U 2365 war ein deutsches U-Boot vom Typ XXIII. Es wurde am Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, dem 8. Mai 1945, im Kattegat selbstversenkt, 1955 gehoben und von der Bundesmarine unter dem Namen U Hai als Schulschiff eingesetzt, bis es 1966 in der Nordsee im Sturm unterging.
Geschichte Einsatz bei der Kriegsmarine
Das Boot wurde am 2. März 1945 in Dienst gestellt und gehörte zur 4. U-Flottille. Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse der letzten zwei Kriegsmonate erfolgten bei der Kriegsmarine keine Einsätze mehr. Das Boot wurde schließlich gemäß dem lange bestehenden, allerdings von Großadmiral Dönitz noch am Abend des 4. Mai 1945 aufgehobenen Regenbogen-Befehls von seiner Besatzung am 8. Mai 1945 im Kattegat, nördlich der Insel AnholtHans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 18–21., selbstversenkt. Zuvor war es aus der Geltinger Bucht mit Ziel Kristiansand ausgelaufen und wurde während der Fahrt mehrfach von englischen Fliegern angegriffen und beschädigt.Hans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 18–21.
Der Kommandant ließ das Boot vorsichtig absinken, nachdem Ölbehälter geöffnet worden waren, damit sich deren Inhalt verteilte, um eine gewisse Rostschutzwirkung zu erreichen.
+ Kommandanten von U 2365Hannes Ewerth: Die U-Flottille der deutschen Marine, 2., überarbeitete Auflage, Koehler Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 1995, S. 88–93. Dienstgrad Name von bis Oberleutnant z. S. Fritz-Otto Korfmann 2. März 1945 2. Mai 1945 Uwe Christiansen 3. Mai 1945 8. Mai 1945
Einsatz bei der Bundesmarine
Das Bundesverteidigungsministerium erteilte der Hamburger Bergungsfirma Beckedorf nach der Aufhebung des Besatzungsstatuts am 5. Mai 1955 den Auftrag, das im Kattegat nahe der Insel Anholt auf dem Meeresgrund liegende U 2365 ausfindig zu machen und zu heben.
Im Juni 1956 wurde das U-Boot aus mehr als 50 m Wassertiefe wieder ans Tageslicht gehoben. Das Boot war dank der „Öl-Behandlung“ noch in erstaunlich gutem Zustand, so dass es in weniger als einem Jahr von den Kieler Howaldtswerken vollständig überholt und in leicht veränderter Ausführung an die Bundesmarine ausgeliefert werden konnte. Die Bugnase wurde für die Aufnahme eines neuen aktiven akustischen Ortungsgerätes abgeändert, außerdem bekam es eine Ankervorrichtung, die beim Typ XXIII nicht vorhanden gewesen war. Die Bundesmarine stellte es unter dem neuen Namen U Hai (S 170) am 15. August 1957 zuerst als Zielschiff in der U-Jagdausbildung und ab 1959 als Schul-U-BootHans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 18–21. unter Führung von Kapitänleutnant Ehrhardt in Dienst. Heimathafen war zunächst Flensburg-Mürwik; später dann Neustadt in Holstein in der U-Bootlehrgruppe. In den 1960er Jahren erfolgten auch mehrere Umbauten sowie 1961 eine strömungsgünstigere Turmverkleidung und 1963 eine neue Antriebsanlage, welche das Boot um 1,45 m verlängerte.Hans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 18–21.
