Umtsimba () ist die Bezeichnung für die traditionelle Hochzeitszeremonien der Swazi, in deren Verlauf die Braut sich für den Rest ihres Lebens ihrer neuen Familie anvertraut.Swazi national trust commission. Cultural resources: Swazi culture. sntc.org.sz.Adelle Van Schalkwyk: The indigenous law of contract with particular reference to the Swazi in the Kingdom of Swaziland. PhD Thesis. University of South Africa (UNISA), South Africa 2006. Die Zeremonie ist eine mehrtägige Feier, in welcher Mitglieder beider Familien, sowohl der Brautfamilie als auch der Bräutigamsfamilie, in deren Heimatdörfern involviert sind. Es gibt Abschnitte der Zeremonie, die sich selbst über mehrere Tage erstrecken. Jede Etappe hat besondere Bedeutung und besteht aus symbolischen Gesten, die von Generation zu Generation überliefert werden.

Die erste Phase ist die Vorbereitung der Brautgesellschaft vor dem Verlassen ihres Dorfes. Die zweite Phase ist die eigentliche Reise der Brautgesellschaft von ihrem Dorf in das Dorf des Bräutigams. Die dritte Phase ist der erste Tag der Hochzeitszeremonie, die sich über drei Tage erstreckt und an dem Tag beginnt, an dem die Brautgesellschaft im Dorf des Bräutigams ankommt. Danach findet die eigentliche Hochzeitszeremonie statt, die vierte Phase der Umtsimba. Die fünfte Phase findet am Tag nach der Hochzeitszeremonie statt und wird als Kuteka bezeichnet.Swazi Observer: Kuteka: The Beginning of a Real Swazi Marriage. observer.org.sz. Die letzte Phase kann am Tag nach der Hochzeit stattfinden. Dabei überreicht die Braut der Familie des Bräutigams Geschenke und es ist der erste Abend, den die Braut mit dem Bräutigam verbringt. Obwohl sich die traditionelle Hochzeitszeremonie in der modernen Zeit weiterentwickelt hat,L. Itolo Simelane: Swazi Observer Yesterday. observer.org.sz. basieren die folgenden Einzelheiten auf historischen Berichten der Anthropologin Hilda KuperH. Kuper: The Marriage of a Swazi Princess. In: Journal of the International African Institute. Vol. 15, No. 3, Juli 1945: S. 145–155. und auf weiteren soziologischen Forschungen, die die Tradition beschreiben.C. Msibi: Lucwaningo lolunzulu lolumayelana nekubaluleka kweMtsimba nalokuhambisana nawo emaSwatini. [An analysis of Swazi traditional wedding and culture of Swazi people] PhD thesis. University of kwaZulu Natal 2003. (In Siswati) uzspace.uzulu.ac.za

Vor dem Aufbruch der Hochzeitsgesellschaft Der Vater der Braut benachrichtigt Freunde und Verwandte, dass seine Tochter heiraten wird, und der Dorfvorsteher wird darüber informiert, dass eine Hochzeit stattfinden wird. Anschließend informiert der Vater die Nachbarn und lädt sie zur Hochzeit ein. Der Vater bestimmt außerdem zwei Männer und zwei Frauen, die die Untsimba zum Gehöft des Bräutigams begleiten sollen.A. B. Marwick: The Swazi: an enthnographic An Ethnographic Account of the Natives of the Swaziland Protectorate. Cambridge University press 1940: S. 101–112. Die junge Braut, ihre Verwandten und Freunde stellen Grasmatten und Grasbesen her, welche die Braut mitnimmt, wenn sie ihr Elternhaus verlässt. Sie nimmt auch handgemachte Geschenke für ihre Schwiegereltern mit, was ihnen Freundlichkeit und Großzügigkeit signalisiert.

Fast alle Feierlichkeiten und Zeremonien in Swasiland beinhalten das traditionelle Bier Umcombotsi, das zusammen mit anderen Getränken von den älteren Frauen des Dorfes für die Reise der Braut zum Heim ihres Bräutigams gebraut wird. Sollte der Bräutigam in der Nähe wohnen, nimmt die Braut einen Krug Bier, bekannt als Tshwala Beliqaka, mit zum Heim des Bräutigams, was ihnen zeigt, dass sie mit der vollen Zustimmung ihrer Familie gekommen ist.

