mini|Schwedische 8mR-Yacht Sans Atout, Silbermedaille Olympische Spiele 1912 Die internationale 8-Meter-Klasse (8mR) ist eine Bootsklasse von klassischen Rennsportyachten. Es ist eine Konstruktionsklasse, so dass die Boote nicht gleich sind, sondern von ihrem jeweiligen Yachtkonstrukteur so ausgelegt werden, dass sie der internationalen Meterformel (Vermessungsformel) entsprechen. Ihre Kurzbezeichnung Achter geht auf das Segelzeichen 8 zurück, das die 8-Meter-Klasse im Segel führt, genau so wie die kleinere 6-Meter-Klasse Sechser oder die größere 12-Meter-Klasse Zwölfer genannt werden.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Achter die prestigeträchtigste internationale Yacht-Rennklasse, aber sie werden heute immer noch auf der ganzen Welt gesegelt. Acht Meter im Klassennamen bezieht sich nicht – vielleicht etwas verwirrend – auf die Länge des Bootes, sondern auf das Ergebnis der Meterformel, den Rennwert R (), in dieser Klasse daher R = 8 (8mR). 8-Meter-Yachten sind durchschnittlich 14 Meter lang. Zwischen 1907 und 2008 wurden ungefähr 500 8mR-Yachten gebaut, von denen 177 Boote bis heute überlebt haben. Viele wurden aufwendig restauriert.

Die idealen Segelbedingungen für 8mR-Yachten sind ruhige Gewässer mit Windstärken bis zur Stärke 5. Sie werden mit einer Regattabesatzung von fünf Personen gesegelt, obwohl sie sich mit kleinerer Schiffsbesatzung handhaben ließen. Die meisten heute segelnden Achter haben ein Bermudarigg mit einem Großsegel und Genua. Auf Raumschotkursen segeln sie mit einem großen Spinnaker von 130 m².

Geschichte mini|Segelriss 8mR-Yacht „First Rule“, 1907 mini|Segelriss 8mR-Yacht „Second Rule“, 1919 mini|Segelriss 8mR-Yacht „Third Rule“, 1933 Am 12. Juni 1906 vereinbarten die führenden Funktionäre der einflussreichsten europäischen Segelsportverbände in London die International Rule. Man einigte sich auf die von dem Kopenhagener Apotheker und Hobbykonstrukteur Alfred Benzon entwickelte Meterformel. Während einer zweiten Konferenz im selben Jahr in Berlin wurde die Formel um präzise Bauvorschriften ergänzt. Im Rahmen einer dritten Konferenz im Oktober 1907 in Paris vereinbarte man einheitliche Regatta- und Wegerechtsregeln für Wettfahrten und gründete die International Yacht Racing Union (IYRU).

Die Meter-Yachten wurden durch die First, Second und Third International Rule definiert, in der die beiden wichtigsten Faktoren gleich blieben: Wasserlinienlänge und Segelfläche. Das Leitprinzip war einfach: Längere Boote sind schneller als kürzere und Boote mit mehr Segelfläche sind schneller als Boote mit weniger Segelfläche. Weil man das wusste, wurden die Variationsmöglichkeiten ausgeglichen, indem die Summe aus Bootslänge und Segelfläche konstant gehalten wurde. Wenn man die Bootslänge vergrößern wollte, musste die Segelfläche verringert werden, und wenn das Ziel auf maximale Segelfläche gerichtet war, mussten man dafür die Bootslänge verringern.

First Rule 1907 Die First Rule galt ab dem 1. Januar 1908 zunächst für 10 Jahre und beschrieb die erste Vermessungsformel der Meter-Klasse. In diese Formel gehen die Werte Schiffslänge, Schiffsbreite, Wasserlänge, Tiefgang, Freibord und Segelfläche ein. Nach Einsetzen der entsprechenden Werte erhält man als Ergebnis eine feste Zahl z. B. 8. Diese Yacht hat dann den Rennwert 8mR, kurz „Achter“.

Eine typische 8mR-Yacht von 1912 verdrängt etwa 6.000 kg und hat 120 m² Segelfläche am Wind. Der Bootsrumpf ist schmal und leicht und hat lange Überhänge. Die Meterformel ergab bei einer 8mR-Yacht eine Wasserlinie von 8 Metern. Die Vermessungsformel First Rule wurde von den Yachtkonstrukteuren ausgereizt, denn Bootslänge und Bootsbreite wurden gleich gewichtet. Reduzierte man die Breite, konnte man die Differenz zur Länge addieren. Durch Variation des Rumpfumfanges war Segelfläche zu gewinnen, Faktoren, die eine Yacht schneller machten. So entstanden in den ersten acht Jahren über 140 Yachten der 8-Meter-Klasse. Allein in dem norwegischen Club Kongelig Norsk Seilforening (KNS) in Oslo lag eine Flotte von 120 Meter-Yachten, die überwiegend aus der Hand von Johan Anker stammten.

