mini|hochkant=1.5|Die politische und territoriale Situation in Italien um 1494 Als Italienische Kriege, auch Italienkriege oder Renaissance-Kriege (, altertümlich auch Guerre horrende de Italia, „Große bzw. Schreckliche Italienkriege“Der Ausdruck wurde von Niccolò Machiavelli verwendet; vgl. Ruggiero Romano, Corrado Vivanti (Hrsg.): Storia d’Italia. Einaudi, Turin 1972, S. 373.) wird eine Reihe von Kriegen bezeichnet, die zwischen 1494 und 1559 zu einem großen Teil auf dem Gebiet des heutigen Italiens ausgetragen wurden. Die Schlachtfelder befanden sich neben Italien auch in Nordfrankreich und den Vereinigten Niederlanden. Neben fast allen italienischen Staaten und europäischen Großmächten war auch das Osmanische Reich daran beteiligt.
In wechselnden Bündnissen wurden unterschiedliche Kriegsziele verfolgt. Die Kriege entzündeten sich zunächst an einem dynastischen Machtkonflikt um das Königreich Neapel und weiteten sich ab 1516 zu einem europäischen Machtkampf zwischen dem französischen Königshaus Valois und den Habsburgern um die Vorherrschaft in Europa aus. Dieser habsburgisch-französische Gegensatz war in Folge für 240 Jahre ein bestimmendes Element der europäischen Politik. Die Italienkriege endeten indes 1559 im Frieden von Cateau-Cambrésis zugunsten des habsburgischen Spanien.
Die politische Lage in Italien
Im 14. und 15. Jahrhundert traten neben die Feudalstaaten auch Signorien (Stadtherrschaften, z. B. Venedig und Florenz). Die Parteikämpfe zwischen kaiserlichen Ghibellinen und päpstlichen Guelfen, aber auch zwischen Handwerkern, Patriziern und Adelsfamilien förderten die Wahl von politischen Führern (Podestà). Viele dieser Führer nutzten List und Gewalt, um zum erblichen Signore aufzusteigen. In der Folge erweiterten sie häufig die Herrschaft der signoria auf andere Städte, sorgten für das Volk und förderten Künste und Wissenschaften.
Dieses Mäzenatentum ließ Italien trotz ständiger Unruhen eine wirtschaftliche und kulturelle Glanzzeit erleben. Der Frieden von Lodi 1454 schuf die Voraussetzung für ein fragiles Gleichgewicht in Italien, das für mehrere Jahrzehnte den Frieden bewahrte. Mit dem Vordringen Frankreichs brach das italienische Staatensystem 1494 zusammen.
Französische Feldzüge
Erster französischer Feldzug (1494/95) mini|Die Kriegszüge von Karl VIII und Gonzalo De Cordoba, 1494–95 In Mailand regierte ab 1481 Ludovico Sforza für seinen minderjährigen Neffen Gian Galeazzo Sforza, wollte jedoch selbst Herzog werden. König Ferdinand I. von Neapel suchte das zu verhindern und, zusammen mit den Medici, die Machtbalance in Italien zu seinen Gunsten zu verschieben. Nach Ferdinands Tod 1494 wurde Ludovico zum Herzog von Mailand und verbündete sich mit König Karl VIII. von Frankreich, um dessen Ansprüche auf den Thron von Neapel gemeinsam durchzusetzen. Als vermeintlicher Verbündeter hatte dieser den jungen französischen König mehrfach zur Eroberung Neapels angestachelt. Denn das Königreich Neapel, so Ludovico Sforza im Einklang mit französischen Rechtsgelehrten, gehöre aufgrund der ehemaligen Herrschaft der Anjou über das Königreich Sizilien seit Karl von Anjou zu den legitimen Besitzungen der französischen Krone. Philippe de Commynes berichtet: „Im Jahre 1492 begann Herr Ludovico an den jetzigen König Karl VIII. zu senden, um ihn dahin zu bringen, nach Italien zu kommen, um das Königreich Neapel zu erobern.“Julian Blunk: Zum sepulkralen Denkmalkrieg zwischen den Häusern Valois und Sforza in: Behrmann, Carolin ; Karsten, Arne ; Zitzlsperger, Philipp (Hrsg.): Grab - Kult - Memoria : Studien zur gesellschaftlichen Funktion von Erinnerung, Köln 2007, S. 219–237. Karl hatte seinen Feldzug 1492 im Vertrag von Étaples mit dem englischen König Heinrich VII., 1493 im Vertrag von Barcelona mit Ferdinand II. von Aragón und im Vertrag von Senlis mit dem römisch-deutschen König Maximilian I. diplomatisch vorbereitet. Mailand diente dem französischen Heer als Ausgangsbasis in Italien. Karl VIII. von Frankreich marschierte mit einem Heer und starkem Belagerungsgerät nach Italien. Am 8. September 1494 stürmte eine Armee Karls VIII. unter der