mini|300x300px|Das Bild zeigt die Kirche St. Sebastian mit Teich in Bisdorf, ca. 1960er Jahre. Bisdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Borne in der Magdeburger Börde und war zuvor eine selbständige Ortschaft dörflichen Charakters.

Im Zentrum Bisdorfs stehen die Kirche St. Sebastian (mittlerweile ruinös) mit romanischem Turm und barockem Kirchenschiff sowie der im Stil des Historismus erbaute Gutshofkomplex Richterhöfe aus dem Jahr 1843.

Von ausnehmender Pracht und für die Region herausragendes Beispiel des Historismus war die Villa von Martin Haun (erbaut um 1898), zu der auch eine bis heute geschützte Parkanlage in Bisdorf gehört.

Der heutige Name Bisdorf entwickelte sich aus der ursprünglichen Bezeichnung Biscopesthorp und bedeutet „Dorf des Bischofs“. Dies legt nahe, dass es durch einen solchen im Laufe des 9. oder 10. Jahrhunderts missioniert wurde (mehr dazu unter Geschichte).

Bisdorfs Entwicklung war eng mit der nahegelegenen Kleinstadt Nalpke (heute eine Wüstung) sowie dem Nachbarort Borne verflochten. Mithin unterlag Bisdorf den wechselvollen Herrschaftsstrukturen und damit verbundenen Rahmenbedingungen kultureller, wirtschaftlicher sowie demografischer Entwicklung des Römisch-Deutschen Reiches in Europa.

1937 verlor Bisdorf nach über einem Jahrtausend seine Eigenständigkeit und wurde ein Ortsteil der Gemeinde Borne, heute eingebunden im Salzlandkreis von Sachsen-Anhalt in der Bundesrepublik Deutschland.Das Erzbistum Magdeburg, Erster Band, erster Teil: Das Domstift St. Moritz in Magdeburg, im Auftrage des Max-Planck-Instituts für Geschichte, bearbeitet von Gottfried Wentz und Berent Schwineköper, 1972, S. 603, 605, 608,612,667, 673, 688 f.Sowie zur Eingemeindung 1937: Geschichte, auf borne-slk.demini|300x300px|Bisdorf aus vergrößertem Auszug der Karte von 1852 mini|450x450px|Bildgrabsteinplatte des David Philipp Günter von 1658 mini|300x300px|Kirche St. Sebastian in Bisdorf, gemalt von Hans Riethmüller (Digitalisat) mini|370x370px|Bisdorfer Mühlenstandorte auf Kartenausschnitt von 1926mini|300x300px|Kirchenruine St. Sebastian in Bisdorf, 2021 mini|Kirchenruine St. Sebastian in Bisdorf, 2022|300x300px mini|300x300px|Unsaniertes Hauptgebäude der Richterhöfe in Bisdorf Okt. 2006mini|300x300px|Saniertes Hauptgebäude der Richterhöfe in Bisdorf Juni 2025mini|300x300px|Ursprünglicher Zustand der Villa von Haun in Bisdorf (Kreis Calbe a.S.) 1905 mini|300x300px|Originaler Zustand der Villa von Haun in Bisdorf (Kreis Calbe a.S.) 1905 mini|300x300px|Villa Haun Gartenseite in Bisdorf (Landkreis Calbe a.S.) Lage und Verkehrsanbindung Bisdorf befindet sich ca. 20 km (Luftlinie) südlich von Magdeburg und liegt nordwestlich von Borne, welches sich siedlungstechnisch nahtlos direkt an Bisdorf anschließt.

Nordöstlich von Bisdorf verläuft die Kreisstraße K 1224 und südöstlich die Landesstraße L 69.

Am Ortsrand, südöstlich der Kirche St. Sebastian liegt die Quelle der Bisdorfer Röte, die weiter südlich (bei Unseburg) in die Bode mündet.

Administrativ-Territoriale Zuordnung im geschichtlichen Verlauf Für die Zeit vor 946 sind keine Dokumente überliefert. Gesichert ist Bisdorfs Zugehörigkeit seit 946 zum Holzkreis im Territorium des Erzstift Magdeburg und hier dem Benediktinerkloster des St.-Mauritius in Magdeburg.Urkunde Otto I vom 29. Januar 946, (digitalisiert und online abrufbar, abgerufen am 5. April 2025)

Im 16. Jahrhundert ging es in den Besitz des St. Sebastianstift in Magdeburg über, welches damit auch das Patronat über die Bisdorfer Kirche besaß (s. u. zur Geschichte).

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde im Westfälischen Frieden von 1648 das Erzstift Magdeburg als erbliches Herzogtum Magdeburg dem Kurfürstentum Brandenburg zugesprochen, mithin gehörte Bisdorf seit 1680 zum Kurfürstentum Brandenburg, dem späteren Preußen.