+ Kommandanten von U Hai (S170) Dienstgrad Name von bis Kapitänleutnant Ehrhardt 15. August 1957 15. Oktober 1958 Voß 16. Oktober 1958 16. Juli 1960 Emsmann 16. Juli 1960 31. Juli 1963 Oberleutnant z. S. E.-D. Jung 1. August 1963 22. März 1964 Wolf D. Rehse 22. März 1964 30. Juni 1966 Joachim-Peter Wiedersheim (mit dem Boot gesunken) 1. Juli 1966 14. September 1966
Untergang
Während einer Überwasserfahrt innerhalb eines Ausbildungsverbandes mit Ziel AberdeenHans Knarr: Typenkompass Deutsche Uboote, Motorbuchverlag, Stuttgart 2014, S. 18–21. sank U Hai im Sturm am 14. September 1966 in der Nordsee, etwa 138 sm nordwestlich von Helgoland im Gebiet der Doggerbank auf 40 m Tiefe. Von den 20 Mann Besatzung wurde nur der Koch (Smut), Obermaat Peter Silbernagel (1943–2013), nach 14 Stunden von dem englischen Fischtrawler St. Martin aus der Nordsee gerettet. Die anderen 19 Mann starben.
Die Unfallursache lag in einem fehlerhaft umkonstruierten Luftansaugstutzen für den Dieselmotor; außerdem waren die Dienstvorschriften nicht an die durch den Umbau notwendig gewordene veränderte Handhabung angepasst worden. Es kam zu einem starken Wassereinbruch, der das Boot zum Sinken brachte. Der Kommandant ließ das Boot zwar noch räumen, jedoch schafften es nur 13 der 20 Besatzungsmitglieder rechtzeitig nach draußen. Von ihnen starben nach Stunden im kalten Wasser schließlich alle außer Silbernagel an Hypothermie.U-Boot „Hai“: Nur der Schiffskoch überlebte den Untergang 1966, NDR vom 11. September 2026; Zugriff am 14. September 2026
Das Wrack wurde fünf Tage später durch den Bergekran Magnus III gehoben, zur Untersuchung nach Emden geschleppt und dort abgewrackt; am 24. September 1966 erfolgte die offizielle Außerdienststellung.
+ Beim Untergang von U Hai (S170) umgekommene Personen Dienstgrad Name Oberleutnant z. S. Joachim-Peter Wiedersheim Wilhelm Weise Hardmut Seemann Reinhold Bauer Oberbootsmann Manfred Bieling Rolf von Lindern Bootsmann Hubert Zigan Obermaat Hans-Jürgen Wiecek Rainer Feld Hans-Jürgen Muth Maat Edgar Kup Edwin Adamietz Wolfgang Weiss Obergefreiter Klaus Gerdewischke Erwin Jungbeck Norbert Keske Gefreiter Martin Lehnhardt Gerhard Ramsauer Herbert Penth
Gedenken mini|Gedenkstein auf dem evangelischen Südfriedhof in Neustadt in Holstein Die Schiffsglocke von U Hai war in der Halle des Marine-Ehrenmals Laboe ausgestellt. Sie wurde in den 1970er Jahren von Unbekannten entwendet, seitdem befindet sich dort eine Nachbildung.
Ein Gedenkstein auf dem evangelischen Südfriedhof in Neustadt in Holstein erinnert an die am 14. September 1966 Ertrunkenen der U-Boot-Mannschaft. Einige Gräber mit Hinweis auf U Hai befinden sich auf dem Nordfriedhof Kiel. Das Grab von Joachim-Peter Wiedersheim befindet sich auf dem Friedhof seines Heimatorts Kressbronn am Bodensee.
Jochen Racks Erzählung Der Untergang des U-Bootes Hai (Amazon Kindle Singles 2016) erzählt von der Tragödie.
Siehe auch
Liste von Unterseebooten der Bundeswehr Liste deutscher U-Boote (1935–1945) Liste von U-Boot-Unglücken seit 1945
Weblinks
U 2365 bei uboat.net (englisch) Webseite der U-Hai Bootstreffen
Das Wrack von U 2356 wird in Emden eingeschleppt und untersucht. Britische Wochenschauaufnahme von 1966, archiviert bei www.british.pathe.com Verloren in der Nordsee. Das Drama von U-Hai. Dokumentarfilm von >Andreas Schmidt, 2010
Einzelnachweise
Kategorie:U-Boot-Klasse XXIII Kategorie:Militär-U-Boot (Bundeswehr) Kategorie:Militärschiff (Deutsche Werft) U2365 Kategorie:Seeunfall Kategorie:Schiffskatastrophe