Sobald der zukünftigen Familie mitgeteilt wurde, dass die Vorbereitungen getroffen wurden, wird die Brautgesellschaft („umtsimba“) versammelt, die zumeist aus jungen Mädchen und Frauen besteht, die Verwandte und Freundinnen der Braut sind. Die Größe einer umtsimba ist für die Familie der Braut ein Grund zum Stolz und kann über fünfzig Personen betragen. Die wichtigen Gruppen der Brautjungfern sind 1) “ematshitshi” (Mädchen, die die Pubertät erreicht haben, aber noch keinen Liebhaber gewählt haben) 2) “emaqhikiza” (Mädchen, die einen Liebhaber gewählt haben) 3) “tingcugce” (das sind Mädchen, die einen Liebhaber gewählt haben und sich auf die Hochzeit vorbereiten). Die umtsimba dient auch dazu, die Gastfreundschaft des zukünftigen Ehemannes zu testen.

Abreisetag Der Tag der Abreise ist von regem Treiben geprägt, und die jungen Leute tragen ihre schönste traditionelle Kleidung. “Inkomo yekususa umtsimba” (eine Kuh, welche den Brautgesellschaften zur Verfügung gestellt wird) wird geschlachtet und das Fleisch gekocht und gegessen.mattsjones.tumblr.com. Der Vater der Braut und ältere Verwandte sorgen dafür, dass das Fleisch richtig unter den Mitgliedern der Gruppe aufgeteilt wird. Die „Inyongo“ (Gallenblase) wird vom „Lisokancanti“ (erstgeborener Sohn) ihres Großvaters väterlicherseits für die Braut beiseite gelegt. Der Lisokancanti führt ein Ritual durch, bei dem er die Galle auf den Mund der Braut, die Stirn, die Mitte ihres Gesichts, den rechten Arm und das rechte Bein drückt. Dies geschieht, um sie zu stärken und ihr Glück zu bringen. Die Blase wird dann aufgeblasen und mit einer Schnur über ihrer Stirn festgebunden. Dies ist ihre Lusiba (Feder), das Zeichen dafür, dass sie ihr Elternhaus mit Zustimmung ihres Vaters verlässt.

Die Braut wird dann von älteren Frauen über die Härten der Ehe unterrichtet. Sie wird ermahnt, Zurückhaltung zu üben und niemals Beleidigungen mit Beleidigungen zu beantworten, und wird eindringlich daran erinnert, dass sie den ehrenwerten Namen ihrer Familie vertritt. Sie wird vor Anschuldigungen eifersüchtiger Mitfrauen der Hexerei und Faulheit sowie vor möglichen Schlägen durch ihren Ehemann gewarnt. Nach der Eheschulung verabschiedet sich der Vater der Braut von seiner Tochter und segnet sie. Der Lisokancanti des Großvaters der Braut erteilt dann den beiden ausgewählten Männern und Frauen Anweisungen und Ratschläge. Er weist sie an, dafür zu sorgen, dass die „Insulamyembeti“-Kuh („Tränenwischer“) zurückgegeben wird, welche später ihre Funktion bekommt. Die Braut und die Tingcugce haben ein „Ludzibi“ (ein Mädchen, das beim Tragen des Gepäcks hilft), das Kleidung und Decken für die Braut und die älteren Mädchen trägt. Die jungen Männer helfen ebenfalls. Die Brautgesellschaft beginnt dann, Hochzeitslieder zu singen und zu tanzen, und sie brechen auf. Im Folgenden werden zwei der Lieder, die gesungen werden, gezeigt:

In diesen Liedern wird erklärt, dass die Braut sehr begehrt ist. Als besondere Gunst wird sie zum Bräutigam geschickt. Je nach Entfernung zwischen den Dörfern kann die Reise zum Gehöft des Bräutigams mehrere Tage dauern. Unterwegs wird die Brautgesellschaft bei bestimmten Verwandten und Freunden untergebracht. Mit modernen Fahrzeugen ist die Fahrt heute meist viel kürzer.

