Der französische Fußballpokal () ist neben der französischen Meisterschaft der wichtigste nationale Männerfußballwettbewerb für Vereinsmannschaften in Frankreich. Er wird vom Landesverband FFF ausgerichtet. Heutzutage, da es einen Europapokal der Pokalsieger nicht mehr gibt, berechtigt der Gewinn der Coupe de France zur Teilnahme an der UEFA Europa League der folgenden Saison, außerdem für das Spiel um den französischen Supercup, die Trophée des Champions.
Der französische Pokalwettbewerb wurde 1917 auf Initiative von Henri Delaunay ins Leben gerufen, dem für Frankreich eine ähnliche Sportveranstaltung vorschwebte, wie er sie beim englischen FA Cup schätzen gelernt hatte.L’Équipe/Ejnès, S. 11. Die ersten Partien wurden am 7. Oktober 1917 ausgetragen; sieben Monate später stand Olympique de Pantin als erster Pokalsieger fest. Der Wettbewerb hieß anfangs (sowie nochmals von 1940 bis 1945) Coupe Charles Simon nach einem im Krieg gefallenen Spieler und VerbandsfunktionärZu Charles Simon siehe auch und nahm 1919/20 seinen heutigen Namen an. Die Coupe de France war der erste landesweite, verbandsübergreifende Wettbewerb in Frankreich (Genaueres siehe hier). Insofern entsprach diese Gemeinsamkeit dem während des Krieges vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Leitmotiv der Union sacrée, also der Aussetzung innenpolitischer Streitigkeiten angesichts der Verteidigung der Nation.Klaus Zeyringer: Fußball. Eine Kulturgeschichte. Fischer, Frankfurt/M. 2016 (überarb., erw. Neuauflage), ISBN 978-3-596-03587-8, S. 57. Die frühen Sieger des Pokalwettbewerbs wurden deshalb auch meist als französischer Meister (champion de France) bezeichnet.vgl. bspw. L’Équipe/Ejnès, S. 336 (dort als Schlagzeile von L’Auto vom 10. Mai 1920); Delaunay/de Ryswick/Cornu, S. 77; Rethacker/Thibert, S. 54ff. – dass dies auch noch um 1930 galt, bestätigt Alain Pécheral: La grande histoire de l’OM. Des origines à nos jours. Éd. Prolongations, o. O. 2007 ISBN 978-2-916400-07-5, S. 40. Bei seiner ersten Austragung nahmen 48 Vereine teil, in der Spielzeit 2012/13 die bisherige Höchstzahl von 7.656, die auch 2020/21 noch Gültigkeit hat.nach „“ vom 21. Januar 2021 bei fff.fr
Bisher haben sich 32 Vereine sowie eine Regionalauswahl in die Siegerliste eintragen können. Rekordgewinner ist der Paris Saint-Germain FC mit 16 vor Olympique Marseille mit zehn Erfolgen. mini|120px|Der „Pott“
Geschichte des Wettbewerbs 381px Zu jeder einzelnen Pokalsaison existiert ein eigener Artikel, beginnend mit Coupe de France 1917/18.
Die Schaffung der Coupe Am 15. Januar 1917 beschloss der damalige Fußball-Dachverband Comité Français Interfédéral, die Idee seines Generalsekretärs Henri Delaunay in die Tat umzusetzen und einen Pokalwettbewerb auszuschreiben, an dem alle französischen Mannschaften – ungeachtet ihrer Verbandszugehörigkeit – teilnehmen durften.Artikel „La Coupe, cent ans, vingt exploits“ in France Football vom 4. Januar 2017, S. 31–33 Als Sponsor gewann das CFI den Verlag Hachette und dessen Lectures pour Tous, der sich im Gegenzug für seine Zahlung von 5.000 Francs pro SaisonDieser Betrag entsprach in etwa dem Jahresgehalt, das Frankreichs Nationaltorwart Pierre Chayriguès unmittelbar vor dem Krieg „unter der Hand“ bei Red Star Paris verdiente. – Alfred Wahl/Pierre Lanfranchi: Les footballeurs professionnels des années trente à nos jours. Hachette, Paris 1995, ISBN 978-2-01-235098-4, S. 20. auf zunächst fünf Jahre das Recht zusichern ließ, dass es in Frankreich keinen anderen landesweiten Fußballwettbewerb geben werde. Außerdem kam der Sponsor für die Replikate der Pokaltrophäe und die Erinnerungsmedaillen der Endspielteilnehmer auf. Diese vertragliche Vereinbarung musste die Anfang 1919 gegründete und dann an die Stelle des CFI tretende FFF übernehmen, und sie verlängerte die Vereinbarung mit Hachette 1922 um weitere fünf Jahre.Der vollständige Vertragstext vom 15. Januar 1917 ist in Fédération Française de Football, S. 27/28, wiedergegeben.
