mini|Der Außenminister der VR Korea Ri Yong-ho (li.) beim Staatsbesuch in Teheran 2018. Die modernen iranisch-koreanischen Beziehungen konnten erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen, da zuvor keine frei bestimmten Staatswesen im modernen Sinne bestanden.
Zwar hat man versucht Beziehungen der antiken und vormodernen Völker zu belegen, dies geht aber über wenige Textstellen nicht hinaus.Z.B. „Koryo“ im Kitab al-Masalik wa-l-Mamalik, von ?846. Dazu Gosfield, Frank [u. a.]; Korea: Land of the 38th Parallel; New York 1969, S. 31.Das Kush Nama () aus dem 11. Jhdt. soll eine Bezüge auf Silla enthalten. [= The 1500 years' Korea-Iran cultural encounter based on a persian epic: Kushnameh]; 2013 (.)Weiterführend: ; Comparative Study of the Metaphysical Basis of the Political Thought of Ancient Iran and China; [ISSN 1225-570X], Vol. 36 (2018), № 3, S. 53–72.
1948 bis 1979 Bis 1945 waren beide Nationen von fremden Mächten besetzt.Zu Iran vgl.: Mohammad Gholi Majd; Iran Under Allied Occupation in World War II: The Bridge to Victory & A Land of Famine; Lanham 2016 (University Press of America); ISBN 978-0-7618-6738-8. Iran war Gründungsmitglied der UNO und Mit-Unterzeichner des Friedensvertrags von San Francisco mit Japan, wodurch letzteres endgültig auf seine Verwaltung Koreas verzichtete, die seit 1905/10 bestanden hatte. Als Klientelstaaten der USA hatten diese beiden im Kalten Krieg nur eingeschränkten außenpolitischen Spielraum. Bis heute handelt es sich deshalb bei den iranisch-koreanischen Beziehungen um eine komplexe Dreiecksbeziehung zwischen vier Regierungen.
Das frisch befreite Iran leistete sich unter dem einzigen dort jemals demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh, bis dieser 1953 vom CIA aus dem Amt geputscht wurde, eine vergleichsweise unabhängige Außenpolitik, die sich trotzdem an den Westen anlehnte. Man nahm deshalb am Koreakrieg, der unter US-amerikanischer Führung 1950–53 stattfand, nicht teil, obwohl eine entsprechende Aufforderung ergangen war. Bis zum Sturz der Diktatur des Schah 1979 blieb Iran den Vereinigten Staaten von Amerika auf engste verbunden.
Seit 1979 Nach 1979 war die iranische Regierungslinie offiziell weiterhin anti-kommunistisch. Iranischen Pragmatismus zeigt die Karriere des Diplomaten Hassan Taherian: 1980–91 war er Geschäftsträger bzw. Botschafter in Seoul, 1992–93 und 2002 in derselben Stellung in Pjöngjang und dann 2014–18 wieder in Seoul.
Beziehungen Irans zur Demokratischen Volksrepublik Korea Die Volksrepublik Korea ist in Teheran seit September 1973 mit einer Botschaft vertreten. Man unterzeichnete Handels- und Kulturabkommen. Diese wurden 1982 und 1988 neu gefasst und erweitert.Vgl. Kapitel 4-6 in: Metzler, John J.; Divided dynamism: the diplomacy of separated nations : Germany, Korea, China; Lanham ²2014 (Univ. Press of America); ISBN 978-0-7618-6346-5
In den schweren Tagen der ersten Jahre des Kampfes gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein, der damals noch von den USA gestützt wurde, näherte man sich den Nordkoreanern schnell an, da sie seit September 1980 willens waren Waffen zu liefern – pragmatisch gemäß dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ Seit 1980 wurden für geschätzt zwei Milliarden Dollar Waffen auch chinesischer Produktion, vor allem Artillerie, geliefert.Nach anderen Angaben 1980-2 Waffen für 800 Mio. und im Jahr 1984 300 in die Islamische Republik Iran entsandte Techniker (nicht-neutrale südkoreanische Quelle: Bukgoi oi Pokryok Suchul Jaryo; Kukje Munje, Sept. 1983, S. 128-131, zit. in: Park, J.; Foreign Relations of North Korea; Seoul u. a. 1987, S. 402.) Die höchstrangigen Besucher waren im Oktober 1983 der iranische Premier Mir Hossein Mussawi und Verteidigungsminister Mohammad Salimi ().Vgl. Kap. Between Ideology and Interest: North Korea in the Middle East; in: Pak Chae-gyu; The foreign relations of North Korea; Seoul (Kyungnam Univ) und Boulder Col. 1987 (Westview); ISBN 0-8133-0569-1.Iranisches Auslandsvermögen wird seit 1979, unter teilweise fadenscheinigen Begründungen, „eingefroren“ sprich beschlagnahmt. Vgl. 1) Farber, David R; Taken hostage: the Iran hostage crisis and America's first encounter with radical Islam; Princeton 2004, S. 119; 2) Houghton, David Patrick; US foreign policy and the Iran hostage crisis; New York 2001 (Cambridge Univ. Pr.); S. 46–50; 3) "The master plan to manage Iran" The National Interest (2014-12-02; “Published by The Center for the National [= US] Interest”). Das Handelsvolumen zwischen Iran und Nordkorea erreichte vor 1990 6,8–9,6 % des Gesamtaußenhandels beider Staaten.An Analysis of North Korea's Principal Trade Relations, Center for Asian Studies 2010, S. 10f. (basierend auf südkoreanischer Statistik). Aufgrund der Wirtschaftskrise kollabierte dieser seit 1991.
