Die 1st Infantry Division (), Spitzname Big Red One (deutsch: Große rote Eins), ist einer der ältesten und traditionsreichsten Großverbände der US-Streitkräfte. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1955 und erneut von 1996 bis 2006 in Deutschland stationiert. Seit dem 1. August 2006 hat die Division ihr Hauptquartier in Fort Riley, Kansas. Die Division ist dem III. Corps unterstellt.
Geschichte Erster Weltkrieg mini|hochkant|Charles P. Summerall Die Geschichte der 1. US-Infanteriedivision begann im Zuge des Ersten Weltkrieges. Sie wurde am 24. Mai 1917 aufgestellt und ab 8. Juni auf Governors Island (New York) vom ersten Kommandeur Brigadegeneral William L. Sibert organisiert. Die ersten Truppen wurden am 13. Juni in Hoboken eingeschifft und landeten am 26. Juni in St. Nazaire aus. Das Hauptquartier der Division landete am 27. Juni mit John „Blackjack“ Pershing als erstes Führungskommando des American Expeditionary Forces in Frankreich. Der Rest der Division folgte in rascher Folge mit Ausnahme des Versorgungszuges, der erst am 6. Mai 1918 in Frankreich ankam. Die Division wurde in Gondrecourt trainiert, die zugeteilte Artillerie-Brigade kam nach Valdahon. Am 21. Oktober 1917 kamen Teile der Division im Raum Lunéville an die Front und wurde einer französischen Einheit zugeordnet. Am 23. Oktober 1917 folgte östlich von Bathlemont die Feuertaufe und beim 16. Infanterie-Regiment traten die ersten Verluste ein. In der Nacht des 30. November wurden die Einheiten nach Gondrecourt zurückgezogen, um ihre Ausbildung fortzusetzen. In der Nacht vom 15. auf 16. Januar 1918 wurde sie bei Ansauville wieder vorne eingesetzt und am 3. April 1918 nach Toul zurückgezogen um dann sofort per Bahn in die Picardie verlegt zu werden.
Am 25. April 1918 übernahm die Division unter General Robert Lee Bullard infolge des deutschen Unternehmens Michael bei Montdidier einen Frontabschnitt bei Cantigny. Der dort am 28. Mai beginnende amerikanische Angriff konnte einen Frontvorsprung erfolgreich begradigen. Das 28. Infanterieregiment (Oberst Hansen Ely) griff den Ort an und brachte beim Angriff innerhalb von 45 Minuten etwa 250 deutsche Gefangene ein. Alle deutschen Gegenangriffe in den folgenden zwei Tagen konnten abgewiesen werden. Die 1. Division blieb bis zum 7. Juli im Sektor Cantigny und wurde dann nach Dammartin-en-Goële zurückgezogen.
Am 15. Juli 1918 starteten die Deutschen beidseitig von Reims eine letzte kurzlebige Offensive und am 18. starteten die Alliierten ihren Gegenangriff, bei der die 1. Division unter General Charles P. Summerall im Rahmen der französischen 1. Armee eingesetzt wurde. Die 1. und 2. Division sowie die marokkanische Division griffen ab 18. Juli in der Schlacht bei Soissons an. In viertägigem Kampf überquerten die Truppen die Straße nach Chateau-Thierry und besetzten am 2. August Soissons. Die 1. Division hatte in dieser Schlacht 8.365 Mann verloren, war dabei 11 Kilometer vorgerückt und hatte 3.500 Gefangene und 68 Kanonen eingebracht. Die Division wurde nach ihrer Ablösung durch die 15th (Scottish) Infantry Division wieder in den Raum Toul verlegt. Am 7. August 1918 übernahm sie einen ruhigen Abschnitt bei Saizerais und blieb dort bis zum 24. August, als es zur Vorbereitung einer neuen Offensive nach Vaucouleurs zurückgezogen wurde.