Die ersten beiden Ausspielungen fanden noch mitten im Weltkrieg statt, so dass Mannschaften aus dem zu Deutschland gehörenden Elsass und Teilen Lothringens daran ebenso wenig teilnahmen wie solche aus den vom Krieg besonders betroffenen nördlichen und östlichen Regionen Frankreichs. Zudem waren auch anderenorts die Transportmöglichkeiten durch diese Umstände stark beeinträchtigt. Zahlreiche Fußballspieler standen ihren Klubs als Soldaten nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Schließlich war vor allem in den ländlichen Gebieten die Sportstätten-Infrastruktur in dieser Zeit erst schwach entwickelt. Für den am 7. Oktober 1917 beginnenden Spielbetrieb meldeten deshalb lediglich 48 Vereine, ein Jahr später waren es 59, in der ersten Nachkriegssaison 114 und 1920/21 bereits 202.Beaudet, S. 7–10; L’Équipe/Ejnès, S. 11f. und 334–337; Delaunay/de Ryswick/Cornu, S. 74–77 Eine vierstellige Teilnehmerzahl wurde erstmals 1950/51 erreicht.
Kräftemessen der Region um Paris mit dem Mittelmeerraum (1917–1932) mini|Spielszene aus dem 1920er Finale zwischen Le Havre AC und CA Paris In den Anfangsjahren wurde der Wettbewerb von Klubs aus Paris bzw. seinem unmittelbaren Umland dominiert: Die ersten sechs Pokalsieger stammten sämtlich aus dieser Region, ebenso wie in zwei Fällen der unterlegene Finalist. Zudem gab es mit Red Star von 1921 bis 1923 den ersten von bis heute (2020) nur drei „Seriensiegern“; zuvor hatten bereits Olympique Pantin, CASG und CAP die Coupe gewonnen. In der Auftaktsaison kam exakt die Hälfte der teilnehmenden 48 Vereine aus dem Großraum Paris, wo auch von Anfang an die Endspiele ausgetragen wurden. Selbst die Schiedsrichter der Finals stammten bis einschließlich 1929 ohne Ausnahme von dort.
Daraus entwickelte sich bis 1932 ein Zweikampf zwischen Mannschaften aus der Hauptstadt und solchen aus dem Mittelmeerraum, insbesondere Olympique Marseille (drei Titel zwischen 1924 und 1927), dem FC Sète (vier Finalteilnahmen von 1923 bis 1930) und SO Montpellier (zwei Endspiele 1929 und 1931). Vor allem Sète kollidierte allerdings auch immer wieder mit den Amateurbestimmungen und war deswegen mehrfach Objekt von Strafmaßnahmen des Verbands, was in der Saison 1922/23 sogar zu seinem zeitweiligen Ausschluss aus dem laufenden Wettbewerb führte, der allerdings später auf dem Gnadenweg wieder annulliert wurde. Mit der AS Valentigney (1926) und der US Quevilly (1927) erreichten in dieser Epoche auch zwei Kleinstadtklubs, die sich jeweils auf die finanzielle Unterstützung eines örtlichen Großbetriebes stützen konnten, ein Endspiel.
Die ersten Jahre im Zeichen des Professionalismus (1932–1945) Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939) und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen (1940) gewannen die Vereine, die sich für den 1932 eingeführten Berufsfußball entschieden hatten – und unter diesen vorrangig die Erstdivisionäre –, schnell die Oberhand. Lediglich zwei unterklassigen Teams (Racing Roubaix 1933 und OFC Charleville 1936) gelang noch der Einzug in ein Pokalendspiel, und 1944 standen sich zwei aus „bezahlten Staatsamateuren“ gebildete Regionalauswahlen (Équipes Fédérales) im Finale gegenüber (Details siehe hier). Ansonsten dominierten in diesem Zeitabschnitt Olympique Marseille (drei Titel bei fünf Endspielteilnahmen) und Racing Paris (vierfacher Sieger) den Wettbewerb; außerdem erreichten der FC Sète und Girondins Bordeaux jeweils zwei Endspiele und konnten eines davon für sich entscheiden. Von 1940 bis 1945 musste die Coupe de France auf Anweisung der Regierung des „freien“ Landesteils aus Rücksicht auf die deutsche Besatzungsmacht offiziell erneut als Coupe Charles Simon bezeichnet werden. Die Saison 1944/45 – das Jahr der Befreiung Frankreichs und des Kriegsendes – markierte mit der ersten Endspielteilnahme des aus der Fusion von Olympique Lille, Iris Club Lille und SC Fives hervorgegangenen Lille OSC den Übergang zu einer neuen Ära in der Pokalhistorie.