Führung von Ludwig von Orléans die Stadt Rapallo, die mit Unterstützung von 5.000 aragonesischen Soldaten die Truppen aufhalten wollte. Als Vergeltung für diesen Versuch wurden in der Stadt alle Männer, Frauen und Kinder niedergemetzelt. Als Nächstes besetzte Karl VIII. Genua als Versorgungshafen.Spencer C. Tucker S. 360. Am 31. Oktober 1494 kapitulierte Florenz unter Piero di Lorenzo de’ Medici. Zwei Monate später, am 31. Dezember, nahm Karl VIII. Rom ein und zog nach Neapel, das er ebenfalls nach kurzer Belagerung am 22. Februar 1495 von dem Haus Trastámara-Aragón eroberte. Zu diesen Auseinandersetzungen lassen sich auch die Ennetbirgischen Feldzüge rechnen, die eine Reihe von kriegerischen Aktionen darstellten, die sich in den Jahren von 1402 bis 1515 zwischen der Eidgenossenschaft, dem Herzogtum Mailand, Frankreich, dem Haus Habsburg, dem Papst Alexander VI. und verschiedenen italienischen Staaten um die Vorherrschaft in Oberitalien abspielten.
Mit der tatsächlichen Einnahme Neapels durch Karl VIII., so betont Commynes wiederholt, hätten dagegen weder die Venezianer noch die Mailänder je gerechnet. Mit dem plötzlichen Fall Neapels änderte sich die Lage auf der Halbinsel schlagartig, da sich die italienischen Großmächte angesichts des nun zunehmend als Bedrohung empfundenen Erfolges der Franzosen zum Handeln genötigt sahen.Julian Blunk S. 223.
Die Schnelligkeit des französischen Vormarsches im ersten französischen Feldzug und die Härte, mit der der Widerstand der Städte gebrochen wurde, schreckten die übrigen Kleinstaaten Italiens auf. Ludovico Sforza, der nun erkannte, dass Karl VIII. nun auch Anspruch auf Mailand erheben konnte und sich wohl mit der Annexion von Neapel nicht zufriedengeben würde, wandte sich an Papst Alexander VI. um Hilfe, der daraufhin die Liga von Venedig organisierte.Julian Blunk S. 323.
Mailand, das Haus Aragon, der Papst, Kaiser Maximilian I. und Venedig verbanden sich ohne Rücksicht auf bestehende Bündnisse im März 1495 zur heiligen Liga, so dass der kurz darauf erzwungene Rückzug der Franzosen sich weitaus komplizierter als ihr Einmarsch gestaltete. Die Liga versammelte ein Landsknechtsheer unter dem Markgrafen von Mantua und Condottiere Gianfrancesco II. von Gonzaga. Karl war am 20. Mai gezwungen sich aus Neapel zurückzuziehen, wenn er sich nicht in Neapel abschneiden lassen wollte. Er ließ die Hälfte des Heeres zur Verteidigung in Neapel zurück und zog mit dem restlichen Heer in die Lombardei, wo es am 6. Juli 1495 etwa 30 km südöstlich von Parma auf dem Rückzug zur Schlacht bei Fornovo kam.Frederick Lewis Taylor S. 114. Seine Verluste waren so schwer, dass er die Beute seines Italienzuges zurückließ und nach Frankreich zurückkehrte. Durch die hohe Schuldenlast war ihm eine Weiterführung des Krieges nicht möglich. Er starb 27-jährig am 7. April 1498 durch einen Unfall auf Schloss Amboise. mini|Die politische und territoriale Situation in Italien zwischen 1494 und 1535
Für Italien sollte dieser erfolglose Feldzug verhängnisvolle Folgen haben. Bereits in seinem frühesten Werk überhaupt, in den erst im 19. Jahrhundert publizierten Istorie fiorentine von 1508/9,STORIE FIORENTINE DAL 1378 AL 1509 stellte Francesco Guicciardini den Mailänder Herzog Ludovico Sforza als denjenigen dar, der unter allen Italienern die schwerste Schuld an dem Unglück Italiens auf sich geladen habe. Nachdem dieser sich mit dem König von Neapel und den Florentinern hoffnungslos überworfen hatte, begann er, um sich eines Beistands zu versichern und um sich zu rächen, mit König Karl VIII. von Frankreich zu paktieren, was Guicciardini mit den Worten kommentiert: »Questi furono e‘ princìpi e le origine della ruina di Italia.« (Das ist das Prinzip und der Ursprung des Untergangs Italiens)Volker Hunecke: Die Italienischen Kriege (1494–1559). In: Europäische Reitermonumente. Schöningh Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76552-9 S. 105 Als der böse Geist Italiens figuriert Ludovico il Moro auch in den Istorie fiorentine Machiavellis.Volker Hunecke: Die Italienischen Kriege (1494–1559). In: Europäische Reitermonumente. S. 106.
