Die irische Syntax ist sehr verschieden von den meisten Indo-europäischen Sprachen aufgrund der VSO-Satzstellung.
Allgemeine Wortstellung Die allgemeine Wortreihenfolge innerhalb des irischen Satzes ist:
Präverbale Partikel Verb Subjekt Direktes Objekt oder prädikatives Adjektiv Indirektes Objekt Ortsbeschreibung Beschreibung der Art und Weise Zeitliche Beschreibung
Nur das Verb und Subjekt sind zwingend notwendig, die restlichen Satzbestandteile sind optional, es sei denn, das Verb erfordert ein weiteres Objekt (transitives Verb). Wenn eine synthetische Verbform, d. h. Verb und Subjekt sind in einem Wort vereint, auftritt, sind selbst ein-Wort-Sätze möglich, z. B. Tuigim „Ich verstehe.“. (McCloskey and Hale 1983)
Ein Beispielsatz ist:
Labhraíonn Mícheál Gaeilge le cáit go minic.
spricht Mícheál Irisch mit Cáit häufig
Verb Subjekt dir. Objekt indir. Objekt Zeit
„Mícheál spricht häufig Irisch mit Cáit.“
Fragen und Antworten Die Fragepartikel „an“ (im Präteritum „ar“) steht am Anfang einer jeden irischen Entscheidungsfrage.
Irisch besitzt keine Wörter für „ja“ oder „nein“. Die Antwort auf eine Frage ist die Wiederholung des Verbs entweder ohne oder mit Negationspartikel. Bei analytischen Verbformen wird nur das Verb und nicht das Subjekt wiederholt. Wenn die abhängige und unabhängige Form des Verbs sich unterscheiden, wird die abhängige Form nach der Interrogativ- oder Negationspartikel gesagt. Die unabhängige Form wird genutzt, wenn keine Verbpartikel vorhanden ist. (Bailey 2013)
Ein Beispiel wäre:
An éisteann Seán lena mháthair riamh? – „Hört Seán jemals auf seine Mutter?“
- Éisteann. (nicht: *Éisteann sé) – „Ja, tut er.“ (wortwörtlich: „Hört.“)
- Ní éisteann. (nicht: *Ní éisteann sé) – „Nein, tut er nicht.“ (wortwörtlich: „Hört nicht.“)
Nach bhfuil tú ag éisteacht liom? – „Hörst du mir nicht zu?“
- Táim. „Doch, tue ich.“
- Nílim. „Nein, tue ich nicht.“
Anweisungen In Anweisungen wird der Imperativ benutzt. Anweisungen ohne Verneinung besitzen keinen expliziten Imperativ-Marker. (Rothstein, Thieroff 2010)
Zum Beispiel:
Tabhair dúinn dhá ghloine fuisce le do thoil.
Gib zu-uns zwei Gläser Whiskey-GEN mit deinem Willen
„Bitte gib uns zwei Gläser Whiskey.“
In einer verneinten Anweisung wird die Partikel ná genutzt. Diese Partikel, die mit „nicht“ übersetzt werden kann, ruft weder Eklipsis noch Lenisierung hervor. Bei nachfolgenden Vokalen wird ein h vorangestellt. (Rothstein, Thieroff 2010)
Ná cailligí an t-airgead.
nicht verliert das Geld
„Verliert das Geld nicht!“
Ná habair leo é.
Nicht erzähl mit-ihnen es
„Erzähl es ihnen nicht!“
Syntax des Verbalsubstantivs Der progressive Aspekt wird geformt, indem das Verbalsubstantiv mithilfe der progressiven Partikel „ag“ (identisch mit der Präposition „ag“ = bei) mit dem existenzanzeigenden Verb verbunden wird. (McCloskey and Hale 1984)
Zum Beispiel:
Tá Mícheál ag labhairt Gaeilge le Cáit anois.
Ist Mícheál bei sprechen Irisch-GEN mit Cáit jetzt.
„Mícheál spricht jetzt irisch mit Cáit.“
Das Objekt eines Verbalsubstantivs steht im Genitiv. (McCloskey and Hale 1984)
Zum Beispiel:
Tá Séamas ag léamh an nuachtáin.
Ist Séamas bei lesen die Zeitung-GEN
„Séamas liest die Zeitung.“
Wenn ein infiniter Satz das Komplement des Verbs bildet, steht das Verbalsubstantiv alleine (ohne Präposition) in dem Satz. (McCloskey and Hale 1984)
Zum Beispiel:
D’éirigh liom breith ar an liathróid.
Stieg mit mir fangen auf den Ball.
„Ich war erfolgreich darin den Ball zu fangen.“
Das direkte Objekt eines Verbalsubstantivs steht dann vor dem Verbalsubstantiv. Der lenisierende Partikel „a“ (zu) steht zwischen den beiden. Die anderen Komplemente folgen auf das Verbalsubstantiv. (Duffield 1995)
Zum Beispiel:
Tá brath agam an scian a chur go cúramach ar an mbord.
Ist Absicht bei-mir das Messer zu legen vorsichtig auf den Tisch.
