Jakob Singer (* 23. Juli 1685 in Götzens; † 1760) war ein österreichischer Barockbaumeister, der hauptsächlich im Tiroler Unterland und im Pinzgau tätig war.
Leben Jakob Singer stammte aus Götzens, das ab etwa 1700 ein Zentrum von ländlichen Baumeistern, Maurern und Stuckateuren war, die im ganzen Land tätig waren. Ab 1726 betrieb er in Schwaz ein großes Baugeschäft, in dem sein Bruder, der Stuckateur Hans Singer, mitarbeitete. Nach dessen Tod 1740 übernahm Jakob Singers Sohn Kassian die Arbeit des Stuckateurs. Dieser eröffnete 1746 einen eigenen Baubetrieb in Kitzbühel, der nach seinem Tod 1759 von Andreas Hueber weiter geführt wurde.
Jakob Singer war für zahlreiche Barockisierungen und Neubauten von Kirchen und Profanbauten im Tiroler Unterland und im Pinzgau verantwortlich. Er entwickelte einen einfachen Typ der Barockkirche für den ländlichen Raum, bestehend aus einem vierjochigen Langhaus und einem eingezogenen halbrund schließenden Chor. Das Innere weist ein Stichkappengewölbe auf einfachen Wandpfeilern mit stukkierten Kapitellen auf. Ein durchlaufendes Gesims fehlt meist. Mit diesem einfachen Typ und durch das Zusammenwirken von Architektur, Stuck und Freskomalerei konnten die Bauten zu Kosten, die auch für kleinere Landgemeinden leistbar waren, verwirklicht werden. Für die Malereien arbeitete Jakob Singer häufig mit den Schwazer Malern Johann Georg Höttinger und Christoph Anton Mayr zusammen.
Werke mini|Pfarrkirche Oberndorf mini|Pfarrkirche Kirchbichl mini|Pfarrkirche Kundl Kirchen Pfarrkirche Stans (Barockisierung), 1726 Pfarrkirche Schwaz (Barockisierung), 1728–1730 Annakapelle, Mittersill (Barockisierung), 1729 Pfarrkirche Jenbach (Barockisierung), 1730–1735 Pfarrkirche Hollersbach im Pinzgau (Umbau), 1731 (1893 abgetragen und neu gebaut) Rerobichl-Kapelle, Oberndorf in Tirol, 1732 Pfarrkirche Oberndorf in Tirol (Neubau), 1733/1734 Pfarrkirche Kirchbichl (Neubau), 1733–1735 Pfarrkirche Kundl (Neubau), 1734–1736 Franziskanerkirche Schwaz (Barockisierung), 1735 Pfarrkirche Westendorf (Barockisierung), 1735 Liebfrauenkirche Kitzbühel (Barockisierung), 1735–1738 Kapelle am Penningberg bei Hopfgarten im Brixental, 1736 Pfarrkirche Strass im Zillertal (Verlängerung und Barockisierung), 1736/1737 Pfarrkirche Kirchberg in Tirol (Barockisierung), 1737 Pfarrkirche Wörgl (Neubau), um 1740 Pfarrkirche Niederau (Barockisierung), um 1740 Pfarrkirche Ellmau (Neubau), 1740–1746 Stiftskirche Fiecht (Neubau nach Plänen Kassian Singers), 1741–1750 Pfarrkirche Leogang (Neubau), 1745 Pfarrkirche Angath (Neubau), 1746–1747 Pfarrkirche Münster (Neubau), 1747 Pfarrkirche Achenkirch (Neubau), 1748–1750 Pfarrkirche Pill (Barockisierung zugeschrieben) Pfarrkirche Schlitters (Barockisierung zugeschrieben)
Profanbauten mini|Widum Münster Palais Pfeiffersberg, Innsbruck (Ausführung, möglicherweise auch Planung), nach 1712 Vikariatshaus (heute Pfarrhof), Neukirchen am Großvenediger, 1732–1734 Trueferhaus, Schwaz (Um- oder Neubau), 1749 Widum Münster, um 1755/56 Widum Eben am Achensee Bruderhaus der Bergknappen, Kitzbühel Schloss Stumm (Umbau innen) Hüttenwerke in Schwaz, Jenbach, Jochberg, und Litzlfelden bei Kirchdorf (nicht erhalten) Bierbrauerei Voglsanger, St. Johann in Tirol (nicht erhalten)
Literatur Roswitha Preiß, Erich Egg: Neues vom Barockbaumeister Jakob Singer (1685–1760) in Schwaz. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Band 74 (1994), S. 5–43 ().
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Baumeister des Barock Kategorie:Kirchenbaumeister Kategorie:Person (Schwaz) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren 1685 Kategorie:Gestorben 1760 Kategorie:Mann