Die Bisdorfer Kirche verblieb vorerst weiterhin im Patronatsbereich des Magdeburger St. Sebastianstifts, welches auch für die Gerichtsbarkeit in Bisdorf zuständig blieb. Erst im Zuge der kriegerischen Eroberungen Frankreichs (Koalitionskriege) sowie der damit verbundenen Säkularisierungsprozesse wurde das St. Sebastianstift 1810 aufgelöst.

Territorial gehörte der Ort Bisdorf sodann u. a. zum Königreich Westphalen (1807–1813), anschließend wieder zum Königreich bzw. Freistaat Preußen bis zu dessen formaler Auflösung 1947. Es folgte ab 1946/47 eine Zugehörigkeit zum neu geschaffenen Land Sachsen-Anhalt, das wiederum 1952 u. a. im neuen Bezirk Magdeburg der Deutschen Demokratischen Republik aufging.

Auf Kreisebene gehörte es verwaltungstechnisch zum Landkreis Calbe a./S. (1816 bis 1950), dann zum Kreis Staßfurt (1952–1994), ab 1994 zum Landkreis Aschersleben-Staßfurt (1994–2007) und seit 2007 zum Salzlandkreis.

Geschichte 814 bis 946 – Missionierung und älteste dokumentierte urkundliche Nennung

Siedlungsursprünge haben sicherlich bereits vor Ottonischer Zeit existiert, die älteste, noch belegte Nennung des Ortes findet sich jedoch erst für das Jahr 946, im Rahmen einer Schenkung von König Otto I. Der Name bleibt noch bis Mitte des 14. Jahrhunderts Biscopesthorp, was so viel wie Bischofsdorf heißen soll. Es finden sich im zeitlichen Verlauf weitere Schreibweisen: Byschopestorp, Bisschoppestorp, Bischoppezstorp, Bischoppesdorp (1343), Bistorpf (1650), Bischoffsdorf (1658) und schließlich Bisdorf.Kurz nach dem Tod Otto I. bestätigt sein Sohn und Thronfolger Otto II. diese Schenkungen am 4. Juni 973: Böhmer, Johann Friedrich [Begründer eines Werks] [Sonstige]: Regesta imperii, Bd.: 2,2, Sächsisches Haus: 919–1024; 2, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto II. 955 (973) - 983, nach Johann Friedrich Böhmer neubearb. von Hanns Leo Mikoletzky, Wien, 1950 (online)Im Visitationsprotokoll vom April 1562 wird es als Bisdorff aufgeführt. Vgl.: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg, A 12 Gen. Ältere Konsistorialbehörden im späteren Regierungsbezirk Magdeburg (Kultusarchiv). Generalia, Nr. LASA, A 12 Gen., Nr. 2435, S. 146–148; Online, abgerufen am 7. März 2021.

In der oben genannten Schenkung von König Otto I. am 29. Januar 946, drei Tage nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Edgith, erhält das Kloster St. Moritz zu Magdeburg verschiedene Güter im Nordthüringgau, darunter Brunem (heute Borne) und Biscopesthorp (heute Bisdorf). Die Erträge dieser Schenkung sollten zum jährlichen Gedenktag (wahrscheinlich Edgiths) als Almosen dienen.

Der historische Name Biscopesthorp, aus dem sich der heutige Name Bisdorf abgeleitet hat, bedeutet Dorf des Bischofs.Zur Namensbedeutung: Die bewohnten Orte ums Jahr 1000, in: Statistische Darstellung des landräthlichen Kreises Calbe, 1883, S. 2. Auf welchen Bischof sich dies bezieht, ist nicht dokumentiert. Dass es sich um den ersten Erzbischof von Magdeburg, den heiligen Adalbert von Magdeburg (* um 910, † 981) handelt, ist eher unwahrscheinlich. Denn das Erzbistum Magdeburg wurde erst im Jahre 968 gegründet, folglich wurde auch Adalbert erst dann Bischof von Magdeburg, also 22 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung Bisdorfs/Biscopesthorps als ein Dorf des Bischofs. Allerdings gehörte das Gebiet des späteren Bisdorfs damals bereits schon länger zum Bistum Halberstadt.

Möglich ist daher die Gründung Bisdorfs durch die Missionierungstätigkeiten des Hildegrim von Chalons, der ab 814 in der Region um Halberstadt 35 (Pfarr-)Kirchen gegründet haben soll. Jedoch war Hildegrim nicht Bischof von Halberstadt, sondern Bischof von Châlons-sur-Marne. Am naheliegendsten scheint daher, dass sein Nachfolger Thiatgrim „Gründungsvater“ von Bisdorf war. Thiatgrim wurde 827 offiziell Bischof des Bistums Halberstadt, welches ab 902 auch die Gebiete bis zur Elbe, mithin auch den Ort Bisdorf einschloss.

