Das FFH-Gebiet Lütjenholmer und Bargumer Heide ist ein NATURA 2000-Schutzgebiet in Schleswig-Holstein im Kreis Nordfriesland in den Gemeinden Lütjenholm, Bargum, Langenhorn und Bordelum am Westrand des Naturraums Schleswig-Holsteinische Geest am Übergang zur Marsch. Das Gebiet besteht aus vier räumlich voneinander getrennten Teilgebieten:
Teilgebiet 1: Bargumer Heide Teilgebiet 2: NSG Lütjenholmer Heidedünen Teilgebiet 3: Lütjenholmer Süderheide mit dem StOÜbPl Lütjenholm (Vereinbarungsgebiet) und den Lütjenholmer Heidedünen am Galgen-Berg (außerhalb StOÜbPl) Teilgebiet 4: Forst bei Megelberg
links|mini|Diagramm 1: FFH-Teilgebiete links|mini|Diagramm 2: Gemeindezugehörigkeit links|mini| Diagramm 3: FFH-Lebensraumklassen Das Gesamtgebiet hat eine Fläche von 313 ha. Die größte Ausdehnung liegt in Ostwestrichtung und beträgt 5,62 km. Die höchste Erhebung mit 11 m über NN ist der Galgenberg im Teilgebiet 3 außerhalb des Standortübungsplatzes, der niedrigste Punkt liegt im Teilgebiet 1 Bargumer Heide mit 2 m über NN. Fast die Hälfte des FFH-Gebietes liegt in der Gemeinde Bargum und gut ein Drittel in der Gemeinde Langenhorn, gefolgt von den Gemeinden Lütjenholm und Bordelum, siehe Diagramm 2. Das größte Teilgebiet mit knapp drei Viertel der Gesamtfläche des FFH-Gebietes nimmt das Teilgebiet 3 Lütjenholmer Süderheide mit den Lütjenholmer Heidedünen am Galgen-Berg ein. Das Teilgebiet 1 Bargumer Heide liegt mit knapp einem Fünftel an zweiter Stelle, gefolgt von dem NSG Lütjenholmer Heidedünen im Osten und dem Forst bei Megelberg im äußersten Süden, siehe Diagramm 1.
Das FFH-Gebiet beinhaltet eine Vielzahl verschiedener FFH-Lebensraumklassen. Den größten Anteil mit gut einem Drittel der Gesamtfläche stellen die Trockenrasen, gefolgt von einem Fünftel Heiden und knapp einem Fünftel Kunstforsten aus Pappeln und Nadelholzplantagen. Der Laubwald nimmt ein Achtel der Fläche ein. Grünland, Moore und Sümpfe folgen im einstelligen Prozentbereich. Nur 1 % der Fläche bestehen aus Gewässern, siehe Diagramm 3.
FFH-Gebietsgeschichte und Naturschutzumgebung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q60626868" }Der NATURA 2000-Standard-Datenbogen (SDB) für dieses FFH-Gebiet wurde im November 1999 vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein erstellt, im August 2000 als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) vorgeschlagen, im Dezember 2004 von der EU als GGB bestätigt und im Januar 2010 national nach § 32 Absatz 2 bis 4 BNatSchG in Verbindung mit § 23 LNatSchG als besonderes Erhaltungsgebiet (BEG) bestätigt. Der SDB wurde zuletzt im Mai 2019 aktualisiert.
Der Managementplan für das FFH-Teilgebiet „Bargumer Heide“ wurde am 31. Juli 2017, der für das FFH-Teilgebiet „Galgenberg und Megelbarg“ am 10. August 2017, der für das FFH-Teilgebiet „NSG Lütjenholmer Heidedünen“ am 21. August 2017 und der für den „Standortübungsplatz Lütjenholm“ am 21. Dezember 2017 veröffentlicht. Der sichelförmige bewaldeten Teil des FFH-Gebietes nordwestlich der Kreuzung der L13 mit der L4 wird bisher von keinem der bestehenden Managementpläne behandelt.
Alle Teilgebiete liegen in einem Schwerpunktbereich und der Nordrand des Teilgebietes Bargumer Heide an einer Hauptverbundachse des landesweiten Biotopverbundsystems. Am Nordrand der beiden Teilgebiete Bargumer Heide und NSG Lütjenholmer Heidedünen liegt mit der Soholmer Au ein Teil des FFH-Gebietes Gewässer des Bongsieler Kanal-Systems. Das Teilgebiet Bargumer Heide ist Teil des gesetzlich geschützten Geotops-Nr. Du 010 „Binnendünen der Bargumer Heide“ und das NSG Lütjenholmer Heidedünen Teil des Geotops-Nr. Du 012 „Binnendünen östlich Soholm“. Im FFH-Teilgebiet Standortübungsplatz Lütjenholm befindet sich ein Hügelgrab.
