahrlosung.
Lage und Topographie Die Burg befindet sich auf dem südwestlichen Sporn des 583 Meter hohen und dicht bewaldeten Schlossberges, am Nordrand des sogenannten Steinfeldes – ca. 10 km westlich von Wiener Neustadt. Der Sporn des Schlossberges weist an drei Seiten steil abfallende Felsen auf, so dass lediglich die Südostseite, an der eine Überhöhung durch den benachbarten Berghang gegeben ist, stark befestigt werden musste. Die Lage der Burg ist gut gewählt, von ihrem Standort aus kann man die gesamte "Neue Welt", eine fruchtbare Senke zwischen Hoher Wand und Fischauer Vorbergen und auch einen Teil des Steinfeldes überblicken.
Funktion Aufgabe der Besatzung war den Eingang in die Ebene der Neuen Welt durch die Prossetschlucht zu bewachen und notfalls zu sperren, der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern bei Gefahr Schutz zu bieten und als Signalstation (eines um 1200 entstandenen optischen Frühwarnsystems) in der Kette der Wehrbauten am Grenzabschnitt der Karantanischen Mark, heute das südöstliche Niederösterreich, zu dienen. Vom Emmerberg aus konnte jedoch nicht die Wiener Neustädter Pforte eingesehen werden, sie war das potentielle Einfallstor von Invasoren – besonders der Ungarn – aus dem Osten. Die Sichtverbindung von Burgstall Muthmannsdorf Richtung Osten reicht hingegen über das Steinfeld bis in die Wiener Neustädter Pforte. In der Gegenrichtung sind die Burg Starhemberg und die Kirchen von Muthmannsdorf und Maiersdorf zu sehen. Zu den Burgen am Emmerberg und Tachenstein gibt es vom Burgstall dagegen keine Sichtverbindung. Zur Übertragung von Licht- oder Rauchsignalen waren daher Zwischenstationen erforderlich. Eine von ihnen war die Pfarrkirche von Maiersdorf, von dort aus konnte man beide Burgen sehen. Bei Angriffen wurden deren Besatzungen durch Warnfeuer der Beobachtungsposten auf dem Burgstall (Kleinburg) und Maiersdorf (Pfarrkirche) alarmiert.
Entwicklung
Der Hauptschub der bairischen Kolonisation erfolgte ab 1042 nach dem endgültigen Sieg über das Reitervolk der Magyaren bei Pitten. Die Besiedlung war schon nach etwa 200 Jahren weitgehend abgeschlossen. Die Grundherren rodeten die damals noch ausgedehnten Wälder, um mehr Ackerland zu schaffen. Die Kolonisten erhielten dann die neu entstandenen Liegenschaften als Lehen und wurden dadurch hörige Bauern. Diese Rodungsherrschaften wurden meist nicht schriftlich dokumentiert. Rückschließend von den zahlreichen verschiedenen Besitzverhältnissen der Höfe waren daran aber ziemlich sicher die Herren von Stixenstein, Emmerberg, Vöstenhof (Neydegghof) und Schrattenstein beteiligt.
Um das Jahr 1170 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Emmerberg war, wie auch die benachbarte Festung Starhemberg, ein wichtiges Glied in der Befestigungskette an der Nordgrenze der karantanischen Mark. Sie dürfte um die Mitte des 12. Jahrhunderts, zwischen 1160 und 1170, entstanden sein. Die dort ansässige Familie der Emmerberger zählte zu den Ministerialen der Otakare, vermutlich war die Festung als landesfürstliches Lehen in ihren Besitz gelangt. Burgherr war damals Durinch de Emberberch. Zur Zeit der Babenberger zählten die Emmerberger zu den vornehmsten Familien im Herzogtum Steiermark. Sie waren auch mehrere Generationen lang mit dem wichtigen Amt des Truchsessen betraut. Ihr Wappen zeigt einen Wassereimer auf blauem Feld, was zu etlichen Sagen und Legenden Anlass gab. Die genaue Bedeutung dieser Symbolik konnte aber wissenschaftlich nie ganz geklärt werden. Zwei Familienzweige waren in der Steiermark sesshaft, wo sie auch mehrere Burgen in ihren Besitz brachten.Dort, wo man heute die Ruine Emmerberg erblickt, stand einst nur eine Kapelle. Sie war der Obhut eines alten Mannes anvertraut, der nebenan eine Hütte besaß und mit seinem Sohne Ludolf ein Gärtchen um das kleine Gotteshaus angelegt hatte. Täglich stieg der Knabe mit einem Eimer in die Schlucht hinab, um für seine Blumen Wasser aus dem klaren Bächlein zu holen. Da begegnete er eines Tages einem Jäger, der ihn um einen Labetrunk bat. Ludolf gab ihm zu trinken und erzählte ihm während der Rast von der Kapelle und von seinem Vater. Wohlgefällig hörte der Jäger dem Knaben zu und forderte ihn schließlich auf, ihn zur Kapelle hinaufzuführen. Dort angelangt, machte er dem alten Vater den Vorschlag: „Wenn es Euch recht ist, nehme ich Euren Sohn mit an der Herzogshof in Wien und will dort für ihn sorgen.