mini|hochkant=1.6|Ausbaustrecken des Alpha-E (Empfehlung des Dialogforums Schiene Nord, rot) und zusätzliche Streckenabschnitte des Optimierten Alpha-E mit Bremen (Bundesverkehrswegeplans 2030, blau) Alpha-E war ein Schienenverkehrsprojekt, das in seiner ursprünglichen Form den Ausbau verschiedener Bahnstrecken in Niedersachsen vorsah. Das Projekt wurde 2015 im Dialogforum Schiene Nord als Alternative zur damals geplanten Y-Trasse entworfen, einer Neubaustrecke für den Verkehr zwischen Hamburg bzw. Bremen und Hannover. In dem Beteiligungsforum wurden das Projekt und der Verzicht auf Neubaustrecken von einer großen Mehrheit befürwortet. Fahrgastverbände und einzelne Beteiligte wie der Landkreis Lüneburg hielten das Ergebnis dagegen nicht für ausreichend.
Basierend auf der Empfehlung des Dialogforums wurde vom Bundesverkehrsministerium das Projekt Optimiertes Alpha-E + Bremen entwickelt, das zwischen Hannover und Hamburg nicht mehr zwingend einen reinen Ausbau der Bestandsstrecken vorsieht, sondern von sogenannten Ortsumfahrungen ausgeht. Das Gesamtprojekt wurde 2016 in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen, noch im selben Jahr begannen auf dem Abschnitt Verden–Rotenburg die Planungen.
Für den Abschnitt Hannover–Hamburg begannen Anfang 2018 die Planungen. Dabei wurden neben dem Bestandsstreckenausbau auch Varianten mit Ortsumfahrungen und längeren Neubaustrecken untersucht. Eine solche Neubaustrecke war umstritten. Während unter anderem Verkehrsverbände diese Variante befürworten, wird vor allem in betroffenen Kommunen gefordert, am ursprünglichen Alpha-E aus dem Dialogforum festzuhalten. Im Juni 2025 stellte die Deutsche Bahn die Ergebnisse der Vorplanung vor, die als Vorzugsvariante eine Neubaustrecke ermittelte, die bei Celle beginnt und über Bergen und Soltau nach Meckelfeld führen soll.
Geschichte Entstehung
Konkrete Planungen für die Y-Trasse, die Hannover schneller mit Hamburg und Bremen verbinden sollte, sowie Kapazitäten auf den stark belasteten Bahnstrecken Lehrte–Hamburg-Harburg und Wunstorf–Bremen schaffen sollte, begannen 1992. Das Vorhaben stand in der betroffenen Region unter anderem wegen der zu erwartenden Umwelteinwirkungen unter Kritik. 2012 kündigte die Deutsche Bahn an, die Bürger stärker in die Planungen einzubeziehen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersuchte die Deutsche Bahn zudem weitere Aus- und Neubauvarianten als Alternative zur Y-Trasse. Die Ergebnisse wurden im Februar 2014 vorgestellt.
Unabhängig von den Untersuchungen der Deutschen Bahn stellte außerdem die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann Ende 2014 als weitere Alternative die Alpha-Variante vor, die ausschließlich den Ausbau bestehender Strecken umfasste und ohne Neubaustrecken auskommen sollte. Idee dieses anfangs auch als Lühmann-Variante bezeichneten Vorschlags war es, einen Teil der Güterzüge von Bremen und Hamburg über andere Strecken zu leiten, um zu vermeiden, dass einzelne Strecken zu stark belastet werden. Güterzüge zwischen Hamburg und Hannover sollten sowohl über Uelzen als auch über Verden fahren, wozu die Bahnstrecke Verden–Rotenburg zweigleisig ausgebaut und eine Blockverdichtung zwischen Wunstorf und Nienburg realisiert werden sollte. Auf der Bahnstrecke Lehrte–Hamburg-Harburg sollte lediglich ein drittes Gleis zwischen Uelzen und Lüneburg gebaut werden. Durch eine Elektrifizierung der Bahnstrecke Uelzen–Langwedel („Amerikalinie“) sollten zudem Güterzüge von Bremen in östliche Richtung über Soltau und Uelzen anstatt über Hannover geleitet werden.
