mini|Wolfram Weimer (2025) Wolfram Robert Wilhelm Weimer (* 11. November 1964 in Gelnhausen) ist ein deutscher Verleger, Publizist, Unternehmer und Politiker (parteilos). Seit 2025 ist er Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
Er war Chefredakteur der Zeitung Die Welt, der Berliner Morgenpost, des Focus und des von ihm gegründeten Magazins Cicero. 2012 gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau – der Publizistin und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer – die Weimer Media Group, in der Titel wie Business Punk, The European oder WirtschaftsKurier verlegt werden. Die Weimers veranstalten mit ihrer Media Group seit 2014 in Gmund am Tegernsee – ehemaliger Wohnsitz Ludwig Erhards – den jährlichen Ludwig-Erhard-Gipfel, auf dem auch ihr Freiheitspreis der Medien vergeben wird. In seiner Jugend veröffentlichte er Lyrik.
Leben Studium und Schule Wolfram Weimer verbrachte einen Teil seiner Jugend in Portugal, wo sein Vater Alois Weimer Deutsch- und katholischer Religionslehrer war. Seine aus Südmähren stammende Mutter Wilhelmine Weimer geb. Kuhn war ebenfalls Lehrerin. Wolfram Weimer besuchte die Deutsche Schule zu Porto. 1983 legte er das Abitur am Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen ab. Von 1983 bis 1984 leistete er beim Beobachtungsbataillon 23 des Artillerieregiments 2 der 2. Panzergrenadierdivision in Stadtallendorf Wehrdienst in der Bundeswehr.
Weimer studierte Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 1986 erhielt er ein Stipendium der American University in Washington, D.C., zudem ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und erwarb 1989 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main den akademischen Grad Magister Artium.
Aus einem Washingtoner Forschungsjahr entstand 1991 eine mit Magna cum laude bewertete Dissertation über den amerikanischen „Bankenkrieg“, veröffentlicht unter dem Titel Die Kontroverse um die Bank of North America 1783–1787. 1998 erhielt Weimer ein Forschungsstipendium des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien in Berlin.
Tätigkeiten im Medienbereich Bereits in seiner Schulzeit gründete Weimer die Schülerzeitung Schwarzer Elch, schrieb ab 1980 für das Gelnhäuser Tageblatt und ab 1981 für die Main-Kinzig-Nachrichten. Nach seinem Studium arbeitete er als Hospitant bei der dpa in Washington, D.C. Weimer war von 1990 bis 1994 Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von 1994 bis 1998 deren Korrespondent in Madrid, von 1998 bis 2000 stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt in Berlin, von 2000 bis 2001 deren Chefredakteur und von 2001 bis 2002 Doppel-Chefredakteur der Welt und der Berliner Morgenpost.. In: Focus, 29. Oktober 2009, archiviert in der Wayback Machine am 16. Juni 2012.SWR verleiht Hans Bausch Mediapreis an Dr. Weimer und Jacqueline Stuhler Voß würdigt zum zehnjährigen Todestag langjährigen SDR-Intendanten Hans Bausch (abgerufen am 11. Februar 2010). Er verließ die Axel Springer AG Ende 2002.
mini|hochkant=0.7|Wolfram Weimer vor einem Schriftzug des von ihm gegründeten Cicero-Magazins (2006) 2003 gewann Weimer das Schweizer Medienunternehmen Ringier für die Idee, von Potsdam aus ein neues deutsches Politik-Magazin zu entwickeln. Das Magazin Cicero erschien zum ersten Mal im April 2004. Weimers erklärte Absicht war die Schaffung eines „deutschen New Yorker“. Er blieb bis Januar 2010 dessen Chefredakteur.
Weimer war von 2003 bis Januar 2015 Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).
Im Herbst 2009 warb der Burda-Verlag Weimer als neuen Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus ab, womit er gemeinsam mit Uli Baur Nachfolger von Helmut Markwort wurde. Das Magazin wurde unter seiner Leitung neu positioniert und begann eine Kooperation mit dem Economist. Weimers Abschied vom Focus nach nur einem Jahr wurde in den Medien als Niederlage in einem internen Machtkampf gegen Baur gewertet.
2012 gründete Weimer die Weimer Media Group. Er leitete den Verlag bis 2025 gemeinsam mit seiner Frau. Beide sind zu jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Im Herbst 2025 kündigte er an, er wolle für die Dauer seiner Amtszeit als Kulturstaatsminister seine Anteile an einen Treuhänder übergeben.
