Hans Louis Trefousse (* 18. Dezember 1921 in Frankfurt am Main; † 8. Januar 2010 auf Staten Island) war ein deutschamerikanischer Historiker. Er beschäftigte sich primär mit einer Ära der Geschichte der Vereinigten Staaten, der Reconstruction zwischen den 1860ern und 1877, und vertritt eine allgemein positive Auffassung der Radical Republicans.

Leben Hans Louis Trefousse war ein Sohn des Arztes George L. Trefousse und der Elisabeth Albersheim. 1936 floh die Familie vor der Judenverfolgung im Dritten Reich in die Vereinigten Staaten. Nachdem er 1942 als Mitglied von Phi Beta Kappa am City College of New York einen Bachelor erworben hatte, meldete er sich freiwillig zur US Army. Er nahm am Zweiten Weltkrieg als Vernehmungsoffizier teil und verhörte an der deutschen Westfront Kriegsgefangene.

Mit Hilfe des G. I. Bill studierte er amerikanische Geschichte an der Columbia University und erwarb 1947 seinen Master zu dem Thema „Survey of German-American Relations, 1933–1939“. Drei Jahre später wurde er an der Columbia zum Thema Germany and American Neutrality, 1939–1941 promoviert. Er lehrte am Brooklyn College, zunächst 1946, dann von 1950 bis 1958, als Lehrbeauftragter. Von 1958 bis 1966 hatte er Assistenzprofessuren inne und wurde 1966 ebendort zum Professor ernannt. Er starb an den Folgen eines im Herbst 2009 erlittenen Schlaganfalls.

1947 heiratete er Rashelle Friedlander († 1999). Sie hatten einen Sohn.

Werk Zweiter Weltkrieg Trefousses 1951 veröffentlichte Dissertation German and American Neutrality, 1939-1941 behandelt Adolf Hitlers Versuche und deren Scheitern, die Vereinigten Staaten so lange wie möglich aus dem Zweiten Weltkrieg zu halten. Rezensionen fielen oft positiv aus.DeWitt C. Poole: [Rezension zu: Germany and American Neutrality, 1939-1941 by H. L. Trefousse] In: The American Historical Review, Band 57 (1952), S. 968f.

