Susanne Beck (* 1977 im Bayerischen Wald) ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin und Professorin an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Schwerpunkte liegen im Strafrecht, Strafprozessrecht, in der Rechtsphilosophie und im Recht moderner Technologien.
Leben und akademische Laufbahn Susanne Beck besuchte von 1987 bis 1996 das Gymnasium Casimirianum in Coburg. Beck studierte von 1996 bis 2000 Rechtswissenschaften mit den Schwerpunkten Europa- und Völkerrecht an der Universität Würzburg und absolvierte danach ihr Referendariat in Schweinfurt, Würzburg und Sydney. 2006 wurde sie mit einer Arbeit über Stammzellforschung und Strafrecht promoviert, 2007 erwarb sie einen LL.M. an der London School of Economics and Political Science. 2013 habilitierte sie sich in Würzburg mit einer Arbeit über strafrechtliche Verantwortlichkeit und Kollektivierungsprozesse. Seit dem Wintersemester 2013 hat sie in Hannover den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafrechtsvergleichung und Rechtsphilosophie inne; sie leitet außerdem das Kriminalwissenschaftliche Institut und ist Dekanin der Juristischen Fakultät. Einen Ruf an die Universität Frankfurt am Main lehnte sie 2018 ab. Seit Januar 2026 ist sie Vorstandsvorsitzende des Landespräventionsrats Niedersachsen. Sie ist Mitglied von acatech und der Braunschweigischen Wissenschaftsgesellschaft.
Forschung und Positionen Zu Becks Forschungsbereichen gehören das Allgemeine Strafrecht, insbesondere Fragen der Einwilligung und der Schuld, das Strafrecht moderner Technologien, das Medizinstrafrecht sowie das Verhältnis von Ethik und Recht im Kontext moderner Gesellschaftsfragen. Weitere Schwerpunkte sind die Strafrechtsvergleichung, insbesondere deren Methodik, sowie Rechtsphilosophie und Rechtstheorie mit Fragen der Methodik, der Beziehungen von Recht und Ethik, der Einbeziehung anderer Disziplinen und der Bewertung von Gesetzen.
Sexual- und Gewaltstrafrecht Beck weist darauf hin, dass das deutsche Sexualstrafrecht an einen erkennbaren entgegenstehenden Willen anknüpft und dadurch Fälle problematisch sein können, in denen Betroffene in eine Schockstarre geraten und ihren Willen nicht äußern. Im Zusammenhang mit digital vernetzten Vergewaltigern bezeichnete sie das Dunkelfeld als sehr groß und verwies auf Ermittlungsprobleme durch pseudonymisierte und grenzüberschreitende Kommunikation. Sie kritisiert außerdem die kurze Verjährungsfrist bestimmter Sexualdelikte und fordert bessere Unterstützung von Betroffenen im Strafverfahren sowie mehr Prävention. Bei Tötungen von Frauen betont Beck, dass Femizide in allen Gesellschaftsschichten vorkämen und häufig im Kontext von Partnerschaften, Trennungen, vorangegangener Gewalt, Kontrolle oder Stalking stünden. In strafrechtspolitischen Debatten warnt sie vor einer einseitigen Verschärfungslogik und wirbt dafür, auch Konzepte der Restorative Justice beziehungsweise wiederherstellenden Gerechtigkeit stärker zu berücksichtigen.
Technik und Rechtsphilosophie Beck untersucht, wie Verantwortung zugerechnet werden kann, wenn autonome Systeme an Entscheidungen beteiligt sind. Bei autonomen Waffensystemen sieht sie Probleme der Verhältnismäßigkeit, menschlichen Kontrolle und Verantwortungszurechnung und warnt vor Verantwortungslücken durch die Delegation von Entscheidungen an Maschinen. In der Debatte über digitale Gewalt sieht Beck Regelungslücken bei pornografischen Deepfakes, weil bestehende Straftatbestände nicht ohne Weiteres auf KI-generierte Abbildungen übertragen werden können. Strafrechtliche Nachbesserungen hält sie für sinnvoll, warnt aber davor, von ihnen allein eine Lösung digitaler Gewalt zu erwarten, da Rechtsdurchsetzung und Täterermittlung im Netz schwierig bleiben.
Schriften (Auswahl)
Wissenschaftliche Beiträge Stammzellforschung und Strafrecht. Zugleich eine Bewertung der Verwendung von Strafrecht in der Biotechnologie. Berlin 2006, ISBN 3-8325-1358-2. (Hrsg.): Krankheit und Recht. Ethische und juristische Perspektiven. Berlin 2017, ISBN 3-662-52650-6. mit Thomas C. Knierim, Anna Oehmichen und Claudius Geisler: Gesamtes Strafrecht aktuell. Baden-Baden 2018, ISBN 3-8487-4223-3. mit Carsten Kusche und Brian Valerius (Hrsg.): Digitalisierung, Automatisierung, KI und Recht. Festgabe zum 10-jährigen Bestehen der Forschungsstelle RobotRecht. Baden-Baden 2020, ISBN 3-8487-7705-3. mit Brian Valerius, Carsten Kusche, Felix Ruppert: Fälle zum Wirtschaftsstrafrecht, erschienen am 30. Juli 2021, ISBN 978-3-406-76282-6. (Hrsg., mit Erol Pohlreich, Bernd-Dieter Meier, Georgia Stefanopoulou und Sascha Ziemann): Strafrecht in der Krise, Nomos Verlag, Baden-Baden 2022, ISBN 978-3-8487-8879-8. mit David Samhamer, Klemens Budde, Aljoscha Burchardt, Michelle Faber, Simon Gerndt, Sebastian Möller, Bilgin Osmanodja, Roland Roller, Peter Dabrock: Klinische Entscheidungsfindung mit Künstlicher Intelligenz, Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-67007-1.
Kriminalromane Bocksbeutel-Verschwörung, Meßkirch 2025, ISBN 978-3-8392-0847-2.
Auszeichnungen Anlässlich der Verleihung der Gorgias- und Alkidamas-Wanderpreise für Rhetorik und Didaktik im Wintersemester 2020/21 und Sommersemester 2021 erhielt Susanne Beck den 3. Preis für die Vorlesung Grundkurs zum Strafrecht I. Im Sommersemester 2025 und Wintersemester 2024/2025 erhielt sie den 2. Preis für die Vorlesung Grundkurs zum Strafrecht II. Für das folgende Jahr erhielt sie den Preis auf dem 1. Platz für die Vorlesung Grundkurs zum Strafrecht II.
Weblinks
jura.uni-hannover.de www.susanne-beck.com Porträt von Susanne Beck bei Background Tagesspiegel, erschienen am 23. Juli 2020
Einzelnachweise
Kategorie:Strafrechtler (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover) Kategorie:Absolvent der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1977 Kategorie:Frau Kategorie:Strafprozessrechtler (21. Jahrhundert) Kategorie:Rechtsphilosoph (21. Jahrhundert) Kategorie:Sachbuchautor (Rechtswissenschaft)