„Ich habe die Absicht das Messer vorsichtig auf den Tisch zu legen.“
Objektpronomen Im Allgemeinen stehen Objektpronomen sowie flektierte Präpositionen am Satzende, wesentlich weiter rechts als es normalerweise der Fall wäre. Wenn das Objektpronomen im Satz verschoben werden kann, wird es so verschoben, dass es sehr weit vom Verb entfernt steht. (Bennett, Elfner, McCloskey 2015).
Der Satz in normaler VSO-Stellung:
D’inis sé an scéal do Bhríd inné.
Erzählte er die Geschichte zu Bríd gestern.
Er erzählte Bríd gestern die Geschichte.
Der gleiche Satz mit Objektpronomen:
D’inis sé do Bhríd inné é.
Erzählte er zu Bríd gestern es
„Er erzählte es gestern Bríd.“
Passiv Irisch benutzt anstelle des Passivs meist die unpersönliche (autonome) Form. (Noonan 1994)
Buaileadh an madra.
Schlagen-PRÄT-AUT der Hund
„Man schlug den Hund. / Der Hund wurde geschlagen.“
Im Perfekt wird ein Passiv geformt, indem das Verbaladjektiv mit dem existenzanzeigenden Verb (bí, „sein“) kombiniert wird. (Noonan 1994)
Tá an fhuinneog briste (ag mo dheartháir).
Ist das Fenster zerbrochen (von mein Bruder)
„Das Fenster ist (von meinem Bruder) zerbrochen worden.“
Zustandsverben Verben, die den Zustand von etwas beschreiben, bilden die Verlaufsform der Gegenwart mithilfe des existenzanzeigenden Verbs „tá“ (sein) und dem Verbalsubstantiv mithilfe der Präposition „i“ = in. (Greene 1979)
Zum Beispiel:
Tá mé i mo chodladh.
Bin ich in meinem Schlafen
„Ich schlafe.“
Formen um das Verb „sein“ auszudrücken Irisch hat wie das Spanische zwei verschiedene Formen, um das deutsche Verb „sein“ auszudrücken. Die beiden Formen haben unterschiedliche grammatische Funktionen.
Das existenzanzeigende Verb bí Das existenzanzeigende Verb bí ist ein unregelmäßiges Verb.
Existenz, Zustand oder Ortsbezeichnung Dieses Verb drückt die Existenz von etwas aus oder seinen Zustand oder seinen Ort. Wenn es von dem Adverb „ann“ („da“, wörtlich „in es“) begleitet wird, bedeutet es „existieren“ oder „dort ist/sind“. Ansonsten wird das Verb von einem Adjektiv, einem Adverb oder einer Präposition komplementiert. (McCloskey 2014)
Zum Beispiel:
Tá Dia ann.
Ist Gott da.
„Gott existiert / Es gibt einen Gott.“
Tá na húlla ar an mbord.
Sind die Äpfel auf dem Tisch
„Die Äpfel sind auf dem Tisch.“
Definitionen Nur eine Nominalphrase ist als Komplement für das existenzanzeigende Verb nicht ausreichend. Stattdessen geht der Nominalphrase noch eine Form, die „in meinem, in deinem, etc.“ entspricht, voraus. (McCloskey 2014)
Zum Beispiel:
Tá Seán ina dhochtúir.
Ist Seán in seinem Arzt
Seán ist Arzt.
Die Kopula „“ Die irische Kopula gilt nicht als Verb, sondern eine Partikel. Die Indikativ-Präsens-Form ist „is“. Diese Partikel wird genutzt, um eine Definition oder eine Identifikation auszudrücken. Sie kann von einem Nomen, einem Pronomen, einem Adjektiv oder einer topikalisierten Phrase ergänzt werden. Da die Kopula kein Verb ist, wird sie nicht für Person oder Anzahl flektiert und Pronomen werden in der disjunktiven Form verwendet. (Doherty 1996)
Ein Beispiel für die Verwendung als Definition:
„X ist ein Y.“ Dann ist die Wortstellung des irischen Satzes: „Is-Y-(Pronomen)-X“. X ist dabei ein definites Nomen oder Pronomen, dabei steht das Subjekt am Ende des Satzes. (Doherty 1996)
Is fear é.
COP Mann er
„Es/er ist ein Mann.“
Ein Beispiel für die Verwendung als Identifikation:
„X ist das Y.“ Die Wortstellung im irischen Satz ist dann: „Is-Pronomen-X-Y.“ oder „Is-Pronomen-Y-X.“. Es muss immer ein Pronomen zwischen dem definiten Nomen und der Kopula stehen.
Is é Seán an múinteoir.
COP er Seán der Lehrer
Seán ist der Lehrer.
Um ein Personalpronomen in der ersten oder zweiten Person zu identifizieren, wird normalerweise die längere Form des Personalpronomens genutzt, die direkt nach der Kopula steht. Diese Personalpronomen werden als kontrastiv angesehen. (Nakamura 2004)
Zum Beispiel:
Is mise an múinteoir. – Ich bin der Lehrer.
Is tusa an scoláire. – Du bist der Schüler.
Is sinne na múinteoirí. – Wir sind die Lehrer.