Reconstruction In der Nachkriegszeit vertraten viele US-amerikanischen Historiker die Dunning-School, die nach William Archibald Dunning benannt worden war. Sie verstand die Reconstruction als die Strafe der Radical Republicans gegen die Südstaaten. Historiker wie Eric McKitrick und Trefousse revidierten diese Auffassung Ende der 1950er Jahre. mini|hochkant|Benjamin Wade Trefousse veröffentlichte 1957 sein erstes Werk zur Reconstruction, Ben Butler: The South Called Him Beast!. Benjamin „Biest“ Butler, ein republikanischer Abgeordneter und General der Union Army während des Sezessionskriegs, wurde für sein Verhalten während der Okkupation New Orleans oft scharf kritisiert. Trefousse wertete Butler hingegen als einen guten Verwalter, wenn auch einen schlechten General. Als Abgeordneter sei er einer der wichtigsten Befürworter von Bürgerrechten für Schwarze gewesen. Rezensionen fielen positiv aus. Samuel Shapiro betont allerdings, dass Trefousse das Eintreten Butlers für die Schwarzen übertreibe.W. Darrell Overdyke: [Rezensionen zu: Ben Butler: The South Called Him BEAST! by Hans L. Trefousse] In: Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, Band 1 (1960), S. 178–180Louis Filler: [Rezensionen zu: Ben Butler: The South Called Him Beast! by Hans Louis Trefousse] In: The New England Quarterly, Band 30 (1957), S. 544–546Samuel Shapiro: [Rezensionen zu: Ben Butler: The South Called Him Beast! by Hans L. Trefousse] In: The Journal of Negro History, Band 44 (1959), S. 78–80 Das 1963 veröffentlichte Benjamin Franklin Wade: Radical Republican from Ohio ist die erste Biografie des Radical Republican Senators Benjamin Wade, der während und nach dem Bürgerkrieg mehrere einflussreiche Posten innehatte. Ein Großteil des Buches wurde der Zeit des Sezessionskrieges gewidmet. Trefousse lobt Wade für seine Fortschrittlichkeit. Dessen Kritik an den republikanischen Präsidenten Abraham Lincoln, dass er die ehemaligen Konföderierten nicht hart genug bestraft habe, wertet er als seinen größten Fehler. Die Kritik lobte die zweite Biografie Trefousses zwar; es sei jedoch nicht als Standardwerk einzustufen. Trefousse übertreibe nämlich Wades Einfluss auf das politische Leben. Zudem fehle es dem Buch an Differenziertheit.Harry L. Coles: [Rezension zu: Benjamin Franklin Wade: Radical Republican from Ohio by H. L. Trefousse]. In: The North Carolina Historical Review, Band 41, 1964, S. 126–128David Montgomery: [Rezension zu: Benjamin Franklin Wade, Radical Republican from Ohio by H. L. Trefousse]. In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography, Band 87, 1963, S. 465f.Jack B. Scroggs: [Rezension zu: Politics, Principle, and Prejudice, 1865-1866: Dilemma of Reconstruction America by Lawanda Cox, John H. Cox; Benjamin Franklin Wade, Radical Republican from Ohio by H. L. Trefousse]. In: The Journal of Southern History, Band 30, 1964, S. 118–120Frank B. Evans: [Rezension zu: Benjamin Franklin Wade: Radical Republican from Ohio by H. L. Trefousse]. In: Pennsylvania History: A Journal of Mid-Atlantic Studies, Band 31, 1964, S. 255f. mini|hochkant|Andrew Johnson (1875) Im 1969 veröffentlichten The Radical Republicans: Lincoln’s Vanguard for Racial Justice analysiert Trefousse die Faktion der Radical Republicans. Ihm zufolge hätten diese versucht, einen Schutz für Menschenrechte zu schaffen, und dabei dennoch einen Sinn für politischen Realismus bewahrt. Im modernen Sinne seien sie keine Extremisten gewesen, da sie die amerikanische Demokratie nicht angriffen. Mit Lincoln hätten sich die Radical Republicans nicht zerstritten, viel mehr seien sie seine Stoßtruppen und Vorhut gewesen. Das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten Andrew Johnson sei für sie eine ultima ratio gewesen, nachdem er sich als kompromissunwillig gezeigt hatte. Die Kritik lobte das Werk trotz einiger Mängel als einer der ersten vollständigen Darstellungen der Radical Republicans.William G. Shade: [Rezension zu: Judicial Power and Reconstruction Politics by Stanley I. Kutler; The Radical Republicans: Lincoln’s Vanguard for Racial Justice by Hans L. Trefousse; Three Carpetbag Governors by Richard N. Current; Yankee Stepfather: General O. O. Howard and the Freedmen by William S. McFeely] In: Pennsylvania History: A Journal of Mid-Atlantic Studies, Band 36 (1969), S. 374–379John J. Reed: [Rezension zu: The Radical Republicans: Lincoln’s Vanguard for Racial Justice by Hans L. Trefousse] In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography, Band 94 (1970), S. 124–126Richard E. Welch, Jr.: [Rezension zu: The Radical Republicans: Lincoln’s Vanguard for Racial Justice by Hans L. Trefousse] In: The New England Quarterly, Band 42 (1969), S. 475–478James M. McPherson: [Rezension zu: The Radical Republicans: Lincoln’s Vanguard for Racial Justice by Hans L. Trefousse] In: The Journal of Southern History, Band 35 (1969), S. 421–423