Das Jahrzehnt des Lille OSC (1945–1955) Bis 1949 standen die Nordfranzosen aus Lille fünfmal nacheinander in einem Finale um die Coupe de France, die sie dabei dreimal in Folge zu gewinnen vermochten (1946 bis 1948). Bis heute (2016) stellt Ersteres einen nicht mehr erreichten Rekord dar, Letzteres ist in der über 90-jährigen Wettbewerbsgeschichte lediglich einem weiteren Verein gelungen. Auch bei zwei weiteren Endspielen (1953 und 1955) verließ Lille OSC den Rasen des Olympiastadions in Colombes als Sieger. Mit Stade Reims und Racing Strasbourg gewannen zwei weitere Mannschaften aus der nördlichen bzw. östlichen „Provinz“ den Pokal; außerdem erreichten die ebenfalls dort beheimateten Racing Lens, US Valenciennes und FC Nancy immerhin das Finale. Dies gelang auch Red Star und Racing Paris, während der Süden des Landes lediglich einen Pokalgewinner (zwei Erfolge Anfang der 1950er Jahre für OGC Nizza) und dreimal den unterlegenen Finalisten (zweimal Bordeaux, einmal Marseille) stellte.
Eine Zeit ständigen Wechsels (1955–1965) Die Division 1 dominierte während dieser Zeit Stade Reims; im Pokal hingegen gab es in zehn Jahren acht unterschiedliche Gewinner. Lediglich die „Arbeiterfußballer“ der UA Sedan-Torcy (bei drei Finalteilnahmen) und die AS Monaco konnten sich zweifach in die Siegerliste eintragen. Nur zwei weitere Vereine, Olympique Nîmes und AS Saint-Étienne, nahmen an jeweils zwei Endspielen teil, wovon nur Saint-Étienne eines gewinnen konnte. Mit dem Le Havre AC vermochte sich 1959 erstmals ein Zweitdivisionär durchzusetzen; bis 2009 (siehe unten) blieb dies der einzige Sieg eines unterklassigen Klubs im französischen Pokal.
Saint-Étienne – und Nantes, Marseille, Lyon (1965–1982) Parallel zur Dominanz von AS Saint-Étienne und FC Nantes in der Meisterschaft der Division 1 beherrschten die zwei Klubs – wenngleich in deutlich unterschiedlichem Ausmaß – auch den Pokalwettbewerb während dieser rund anderthalb Jahrzehnte. Saint-Étienne gewann bis 1977 sämtliche fünf Finals, die es erreicht hatte, stand zudem 1981 und 1982 noch zwei weitere Male im Endspiel; Nantes hingegen konnte von vier Endspielen lediglich das letzte (1979) zu seinen Gunsten entscheiden. Neben diesen beiden reüssierten insbesondere Olympique Marseille (drei Finals, allesamt siegreich beendet) und Olympique Lyon (zwei Siege in vier Endspielen); ansonsten machten vor allem noch die AS Monaco und der SEC Bastia (jeweils ein Pokalerfolg bei zwei Finalteilnahmen) von sich reden, und mit der US Orléans erreichte 1980 wieder einmal eine unterklassige Elf ein Endspiel.
Paris wird wieder „Pokalhauptstadt“ (1982–2000) 1982 und 1983 gelang es dem erst gut ein Jahrzehnt zuvor gegründeten Paris Saint-Germain FC, die Coupe nach mehr als 30 Jahren wieder in die Landeshauptstadt zu holen; bis 1998 sollten drei weitere Erfolge hinzu kommen. Außerdem stand PSG 1985 ein weiteres Mal in einem Endspiel, was 1990 auch der nach einer wechselvollen Geschichte zwischenzeitlich in Matra Racing 1 umbenannte Pariser Traditionsverein der 1930er bis 1950er Jahre schaffte. Fünf weitere Klubs aus dem Rest des Landes holten sich die Trophäe bis 2000 jeweils zweimal: FC Nantes, AS Monaco (beide bei vier Finalteilnahmen), FC Metz, Girondins Bordeaux und AJ Auxerre (sämtlich bei ihren einzigen beiden Endspielen in diesem Zeitraum). Auf vier Finals hatte es auch Olympique Marseille gebracht, von denen die Elf aber nur dasjenige von 1989 gewinnen konnte. Eine Premiere in der Pokalgeschichte stellte das Erreichen des Endspiels im Jahr 2000 durch den viertklassigen Calais RUFC dar, nachdem mit Olympique Nîmes 1996 – ebenfalls erstmals – schon ein Drittligist so weit vorgestoßen war; der ganz große Erfolg blieb beiden allerdings verwehrt.