mini|Werra I mit grünen Vulkanitbelag Die Werra war eine Kleinbildkamera des VEB Carl Zeiss Jena, die ab August 1954 zunächst in Jena und anschließend bis 1967 in Eisfeld produziert wurde. Benannt ist sie nach dem Fluss selben Namens, der durch den Ort fließt. Die Kamera ist ein Zeugnis für den abrupten wirtschaftspolitischen Richtungswechsel, den die SED bereits vor dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 eingeleitet hatte, und der später als Neuer Kurs bekannt geworden ist. Ihre von der staatlichen Führung angeordnete Entwicklung und Produktion war für den VEB Zeiss Jena eine große Belastung und die lange Fertigungsdauer darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Betrieb unter dem Strich mit jeder ausgestoßenen Kamera Geld verloren statt eingenommen hat.

Um die mit dem Neuen Kurs bezweckte Bedarfsbefriedigung breiter Bevölkerungskreise zu gewährleisten, wurde die Werra ursprünglich als einfach ausgestattete, kostengünstig herstellbare aber dennoch präzise ausgeführte Tubuskamera entwickelt. Später wurden bei aufwendigeren Modellen Wechselobjektive, Messsucher und eingebaute fotoelektrische Belichtungsmesser mit verschiedenem Automatisierungsgrad ergänzt. Ein Modell mit Belichtungsvollautomatik wurde zwar noch zur Serienreife entwickelt, aber aufgrund der defizitären Entwicklung der gesamten Werra-Reihe nicht mehr gefertigt. Außergewöhnlich war der bei allen Ausführungen vorhandene charakteristische Filmtransport mittels Drehung eines Rings am Objektiv.

Die Kamera wurde ab Jahresbeginn 1954 innerhalb weniger Wochen von Grund auf neu konzipiert. Konstrukteure waren unter anderem Werner Broche und Kurt Wagner. Die aufgrund des politischen Drucks völlig übereilte Entwicklung sowie die überstürzte Produktionsaufnahme ohne ausreichende Erprobungsphase sorgten dafür, dass nicht nur zehntausende funktionsuntüchtige Kameras das Werk verließen, sondern zu allem Übel auch noch in den Export gelangten, was dem eigentlich für seine Präzision bekannten Hersteller einen großen Reputationsschaden verursachte. Auch späterhin gab es immer wieder Qualitätsprobleme mit den zugelieferten Zentralverschlüssen sowie den Belichtungsmessern.

Zunächst wurde für die Werra ein auf dem Triplet-Typ basierendes Normalobjektiv Novonar 3,5/50 entwickelt, doch mit zunehmenden Qualitätsanforderungen bald nur noch das Tessar 2,8/50 verbaut. Als Wechselobjektive stellte der VEB Carl Zeiss Jena ein Flektogon 2,8/35 sowie Cardinar 4/100 zur Verfügung.

Zur ersten Kamerageneration gehören: Werra I Werra II (mit Belichtungsmesser) Werra III (mit gekuppelten Entfernungsmesser) Werra IV (mit Belichtungsmesser, gekuppelten Entfernungsmesser und Wechselobjektiv) Werra V (gekuppelte Belichtungshalbautomatik mit Einblendung von Belichtungsmessung, Zeit und Blende im Sucher)

Zweite Generation Die zweite Generation der Kamera wurde ab 1962 hergestellt. Ausgestattet war sie mit einem Prestor RVS Lichtwertverschluss mit der schnellsten Verschlusszeit von 1/750 s Werra mat (mit gekoppelten Belichtungsmesser ohne Abdeckklappe, Einblendung von Belichtungsmessung, Zeit und Blende im Sucher) Werra matic (mit gekoppeltem Entfernungsmesser und gekoppelten Belichtungsmesser ohne Abdeckklappe, Einblendung von Belichtungsmessung, Zeit und Blende im Sucher)

Dritte Generation Ab 1964 bis Produktionsende mit gestalterische Überarbeitung der gesamten Frontseite. Zudem wurde der Vulkanitbelag auf eine Belederung umgestellt. Ebenso wurde ein Blitzschuh integriert. Werra 2 als mat und matic

Literatur Helmut Scharffenberg, Herman Friebe: Werra: die neuzeitliche Amateur-Kleinbildkamera für hohe Anforderungen, Beilage 1961 zur Jenaer Rundschau, der Veröffentlichungsreihe von Carl Zeiss JenaKatalogeintrag in der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks

Webseite Werra von Zeissikonveb.de Lippisches Kamera Museum - Carl Zeiss Jena Werra 1C

Einzelnachweise

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