Die längere Form des Personalpronomens wird häufig genutzt, um etwas zu betonen oder hervorzuheben und kann daher dafür sorgen, dass die Kopula getilgt wird. In den vorherigen Beispielen könnte „is“ auch weggelassen werden. (Nakamura 2004)
Mise an múinteoir. – Ich bin der Lehrer.
Tusa an scoláire. – Du bist der Schüler.
Sinne na múinteoirí. – Wir sind die Lehrer.
In der dritten Person kann auch die verlängerte Form des Personalpronomens genutzt werden. (Nakamura 2004)
(Is) eisean an múinteoir. „Er ist der Lehrer.“
(Is) ise an scoláire. „Sie ist die Schülerin.“
(Is) iadsan na saighdiúirí. „Sie sind die Soldaten“.
Allerdings wird die längere Form der dritten Person als sehr betont angesehen, weshalb normalerweise „Is é an múinteoir é. – Er ist der Lehrer.“ genutzt wird um Identifikation auszudrücken. Das definite Nomen wird bei dieser Ausdrucksweise von zwei Personalpronomen eingerahmt, die mit dem Nomen in Geschlecht und Anzahl übereinstimmen. (Nakamura 2004)
Präsens Das Präsens der Kopula „is“ kann auch für das Futur verwendet werden. (Ó Sé 1990)
Is múinteoir é. – Er wird ein Lehrer sein.
Konditional Die Vergangenheitsform der Kopula „ba“ wird auch für das Konditional verwendet. (Ó Sé 1990)
Ba mhúinteoir í. – Sie war eine Lehrerin / Sie würde eine Lehrerin sein.
Die Formen „is“ und „ba“ werden nicht nach präverbalen Partikeln verwendet. (Ó Sé 1990)
An múinteoir thú? – Seid ihr Lehrer?
Níor mhúinteoirí sinn. – Wir waren keine Lehrer.
Wenn das Prädikat des Satzes definit ist, wird die Kopula von einem disjunktiven Personalpronomen gefolgt. (Ó Sé 1990)
Is í Siobhán an múinteoir. – Siobhan ist die Lehrerin.
Is é an múinteoir é.- Er ist der Lehrer.
Wenn das Prädikat des Satzes indefinit ist, folgt es direkt auf die Kopula und das disjunktive Pronomen steht vor dem definiten Nomen als Subjekt. (Nakamura 2004)
Is dalta mé. „Ich bin ein Schüler.“
Is múinteoir í Cáit. „Cáit ist eine Lehrerin.“
Die Kopula kann auch genutzt werden, um ein Adjektiv zu betonen, indem dieses im Satz nach vorne gerückt wird, direkt hinter die Kopula. (Oda 2013) Isbreáan láé. COPschönder Tages„Es ist ein schöner Tag.“
Topikalisierung Topikalisierung im Irischen findet durch Spaltung (clefting) statt. Die topikalisierten Elemente werden an den Beginn des Satzes gestellt (fronting) und werden somit zum Prädikat der Kopula. Der Rest des Satzes wird zu einem Relativsatz. (Ó Sé 1990)
Dúirt mise é. - „Ich habe es gesagt.“
Is mise a dúirt é. - „Ich habe es gesagt.“
Andere Verwendungen der Kopula Es gibt festgelegte idiomatische Ausdrücke, in denen die Kopula verwendet wird. (Bräsicke)
Zum Beispiel:
Is maith liom é. - „Ich mag es.“ (lit. „Ist gut mit mir es.“)
Is fearr liom é. - „Ich bevorzuge es.“ (lit. „Ist besser mit mir es.“)
Ba cheart - „man sollte“ (lit. „wäre richtig“)
Isdeacairan abairt seoa thuiscint. COPschwerdieser Satzzu verstehen„Dieser Satz ist schwer zu verstehen.“
Beantwortung von Fragen mithilfe der Kopula Da die Kopula nicht alleine stehen kann, muss die Antwort auf die Frage entweder einen Teil des Prädikats beinhalten oder ein Pronomen an seine Stelle treten. Beide folgen auf die Kopula. (Doherty 1996)
An é Seán an múinteoir? - „Ist Seán der Lehrer?“
Is é. „Ja, ist er.“
Ní hé. „Nein, ist er nicht.“
Wegfall der Kopula In allen Dialekten des Irischen kann „is“ weggelassen werden, wenn das Prädikat ein Nomen ist. „Ba“ kann nicht weggelassen werden. Wenn „is“ nicht vorkommt, werden die auf die vor dem Nomen stehenden „é, í, iad“ auch weggelassen. (Nakamura 2004)
(Is) mise an múinteoir. - „Ich bin der Lehrer.“
Vergleich zwischen dem existenzanzeigenden Verb und der Kopula Sowohl das existenzanzeigende Verb als auch die Kopula können ein nominales Prädikat haben, aber die Bedeutung der Konstruktionen ist verschieden.
„Is dochtúir é Seán.“ bezeichnet etwas Absolutes über Seán, es ist eine permanente Charakteristik Seáns ein Arzt zu sein. Das wird als Individual-level-Prädikat bezeichnet.