Die 8-Meter-Klasse war die gemäß der Meter-Regel festgelegte mittlere Bootsgröße; sie wurde erstmals als olympische Klasse bei den Olympischen Sommerspielen 1908 in London ausgewählt. Den Status als olympische Klasse behielt sie bis zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin.

Second Rule 1919 Positive technische Entwicklungen kamen aus Norwegen, wo Johan Anker Pionierarbeit für das Marconirigg leistete. Die bisher üblichen Steilgaffelriggs sollten schnell verschwinden, denn Anker erkannte früh, dass diese neue Art der Hochtakelung so effizient war, dass er die übliche Kuttertakelung mit geteilter Vorsegelfläche durch die Sluptakelung mit einem einzigen Vorsegel ersetzen konnte. Die Kontrolle der hohen und dünneren Masten war die nächste konstruktive Herausforderung. Die Rumpfformen hatten sich bei schmalen, überbewerteten Booten stabilisiert, weit entfernt von der ursprünglichen Absicht der First Rule.

Bereits 1914 wurden Foren abgehalten, um Lösungen für die Zukunft der Meterformel zu finden. Bevor jedoch etwas entschieden wurde, änderten sich die Prioritäten im Zuge des Ersten Weltkriegs. Zwischen 1917 und 1919 arbeitete die International Yacht Racing Union (IYRU) daran, die Formel weiterzuentwickeln, um ausgewogenere Yachten zu erhalten. Das führte zu der radikalsten Änderung in der Geschichte der Meterformel, da die Schiffsbreite aus der Formel gestrichen und durch mindestens einen Fuß pro Meter ersetzt wurde. Eine ziemlich einzigartige Kombination des metrischen und des imperialen Messsystems als Mindestbreite für eine 8-Meter-Yacht war eine Schiffsbreite von 8 Fuß, für eine 12-Meter-Yacht eine 12-Fuß-Breite usw. Außerdem wurde jetzt eine vergrößerte Segelfläche in der Formel viel stärker bestraft.

Da die Regel noch jung war und nur wenige Boote danach neu gebaut worden waren, traten bei den Olympischen Spielen 1920 vor Antwerpen die Teilnehmer in zwei Gruppen an, dem alten und dem neuen Regelboot (8-Meter-Klasse Typ 1907 und Typ 1919).

Die Entwicklung in den ersten vier Jahren war erneut hektisch mit Ideen, die zum Teil auf die Spitze getrieben wurden. Die Olympischen Spiele 1924 vor Le Havre zeigten die ersten ausgeglichenen 8mR-Yachten Bera von Johan Anker (Goldmedaille), Emily von William Fife (Silbermedaille) und BlueRed von Charles Nicholson (5. Platz). Die Bootsformen entwickelten sich weiter, wobei der Schwerpunkt mehr auf die Bootslänge und weniger auf die Segelfläche gelegt wurde und der Trend zu den Formen der berühmten L’Aile VI und Hollandia hinging, die als beste Boote bei den Olympischen Spielen 1928 abschnitten.

Die Yachtkonstrukteure suchten nun ihren Vorteil an den äußersten Enden der Rümpfe, als Boote gedehnt wurden, um Segelfläche zu gewinnen. Im Jahr 1927 wurde die überlappende Genua eingeführt, wobei der nicht gemessene, also freie Vorsegelbereich hinter dem Mast voll ausgenutzt wurde. Die Regel war gut und produzierte außerordentlich schöne Boote und erfreute sich großer Beliebtheit. Johan Ankers Silja und William Fifes Saskia sind die besten Beispiele dafür, wie das umgesetzt wurde, indem Boote mit mehr Breite entworfen wurden, um mehr Formstabilität zu erzielen.

Im Jahr 1928 akzeptierte Nordamerika schließlich die internationale Regel (Second Rule) für die kleinen Klassen, d. h. 6mR, 8mR und 12mR, während Europa die universelle Regel J-Klasse für die größte aller Klassen übernahm. Trotz des großen Erfolgs der Second Rule war man der Ansicht, dass Verbesserungen der Formel möglich seien, die nach dem Ablauf der Formel im Jahr 1933 verwirklicht wurden.