Im Rahmen der jetzt selbständig organisierten 1. US-Armee nahm sie an der Schlacht von St. Mihiel teil. Der neue Angriff begann am 12. September 1918 um 5 Uhr morgens, schon am nächsten Morgen wurde die Verbindung zur 26. US-Division in Vigneulles hergestellt. Die 1. Division wurde dann von der 42. Division abgelöst und als Reserve des IV. Korps in den Nonsard Wood zurückgezogen. Am 20. September wurde die 1. Division für ihren Einsatz in der Maas-Argonnen-Offensive nach Westen verlegt. Sie kam am 27. September in Nixeville an, von dort marschierte sie nach Neuvilly, wo sie in der Nacht des 30. September die 35. US-Division in der Nähe von Very ablöste. In den folgenden elf Tagen stand die 1. Division ununterbrochen östlich des Airetals im Vormarsch, die Orte Fleville und Exermont wurden eingenommen. In der Nacht des 11. Oktober 1918 verlief die neue Frontlinie nördlich von Sommerance nach Osten, als die Truppen von der 42. Division abgelöst wurden. In dieser Offensive hatte die Division schwere Verluste (9.194 Mann) erlitten, war aber etwa 7 Kilometer vorgerückt und hatte 1.400 Gefangene und 13 Feldgeschütze eingebracht. Nach diesen Kämpfen wurde die Division zur Erholung nach Bar-le-Duc verlegt und kam in die Reserve des V. Korps. In der Nacht vom 5. auf den 6. November 1918 trat sie nördlich der Straße Stonne-Beaumont wieder an vordere Linie ein und erreichte am 6. November die Maas bei Mouzon. Am Nachmittag des 7. November erreichte sie die Höhen von Sedan und besetzte die Stadt. Die Franzosen wollten aus Prestigegründen als erste in die Stadt einziehen und so wurde die Division nach Buzancy zurückgezogen. Die Verluste seit Anfang Oktober stiegen auf 10.116 Soldaten, mehr als bei jeder anderen Division in der Maas-Argonnen-Operation.
Die „Fighting First“ bereitete den amerikanischen Truppen an der Westfront sozusagen den Weg. Namen wie Cantigny, Soissons, und Argonnen sind Synonyme für die Einsätze der Soldaten der 1. Infanteriedivision, die jetzt das Abzeichen der „Big Red One“ auf ihrer linken Schulter tragen. Die 1. Division wurde nach dem Waffenstillstand der 3. Armee zugeteilt, welche die amerikanischen Besatzungstruppen umfasste, und marschierte am 17. November nach Deutschland ab. Sie überquerte die Mosel bei Wormeldingen und ging am 1. Dezember 1918 über die Grenze. Der Rhein wurde am 13. Dezember überquert, die Division etablierte sich im östlichen Brückenkopf bei Koblenz, wo sie bis zum 16. August 1919 als Besatzung verblieb. Das Hauptquartier der Division wurde am 25. August 1919 in Brest eingeschifft und traf am 5. September 1919 wieder in New York ein.
Zweiter Weltkrieg mini|300x300px|In die Geschichte eingegangenes Foto (Titel: Into the Jaws of Death), das die Landung der 1st Infantry Division bei Omaha Beach am 6. Juni 1944 zeigt. Während des Zweiten Weltkrieges war die 1. Infanteriedivision die erste, die in England ankam, die erste, die den Feind in Nordafrika und in Sizilien bekämpfte, die erste an den Stränden der Normandie am D-Day und die erste, die mit Aachen eine deutsche Großstadt einnahm.
mini|links|Gedenktafel an die am 29./30. November 1944 gefallenen Soldaten der 1. Infanterie-Division der US-Armee an einem Haus in Merode Nach den D-Day-Landungen am 6. Juni 1944 rückte die Division unter Major General Clarence R. Huebner im Rahmen des V. US-Korps landeinwärts und sicherte so einen Brückenkopf für Versorgungs- und Kampftruppen. Sie drang anschließend weiter ostwärts durch Frankreich vor. Im September 1944 erreichte die Division die deutsche Grenze und nahm im folgenden Monat Aachen ein. Im Anschluss kämpfte die Division im Hürtgenwald und an der Rur. Anfang Dezember wurde die Division, nach sechs Monaten ununterbrochenem Kampfeinsatz, zur Auffrischung von der Front abgezogen. Mit dem Beginn der deutschen Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 wurde die Division an die Ardennenfront verlegt, wo sie erneut schwere Kämpfe zu bestehen hatte.
Im Februar 1945 brach die 1. US-Infanteriedivision aus dem amerikanischen Brückenkopf bei Remagen aus und nahm an der Einkesselung des Ruhrgebiets teil, bevor sie durch Mitteldeutschland nach Osten vorrückte. Am Ende des Krieges war die „Big Red One“ durch ganz Deutschland bis in die westliche Tschechoslowakei vorgerückt. Hier befreite sie am 8. Mai 1945 im Sudetenland die KZ-Außenlager Falkenau und Zwodau. (englisch).
Die 1. Infanteriedivision blieb in Deutschland bis 1955, zuerst als Besatzungstruppe, dann als Verbündeter der jungen Bundesrepublik in der NATO. 1955 wurde die Division zurück nach Fort Riley (Kansas) verlegt, bevor sie in den 1990er Jahren wieder zurück nach Deutschland kommen sollte.
