mini|Der Pfaffenhof (ehemaliges Kommendegebäude) in Weißensee Die Johanniterkommende Weißensee war eine Niederlassung des Johanniterordens in Weißensee im Landkreis Sömmerda (Thüringen). Das Ordenshaus wurde vor 1238 gegründet, im 16. bis 18. Jahrhundert wechselweise verpachtet, vom Orden wieder direkt verwaltet, vom Landesherrn eingezogen, verliehen, vom Landesherrn wieder eingelöst, und erst 1774 dem Orden wieder eingeräumt. 1810 wurde die Kommende aufgehoben und verstaatlicht. Der letzte Kommendator blieb jedoch bis zu seinem Tod 1814 im Besitz seiner Pension. 1814 wurde die Kommende schließlich auch formal aufgelöst und die Erträge wurden kameralisiert. 1815 wurde der Ordenshof preußische Staatsdomäne und 1828 in Einzelparzellen verkauft.

Lage Die Gebäude und Gärten der Kommende lagen im Innenstadtbereich (Oberstadt) von Weißensee gegenüber der Kirche. Es war das große Grundstück, das von der heutigen Pfaffengasse im Westen bis zur Schäfergasse im Osten reichte. Im Norden begrenzte die Stadtmauer, heute noch Johannismauer genannt, das Areal, im Süden die Straßen Marktplatz und Johannesstraße. Das Hauptgebäude der Kommende war bzw. ist der heutige, sogenannte Pfaffenhof am Marktplatz gegenüber der Kirche (Marktplatz 21). Die Wirtschaftsgebäude lagen östlich des Hauptgebäudes und auch dahinter, ebenso das ausgedehnte Gartengelände. Dieser Bereich wird heute z. T. vom Areal des Chinesischen Gartens Weißensee eingenommen.

Stellung der Kommende Weißensee innerhalb der Verwaltungsstrukturen des Ordens Im 14. Jahrhundert festigten sich in Mitteleuropa die Organisationsstrukturen des Johanniterordens. Die Deutsche Zunge umfasste neben dem Großpriorat Alamania auch das Großpriorat Böhmen (mit wechselnden Zusätzen) und zumindest zeitweise auch das Großpriorat Dacia. Zur Ordensprovinz Alamania gehörten Deutschland, der größere Teil der Schweiz, das westlichste Österreich, das östliche Frankreich (Elsass), die Niederlande, das östlichste Belgien und das westliche Polen. Die Verwaltungseinheiten in der Hierarchie zwischen der Ordensprovinz und den Kommenden wurden Balleien genannt. Die Kommende Weißensee gehörte Mitte des 14. Jahrhunderts zur Ordensballei Thüringen, die damals im Wesentlichen die Gebiete der heutigen Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt umfasste. Die im heutigen Thüringen gelegenen Kommenden Schleusingen und Kühndorf wurden allerdings der Ballei Franken zugerechnet. Die Ballei Thüringen selber wurde noch bis in die 1320er Jahre zusammen mit den Balleien Franken und Wetterau zur mittleren (Groß-)Ballei Alamania media gerechnet. Aufgrund der Integration kleiner und kleinster Kommenden in größere Kommenden und auch aufgrund von Verkäufen von Ordenshäusern im 14. Jahrhundert wurde die mittlere (Groß-)Ballei Alamania media bald darauf aufgelöst und der (Groß-)Ballei Alamania superior zugeschlagen. Nach den „Soll-Zahlen zum Personalbestand der deutschen Johanniter vom Jahre 1367“ gehörte die Ballei Thüringen bereits 1367 zur (Groß-)Ballei von Alamania superior.

Im Gegensatz zu den anderen Balleien des Johanniterordens scheint die Ballei Thüringen keine so feste Organisationsstruktur erlangt zu haben. Ein Bailli von Thüringen wird nur selten genannt.Es stimmt allerdings nicht, dass wir keinen Bailli von Thüringen kennen wie Gerd Schlegel behauptet (siehe z. B. die Zeugenliste beim Heimbacher Vergleich von 1382). Überhaupt sind die Kompetenzen eines Bailli bei den Johannitern viel unbestimmter als etwa im Deutschen Orden. Durch die Konzentration und die Verkäufe von Ordenshäusern bestand die Ballei Thüringen schon 1367 nur noch aus der Kommende Weißensee. Die Ordenshäuser in Kutzleben, Bessingen, Topfstedt und Heilingen (ehemalige Kommenden) waren 1367 schon Membra (oder Filialhäuser) der Kommende Weißensee geworden. Die Kommende Erfurt war 1339 verkauft worden. Die Kommende Weißensee wurde daher bis spätestens Ende des 15. Jahrhunderts der Ballei Franken zugeschlagen; die Ballei Thüringen verschwand gänzlich.