Ein Jahr nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen Richard Nixon behandelte Trefousse in Impeachment of a President: Andrew Johnson, the Blacks, and Reconstruction das Amtsenthebungsverfahren gegen Andrew Johnson. Dabei konzentriert er sich auf Johnsons Eigenschaften als Politiker. Die Dunning-School bewertete Johnson als einen Idealisten, der keinen Kompromiss mit den Radical Republicans eingehen wollte und konnte. Sympathisanten der Radical Republicans wie der Johnsonbiograph McKitrick hielten Johnson für einen inkompetenten Politiker, der durch politische Fehlzüge seine Macht verlor. Trefousse hingegen behauptete, dass Johnson im Kampf gegen die Radical Republicans den Weg für prosüdliche Maßnahmen Mitte der 1870er ebnete, beispielsweise den Kompromiss von 1877. Es ist einer der wichtigsten Werke zu Johnsons Amtsenthebung.Elizabeth Studley Nathans: [Rezension zu: Impeachment of a President: Andrew Johnson, the Blacks, and Reconstruction by Hans L. Trefousse] In: The Florida Historical Quarterly, Band 55 (1976), S. 205–207Michael Perman: A President and His Impeachment In: Reviews in American History, Band 3 (1975), S. 462–466James E. Sefton: [Rezension zu: Impeachment of a President: Andrew Johnson, the Blacks, and Reconstruction by Hans L. Trefousse] In: The Georgia Historical Quarterly, Band 59 (1975), S. 357–359Harold M. Hyman: [Rezension zu: Impeachment of a President: Andrew Johnson, the Blacks, and Reconstruction by Hans L. Trefousse] In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography, Band 101 (1977), S. 539f. 1989 folgte mit Andrew Johnson: A Biography eine Biografie Johnsons, die die Ergebnisse der vorangegangenen 40 Jahre Johnsonforschung zusammenfasst. Er sei ein Opportunist gewesen, der Politik als Beruf betrieb. Seine agrarische Grundeinstellung markiere in Zeiten der Industriellen Revolution einen Anachronismus. Die Rezensionen fielen generell positiv aus; die Biografie biete allerdings nur wenige Neuerungen.Gary W. Gallagher: [Rezension zu: Andrew Johnson: A Biography by Hans L. Trefousse] In: The Georgia Historical Quarterly, Band 74 (1990), S. 537–539Brooks D. Simpson: [Rezension zu: Andrew Johnson: A Biography by Hans L. Trefousse] In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography, Band 114 (1990), S. 446–448Donald E. Reynolds: [Rezension zu: Andrew Johnson: A Biography by Hans L. Trefousse] In: Louisiana History: The Journal of the Louisiana Historical Association, Band 31 (1990), S. 229–231Richard N. Current: [Rezension zu: Andrew Johnson: A Biography by Hans L. Trefousse; Andrew Johnson and the Negro by David Warren Bowen] In: The Florida Historical Quarterly, Band 69 (1990), S. 104Peter Rachleff: [Rezension zu: By Hans L. Trefousse. Andrew Johnson: A Biography.] In: Pennsylvania History: A Journal of Mid-Atlantic Studies, Band 57 (1990), S. 90f.

Trefousse behandelte im 1982 veröffentlichten Carl Schurz: A Biography den Achtundvierziger Carl Schurz, dessen größte Wirkung Trefousse als Anführer der Deutschamerikaner sieht. Trotz seiner politischen Mäßigung in seinen späteren Jahren sei der ehemalige Märzrevolutionär bei seinen demokratischen Idealen geblieben. Die Kritik lobte die Biografie, bemängelte jedoch das Fehlen einer Beschreibung der Persönlichkeit von Schurz. Geoffrey Blodgett bezeichnet die Hauptthese des Buches als interessant. Schurz den Anführer der Deutschamerikaner zu nennen sei allerdings angesichts ihrer Heterogenität fragwürdig.Geoffrey Blodgett: What was so Important about Carl Schurz? In: Reviews in American History, Band 11 (1983), S. 77–81Richard L. McCormick: [Rezension zu: Carl Schurz: A Biography by Hans L. Trefousse] In: The Pennsylvania Magazine of History and Biography, Band 107 (1983), S. 316–318Hugh Brogan: [Rezension zu: The Earnest Men: Republicans of the Civil War Senate by Allan G. Bogue; Carl Schurz: A Biography by Hans L. Trefousse] In: Journal of American Studies, Band 18 (1984), S. 141–144Robert L. Beisner: [Rezension zu: Carl Schurz: A Biography by Hans L. Trefousse] In: The Virginia Magazine of History and Biography, Band 91 (1983), S. 522–524 mini|hochkant|Thaddeus Stevens