Im Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I für den Kreis Nordfriesland von 2020 soll mit dem FFH-Gebiet Lütjenholmer und Bargumer Heide „ein geomorphologisch bedeutsames dynamisches Dünen- und Flugsanddeckensystem im Kontakt zum Fließgewässer als Offenlandschaft mit Gebüschen, Wald- sowie Moorflächen mit großer Artenvielfalt“ erhalten werden.
FFH-Erhaltungsgegenstand mini|Diagramm 4: FFH-Lebensraumtypen mini|Diagramm 5: FFH-Gesamtbeurteilung
Laut Standard-Datenbogen vom Mai 2019 sind folgende FFH-Lebensraumtypen und Arten für das Gesamtgebiet als FFH-Erhaltungsgegenstände mit den entsprechenden Beurteilungen zum Erhaltungszustand der Umweltbehörde der Europäischen Union gemeldet worden (Gebräuchliche Kurzbezeichnung (BfN)):
FFH-Lebensraumtypen nach Anhang I der EU-Richtlinie: 2310 Sandheiden mit Besenheide und Ginster auf Binnendünen (Gesamtbeurteilung B) 2320 Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen (Gesamtbeurteilung A) 2330 Offene Grasflächen mit Silbergras und Straußgras auf Binnendünen (Gesamtbeurteilung C) 3130 Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer mit Strandlings- oder Zwergbinsen-Gesellschaften (Gesamtbeurteilung B) 3150 Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut oder Froschbiss-Gesellschaften (Gesamtbeurteilung C) 3160 Dystrophe Stillgewässer (Gesamtbeurteilung C) 4010 Feuchte Heiden mit Glockenheide (Gesamtbeurteilung B) 4030 Trockene Heiden (Gesamtbeurteilung B) 6210* Kalk-(Halb-)Trockenrasen und ihre Verbuschungsstadien (* orchideenreiche Bestände) (Gesamtbeurteilung B) 6230* Artenreiche Borstgrasrasen (Gesamtbeurteilung C) 6410 Pfeifengraswiesen (Gesamtbeurteilung C) 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (Gesamtbeurteilung C) 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore (Gesamtbeurteilung B) 9190 Alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen mit Stieleiche (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D) FFH-Arten nach Anhang IV der EU-Richtlinie: 1197 Knoblauchkröte (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
1203 Laubfrosch (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
1214 Moorfrosch (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
1261 Zauneidechse (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D) Nur ein Viertel des FFH-Gebietes ist mit FFH-Lebensraumtypen ausgewiesen. Im Bereich von vier bis fünf Prozent liegen die FFH-Lebensraumtypen 6510 Magere Flachland-Mähwiesen, 2320 Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen, 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore und 4030 Trockene Heiden. Alle anderen liegen weit darunter, siehe Diagramm 4. Knapp zwei Drittel der mit FFH-Lebensraumtypen ausgewiesenen Fläche des FFH-Gebietes hat eine gute Gesamtbeurteilung zugesprochen bekommen. Ein Drittel hat nur den weniger guten Benotungsgrad C erhalten. Knapp vier Prozent erreichen sogar eine hervorragende A-Bewertung, siehe Diagramm 5. Hier handelt es sich ausschließlich um den im FFH-Gebiet am zweithäufigsten vorkommenden Gesamtbestand des FFH-Lebensraumtyps 2320 Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen.
