mini|alternativtext=Portrait|Alfried Hagedorn, 1995 Alfried Hagedorn (* 7. Oktober 1940 in Bremen) ist ein deutscher bildender Künstler. Er betreibt eine abstrakte Malerei mit lyrischen, gestischen und konstruktiven Tendenzen, sowie plastische Projekte. Er lebt und arbeitet in München und Paraty (Brasilien).
Leben und Wirken Alfried Hagedorns Vorfahren betrieben in Bremen ein internationales Handelshaus. Herman Hagedorn (1735–1826) stiftete in Halle bei Bielefeld einen großen Landschaftspark mit Aussichtsturm, der zum Teutoburger Wald ausgerichtet ist und noch heute gepflegt wird. Sein Sohn Clamour Friedrich Hagedorn (1793–1871) war Generalkonsul für Hessen und Bayern in Philadelphia/Pennsylvania.
Mit 15 Jahren reiste Alfried Hagedorn nach Griechenland und erlebte die Antike: Tempel, Amphitheater, die Akropolis, Ägina, Delphi, Olympia und die Inseln Mykonos/Deli und Milos etc. Anlässlich einer zweiten Reise 1961 entstanden eine Reihe von Federzeichnungen für die Bewerbungsmappe. Vorher schloss er ein Volontariat im Bremer Zeitungs- und Buchverlag Carl Schünemann ab.
Von 1962 bis 1964 erfolgte sein Studium an der Kunsthochschule in Bremen und ab 1964 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, in der Malschule von Paris Gütersloh. Er heiratete in Wien Ingrid Gartler, mit der er zwei Kinder hat. Ab 1965 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in München bis 1971 bei Jean Deyrole und Raimer Jochims, wurde Meisterschüler und schloss mit einem Diplom ab. Ab 1971 war er Assistent bei Raimer Jochims. Neben seiner Malerei mit Acrylfarben auf Leinen, die von den „Energiefeldern“ bestimmt ist, entstanden plastische Werke, Mobiles und lichtkinetische Apparate.
Im April 1972 reiste er mit einem Stipendium des DAAD und der japanischen Regierung (Mombu-shō) nach Japan. In Kyoto wurde er in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen und richtete nahebei ein Atelier ein. Er arbeitete weiter an seiner Malerei und setzte sich mit der japanischen Kunst der Moderne, z. B. der Gutai-Gruppe etc., und mit der Geschichte der Kunst Japans auseinander. 1974 realisierte er mit Unterstützung des Goethe-Instituts Tokio in der Muramatsu Gallery Tokyo eine Einzelausstellung. Dort zeigte er „Energiefelder“, die sieben Holzstichdrucke „Lichtspuren“, Schwarzgrund-Miniaturen und ein plastisches Holzobjekt aus Hinoki den „Schwarzern Körper“, außerdem die Broschüre, „Schwarzer Körper, Artikulation einer Spanne“. Im gleichen Jahr nahm er mit drei Bildern teil an der von Hans-Jürgen Müller, Köln/Stuttgart, kuratierten Ausstellung „International Joint Exhibition of Japan and Germany“, die in Museen von Kyoto, Kobe und Tokio gezeigt wurde.
Anfang 1975 nahm er seine freischaffende Tätigkeit als Maler in München auf. Bis 1979 ging die Arbeit an der Werkgruppe „Energiefelder“ mit Acrylfarben und Ölfarben auf Leinen und Canvas weiter, auch die an den „Schwarzgrund-Miniaturen“, und einer Gruppe von Zeichnungen, den „Graphitogrammen.“
Ab 1979 begann die zweite Werkgruppe mit Tusche-Arbeiten auf Japanpapier, sowie mit Aquarellen auf Fabriano Cottone. Dann begann er sich dem großen Format zuzuwenden und malte bevorzugt mit Acrylfarben. Die Energiefelder waren fortan Vergangenheit. Diese hatten einen Bezug zur Rundheit der Riemannschen Geometrie und zeigten weiche Farbverläufe. Die Bilder waren geplant, konstruktiv.
Nun sollte das Planen zurückgedrängt werden und das Unbewusste mehr Raum bekommen. Er nannte seine Malerei jetzt „Offene Malerei“, nach einem Essay von Umberto Eco. Zur „Offenheit“ tritt die „Durchlässigkeit“, sowie die „Unabgeschlossenheit“. Wichtig war ihm auch, dass der Pinselstrich und das Weiß des Grundes, welches am Rand und in stehen gelassenen Formen im Bild auftreten, sichtbar bleiben. In diesem Zusammenhang stellte er einen Bezug her zum „Weißen Hintergrundrauschen des Kosmos“, den Grund schlechthin. Er verwendete verdünnte Acrylfarben ohne Beimischung von Weiß. Zwischen 1993 und 2000 entstand die Farbholzschnitt Serie „Der Innere Raum“, ein Revival der ältesten Drucktechnik Chinas, Koreas und Japans. Seit 1998 ist er mit Ana de Jesus Araújo verheiratet und hat mit ihr einen Sohn namens Georg Alfried.