Dialogforum Schiene Nord
Von Februar bis November 2015 fand in Celle das Dialogforum Schiene Nord statt. In dem Beteiligungsforum sollten Kommunen, Bürgerinitiativen, Verbände und weitere Akteure in mehreren Tagungen sich mit der Y-Trasse und ihren Alternativen auseinandersetzen und die Vor- und Nachteile der Varianten diskutieren. Behandelt wurden neben der Y-Trasse und den sechs Varianten, die die Deutsche Bahn im Rahmen der 2014 vorgestellten Machbarkeitsstudie entworfen hatte, drei weitere Vorschläge diskutiert, darunter die Alpha-Variante. Finanziert wurde das Dialogforum zu einem Drittel vom Land Niedersachsen und zu zwei Dritteln von der Deutschen Bahn.
Die Alpha-Variante wurde im Rahmen des Dialogforums von einem Gutachter untersucht, wobei fünf verschiedene Planfälle betrachtet wurden. Der von vielen Teilnehmern favorisierte Planfall E erreichte zusammen mit einem Ausbau zwischen Uelzen und Halle, der unabhängig von den Planungen zur Y-Trasse bereits vorgesehen war, ein Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von 1,1, ohne diesen Ausbau lag das NKV bei 0,8.
Am Ende des Dialogforums wurde ein Abschlussdokument verfasst, das von der Mehrheit der Beteiligten unterzeichnet wurde. In diesem Dokument wurde die Alpha-Variante E bzw. das Alpha-E mit folgenden Maßnahmen empfohlen:
zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke Rotenburg–Verden drittes Gleis Uelzen–Lüneburg Elektrifizierung der Bahnstrecke Uelzen–Langwedel mit neun Kreuzungsbahnhöfen für den Güterverkehr und Ertüchtigung für 80 km/h Blockverdichtung Wunstorf–Nienburg–Verden mit neuen Überholgleisen und mittigen Wendegleisen in Nienburg Blockverdichtung Lehrte–Celle Ausbau der Bahnstrecke Nienburg–Minden und der Verbindung Uelzen–Halle
Als sogenannte „Bedingungen der Region“ werden im Abschlussdokument mehrere Zusagen im Zusammenhang mit dem Projekt gefordert, darunter ein übergesetzlicher Lärmschutz an allen auszubauenden Strecken, sowie solchen Strecken, die durch das Projekt von zusätzlichem Verkehr betroffen sind. Im Anschluss wurde der Projektbeirat Alpha-E gebildet, der aus acht Vertretern von Landkreisen und Kommunen sowie acht weiteren Vertretern aus Bürgerinitiativen besteht. Seine Aufgabe ist es, die Planung und Umsetzung von Alpha-E zu begleiten und sich für die „Bedingungen der Region“ einzusetzen.
Der damalige Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann, der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG Volker Kefer sagten ihre Unterstützung zu. Im November 2016 sprach sich auch der Niedersächsische Landtag für die Umsetzung des Ergebnisses aus.
Das Konzept des Dialogforums wurde von vielen Seiten gelobt, Olaf Lies bezeichnete es als „Meilenstein für die künftige Bürgerbeteiligung bei Großprojekten“. Kritisiert wird jedoch, dass die Betroffenen der letztlich gewählten Variante im Dialogforum unterrepräsentiert gewesen seien.
Bundesverkehrswegeplan Im Bundesverkehrswegeplan 2030 wurde der Ausbau der Verbindung Uelzen–Halle unabhängig von Alpha-E als eigenständiges Projekt aufgenommen. Das Projekt Alpha-E kam bei der Aufstellung des BVWP 2030 zunächst nur auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von 0,6. Um dennoch in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden zu können, musste ein Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von 1,0 erreicht werden. Mit einer Erweiterung des Projekts um mehrere Maßnahmen, die eine Kapazitätserweiterung und eine Fahrzeitverkürzung im Personenfernverkehr zwischen Hannover und Hamburg von 11 Minuten ermöglichen, sowie weiteren Ausbauten im Raum Bremen wurde ein NKV von etwa 1,0 erreicht. Diese weiterentwickelte Variante wird als Optimiertes Alpha-E mit Bremen bezeichnet. Folgende Maßnahmen wurden dabei ergänzt: „ABS Ashausen – Uelzen – Celle, Vmax 250/230 km/h (ggf. mit zusätzlichen fahrplanbasierten Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung und Ortsumfahrungen)“ Ausbau Hannover-Vinnhorst–Celle für 230 km/h Überwerfungsbauwerk im Bahnhof Verden (Aller) drittes Gleis Langwedel–Bremen-Sebaldsbrück und Bremen Rbf–Bremen-Burg Blockverdichtung Stubben–Bremerhaven-Speckenbüttel
Als Konzeptentwurf für den Abschnitt Ashausen–Celle, der keine Vorfestlegung für den weiteren Planungsprozess darstellt, wurde vom BMVI eine Trasse mit Ortsumfahrungen für Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen, sowie weiteren Ausbauten betrachtet.