FFH-Erhaltungsziele Aus den oben aufgeführten FFH-Erhaltungsgegenständen wurden vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein folgende FFH-Lebensraumtypen und Arten zu FFH-Erhaltungsgegenständen von besonderer Bedeutung erklärt und Ziele für deren Erhaltung festgelegt:
2310 Sandheiden mit Besenheide und Ginster auf Binnendünen 2320 Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen 2330 Offene Grasflächen mit Silbergras und Straußgras auf Binnendünen 3130 Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer mit Strandlings- oder Zwergbinsen-Gesellschaften 3160 Dystrophe Stillgewässer 4010 Feuchte Heiden mit Glockenheide 4030 Trockene Heiden 6210* Kalk-(Halb-)Trockenrasen und ihre Verbuschungsstadien (* orchideenreiche Bestände) 6230* Artenreiche Borstgrasrasen 6510 Magere Flachland-Mähwiesen 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore
Aus den oben aufgeführten FFH-Erhaltungsgegenständen wurden vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein folgende FFH-Lebensraumtypen und Arten zu FFH-Erhaltungsgegenständen von Bedeutung erklärt und Ziele für deren Erhaltung festgelegt:
3150 Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut oder Froschbiss-Gesellschaften 6410 Pfeifengraswiesen
FFH-Teilgebiet „Bargumer Heide“ mini|Diagramm 6: Eigentümer
Das FFH-Teilgebiet „Bargumer Heide“ ist das nordwestlichste der vier Teilgebiete und hat eine Flächengröße von 60,3 ha. Es liegt im Nordosten der Gemeinde Bargum nördlich des Ortsteils Ost-Bargum Feld zwischen der Kreisstraße K73 (Dörpstraat) im Süden und den Wiesen der Soholmer Au im Norden. Es ist Teil des gesetzlich geschützten Geotops-Nr. Du 010 „Binnendünen der Bargumer Heide“. Von der K73 ausgehend führt ein teilweise asphaltierter Wirtschaftsweg um das FFH-Gebiet herum wieder zurück auf die Kreisstraße. Von der K70 im Süden und von der Umgehung im Norden führen mehrere Wirtschaftswege in das FFH-Gebiet.
Die höchste Erhebung mit 7,7 m über NN liegt im Osten des Gebietes. Im Zentrum liegt eine von Nadelwald umgebene baumlose Senke von 1 m über NN, die über den Heidegraben mit drei Zuflüssen und nach Norden verrohrt in den Ost-Bargumer-Deich-Randgraben entwässert wird.
Die Flächen des Teilgebietes sind überwiegend im kommunalen Besitz der Gemeinden Bargum und Bordelund. Der Entwässerungsgraben Heidegraben gehört dem Sielverband Bargumer Koog. Zwei kleinere Areale am Weststrand befinden sich im Privatbesitz, siehe auch Diagramm 6.
FFH-Lebensraumtypen mini|Diagramm 7: FFH-Lebensraumtypen mini|Diagramm 8: Erhaltungszustand
Im FFH-Teilgebiet „Bargumer Heide“ sind vier FFH-Lebensraumtypen vertreten. Sie machen nur knapp 3 % der Teilgebietsfläche aus, siehe Diagramm 7. Ein Drittel der FFH-Flächen haben einen guten Erhaltungszustand, während der Rest einen unbefriedigenden Wert aufweist, siehe Diagramm 8:
2330 Offene Grasflächen mit Silbergras und Straußgras auf Binnendünen (Erhaltungszustand 1 × C) 3150 Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut oder Froschbiss-Gesellschaften (Erhaltungszustand 1 × C) 4030 Trockene Heiden (Erhaltungszustand 4 × B, 2 × C) 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore (Erhaltungszustand 1 × B, 1 × C)
Im FFH-Teilgebiet „Bargumer Heide“ sind drei FFH-Arten nach Anhang IV der EU-Richtlinie in geringer Zahl anzutreffen: 1203 Laubfrosch (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
1214 Moorfrosch (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
1261 Zauneidechse (ohne Bewertung, da Repräsentativität = D)
Biotoptypen Neben dem kleinen Anteil an FFH-Lebensraumtypen enthält das Teilgebiet eine große Fläche mit geschützten Biotoptypen. Den größten Anteil nimmt hier naturgemäß der Biotoptyp (TB) Binnendüne ein. An den Gebietsrändern im Süden und Westen befinden sich fünf kleinere Flächen mit (WB) Bruchwald und -gebüsch. Dort befindet sich auch eine kleine Fläche mit (WP) Pionierwald. In der Nordwestecke liegen zwei kleine (FT) Tümpel. Im Südosten sind drei Flächen mit (MS) Moorstadien vorhanden, sowie zwei mit (NS) Niedermoor Sumpf neben (TH) Zwergstrauchheide westlich und östlich eines Löschwasserteiches. Diese ist auch noch am Nordwest- und Ostrand als kleine Flächen zu finden. Im Zentrum befinden sich noch zwei größere Flächen mit (TR) Mager- und Trockenrasen.
FFH-Analyse und Bewertung Das Kapitel FFH-Analyse und Bewertung im Managementplan beschäftigt sich unter anderem mit den aktuellen Gegebenheiten des FFH-Gebietes und den Hindernissen bei der Erhaltung und Weiterentwicklung der FFH-Lebensraumtypen. Die Ergebnisse fließen in den FFH-Maßnahmenkatalog ein.
mini|Bild 1: Bargumer Heide (dän. Bjerrumhede) um 1857