Später wurde die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie ausgebaut, was in westlicher Berichterstattung oft auf die Kernwaffenprogramme der beiden Staaten reduziert wird.1) Kerr, Paul; Iran, North Korea Deepen Missile Cooperation; Arms Control Today, Vol 37 (2007), № 1, S. 38–39; 2) Bechtol, Bruce E.; North Korea and Military Proliferation to Iran: Pyongyang’s Most Important Customer; in: North Korean Military Proliferation in the Middle East and Africa: Enabling Violence and Instability; Lexington 2018 (University Press of Kentucky), S. 80-100 [Verf. ist Assistenzprofessor für Nationale Sicherheit am Air Command and Staff College (ACSC) der US-Luftwaffe].Vgl. Cumings, Bruce; Ma’oz, Moshe; Abrahamian, Ervand; Inventing the Axis of Evil: The Truth About North Korea, Iran, and Syria; New York 2004; ISBN 1-56584-904-3.Myth of a ‘Special’ North Korea-Iran Relationship: Iran-North Korea relations aren’t as deep or important as Western observers sometimes assume. The Diplomat (2017-03-31). Ende Januar 2012 erklärte James R. Clapper, Direktor aller 16 US-amerikanischen Geheimdienste, vor dem US-Senat, dass es keine handfesten Beweise gebe, dass die Islamische Republik Iran eine Atomwaffe baue.New York Times: U.S. Agencies See No Move by Iran to Build a Bomb, 24. Februar 2012. Tatsächlich versorgen die beiden von Sanktionen betroffenen Partner gegenseitig mit den jeweils vom anderen benötigten Mangelwaren. Koordiniert wird dies durch eine Ende 1989 eingerichtete gemeinsame Verteidigungskommission. Naturgemäß wird hierzu Stillschweigen gewahrt. In den späten 1990er Jahren lieferte Iran 40 Prozent des Ölbedarfs der DPRK. Insgesamt erreicht der Austausch, der für 2009 wieder auf 2 Mrd. Dollar geschätzt wurde, bei weitem nicht das Volumen des Handels zwischen Iran und Südkorea.
Es gibt in den 2010er Jahren iranischerseits keine Berührungsängste mit der VR Korea. So reiste Anfang September 2011 der Parlamentspräsident Ali Laridschani für einen dreitägigen Besuch nach Pjöngjang.
Wirtschaftsbeziehungen Irans zu Südkorea mini|Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye auf Staatsbesuch in Teheran 2016. Mit Südkorea hat Iran Oktober 1962 diplomatische Beziehungen aufgenommen, nachdem bereits 1957 eine erste Nahostreise des Militärdiktators Rhee Syng-man stattgefunden hatte.10 Länder der Region zwischen 15. Apr. und 24. Juni 1957. Zeitgenössischer koreanischer Bericht in Azad (2018), S. 137–46. Eigene Botschaften eröffnete man in Teheran im Mai 1967, in Seoul erst im April 1975. Schon Mai 1969 unterzeichnete man einen Freundschaftsvertrag.
Die seit den 1960ern staatlich geförderte Industrialisierung Südkoreas führte dazu, dass man hinsichtlich des BSP 1975/6 mit Nordkorea gleichzog, um danach rapide zu einem entwickelten Land aufzusteigen. Die KOTRA ist seit August 1964 in Iran präsent. Im Jahr 1974 lag das Handelsvolumen beider Staaten noch unter US$ 80 Millionen (≙ : US$ ). Es verdoppelte sich im nächsten Jahr und lag 1976/7 bei 340 Millionen (≙ : US$ ). Die dazu notwendige Einfuhr von Rohstoffen, vor allem Öl, machten Iran zu einem wichtiger werdenden Handelspartner, wobei die Ölkrisen 1973 und 1979/80 verteuerten Importe auszugleichen waren, denn zwischen den beiden Krisen war der koreanische Verbrauch um 94 % gewachsen.