Im August 2016 beschloss die Bundesregierung den BVWP 2030 und nahm das Optimierte Alpha-E mit Bremen in den vordringlichen Bedarf auf. Auf dieser Grundlage wurde im Dezember 2016 vom Bundestag und vom Bundesrat eine neue Fassung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes (BSWAG) beschlossen, in dem das optimierte Alpha-E enthalten ist.
Ende 2023 wurde eine weitere Änderung des BSWAG beschlossen, wodurch die Projekte des Deutschlandtakts in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurden. Dabei wurden elf Projektbündel gebildet, die zum Teil auch bereits vorhandene Projekte enthalten. Die meisten Maßnahmen des bisherigen optimierten Alpha-E mit Bremen sind seitdem zusammen mit anderen Ausbaustrecken im Projektbündel 3 enthalten. Die ABS/NBS Hannover–Hamburg bildet dagegen das eigenständige Projektbündel 2.
Projektabschnitte Das Projekt wird im Bundesverkehrswegeplan in vier Teilmaßnahmen untergliedert, die ABS/NBS Hamburg – Hannover, die ABS Langwedel – Uelzen, die ABS Rotenburg – Verden – Minden / Wunstorf und die ABS Bremerhaven – Bremen – Langwedel.
ABS/NBS Hamburg – Hannover
Nachdem im Dezember 2017 vom Bund die Finanzierungszusage für den Abschnitt Hamburg–Hannover erteilt wurde, begannen Anfang 2018 für diesen Projektteil die Planungen.
Bis 2019 untersuchte die Deutsche Bahn den Bau eines dritten Gleises zwischen Uelzen und Lüneburg ohne Geschwindigkeitserhöhungen (Variante 1) und mit einer Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf 230 km/h (Variante 2). Die Variante 1 erreichte dabei abhängig vom unterstellten Betriebsprogramm im SPNV ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,47 (SPNV 2030) bzw. 0,76 (SPNV 2030+). Die Variante 2 wurde bereits vorzeitig verworfen, da sie gegenüber der Variante 1 nur eine geringe Fahrzeitverkürzung bei höheren Kosten und geringerer Kapazität erzielt hätte. Außerdem wurde der Bau einer neuen zweigleisigen, mit 250 km/h befahrbaren Strecke als Ortsumfahrung zwischen dem Nordkopf des Bahnhofs Uelzen und Radbruch untersucht, die entweder in Bienenbüttel mit der Bestandsstrecke verknüpft worden wäre (Variante 3a) oder auch diesen Ort umfahren hätte (Variante 3b), ohne dabei einen konkreten Trassenverlauf zu betrachten. Für diese Varianten wurden 2020 die Ergebnisse vorgestellt.
Ende 2023 wurde der Projektabschnitt in ein eigenes Projektbündel des Bedarfsplans Schiene des Bundesschienenwegeausbaugesetzes ausgegliedert.
Vieregg-Rössler-Gutachten Ende 2018 wurde der Projektbeirat darauf aufmerksam, dass auch Varianten mit mehr Gleisen untersucht werden, als im Abschlussdokument des Dialogforums gefordert. Daraufhin setzte er seine Mitarbeit vorübergehend aus und forderte von der Deutschen Bahn ein Bekenntnis zu den Ergebnissen aus dem Dialogforum sowie mehr Transparenz bei den Planungen. Die Deutsche Bahn stellte daraufhin im Rahmen sogenannter „gläserner Werkstätten“ die Planungen verschiedener Varianten detailliert dar.