“ Erstaunt fragte der Alte: „Wer seid Ihr?“ Doch kaum hatte er die Frage gestellt, da erscholl Hörnerklang von allen Seiten; Ritter und Knechte strömten herbei und neigten sich ehrfürchtig vor dem fremden Jäger. Der wandte sich gütig zu dem alten Vater und sprach: „Ich bin Herzog Leopold. Was gedenkt Ihr nun zu tun?“ „Herr, nehmt den Knaben hin,“ sagte dankerfüllt der Alte, „ich will seinem Glück nicht im Wege stehen.“ Hocherfreut zog Ludolf mit seinem Gebieter nach Wien. Aus dem Knaben wurde nachmals ein tapferer Rittersmann, der auf dem Felsen an Stelle der heimatlichen Hütte eine stattliche Burg erbaute. Zur Erinnerung daran, dass er als armer Knabe täglich den „Emmer“ zur Hütte hinangetragen, nannte er die Burg, Emmerberg. (Hans Fraungruber)
1218 findet sich unter den Zeugen einer Urkunde, die Herzog Leopold VI. den Glorreichen im Feldlager des Sechsten Kreuzzug vor der Festung Damiette ausgestellt hatte, auch ein Berthold von Emmersberg ("Bertholdus de Embirberch Dapifer")Anm.: Dapifer meint einen Truchsess.. Im Jahr 1249 wird die Festung Emmerberg als castrum bezeichnet. In der Steirischen Reimchronik wird berichtet, dass einer der Emmerberger, Berthold IV, 1278 in der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen den Böhmenkönig Ottokar II. Přemysl vom Pferd gestochen hatte, weil dieser zuvor seinen Onkel Seifried von Mahrenberg auf grausame Art hingerichtet haben soll. Die Historiker zweifeln diese Darstellung jedoch an und vermuten, dass Ottokar in Wirklichkeit im Kampfgetümmel fiel. 1289 stürmte Berthold, als Heerführer Herzog Albrechts von Österreich, die Burg Güssing und erhielt sie für einige Zeit als Lehen. Friedrich IV. Truchsess von Emmerberg bekleidete von 1441 bis zu seinem Tod 1452 das Amt des Erzbischofs von Salzburg. Das Geschlecht der Emmerberger starb 1455 im Mannesstamme aus.
Aber schon 1384 wurde Ludwig von Eckartsau durch Herzog Albrecht III. mit der Burg belehnt. Ihm folgte sein Sohn Kardolt der die Festung an die Brüder Hans und Adam Linzer verkaufte, die wiederum von Herzog Albrecht IV. damit belehnt wurden. Der nächste bekannte Lehnsmann war Hans Haring, der Emmerberg um 1425 an seinem Vetter Kaspar abtrat. Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert wurde sie noch mehrmals umgebaut, musste sich während dieser Zeit jedoch nie in einer Belagerung bewähren. Als man im 17. Jahrhundert die Burgen des Erzherzogtum Österreich wegen der drohenden Türkeneinfälle auf ihre Verteidigungsfähigkeit überprüfte, wurde Emmerberg allerdings – im Gegensatz zu Starhemberg – nicht als Fluchtort für die umliegende Bevölkerung bestimmt. In dieser Zeit wechselte sie in rascher Abfolge ihre Besitzer. Unter anderem scheinen die Familien
Wolfenreut (um 1430–1494), Brüder Teufel, die Freiherren Christoph, Johann Christoph, Georg Christoph und Johann Christian zu Gundersdorf (1581–1592) Brassican, Spaur (um 1500), Heussenstein (ab 1706) und Minassi und von Suttner (1805)
als Burgherren auf. Der letzte der Wolfenreuter auf Emmerberg, Georg, starb am 24. April 1549. Zuvor hatte er seine Tochter Elisabeth mit Erasmus von Schärfenberg verheiratet, der nun Herr auf Emmerberg wurde. Elisabeth (sie stirbt 1579) vererbte die Burg an ihre zwei Töchter Julia und Sidonie, worauf das Manneslehen als verfallen erklärt wurde. Schärfenberg erwirkte daraufhin von der Landesregierung die sogenannte Viertelsgnade, d. h. den Zuspruch für den vierten Teil des Lehens. Er bekam damit aber anscheinend das gesamte Lehen unter seine Kontrolle, da er es bald danach, laut Lehensbrief vom 11. Februar 1581, an den Freiherren von Teufel veräußerte. Um 1590 belehnt Kaiser Rudolf II. (HRR) Johann Alexander von Brassican († 1631) mit der Veste Emmerberg und verlieh ihm das Recht sich und seine Nachkommen danach zu benennen. Emmerberg wurde von dessen Sohn, Hans Friedrich Brassican verwaltet, der den Besitz in einen Fideikommiss überführte. Nach diversen Erbstreitigkeiten unter den Brassican fiel die Burg an Graf Johann Anton von Spaur, der auch die benachbarte Burg Starhemberg verwaltete.