Ende 2012 brachte er zum 50-jährigen Jubiläum der 1982 eingestellten Satire-Zeitschrift Pardon ein Sonderheft mit Beiträgen verschiedener Humoristen heraus.
Seit 2015 ist Weimer Verleger des Magazins The European. Daneben schrieb er für n-tv die wöchentliche Kolumne Person der Woche n-tv, 14. Dezember 2016, in der Wayback Machine archiviert am 14. Dezember 2016. und eine Kolumne für die inhaltlich identischen Nachrichtenseiten der United-Internet-Portale GMX und Web.de.https://www.gmx.net/magazine/autor/dr-wolfram-weimer-33795338-p2, https://web.de/magazine/autor/dr-wolfram-weimer-33795338 Bis 2025 war er 13 Jahre Kolumnist des konservativ-christlichen Medienmagazins pro.pro Ausgabe 3|25 (unpaginiert): Pro Kolumne Weimers Klartext
Weimers Veröffentlichungen decken ein breites thematisches Spektrum ab, das von Wirtschafts- und Geldgeschichte über politische Essays bis hin zu kultur- und gesellschaftspolitischen Kommentaren reicht.
Ludwig-Erhard-Gipfel und Freiheitspreis der Medien Seit 2014 veranstaltet die Weimer Media Group den Ludwig-Erhard-Gipfel in Gmund am Tegernsee. Das jährliche Treffen ist nach dem ehemaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard benannt, der mit seiner Familie von 1953 bis zu seinem Tod 1977 in Gmund gelebt hatte. Seit 2017 wird dabei der Freiheitspreis der Medien vergeben.https://ludwig-erhard-gipfel.de/freiheitspreis/Joachim Gauck erhält Freiheitspreis der Medien 2025
Privates Weimer ist mit der Verlegerin Christiane Goetz-Weimer, Tochter von Peter Götz,Traueranzeige Peter Goetz, auf lebenswege.faz.net vom 5. Oktober 2025 verheiratet und hat drei Söhne.Monika Ziegler, Tegernsee hat eine Buchhandlung verdient, kulturvisionaktuell.de vom 9. Juni 2023.Valentin Weimer, auf welt.de. Er ist römisch-katholisch und lebt in Tegernsee.
Politische Standpunkte Weimer wird in der Öffentlichkeit als Vertreter des liberal-konservativen Spektrums wahrgenommen. Er wurde auch als konservativ oder neokonservativ beschrieben. Weimer hat seine politischen Standpunkte insbesondere in fünf Werken dargelegt, allen voran Das Konservative Manifest (2018) sowie Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit (2009), ergänzt von Land unter (2012), Credo (2006) und Sehnsucht nach Gott (2021).
Im Jahr 2018 wurde sein Buch Das konservative Manifest veröffentlicht, das vom Verlag als „Gift für Linke und eine Zumutung für Rechte“ beworben wurde. Darin formuliert Weimer „Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit“ (u. a. „Person würdigen“, „Familie lieben“, „Nation ehren“, „Tradition hegen“, „Recht und Ordnung respektieren“ und „Gott achten“).