Die Johanniterkommende besaß in der Stadt Weißensee eine derart dominierende Stellung, dass sich keine anderen religiösen Orden in der Stadt ansiedelten. Im 13. Jahrhundert sind allerdings Wirtschaftshöfe des Erfurter Dominikanerklosters, ein Hof des Erfurter Augustinerklosters und ein Hof des Marienstifts in Erfurt nachgewiesen.

Geschichte Wann die Kommende in Weißensee gegründet wurde, ließ sich mangels Urkunden nicht ermitteln. Die Lage eines so großen Grundstückes an so prominenter Stelle in der Oberstadt von Weißensee lässt an eine sehr frühe Gründung zur Zeit der Stadtgründung bzw. der Stadterweiterung (um die Oberstadt) nach Osten denken.

Frühe Geschichte – 13. Jahrhundert Nach Gerd Schlegel stammt die erste Nennung des Ordenshauses in Weißensee aus dem Jahr 1234; er konnte damit die Angabe bei Walter Rödel (angebliche Erstnennung: 1251) korrigieren. In der Urkunde von 1234 verliehen Landgraf Heinrich Raspe von Thüringen und Konrad Pfalzgraf von Thüringen dem Kloster Walkenried für jährlich 12 Tage die freie Fischerei in ihren Seen bei Weißensee. Die beiden Seen, der Obersee (oder Weiße See) und der Niedersee sind heute verlandet bzw. im 18. Jahrhundert trocken gelegt worden. An erster Stelle in der Zeugenreihe der Urkunde ist Konrad, magister curie Hospitalariorum in Wiszense aufgeführt, sicher der damalige Kommendator des Ordenshauses in Weißensee. Magister war in dieser frühen Zeit der Ordensgeschichte, im 13. Jahrhundert, eine durchaus übliche Bezeichnung für den Kommendator eines Ordenshauses der Johanniter. Der Begriff Hospitalariorum bezieht sich hier nicht auf ein von den Johannitern betriebenes Hospital, sondern ist die damals ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung Hospitaliter für die Johanniter. Die Nennung von Magister Konrad an erster Stelle in der Zeugenliste in der genannten Urkunde lässt darauf schließen, dass die Niederlassung 1234 bereits fest etabliert war und wohl schon einige Jahre davor gegründet worden war. 1234 wurde auch die Deutschordenskommende Griefstedt im nur etwa acht Kilometer entfernten Griefstedt gegründet. Die beiden Kommenden hatten später gute Beziehungen zueinander, was bei benachbarten Niederlassungen der beiden Ritterorden Johanniterorden und Deutscher Orden nicht immer der Fall war.

Eine weitere Nennung der Kommende stammt aus dem Jahr 1248. Konrad genannt Unruhe und sein Sohn verkauften den Brüdern der Deutschordenskommende Griefstedt eine zwischen den Äckern der Kommende gelegene Hufe Ackers für die Summe von 12 Mark. Zeugen sind Eckehardus de Stubesforte, Magister in Wiszense und die Brüder Fridricus, dominus Tymo, Bruder Conrad, plebanus de Sommeringen im Namen von Baldewinus, Bruder Conrad de Tuteleibin, Bruder Erinfridus und Bruder Henricus. Die (kleine) Unsicherheit in der Zuweisung zum Johanniterorden besteht darin, dass keine Ordenszugehörigkeit genannt ist. Allerdings war zu dieser Zeit auch kein anderer Orden in Weißensee ansässig, auf den diese Zeugenreihe zutreffen könnte.

In den Kämpfen des Thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges, die damals in Thüringen tobten, nahm Graf Albrecht II. von Schwarzburg 1248 die Stadt Weißensee ein, plünderte und verbrannte sie. Man kann sich schwerlich vorstellen, dass die Kommende Weißensee dabei völlig unbeschädigt aus dieser Katastrophe hervorging.

1249 erscheint der Weißenseer Kommendator Johannes in zwei Urkunden als Zeuge, die in Schwäbisch Hall und in Würzburg ausgestellt wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Kommende Weißensee schon damals zu den etwas bedeutenderen Häusern des Johanniterordens im fränkisch-thüringischen Raum gehörte (die Ordenshäuser in Schwäbisch Hall und Würzburg gehörten später zur Ballei Franken).