Zweiter französischer Feldzug (1499–1504) Der neue französische König Ludwig XII. erhob auf Grund seiner Herkunft als Enkel der mailändischen Prinzessin Valentina Visconti und des Herzogs Ludwig von Orléans aus dem Haus Valois Ansprüche auf Mailand. Er entsandte ein weiteres Heer nach Italien, das unter Gian Giacomo Trivulzio sich gegen Ludovico Sforza wandte und Mailand besetzte. Der unterlegene Ludovico Sforza kam nach dem Verrat von Novara im Jahr 1500 als Gefangener nach Frankreich.
Aufgrund der günstigen Lage im Norden war für Ludwig XII. klar, dass er nun auch Neapel für sich beanspruchen wollte. Dazu schloss er mit Ferdinand von Aragón einen Vertrag (Teilungsvertrag in GranadaFriedrich von Oppeln-Bronikowski: Machiavelli / wichtigste Zeitereignisse) über Neapel ab, der die Aufteilung Süditaliens zwischen den beiden Großmächten regelte. 1501 wurde schließlich ein Angriff auf Neapel realisiert, der von zwei Seiten erfolgte. Von Norden her zogen die Franzosen heran, abermals unterstützt vom Papst, und von Süden rückten die Spanier vor.Lukas Kronschläger S. 10. Franzosen und Spanier besetzten Neapel gemeinsam. Der neapolitanische König Friedrich I. hatte einer derartigen Übermacht nichts entgegenzusetzen und kapitulierte sofort, wobei ihm ein ehrenvoller Ruhestand auf einem Gut im Loiretal versprochen wurde Doch bald entbrannte ein Machtkampf, der sich in einem Krieg entlud. Schon bald kam es zu Kämpfen um die alleinige Herrschaft über das Königreich. Die Spanier konnten zwar zunächst zurückgedrängt werden, jedoch konnte die französische Armee ihren eigenen Nachschub nicht gewährleisten.Lukas Kronschläger S. 11. Nach der Schlacht von Cerignola (21. April 1503)Frederick Lewis Taylor S. 116. und am Garigliano (29. Dezember 1503) vertrieben die Spanier unter Gonzalo Fernández de Córdoba y Aguilar die Franzosen mit Unterstützung italienischer Ritter (darunter Ettore Fieramosca), die sich gegen die Franzosen in der Disfida di Barletta bewährt hatten, und blieben unter Ferdinand II. wiederum Herren im Königreich Neapel. mini|300px|Die politische und territoriale Situation in Italien um 1499 Es kam zu mehreren Kämpfen, bei denen die Spanier jeweils siegreich hervorgingen und schlussendlich sogar die Hauptstadt Neapel zurückerobern konnten. Die kleine Stadt Gaeta war der letzte Ort, an den sich die Franzosen zurückziehen konnten, welche schließlich am 1. Januar 1504 kapitulieren mussten. Im Vertrag von Lyon, am 31. März 1504, musste Ludwig XII. jeden Anspruch auf Neapel aufgeben, dessen Territorien nun definitiv zu einem spanischen Vizekönigreich wurden.
Folgen Neapel verlor seine Unabhängigkeit an Spanien, was im Vertrag von Blois am 22. September 1504 von Ludwig anerkannt wurde und Ferdinand von Aragón wurde neuer Herrscher Neapels. Dies führte zu der 200-jährigen spanisch-habsburgischen Herrschaft über Süditalien. Papst Julius II. nutzte 1506 die Lage, besetzte Perugia, zog gegen Bologna bis Imola und nahm Bologna mit französischer Hilfe.
Großer Venezianerkrieg Krieg der Liga von Cambrai (1508–1510)