Es folgte die Wiederaufnahme der Arbeit an den plastischen Projekten, vorwiegend Wasser und Stein, sowie Projekte für den Frieden mit Plastiken, Säulen und Anlagen. Sein Werk hatte sich somit diversifiziert. Unter anderem arbeitet er heute an dem Thema „Kosmische Fiktionen“ und einer Serie mit dem Titel „Tropical“.
Schon früh interessierte sich Hagedorn für fremde Kulturen, woraus sich im Laufe der Zeit ein interkulturelles Engagement entwickelte.
Auszeichnungen, Lehre und Preise 1965/1971: Akademie der bildenden Künste, München, Meisterschüler und Diplom 1971/1972: Akademie der bildenden Künste, München, Assistent / Lehre 1972/1974: Stipendium der Japanischen Regierung (Mombushô) und des DAAD für Japan, Kyoto 1976/1984: Fachhochschule für Design, Aachen, Lehre 1980: „Seerosenpreis“ für Malerei der Landeshauptstadt München 1984: University of Northern Illinois, Salzburg-College, Lehre 2018: Förderung durch Stiftung des Bundespräsidenten
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1971: Galerie Lo Grigat, München 1971: Evangelische Akademie, Tutzing 1974: Muramatsu Gallery, Tokio (Kooperation Goethe-Institut Tokio) 1976: Galerie Grisebach-Grewenig, Heidelberg 1977: Städtische Galerie Villingen-Schwenningen 1980: Städtische Galerie im Lenbachhaus – Kunstforum, München 1980: Galerie Grisebach-Grewenig, Heidelberg 1982: Museum für Zeitgenössische Kunst – MAC, São Paulo 1982: Haus Wiegand, München 1984: Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham 1985: Galerie Vondran, Düsseldorf 1986: Kunsthalle Mannheim, 1986: Kunstverein Lingen 1987: Galerie Döbele, Stuttgart 1987: Haus Wiegand, München 1987: Institute of Fine Arts, Guangzhou (Kanton), in Kooperation mit Goethe-Institut Hongkong 1988: Joint Gallery, Joint Publishing Company, Hong Kong 1989: Minzugong – Cultural Palace of the Nationalities, 1989: Beijing (annulliert am 4. Juni Tiananmen) in Kooperation mit Deutsche Botschaft Beijing und China Design and Display Association 1991: Cast Iron Gallery, New York 1991: East Asian Society, Tokio 1992: Haus Wiegand, München 1993: Haus Wiegand (Edition Transatlantik), München 1994: Galerie Derix, Taunusstein/Wiesbaden (mit Gerd Knäpper) 1994: Design Studio Scala, Berlin 1994: Galerie Cogito, Setúbal bei Lissabon 1996: Haus Wiegand, München 1997: Club Transatlântico, São Paulo 1998: Haus Wiegand, München 1999: Galerie Weber, Viechtach 2002: D.A.S.-Versicherungen, München 2003: Haus Wiegand, München 2006 Haus Wiegand, München 2007: Espaço „O Cubo“, Paraty 2012: Haus Wiegand, München 2016: Haus Wiegand, München
Gruppenausstellungen 1971: Städtische Galerie Tuttlingen, 1971: Galerie Grisebach, Heidelberg 1974: Städtisches Kunstmuseum Kyoto (Kyoto Shiritsu Bijutsukan), 1974: Museum Moderner Kunst Kobe (Hyõgo Kenritsu Bijutsukan) und 1974: Central Gallery Tokyo „International Joint Exhibition of Japan and Germany“ 1976: Galerie Grisebach-Grewenig, „Handzeichnungen 1950-76“, 1976: Kunstmarkt Düsseldorf 1977: Galerie Grisebach-Grewenig, Heidelberg 1978: Haus der Kunst, München, „Große Kunstausstellung“ 1979: Galerie Ludwig, München 1981: Galerie Dibbert, Berlin 1983: Fabrik Lothringer13, Kulturreferat München, „Singular-Plural, München . Rom . Paris“ 1987: Great Wall Exhibition, Beijing (Einladung: Liu Kuo-sung, Hongkong) 1988: National Gallery of Thailand, Bangkok, “Relation through Art”, mit Pratuang Emcharoen, Sadamasa Motonaga und Gerd Knäpper, (Organisation