Karl Aegerter (* 16. März 1888 in Basel; † 5. Dezember 1969 ebenda) war ein Schweizer Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator und Politiker.
Leben und Werk Karl Aegerter wuchs in armen Verhältnissen auf und musste im Alter von sieben Jahren als Verdingbub arbeiten. Er wollte wie sein älterer Bruder August Samuel (1878–1971) Künstler werden. Aegerter arbeitete in Fabriken und auf Baustellen, bevor er eine Lehre als Dekorationsmaler absolvierte. Ab 1905 besuchte er die Malschule von Heinrich Knirr an der Akademie der Bildenden Künste München. Aegerter zog 1924 aus gesundheitlichen Gründen nach Graubünden und widmete sich dort der Landschaftsmalerei. Zudem unternahm er Studienreisen nach Wien, Budapest, Berlin, Dresden und Sachsen. Dank eines Stipendiums der öffentlichen Kunstsammlung Basel reiste er nach Rom und Italien. 1927 hielt sich Aegerter in Brüssel und 1928 in Paris auf.
Als Maler zählte Aegerter zur Basler Künstlergruppe der Dunkeltonigen. Zu dieser Gruppe gehörten Otto Roos, Paul Basilius Barth, Jean Jacques Lüscher, Numa Donzé, Karl Theophil Dick und Heinrich Müller.Müller, Heinrich. In: Sikart, abgerufen am 12. März 2021. Die Künstler dieser als «Basels klassische Malergeneration» bezeichneten Gruppierung pflegten einen freundschaftlichen Austausch mit der 1918 gegründeten Basler Künstlergruppe «Das neue Leben» und mit der Künstlergruppe «Rot-Blau» und beeinflussten die Entwicklung der Basler Malerei nach der Jahrhundertwende bis in die 1920er-Jahre massgeblich.
Der grösste Teil von Aegerters Schaffen stammt aus der Phase des sozialen Realismus. Diese Werke stellte er 1926 in der Kunsthalle Bern zusammen mit Käthe Kollwitz, Dora Lauterburg, Hans Brasch, Friedrich Traffelet, Otto Séquin und Reinhold Rudolf Junghanns aus. Seine Bilder werden häufig mit denen von Edvard Munch verglichen.
alternativtext=Friedhof am Hörnli. Grab von Karl Aegerter (1888–1969) Elisabeth Gerter (1895–1955), Martha Aegerter (1906–2000)|mini|Grabinschrift. Friedhof am Hörnli.
Als Mitglied der Kommunistischen Partei Schweiz (KPS) Sektion Basel gab Aegerter 1926 seine künstlerische Tätigkeit auf, um sich als Parteisekretär zu engagieren. Als die KPS 1940 verboten wurde, wechselte Aegerter in die Sozialdemokratische Partei. Er war von 1932 bis 1941 Basler Grossrat, ab 1948 als Richter tätig. Zudem war er langjähriger Präsident der Sektion Basel der Gesellschaft Schweizerischer Maler und Bildhauer (GSAMBA).
Aegerter lernte 1926 Elisabeth Gerter kennen und heiratete sie 1932. Aegerter illustrierte ihre Werke, von denen viele in der Schweiz mit grossem Erfolg veröffentlicht wurden.
Aegerter lebte mit seiner Frau ab 1947 für längere Zeit in Borinage und hielt das herrschende Elend der Bergarbeiterfamilien in einem Bildzyklus fest. Diese Bilder gelten zusammen mit dem Gemäldezyklus Menschen von Heute aus den 1920er-Jahren als Aegerters Hauptwerk. Mit Ausnahme der Humanität wurden alle Wandbilder Aegerters in Basel und Umgebung in der Folge städtebaulicher Veränderungen zerstört. Aegerters Werke befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen. So erwarb der Kunstkredit Basel-Stadt Werke von ihm.
Als seine Frau 1955 starb, heiratete er Martha, geborene Buchser (1906–2000). Karl Aegerter fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof am Hörnli.
Ausstellungen
1917: Königliche Akademie München, Wettbewerb List of Works held by Collections "Arbeiter" 1924: Grafik (August und Karl Aegerter), Galerie Richter, Dresden 1925: Gemälde (zus. mit August Aegerter, Hermann Geibel und 4 anderen Künstlern), Werdau 1925: Gemälde, Stadtmuseum Bautzen 1925: Gemälde, sächs. Kunstverein, Dresden 1926: Graph. Ausstellung: Käthe Kollwitz, K.A., Hans Brasch, Dora Lauterburg, R.R. Junghanns, Otto Séquin, Fritz Traffelet, Kunsthalle Bern 1926: Galerie Stegmeier, Biel 1927: Kunsthalle Bern, Weihnachtsausstellung 1941: Nationale Kunstausstellung, Luzern Jeweils Bilder an den Weihnachtsausstellungen des Basler Kunstvereins, 1937–1945. Malerei, Grafik (Figürliches, Landschaft und Porträt) 1943: Gruppenausstellungen (GSMBA, Sektion Basel), Mustermesse, Kunsthaus Zürich 1944: "Jüngere Basler Künstler", Kunsthalle Fälkli, Basel 1945: Gruppenausstellung "Engadiner Landschaften", Galerie Wolfsberg, Zürich 1945: Gruppenausstellung (GSMBA), Bern 1945: Gruppenausstellung (GSMBA, Sektion Basel), Kunsthaus Zürich 1947: Regionale Ausstellung des Schweiz. Kunstvereins, Kunstmuseum St. Gallen, Chur und Solothurn 1948: Gruppenausstellung, 5 Basler Maler, Kunsthalle Bern 1950: Jubiläumsausstellung Karl Aegerter, Jacques Düblin, Emil Knöll, Karl Moor, Walter Schneider, Kunsthalle Basel 1950: Gruppenausstellung, (XXII. GSMBA) 1953: Museum Allerheiligen, Schaffhausen 1959: Karl Aegerter/Niklaus Stoecklin, Kunsthalle Basel 1959: Kunstmuseum Luzern, "Moderne Wandmalerei in der Schweiz 1961: Ausstellung Alpiner Kunst, Thun 1965: Brüssel, "Les arts en Europe" 1997+1998: Galerie Laterne, Basel 2002: Karl Aegerter/Ruedi Pfirter, Galerie Laterne, Basel 2005: Galerie Laué, Avenches, Gruppenausstellung, "Maler des Menschlichen" 2007: Galerie Laterne, Basel 2008: Engadin aus malerischer Sicht, Galerie Curtins, St. Moritz (Gruppenausstellung zus. mit: Alioth, Max A.A., Giacometti, Alb., Giacometti, Silvio, Guidon, J., Heitz, Leni, Könz, Constant, und Emil Nolde, Peltenburg-Breschneff, Sigg, H.A., Vinzens, Ursina)
Literatur
Hans Krattiger: Kunst als ethisches und politisches Engagement. Karl Aegerter zum Gedenken (1888-1969). In: Basler Stadtbuch 1971, S. 178–181 (Digitalisat).
Weblinks
(Stand 2012) Karl Aegerter In: Sammlung Kunstkredit Basel-Stadt 5. Juni 2001
Karl Aegerter in Artnet
Einzelnachweise
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