Walter Hermann Hilsbecher (* 9. März 1917 in Frankfurt am Main; † 30. November 2015 in Butzbach) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Hörfunksprecher.
Leben Hilsbecher besuchte in seiner Geburtsstadt die Helmholtzschule, von der er 1934 aus politischen Gründen verwiesen wurde. Von 1939 bis 1945 nahm er am Zweiten Weltkrieg teil.Walter Hisbecher beim Aphorismen-Archiv.
Als Gründungsmitglied der Gruppe 47 war Hilsbecher eine wichtige Persönlichkeit in der Literatur- und Kulturlandschaft der Nachkriegszeit.Walter Hilsbecher bei Der Audio Verlag. Auf den Schriftstellertagungen las er Lyrik (die 1947 in Herrlingen von Heinz Friedrich als „klar, liedhaft einfach und schlicht den Ton unserer Zeit“ treffend bezeichnet wurde),Heinz Friedrich: Hat die junge Dichtung eine Chance?. In: Die Epoche, Frankfurt am Main, 23. November 1947. Nachdruck in: Reinhard Lettau (Hrsg.): Die Gruppe 47 – Bericht Kritik Polemik. Ein Handbuch. Luchterhand, Neuwied und Berlin 1967, S. 26. Essays (denen 1950 in Inzigkofen Albrecht Knaus nicht folgen mochte, doch ein Talent zum „Prosa-Hymniker“ ausmachte),Albrecht Knaus: Die Meistersinger von Inzigkofen. In: Die Neue Zeitung, München, 16. Mai 1950. Nachdruck in: Reinhard Lettau (Hrsg.): Die Gruppe 47 – Bericht Kritik Polemik. Ein Handbuch. Luchterhand, Neuwied und Berlin 1967, S. 53. Aphorismen (deren „bestechende Präzision“ Heinz Friedrich 1952 in Niendorf lobte)Heinz Friedrich: Die Gruppe 47. In: Deutsche Kommentare, Stuttgart, 14. Juni 1952. Nachdruck in: Reinhard Lettau (Hrsg.): Die Gruppe 47 – Bericht Kritik Polemik. Ein Handbuch. Luchterhand, Neuwied und Berlin 1967, S. 79. und Prosa-Texte (1954 auf Burg Rothenfels).Heinz Friedrich: Gruppe 47 am Herbstlichen Main. In: Hessische Nachrichten. Kassel, 21. Oktober 1954. Nachdruck in: Reinhard Lettau (Hrsg.): Die Gruppe 47 – Bericht Kritik Polemik. Ein Handbuch. Luchterhand, Neuwied und Berlin 1967, S. 104. Eine wichtige Rolle hatte er auch bei den ersten Lesungen von Ingeborg Bachmann und Paul Celan, deren Gedichte er – nach einem von der Gruppe aus unterschiedlichen Gründen abgelehnten Vortrag – noch einmal „verständlicher“ vorlas.Klaus Briegleb: Mißachtung und Tabu. Eine Streitschrift zur Frage: Wie antisemitisch war die Gruppe 47? Philo, Berlin 2003, ISBN 3-8257-0300-2, S. 192. 1963 wurde Hilsbecher im Zuge der Verkleinerung der Gruppe von seinem alten Weggefährten Hans Werner Richter nicht mehr eingeladen.Helmut Böttiger: Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012. ISBN 978-3421043153.
Neben seinen zahlreichen Buchveröffentlichungen wurde Hilsbecher vor allem durch seine Arbeit in den Kulturprogrammen verschiedener Rundfunkanstalten der Bundesrepublik bekannt. In den Jahren 1964 und 1965 moderierte er das monatlich ausgestrahlte Kulturprogramm studio frankfurt im Hessischen Rundfunk.Achim Klünder: Kulturmagazine der Dritten Fernsehprogramme, 1964–1973. Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt am Main 1975, S. 210.
Hilsbecher lebte als freier Autor in Butzbach/Taunus. Er war verheiratet und hat drei Kinder. Von 1968 bis 1995 war er Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.
Werke Ernst Jünger und die „Neue Theologie“ 1949 Sporaden (Aphorismen) 1953 Wie modern ist eine Literatur, Essays 1965 Lakonische Geschichten, 1966 Schreiben als Therapie, Essays, 1967 Sporaden, Aufzeichnungen aus 20 Jahren, 1969 An- und Absage (Gedichte), 1984 Les Adieux (Gedichte und Kurzprosa), 1984 Eulenflug, Traumaufzeichnungen, (mit Illustrationen von Werner Holz), 1984 Dreizehn lakonische Geschichten, erweiterte Ausgabe, 1986 Metamorphosen, Mappe mit sechs Grafiken von Werner Holz und Texten von Walter Hilsbecher, 1986 Kopfsprünge, Zufällige Notizen, 1987 Zum Beispiel Ödipus, Varianten eines Daseinsmodells, Essays, 1987 Sardonisches Credo, 13 schwarzbunte Sonette, 1991 Luftpost, Sieben Gedichte in memoriam Werner Holz, 1992 Federspiel, Kurzgedichte, 1997 Kuckucksorakel, Gedichte, 1997 Zeitkäfig, Lyrische Aphorismen, 2001
dazu zahlreiche Zeitschriftenartikel, Lesungen und literarische Sendungen an allen westdeutschen Rundfunkanstalten.
Übersetzung: Amos Tutuola: Der Palmweintrinker (The palmwinedrinkard, dt.) Ein Märchen von d. Coldküste. 1955. Jean Reverzy: Die Ueberfahrt. Roman., Wien 1956. Herman Melville: Ein sehr vertrauenswürdiger Herr. Roman. Claassen Verlag, Hamburg 1958. Françoise Mallet-Joris: Der dunkle Morgen. Roman. Ullstein, Wien 1957. Jean-Louis Curtis: Die seidene Leiter. Erzählung. Dt. Buch-Gemeinschaft, Berlin, Darmstadt, Wien 1961. John Marco Allegro: Die Botschaft vom Toten Meer. Das Geheimnis der Schriftrollen. Fischer Bücherei, Frankfurt am Main 1958. Mit Liselotte Hilsbecher aus dem Englischen: Daisetz Teitaro Suzuki, Der Westliche und der östliche Weg, Ullstein Taschenbücher, Frankfurt am Main, 1960
Hörspiele (Auswahl) 1958: Fred Hoyle: Die schwarze Wolke (Leicester) – Regie: Marcel Wall (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – SWF) 1985: Knut Hamsun: Mysterien (Hörspiel – SWF)
Literatur Hulisser: Hommage für Walter Hilsbecher. Verlag Rolf A. Burkart, 1987
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