Goethe-Institut Bangkok) 1997: Portland Art Museum, Portland/Oregon, “International Print Exhibition” 2003: Pavillon Botanischer Garten München, „25 Jahre Seerosenkreis-Preisträger“, (Organisation Kulturreferat München) 2008: Two Lines Gallery, Beijing, “Boston High Tea – Master Prints from Europe and America” (Organisation Massachusetts College of Art and Design,Boston) 2008: Sunshine International Art Museum, Beijing (Einladung: Prof. Peter Wayne Lewis, Boston/New Jersey) 2011: Städtische Galerie Villingen-Schwenningen, „abstrakt, konkret und gegen den strich“ – Sammlung Felix Schlenker 2017: Galerie Grewenig, Heidelberg, „Abstrakte und konkrete Kunst aus 66 Jahren“
Werke in Museen und Sammlungen Städtische Galerie im Lenbachhaus München Staatsgalerie Moderner Kunst, München Städtische Galerie Villingen-Schwenningen Felix Schlenker Sammlung, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen Ingo Grewenig Sammlung, Galerie Grewenig/Nissen, Heidelberg Krankenhaus Bogenhausen, München Wirtschaftsvereinigung Eisen und Stahl, Düsseldorf R. & J. Vondran Sammlung, Düsseldorf Boston Consulting Group Sammlung, München Neumann & Partner Consultants, Tokio Delta Dema Elektronik GmbH Sammlung, München D.A.S. Versicherungen (jetzt Ergo-Vers.) Sammlung, München Municom, Traunstein V-Data, München Legal Services Colin Ong, Darussalam, Brunei Herzog August Bibliothek, WolfenbüttelDer Innere Raum : neun Farbholzschnitte, auf opac.lbs-braunschweig.gbv.deLichtspuren : Mappe mit 7 Holzstichen, auf opac.lbs-braunschweig.gbv.de Dr. I. & P. Wiegand Sammlung, München Peter Hurn Sammlung, Toulouse/London
Literatur 1971: Anselm Riedl: Über Alfried Hagedorn. Typoskript, Galerie Grisebach, Heidelberg. 1974: Vlasta Cihákova-Noshiro: Sehen ist auch eine Kunst (Tatlin). Faltblatt A.H., Muramatsu Gallery, Tokio. 1977: Juliane Roh: Alfried Hagedorn. Faltblatt. Städtische Galerie, Villingen-Schwenningen. 1982: Carla Schulz-Hoffmann: Innerhalb der Reichweite meiner Hände und weit darüber hinaus. Anmerkungen zur Malerei von A.H., Katalog A.H., Museum für Zeitgenössische Kunst – MAC, São Paulo, Vorwort Wolfgang Pfeiffer 1983: Gaya Goldcymer: Das Unbotmäßige der Kunst oder die Irrelevanz der Kunst. Katalog Singular-Plural – München, Rom, Paris. Fabrik Lothringer Str. 13, München. 1986: Sigrid Feeser: Es gibt kein Zurück. Vorwort Manfred Fath und Heiner Schepers. Katalog. Kunsthalle Mannheim und Kunstverein Lingen. 1986: Heike Marx: Sichtbarer Ausdruck des Unsichtbaren. Rheinpfalz Nachrichten. 1987 Sigrid Feeser: Ausstellung A. H. Typoskript, Galerie Döbele, Stuttgart 1987 Rainer Zerbst: Interview mit A. H. Südwestfunk Stuttgart 1988 Somporn Rodboon: Zur Malerei von A. H. In: Zeitschrift House and Garden. Bangkok 1993 Franz Schilke, A. H. ein Wanderer zwischen den Kulturen. In: Zeitschrift Medizin und Kunst. Nr. 4, München 1994 Roland Held: Ausstellung A. H. und G.K. Typoskript. Galerie Derix, Taunusstein/Wiesbaden 1997: Horst G. Ludwig: Vom Blauen Reiter zu Frisch gestrichen. Malerei in München im 20. Jahrhundert. Hugendubel Verlag, München, S. 292–294. 2000: Katalog Kunstsammlung D.A.S. Versicherungen (jetzt Ergo-Versicherung), München 2019: Alfried Hagedorn: Bilder und Aquarelle. München
Weblinks Alfried Hagedorn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Website von Alfried Hagedorn Museum Alfried Hagedorn
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1940 Kategorie:Mann