Kulturbegriff Für Weimer ist das Konzept des Abendlandes eine wichtige Bezugsgröße: „Der Konservative ist Patriot, der Konservative steht zum gefühlten Vaterland wie zur Muttersprache, der Konservative fühlt das Abendland als Heimat.“
Dabei sieht Weimer Europa in einer Phase des kulturellen Niedergangs. In seinem Konservativen Manifest vergleicht er den Kontinent metaphorisch mit einem „erlöschenden Vulkan“, der nur noch vereinzelte Anzeichen früherer Aktivität zeigt. Die kulturelle Landschaft lasse zwar die „einstige Größe“ erahnen, doch die ursprüngliche schöpferische und „vitale Kraft“ sei teilweise verloren gegangen. Medial besprochen und kritisiert wurde dabei ein Absatz aus Weimers Konservativem Manifest: „Während Generation um Generation in einer Jahrtausende währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so zerbricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben.“Wolfram Weimer: Land unter. Ein Pamphlet zur Lage der Nation. Gütersloher Verlagshaus 2012.Wolfram Weimer: Das konservative Manifest: Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Plassen Verlag, Kulmbach 2018. Dirk Knipphals verwies in der taz darauf, dass Weimer in seinem Denken kulturelle Identitäten als statisch verstehe und dabei auf Konzepte zurückgreife, die auch in neurechten Kreisen vertreten werden. In der Sendung Markus Lanz vom 1. Mai 2025 fragte der Moderator rhetorisch: „Kann man daraus jetzt irgendwie so eine komische Blut-und-Boden-These machen? Ich finde das nicht in Ordnung.“
Als eine Ursache für das Ende der kulturellen „Suprematie“ Europas benennt Weimer die Dekolonisation bzw. den Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus: „Europa vermehrt sich nicht mehr räumlich. […] Territorial werden die Räume, die von europäischen Hauptstädten beherrscht werden, immer kleiner. […] Im alten Kontinent wurde dieser erdrutschartige Machtverlust nicht einmal bedauert. Man betrachtete die eigene Kolonialgeschichte mit moralischen Gewissensbissen als illegitime Expansion. Noch heute wird in den Lehrplänen der Schulen […] die dunkle Seite der Kolonialisierung als ein durchgehender Sündenfall dargestellt und kritisiert.“
Ein weiterer Grund für den kulturellen Niedergang sei die Bekämpfung und Relativierung des Christentums in Europa, denn der „Taufschein“ sei, nach einem Zitat Heinrich Heines, die „Eintrittskarte in die europäische Kultur“. Mit der Säkularisierung töte Europa seine „kulturelle Urkraft“.
Die sogenannte „Rückkehr der Religion“ bewertet Weimer in Bezug auf das Christentum als äußerst positiv und sieht darin die Chance für eine kulturelle Renaissance des Abendlandes.Siehe Wolfram Weimer: Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist. DVA-Verlag, München 2006. Religion und Konservatismus sind für ihn untrennbar verbunden: „Der Konservative wird sich selber […] nur finden, wenn er bis zur untersten Tiefe seiner eigenen Prinzipien hinabsteigt und aus dieser seiner alten Brunnenstube religiöses Wasser herausholt.“
Im Zusammenhang mit einer Aufführung des Parsifal an den Bayreuther Festspielen bemerkte Weimer: „Am Ende des ironischen Zeitalters“ müsse sich die Kultur „nach all den Brechungen und Verneinungen und Experimenten“ erst wieder finden: „Das Konventionelle ist die neue Avantgarde.“
Menschengemachter Klimawandel Weimer ist Klimaskeptiker:Achim Brunnengräber: Klimaskeptiker im Aufwind. Wie aus einem Rand ein breiteres Gesellschaftsphänomen wird, in: Olaf Kühne, Florian Weber (Hrsg.): Bausteine der Energiewende. Wiesbaden 2018, 271–292, S. 280.Lorenz Jäger: . In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 2009. Abgerufen am 11. Mai 2025. 2007 wandte er sich gemeinsam mit Josef H. Reichholf gegen den Weltklimarat IPCC. Laut taz kritisierte die Gruppe einen angeblichen „Untergangsterror“ und eine „gleichgeschaltete“ öffentliche Meinung. Es würde zwar wärmer, dies sei messbar. Wie warm und warum, und ob der Klimawandel menschengemacht sei, das sei aber dahingestellt. Der Cicero brachte zu der Zeit den Artikel Die Klimalüge heraus. Der Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf warf, unterstützt von Hans Joachim Schellnhuber, Weimer öffentlich vor, „teilweise bewusst falsche Informationen […] zu verbreiten“.
2010 zeichnete Weimer als Chefredakteur des Focus gemeinsam mit Uli Baur verantwortlich für eine Ausgabe, die die vermeintlich positiven Auswirkungen der Erderwärmung thematisierte. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung wurde diese Ausgabe auch verlagsintern heftig kritisiert.
2018 schrieb er: „Mit dem Begriff ‚Klimaleugner‘ werden von Rot-grünen seit Jahren Personen stigmatisiert, die es wagen, die Theorie vom rein menschengemachten Klimawandel in ihrem Absolutheitsanspruch zu bezweifeln. Das Wort ‚Klimaleugner‘ soll jede offene Debatte töten, denn es weckt gezielt die Assoziation zum ‚Holocaustleugner‘.“