1251 bestätigte der Meister des Johanniterordens in Deutschland, Böhmen, Mähren und Polen, Clemens, dass die Brüder in Wiszinse einen jährlichen Getreidezins in Höhe von 6 Maltern und 3 Scheffeln Erfurter Maßes, der an das Deutschordenshaus Griefstedt aus einem Hof in Griefstedt und der Mühle in Heilingen herrührte, durch die Überlassung von zwei Hufen in Wilstete (Wüstung Wilstedt) abgelöst hätten. Als Zeugen sind die Johanniterbrüder Johannes, Gerhardus, Henricus von Nordhausen, Henricus de Valanga, Heidenricus und der Priesterbruder Aberwinus genannt. Allerdings geht aus der Urkunde nicht hervor, ob sie tatsächlich alle dem Konvent in Weißensee angehörten, was aber sehr wahrscheinlich ist. Zu dieser Zeit hatte die Kommende Weißensee bereits umfangreichen Streubesitz in der näheren Umgebung der Stadt erworben oder geschenkt bekommen, so am Ludersborn, am Obersee, am Siechenhof nördlich der Stadt, im Mittelfeld, in der Bersdorfer Flur, im Oberfeld beim Siechenhof, südlich der Stadt am Diebsteig, am Kahlenberg und am Weinberg bei Bersdorf. Hinzu kam Besitz in der weiteren Umgebung; Wiesen und Weinberge in Wilstedt, Schönstedt, an der Flur Heiliger Berg und in Topfstedt. In Topfstedt hatte auch der Templerorden Besitz geschenkt bekommen und eine Kommende eingerichtet (Kommende Topfstedt). mini|Stadtkirche St. Peter und Paul in Weißensee 1253 erhielten die Johanniter die Bestätigung ihrer Patronatsrechte in Nidda, Mosbach, Rechbach und Mossau sowie auch Weißensee? durch Erzbischof Gerhard I. von Mainz. Da es sich um eine Bestätigungsurkunde handelt und Erzbischof Gerhard sich auf Bestätigungen seiner/seines Vorgängers beruft, muss der Erwerb oder das Geschenk der Patronatsrechte über die Weißenseer Kirchen schon deutlich vor 1251 liegen, da Erzbischof Gerhard sein Amt 1251 angetreten hat.Die Interpretation des in der Urkunde genannten Wizzense als Weißensee ist allerdings umstritten, da Weißensee nicht in den geographischen Rahmen passt, den die anderen genannten Orte vorgeben.

Schlegel nimmt an, dass das Patronat beide Stadtkirchen St. Peter (und Paul) und die Nikolaikirche umfasste, sowie die außerhalb der Stadt gelegene St. Jakobskirche. 1295 stellte Papst Bonifatius VIII. eine Bulle aus, in der er der Kommende Weißensee den Auftrag erteilte, nur tüchtige Personen zur Bestellung der Kirchenämter zu benennen. mini|Nicolaikirche Weißensee Gerd Schlegel bringt den großzügigen Ausbau der Kommendegebäude gegenüber der Stadtkirche St. Petri während des 13. Jahrhunderts in einen Zusammenhang mit dem Verkauf eines Gutes in Topfstedt im Jahre 1256. Unter den Zeugen dieser Urkunde ist auch Baldewinus, praepositus (Vorsteher) des Hospitals in Weißensee (zur Hospitalgeschichte siehe unten). Urkundliche Belege für umfangreiche Baumaßnahmen in dieser Zeit gibt es allerdings nicht.

1265 wurde Weißensee vom Markgrafen von Meißen und damaligen Landgrafen von Thüringen, Albrecht dem Entarteten zur Stadt erhoben. Im gleichen Jahr erhielt die Johanniterkommende Weißensee die Exemtion, die Befreiung von den Lasten und Pflichten eines Bürgers oder einer Institution der Stadt Weißensee, ausgestellt von Papst Clemens IV. Weißensee wurde in der weiteren Folge der Geschichte zur Residenzstadt der Thüringer Landgrafen.

Die guten Beziehungen der Weißenseer Johanniter zur Deutschordenskommende Griefstedt wurden bereits erwähnt, und auch sonst hatte das Johanniterhaus in Weißensee einen guten Ruf. In zwei Urkunden von 1272 über Güterkäufe der Deutschordenskommende Griefstedt fungierte der Vicekommendator von Weißensee, Bruder Wachsmod als Zeuge. Auch in zwei weiteren Urkunden von 1272 und 1274, die eigentlich die Kommende Weißensee gar nicht betreffen, siegelte der Kommendator von Weißensee, da die Aussteller der Urkunden kein eigenes Siegel besaßen. 1296 stellte Landgraf Albrecht II. erstaunlicherweise eine Urkunde für die Stadt Weißensee im Haus der Johanniter in Weißensee aus, und nicht auf der landesherrlichen Burg Weißensee (bei der Stadt).