Emmerberg befand sich bis 1706 im Besitz der Familie Spaur, danach ging sie (zusammen mit der Festung Starhemberg) in den Besitz des Grafen Heussenstein über. Die Zerstörung der Burg wurde 1760 durch Graf Heinrich von Heussenstein eingeleitet, der aus steuerlichen Gründen (Dachsteuer) den Eichendachstuhl abdecken und das Material verkaufen ließ. Ab da wurde die Burg deshalb auch von ihren letzten Bewohnern verlassen. Karl Reichsgraf v. Heußenstamm zu Heißenstein und Grafenhausen, Freiherr zu Starhemberg-Emmerberg (1799–1871) war der letzte, der Emmerberg im Namen führte. Er war noch vor dem Verkauf von Starhemberg und Emmerberg geboren und lebte in Wien. Die Familie hatte seit 1637 das vom Kaiser Ferdinand III. verliehene Recht, „...sich nach etwa noch zu erwerbenden Schlössern und Herrschaften nennen zu dürfen.“ Ab 1805 fiel der Besitz zuerst an eine Frau Minassi, etwas später an Vincenz von Suttner, 1807 an die Freiherren von Stutterheim. 1811 erbte der königlich-sächsischen Offizier Karl Friedrich Ludwig von Watzdorf (1759–1840), Gesandter am russischen Zarenhof, die Herrschaft Emmerberg.
Von 1814 bis 1833 war die Herrschaft Emmerberg Eigentum der Grafen Wartensleben. S. 144. Da die Festung nicht mehr bewohnbar war, ließ Ferdinand Wilhelm Graf Wartensleben (1778–1821) am Fuß des Burgberges ein Herrenhaus (das heutige Forsthaus) und große Stallungen (heute sind davon nur mehr die Grundmauern erhalten) errichten. Das dafür nötige Baumaterial wurde aus der Ruine gewonnen, aus der sich auch die ihm untertänigen Bauern bedienen durften. Der Steinraub hält bis heute an, so sind z. B. die Fußbodenplatten aus der konservierten Kapelle verschwunden. Viele Gartenmauern in der näheren Umgebung wurden ebenfalls mit Steinematerial aus der Ruine erbaut. Wartensleben übersiedelte auch sein knapp 40 km von Emmerberg entferntes Gut Rehhof samt dem dort ansässigen Gestüt nach Emmerberg. Friedrich verstarb jedoch schon in jungen Jahren und war bei seinem Tod hoch verschuldet. Der Erbe, sein Bruder Graf Alexander Wilhelm Wartensleben (1787–1844) konnte den Konkurs nicht mehr abwenden und verkaufte Emmerberg für 80.000 Gulden an den Vizekönig von Lombardo-Venetien, Erzherzog Rainer. S. 278 1853 ging die Burg an seinen ältesten Sohn Leopold von Österreich (1823–1898), dieser lebte unweit in dem von ihm erbautem Schloss Hernstein, war passionierter Jäger und hatte unter anderem auf der Hohen Wand einen Tiergarten einrichten lassen. Auch Leopold verstarb kinderlos und Emmerberg ging schlussendlich in den Besitz von Leopold Salvator von Österreich-Toskana (1863–1931) über. Das mittlerweile stark von Vegetation überwucherte Areal der Ruine und die umliegenden Wälder befinden sich bis heute im Besitz der Familie Salvator Habsburg-Lothringen.
Burganlage