Erst ab 968 gingen dann Teile des Halberstädter Bistums, so auch der Ort Bisdorf, zum Erzbistum Magdeburg über. Der romanische Turm der (heutigen) Kirchenruine St. Sebastian in Bisdorf stammt aus dieser Zeit der Missionierung und Osterweiterung.Jochen Roessle: Die Romanischen Dorfkirchen des Magdeburger Landes Untersuchungen einer Bauform des 12. und 13. Jahrhunderts. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, 2006, S. 153–156; abgerufen am 7. März 2021.

1350 – Pestwelle in und um Magdeburg

Die erste große Pestwelle, die Europa ab 1348 mit dem schwarzen Tod überzog und ab ca. 1350 auch Magdeburg und seine Umgebung erreichte, hinterließ nicht nur die nahe Bisdorf gelegene Kleinstadt Nalpke als wüste Stätte.Judith Mader: Untersuchungen zur Bedeutung der Pest und anderer Katastrophen des 14. Jahrhunderts für das Ende des mittelalterlichen Landesausbaus 2010. (PDF; 0,5 MB) Hier insbesondere S. 7–12. Abgerufen am 12. August 2021Covid-19 oder Pest und Cholera: Pandemie-Geschichte in Magdeburg. Abgerufen am 14. August 2021 Überliefert ist, dass man die danach leerstehenden Häuser in Nalpke abgerissen und die Steine für Bauten in Borne und Bisdorf verwendet hat.Heinrich Jürgens: Ortsgeschichte von Borne und Bisdorf (Handschrift im Landeshauptarchiv Magdeburg), 1917, S. 15.

Reformationszeit und Dreißigjähriger Krieg

Außer einigen Belehnungsurkunden und kirchlichen Streitigkeiten finden sich für Bisdorf nur wenige Quellen, die noch überliefert sind. Durch zahlreiche Kriege, aber auch durch Feuer sind im Laufe der über 1.000 Jahre nur wenige schriftliche Dokumente erhalten geblieben. Noch 1514 wird Bisdorfs Kirche als Filial von Borne erwähnt, der Pfarrer von Borne war damit auch zuständig für Bisdorf.Germania Sacra, Historisch-statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches, Hrsg.: Max-Planck-Institut für Gesichte, Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Das Erzbistum Magdeburg, erster Band, zweiter Teil, Die Kollegiatstifte St. Sebastian, St. Nicolai, St. Peter und Pauk und St. Gangolf in Magdeburg, bearbeitet von Gottfried Wentz und Berent Schwineköper, 1972, S. 612.

Borne wiederum gehörte zum Patronatsbereich des Kloster Unser Lieben Frauen (ULF) und wechselnd zum Domkapitel in Magdeburg.Heinrich Jürgens: Ortsgeschichte von Borne und Bisdorf (Handschrift im Landeshauptarchiv Magdeburg), 1917, S. 32 f.

1562, also schon während der Reformationszeit, aber noch vor der offiziellen Annahme des protestantischen Glaubens durch das St. Sebastianstift in Magdeburg im Jahr 1573, ging das Dorf Bisdorf in den Besitz des Kollegiatstifts St. Sebastian in Magdeburg über, während die Kirche von Borne beim Kloster U.L.F. verblieb. Damit verbunden war auch das Patronatsrecht über die Bisdorfer Kirche beim Sebastianstift.Germania Sacra, Historisch-statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches, Hrsg.: Max-Planck-Institut für Gesichte, Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Das Erzbistum Magdeburg, erster Band, zweiter Teil, Die Kollegiatstifte St. Sebastian, St. Nicolai, St. Peter und Pauk und St. Gangolf in Magdeburg, bearbeitet von Gottfried Wentz und Berent Schwineköper, 1972, S. 603, 605, 608, 612.

Das St. Sebastianstift in Magdeburg wechselte im Zuge der Reformationszeit bis 1573 zum protestantischen Glauben. Erst 1756 wird es profaniert und seit 1876 wird sie wieder von der katholischen Gemeinde genutzt. Inzwischen ist sie sogar Sitz des Kathedralkapitels des Magdeburger Erzbistums.

Einen eigenen Pfarrer erhält die Bisdorfer Gemeinde jedoch erst 1647, kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges, als zunächst Johann Geisslingen Pfarrer in Bisdorf wird.

Die Verwüstungen des Krieges und vor allem der Verlust an Menschenleben war auch für Bisdorf verheerend. Das St. Sebastianstift in Magdeburg brannte im Krieg ab und musste erst wieder aufgebaut werden. Die dazu nötigen Mittel hatten u. a. die Dörfer und Kirchengemeinden des Stifts zu erbringen, so auch die wenigen verbliebenen Einwohner Bisdorfs. Hierzu ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 1648 dokumentiert: