Der Vancouver International Airport ist ein internationaler Verkehrsflughafen in der kanadischen Provinz British Columbia. Er liegt 15 km südlich der Stadt Vancouver auf der Insel Sea Island. Nach Passagierzahlen und Flugbewegungen ist er, hinter dem Flughafen Toronto, der zweitgrößte in Kanada und der größte in British Columbia. Außerdem dient er als Drehkreuz von Westjet und Air Canada.

Geschichte Vorgeschichte und Gründung Bereits seit 1920 bestand in Vancouver eine Wasserflugzeugbasis der Canadian Air Force (CAF) am Jericho Beach. Forderungen nach einem eigenständigen Landflughafen wurden in den späten 1920er Jahren zunehmend lauter, nachdem Charles Lindbergh 1927 bei seiner nordamerikanischen Rundreise zum Gedenken an seinen Transatlantikflug eine Landung in Vancouver mit Verweis auf das Fehlen eines geeigneten Flugplatzes abgelehnt hatte. In der Folge wurden mehrere Standorte geprüft, darunter ein 1928 diskutiertes Konzept für einen Flughafen nebst Stadion und Park an den Spanish Banks auf der Westseite Vancouvers. Die Wahl fiel schließlich auf die Gezeitenflächen von Sea Island im Mündungsdelta des Fraser River, wobei insbesondere der Pilot Donald R. MacLaren mit seiner Firma Pacific Airways nach dem Ersten Weltkrieg den Ausbau der Insel zu einem Verkehrsluftfahrt-Zentrum propagiert hatte.

Die Stadt Vancouver erwarb 1929 rund 194 Hektar auf der Insel und stellte gemeinsam mit der Bundesregierung 600.000 kanadische Dollar für den Bau einer Piste sowie eines hölzernen Verwaltungsgebäudes mit aufgesetztem Tower bereit. Während der Bauarbeiten wurde der Flugverkehr provisorisch vom Lansdowne Park Racetrack aus abgewickelt. Die feierliche Eröffnung des zunächst als „Vancouver Civic Airport“ bzw. „Sea Island Airport“ bezeichneten Flughafens nahm der Premierminister von British Columbia, Simon Fraser Tolmie, am 22. Juli 1931 vor. Nach der Stadtgeschichtsschreibung verfügte der Platz dabei über die erste hartoberflächige Start- und Landebahn Kanadas und wickelte im Eröffnungsjahr 1.072 Passagiere ab.

Zweiter Weltkrieg und militärische Nutzung 1940 verpachtete die Stadt Vancouver den Flughafen an die kanadische Bundesregierung (Department of National Defense and Transport), woraufhin auf einem Teil der Sea Island die RCAF Station Sea Island eingerichtet wurde. Der Flugplatz diente fortan als Doppelanlage für den zivilen Betrieb und als Ausbildungsbasis für Piloten des Commonwealth im Rahmen des British Commonwealth Air Training Plan. In dieser Phase wurden die ursprünglichen Graspisten durch hartbefestigte Start- und Landebahnen ersetzt, zudem entstanden neue Hangars, Baracken, Treibstofflager, Werkstätten sowie eine Flugzeugmontageanlage, in der auch Boeing-Produktion stattfand. Die Stadt Vancouver erhielt die Verfügungsgewalt über den Flughafen 1947 zurück und öffnete ihn wieder für einen breiten Linienflugbetrieb mit mehreren Gesellschaften.

Internationalisierung und Jet-Zeitalter Die offizielle Umbenennung in „Vancouver International Airport“ erfolgte 1948. Ein Jahr darauf, am 20. Februar 1949, wurde das ursprüngliche Abfertigungsgebäude von 1931 durch einen Brand vollständig zerstört. Der Betrieb wurde durch provisorische Einrichtungen aufrechterhalten, bis 1950 ein neues Terminal fertiggestellt wurde. Nach der Übertragung des Flughafens an den Bund baute die Regierung in den 1950er Jahren eine weitere Start- und Landebahn, richtete ein zweites Abfertigungsgebäude für die allgemeine Luftfahrt ein und erwarb weiteres Land zur Erweiterung des Areals.

Am 1. Juli 1957 wurde zur Kapazitätssteigerung das West Terminal eröffnet, und im selben Jahr wurden die Flächen für den ersten reinen Jet-Hangar Kanadas erworben. Im Laufe der 1960er Jahre kam eine weitere Piste hinzu, und die bestehenden Bahnen wurden verlängert, um größere Flugzeuge aufnehmen zu können. Das durch Transport Canada errichtete neue Hauptabfertigungsgebäude (Super-Jet Terminal) wurde in zentraler Lage auf Sea Island am 25. Oktober 1968 in Betrieb genommen und war auf drei Millionen nationale und internationale Reisende pro Jahr ausgelegt. Zeitgleich wurde das Flughafenareal auf etwa 1.620 Hektar erweitert.

Im April 1971 landete mit einem Air-Canada-Flug aus Toronto die erste Boeing 747 in Vancouver. Im gleichen Jahrzehnt folgten ein neues Air-Traffic-Control-Center, ein 25 Mio. Dollar teurer Jet-Hangar nebst Konzernzentrale von Canadian Pacific sowie 1975 die rund 1.676 m lange Arthur Laing Bridge über den nördlichen Arm des Fraser River als zusätzliche Straßenanbindung.

Ausbauten zur Expo 86 Im Vorfeld der Weltausstellung Expo 86 in Vancouver investierte der Bund 32 Millionen kanadische Dollar in eine umfassende Modernisierung des Flughafens. In der gleichen Dekade überschritt das Passagieraufkommen die Marke von fünf Millionen Reisenden jährlich. Die RCAF Station Sea Island war bereits zuvor, am 31. März 1964, im Zuge der kanadischen Armeereform geschlossen und das Gelände der zivilen Nutzung übergeben worden – lediglich die No. 11 Air Movements Unit verblieb noch einige Jahre auf dem Areal.

Vancouver International Airport Authority und Großausbau 1992–96 Im Jahr 1992 wurde die Vancouver International Airport Authority als lokal verwurzelte, gemeinnützige Körperschaft ohne Aktienkapital gegründet. Sie übernahm auf Grundlage eines langfristigen Pachtvertrags mit der Regierung Kanadas die Betriebsführung und Entwicklung des Flughafens und bildete damit den vierten nach dem neuen kanadischen Modell kommunal verwalteten Flughafen des Landes.

Die von Transport Canada seit den 1970er Jahren konzipierten Ausbauvorhaben wurden unter neuer Trägerschaft zu einem Investitionsprogramm gebündelt: Im Januar 1993 wurde der Bau eines neuen International Terminal Building (ITB) sowie einer dritten, parallel verlaufenden Start- und Landebahn mit einem Budget von 355 Mill. Kanadischen Dollar genehmigt. Die transborder-Abfertigung des ITB nahm am 1. Mai und der internationale Betrieb am 1. Juni 1996 den Regelbetrieb auf. Das Gebäude umfasste 105.000 m² mit 15 Jet-Gatepositionen, 113 Check-in-Schaltern und Inspektionsanlagen für kanadische und US-amerikanische Grenzkontrollen. Die neue Nordbahn 08L/26R (3.030 × 60 m, Portlandzementbeton) wurde am 2. November 1996 eröffnet und ermöglichte gleichzeitige Starts und Landungen auf zwei Parallelbahnen. Im Zuge dieses Programms entstanden zudem ein Parkhaus mit 2.080 Stellplätzen sowie ein neuer Kontrollturm. Zugleich wurde ein älterer Terminal des Flughafens zum Abriss freigegeben.

Entwicklung seit 2000 Zu Beginn des neuen Jahrtausends eröffnete der Flughafen für 114 Mill. kanadische Dollar einen neuen Osttrakt. Die erste Phase der Modernisierung des Domestic Terminal Building wurde 2001 für 53 Mill. Kanadische Dollar abgeschlossen, parallel erhöhte das „Airport Connector Project“ die Straßenkapazität zwischen Flughafen und Highway 99. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 und der folgenden Sperrung des US-Luftraums wurden 33 aus Asien kommende Verkehrsflüge nach Vancouver umgeleitet, da der Platz die einzige Anlage an der kanadischen Westküste war, die in der Lage war, Großraumflugzeuge in dieser Zahl aufzunehmen. Nach der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2010 an Vancouver wurden umfangreiche Ausbauten im Hinblick auf Großveranstaltungen angestoßen. Die Schnellbahnlinie Canada Line des SkyTrain-Systems, gebaut von TransLink in Public-Private-Partnership, verband den Flughafen ab dem 17. August 2009 unmittelbar mit der Waterfront Station in Downtown Vancouver. Für die Aufnahme des Airbus A380 wurden an der Westflanke des internationalen Terminals bis 2009 Umbauarbeiten an Standplätzen und Fluggastbrücken durchgeführt.