Nach der islamischen Revolution verschlechterten sich die Beziehungen zunächst, nicht nur weil Südkorea den USA bei der Operation Eagle Claw logistische Unterstützung gewährt hatte, sondern auch weil man an Waffenexporten doppelt profitierte. Noch zur Zeit des Schahs hatte Iran in den USA Waffen für hunderte Millionen Dollar bestellt und voraus bezahlt. Nach der Befreiung weigerten sich die Amerikaner zu liefern und traten die meisten dieser Waffen an ihre koreanischen Verbündeten ab. Diese wiederum verkauften sie an die Islamische Republik Iran (die ja schon die USA bezahlt hatte).Eines der Geschäfte des Iran-Contra Skandals, vgl. U.S. Ambassador to South Korea under Scrutiny of Iran-Contra Probe; Associated Press vom 31. Juli 1991. Während des Golfkriegs blieb der Regierung jedoch kein Verhandlungsspielraum.Azad, Shirzad; Koreans in Iran; New York 2018; ISBN 978-1-62894-335-1 Für iranische Verärgerung sorgte auch die de facto-Verstaatlichung eines Raffinerie-Joint Venture in Korea. Der Anteil des Nahen Ostens am koreanischen Exportvolumen fiel kriegsbedingt auf 5,6 % (1986).
Nach einem Besuch des Handels- und Außenministers Park Soo-gil () in Teheran im April 1987 nahm der Handel wieder zu. Man normalisierte die diplomatischen Beziehungen vollständig wieder 1989.Entsprechende Dokumente in Oegyo munsŏ [„Diplomatisches Archiv“], Seoul 1994 (Außenministerium). Siehe auch die Jahrbücher Daehan minguk oegyo yeonpyo;Seoul (Außenministerium). Das lag daran, dass die südkoreanische Seite nach Ende der Präsidentialdiktatur sich seit 1988 pragmatisch für „Wirtschaft vor Ideologie“ (cheongkyong bun) entschieden hatte. Schon 1990 erreichte das Handelsvolumen wieder 1,24 Milliarden Dollar (≙ : US$ Mrd.). Dies stieg 1999 auf 2,3 Milliarden, wobei Iran zu den fünf wichtigsten Exportzielen gehörte. Ein 1998 geschlossenes Luftfahrtabkommen sah Direktflüge vor.Zunächst 4 p.w., ausgeweitet 2016 auf 11 p.w. Direct Flights Between S. Korea-Iran; Pakistan & Gulf Economist, Vol. 35, № 29 (July 24, 2016). Ab dieser Zeit nahm der koreanische Export nochmals stark zu.
Gerade bei Großaufträgen im iranischen Bausektor nahm die koreanische Beteiligung 1971–77 stark zu. Man entsandte Monteure normalerweise mit 2-Jahresverträgen. Angeworben wurden diese Vertragsarbeiter zu Hungerlöhnen über staatlich geförderte Vermittler. Deren Höchstzahl war 1978 7418 Personen.Seok Hyu-ho; Korean migrant workers to the Middle East; in: Gunatilleke, Godfrey; Migration to the Arab world; Tokyo 1991 (United Nations Press); ISBN 92-808-0745-5 Insgesamt kamen 1975–85 rund 25000 Koreaner nach Iran zum Arbeiten. Zu dieser Zeit flossen 25–30 % der gesamten südkoreanischen Exporte in die Islamische Republik. Die Handelsbilanz blieb so einigermaßen ausgeglichen. Es wurden Abkommen zu Visumserleichterung, Fischereirechten, Warenzeichen usw. geschlossen. Die starke Position koreanischer Baufirmen in Iran nahm nach 2000 noch mehr zu. Im Jahre 2010 sicherte man Aufträge für 60 Milliarden Dollar. Im Bausektor war besonders Hyundai gut vertreten.Hyundai hat schon in den 1970ern den Marinestützpunkt in Bandar Abbas gebaut. Neueres u. a. Real Estate Monitor Worldwide: 30. Oktober 2018 Iran Silent on S. Korea’s Hyundai Quitting Major Construction Project; 9. November 2018 South Korean construction firms hit hard by Iran sanctions. Noch 2017 schloss man Abkommen im Wert von 2,5 Milliarden Dollar vor allem beim Bau von Häfen und Schiffen.U.a. Utilities Monitor Worldwide: 26. Dezember 2017 South Korea’s HHI to Deliver 10 Commercial Ships to Iran in 2018; 11. Dezember 2017 South Korea to invest in Irans Caspian port; 10. Juli 2018 Middle East companies expanding tanker fleets. Man wirkte auch mit am Ausbau des Schienenverkehrs, d. h. der Lieferung von Triebfahrzeugen usw.U.a. Transportation Monitor Worldwide: 15. Januar 2018 Iran Signs $2b Rail Deal With India.