Vietnam-Krieg Im Sommer 1965 war die Big Red One die erste Division, die nach Vietnam beordert wurde. Fast fünf Jahre kämpften die Soldaten gegen die Vietcong, während auch Hilfsprogramme für die Bevölkerung von Südvietnam organisiert wurden. Interne Untersuchungen der US Army wiesen für den Zeitraum von Januar bis Oktober 1969 im Distrikt Chơn Thành in der Provinz Bình Phước 14 Fälle nach, in denen Hubschrauberstaffeln der 1. US-Kavalleriedivision, der 1. US-Infanteriedivision und der 12th Aviation Group Waldarbeiter und im Feld arbeitende Bauern sowie ganze Dörfer unter Beschuss genommen und dabei an die 30 Menschen getötet hatten. Die Besatzungen hatten sich die Feuererlaubnis mittels vorsätzlicher Täuschung der Einsatzzentralen erschlichen.National Archives, Record Group 472, Box 124, Folder: Case #69-65
mini|Statue auf dem First Division Monument in Washington, D.C.
Im April 1970 wurden die Fahnen der 1. Infanteriedivision zurück nach Fort Riley verlegt. Zurück in Kansas, wurde die Big Red One ein Verband mit mehreren Standorten, die 3. Brigade wurde in die Bundesrepublik Deutschland vorverlegt. Dieser Teil der Division nannte sich für die Dauer der Vorverlegung „1st Infantry Division (FWD)“ und lag in folgenden Standorten:
3. Brigade in Göppingen mit Stab und Stabskompanie der 1. Infanteriedivision (FWD) in Göppingen 3–34th Armor in Böblingen 1–16th Infantry in Böblingen 4–16th Infantry in Göppingen 2–5th Field Artillery in Neu-Ulm D Btry/25 Field Arty in Neu-Ulm D Comp/1st Engineers in Böblingen 299th Support Bn in Göppingen
Ein weiteres „1. Mal“ wurde der Division zuteil, als man mit einer langen Reihe von REFORGER-Übungen begann. Diese Übungen zeigten Entschlossenheit und Fähigkeit der USA, ihre NATO-Partner in Westeuropa zu verteidigen.
Operation Desert Storm Am 8. November 1990 wurde die 1. Infanteriedivision in den Alarmzustand versetzt und verlegte in den kommenden zwei Monaten mehr als 12.000 Soldaten und 7.000 Teile Ausrüstung nach Saudi-Arabien zur Unterstützung der Operation Wüstensturm. Nachdem die Division die Kampftruppen in den Irak angeführt hatte, konnte am 27. Februar 1991 die gegnerische Verteidigung entlang der kuwaitischen Grenze durchbrochen und der Rückzugsweg für die fliehenden irakischen Truppen abgeschnitten werden.
Während der folgenden 100 Stunden „stürmte“ die Division durch den Südirak hinein nach Kuwait, wobei 11 feindliche Divisionen ganz oder teilweise abgeschnitten bzw. vernichtet wurden. Die Division kämpfte ihren Weg durch 260 Kilometer Feindesland und zerstörte mehr als 500 feindliche Panzer und 480 gepanzerte Truppentransporter. Zusätzlich machte die Division mehr als 11.400 Kriegsgefangene – doppelt so viele wie jede andere Einheit.
Kosovo Kurz nach Verlegung der Einheit nach Deutschland übernahmen die Soldaten der „Big Red One“ Friedenssicherungsaufgaben im Bosnien-Herzegowina. Die Division verlegte 1999 zweimal in den Balkan, zuerst als Teil der Kampfgruppe „SABRE“ in Mazedonien, dann in den Kosovo mit der NATO-Kampftruppe „Falcon“ am 10. Juni. Dieses Kontingent patrouillierte ihren Sektor im Kosovo bis Juni 2000, als die Mission an die 1. Gepanzerte Division übertragen wurde.
Im November 2002 verlegte das 2. Bataillon, 63. gepanzertes Regiment zur NATO Task Force Falcon zur Unterstützung des Friedenssicherung in den Kosovo. Das 2./63 überwachte Friedensvereinbarungen im Ostsektor der multinationalen Brigade. Das Bataillon hat dazu beigetragen, ein sichereres Klima zu gestalten und hat den Übergang zur Zivilverwaltung unterstützt.
Operation Iraqi Freedom Im Januar 2003 bereitete sich die Division auf den Irak-Krieg vor. Die Soldaten bildeten das Hauptquartier der US-Streitkräfte in der Türkei und bereiteten den Angriff der 4. Infanteriedivision auf den Irak von der Türkei aus vor. Als die türkische Regierung den Zugang zum Irak über ihre Grenzen verweigerte, brach ARFOR-T die Zelte ab, und die 4. Infanteriedivision griff den Irak von Kuwait aus an.