Third Rule 1933 Die IYRU vereinfachte 1933 die Vermessungsformel und änderte die bis heute geltende Regel. Die Folge war, dass Boote der Third Rule seetüchtiger wurden, während die guten Boote der Second Rule unter leichten bis mäßigen Bedingungen wettbewerbsfähig blieben. Die Boote der Second Rule haben weniger Aufrichtmoment, d. h., sie legen sich bei mehr Wind schneller auf die Seite, aber sie haben im Allgemeinen auch weniger benetzte Oberfläche. Bei leichten bis mittelschweren Bedingungen können sie mit den anderen Yachten gut mithalten. Die Top-Yachten der Second Rule wie Silja und Vision blieben unter fast allen Bedingungen voll wettbewerbsfähig. Das Einzige, was sich im Laufe der Jahre nie wirklich änderte, waren die Kosten. 8mR-Yachten blieben für die meisten Segler unerreichbar und auf der obersten Leistungsebene blieb es oftmals das Spiel der Reichen und Berühmten. Heute (Stand 2021) kostet eine neue 8mR-Yacht ca. 300.000 Euro plus 30.000 GBP für die Segelgarderobe.

Die Nachkriegsjahre Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das verfügbare Geld für den Wiederaufbau Europas ausgegeben und die schweren 8mR-Yachten wurden zu einem unglaublich teuren Boot. Eine neue Generation von Booten entstand, viel leichter und mit proportional weniger Segelfläche. Irgendwie überdauerten die „Achter“, es wurden keine neuen Boote gebaut, aber die alten erwiesen sich als großartig für Clubrennen. In Schottland wurde eine große Flotte aktiv auf dem River Clyde gesegelt, und auch die Flotten der Skandinavier, Franzosen und die nordamerikanischen sowie kanadischen auf den Großen Seensiehe: Canada’s Cup blieben weiterhin aktiv, obwohl die meisten von ihnen kein ausreichendes Budget für den Unterhalt der Boote und die Wettfahrten hatten. Ausgemusterte Regattaschiffe erhielten häufig eine Kajüte und wurden zu Fahrtenyachten umgeriggt. Hierfür eigneten sich besonders die größeren Meter-Klassen wie die 8mR-Klasse.

Der US-Amerikaner Eugene van Voorhis war der Erste, der 1967 eine neue 8mR-Yacht Iroquois von der Minneford Yacht Yard (New York) bauten ließ, die von Olin Stephens entworfen wurde. Sie sollte beim Canada’s Cup starten, aber infolge einer Änderung der Regeln kam es dazu nicht. Van Voorhis beschloss, seine andere 8mR-Yacht Iskareen zu verkaufen und sie deshalb nach Schottland zu schicken. Das wurde zu einem der wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte der 8-Meter-Klasse. Eugene van Voorhis forderte „Achter“-Segler im Royal Northern Yacht Club (RNYC) zu einem Rennen heraus. Es sollte keine normale Regatta werden, sondern ein Kampf zwischen der alten und der neuen Welt. Geboren war das Rennen des 8mR World Cup.

Internationale Klasse Währenddessen übernahmen Joni Hertell, Eugene van Voorhis und Robin Clark das Projekt für die 8mR-Klasse, um ihren internationalen Status innerhalb des IYRU wiederzugewinnen. Die Klassenregeln wurden aktualisiert, eine Bestandsaufnahme der Flotten durchgeführt und in London eine starke Lobby eingerichtet.

Neue 8mR-Konstruktionen mini|Moderne 8mR-Yacht mit Flügelkiel Die Siege von Eugene van Voorhis und seiner Iroquois belebten die 8mR-Klasse und neue moderne „Achter“ wurden in Auftrag gegeben. Per Wermelin aus Schweden bestellte einen neuen „Achter“ mit dem Namen Mr. E., unterstützt vom Telekommunikationsunternehmen Ericsson (Entwurf: Pelle Petterson). Wermelin verkaufte sie bald an Ron Palm und beauftragte sofort den nächsten „Achter“ namens Dolphin (jetzt Yquem), entworfen ebenfalls von Pelle Petterson. Claes Henningson ließ den „Achter“ Golden Feather von Peter Norlin konstruieren, er war experimenteller, nahm eine Freibordstrafe in Kauf und erwies sich als ein echter Leichtflieger. In Kanada gab Elwin Catheart den „Achter“ Octavia in Auftrag (Design: Bruce Kirby), während Gaston Schmaltz in Frankreich Gaulois bauen ließ, den Jacques Fauroux konzipierte.