2018 startete die Airport Authority ein auf 20 Jahre angelegtes Investitionsprogramm mit 75 größeren Einzelvorhaben und einem geplanten Gesamtvolumen von 9,1 Mrd. Kanadischen Dollar, zu dem unter anderem weitere Terminalerweiterungen, Nachhaltigkeitsprojekte und zusätzliche Parkanlagen zählen. Das Passagieraufkommen, das 2019 mit 26,38 Mio. einen bis dahin historischen Höchstwert erreichte, brach infolge der COVID-19-Pandemie 2020/21 auf rund 7 Mill. Reisende ein und näherte sich 2024 mit 26,21 Mio. Passagieren wieder dem Vorkrisenniveau.

Flughafenanlagen Der Flughafen ist ein Platz des National Airports Systems und befindet sich im Eigentum von Transport Canada. Betrieben wird er von der „Vancouver International Airport Authority“.

Da der Platz durch Nav Canada als Airport of Entry klassifiziert ist und dort Beamte der Canada Border Services Agency (CBSA) stationiert sind, ist hier eine Einreise aus dem Ausland zulässig.

Aufbau Der Flughafen besitzt drei Terminals, wovon einer im Süden des Flughafens liegt und von Wasserflugzeug- und Helikopter-Unternehmen benutzt wird. Der nationale Terminal wickelt die Flüge innerhalb Kanadas ab, während der internationale Terminal die Flüge aus dem Ausland und der USA abfertigt. Außerdem besitzt der Flughafen drei Start- und Landebahnen: 08R/26L 3505 m (11.500 ft) 08L/26R 3029 m (9940 ft) 13/31 2225 m (7300 ft)

Verkehr Der Flughafen verzeichnete 2008 ein Passagieraufkommen von ca. 17,9 Mio. Passagieren und ein umgesetztes Frachtaufkommen von ca. 211.000 Tonnen. Der Flughafen ist einer der wichtigsten Nordamerikas für Verbindungen von Nordamerika nach Asien. Unter anderem existieren ganzjährige Verbindungen nach Europa sowie nach Mexiko.

Die Lufthansa fliegt ganzjährig einmal täglich nach Frankfurt sowie im Sommerflugplan zusätzlich fünfmal wöchentlich nach München.

Für Flugverbindungen in die USA besteht die Möglichkeit, vor Abflug die US-Zoll- und -Einwanderungskontrolle zu passieren.

Architektur Architektur und Gestaltung des Flughafens weisen regionsspezifische Merkmale auf. So verfügen die Abfertigungsgebäude u. a. über viele große Fenster, um tagsüber eine überwiegend natürliche Beleuchtung zu erzielen. Außerdem gibt es in den Terminals eine große Anzahl an Kunstwerken, vor allem Holzschnitzereien, der First Nations. Darunter befindet sich auch die Skulptur Spirit of Haida Gwaii von Bill Reid, die auch auf der kanadischen 20-Dollar-Note der Canadian Journey Series von 2004 abgebildet ist. In der internationalen Abflughalle gibt es ferner ein Aquarium der Küstengewässer von British Columbia mit über 100.000 Litern Volumen und mehreren Tausenden Lebewesen, das vom Flughafen in Partnerschaft mit dem Vancouver Aquarium betrieben wird.

Zwischenfälle Am 7. Februar 1968 überrollte eine durch Canadian Pacific Air Lines von der Standard Airways geleaste Boeing 707-138B (Luftfahrzeugkennzeichen N791SA) nach der Landung auf dem Vancouver International Airport das Bahnende und prallte in ein Gebäude. Ein Besatzungsmitglied sowie eine Person am Boden kamen ums Leben. Anflug und Landung wurden durch die US-amerikanischen Piloten weit unterhalb der vorgeschriebenen Mindestwerte durchgeführt (siehe auch Canadian-Pacific-Airlines-Flug 322).Unfallbericht B-707 N791SA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. November 2017.

Am 19. August 1995 startete eine Douglas DC-3/C-47B-1-DL der kanadischen Air North (C-GZOF) von der Startbahn 08 am Flughafen Vancouver, musste aber wegen eines Triebwerksausfalls des Motors Nr. 2 (Propeller mit Überdrehzahl) umkehren. Die DC-3 prallte beim Einkurven auf die Landebahn 30 gegen die Uferböschung des Fraser River. Von den 3 Besatzungsmitgliedern, den einzigen Insassen auf dem Überführungsflug, kam eines ums Leben. Das Flugzeug wurde zerstört.Unfallbericht DC-3 C-GZOF, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 7. März 2025.