Ankunft der Brautgesellschaft (Tag 1) Die Brautgesellschaft bemüht sich, bei Sonnenuntergang am Anwesen des Bräutigams anzukommen, da man glaubt, dass die Geister der Vorfahren dann am aktivsten sind und die Braut daher willkommen heißen und segnen. Wenn sich die Brautgesellschaft dem Anwesen des Bräutigams nähert, tanzen die Mitglieder der Brautgesellschaft, um ihre Anwesenheit bekannt zu machen. Sie warten vor den Toren und erwarten, willkommen geheißen zu werden. Die Brautgesellschaft bildet einen Bogen, in dessen Mitte sich die Braut befindet. Die Männer beginnen lautstark ihren Clannamen und ihre Vorfahren zu preisen. Der Gesang endet, als die weiblichen Verwandten des Bräutigams mit Rasseln an den Knöcheln herauskommen, um die Gesellschaft willkommen zu heißen. Während die Braut anfängt, das erste Lied zu singen, führt ein Junge aus dem Dorf des Bräutigams die Braut und ihre Tingcugce (alleinstehende Frauen) zu ihrer zukünftigen Schwiegermutter. Kniend legt die Braut eine Kette weißer Perlen vor ihre Schwiegermutter und sagt: „Ich komme, um Treue zu schwören.“ („I come to pay allegiance.“) Die Schwiegermutter antwortet: „Von wem kommst du?“ („From whom do you come?“) Die Braut antwortet: „Mein Vater hat mich geschickt.“ („I was sent by my father“). Die Braut und ihre Gesellschaft werden dann weggeführt, um sich auszuruhen, während die Familie des Bräutigams als Zeichen der freudigen Begrüßung weiter singt und tanzt. Die Braut und ihre „Mädchen“ schlafen im selben Raum. Den Bräutigam hat sie nicht gesehen.

Vor Sonnenuntergang geht die Brautgesellschaft zum Fluss, wo sie isst und trinkt. Die Familie des Bräutigams sorgt dafür, dass eine Kuh oder Ziege, die sogenannte Sahukulu, zubereitet wird. Jedes Mitglied der Umtsimba nimmt eine Portion, erwachsenen Mädchen ist es jedoch nicht gestattet, die Innereien zu essen. Die Braut selbst ist vom Sahukulu-Fest ausgeschlossen und isst nur Mahlzeiten, die zu Hause oder von Verwandten für sie zubereitet wurden. Die Gesellschaft kehrt dann in die vorbereiteten Räume zurück, welche die Familie des Bräutigams bereitgestellt hat.

Die Hochzeitszeremonie (Tag 2) Die Brautgesellschaft kommt früh, um sich fertigzumachen und anzuziehen, fernab vom Gehöft und den Hochzeitsaktivitäten. Die Vorbereitungen dauern lange, denn die Braut möchte mit ihrem Einzug alle beeindrucken: Sie trägt einen Kuhlederrock von zu Hause und ein Pelzgewand namens Sigeja. Perlen und Wolle bedecken ihr Gesicht und ihr Kopf ist mit einer Krone (Sidlodo) geschmückt, die aus zwei Bündeln großer, schwarzer Federn eines langschwänzigen Witwenvogels besteht. Die Festgesellschaft trifft ein und erwartet, vom Tanz der Umtsimba unterhalten zu werden. Die Frauen des Dorfes tragen lange Tranchiermesser, während die Männer Speere und Schilde halten, da sie wissen, dass die Gruppe an diesem Nachmittag tanzen wird.

Die Umtsimba bleibt am Fluss. Ein junger Abgesandter der Familie des Bräutigams wird zur Braut geschickt, um die Gesellschaft einzuladen, sich dem Bräutigam anzuschließen. Die Braut, versteckt von ihren „Brüdern“, tanzt allein auf ihre Schwiegermutter zu, flankiert von ihren Brautjungfern, und wird später von der Gemeinschaft zum Tanz begleitet. Das Publikum verteilt kleine Geschenke an die Tanzgruppe, darunter Münzen, Früchte und Süßigkeiten. Der Ummiso-Tanz beginnt, wenn sich die Gruppe dem Hof nähert, der für die Hochzeit vorbereitet wurde. Der Bräutigam trägt einen Sidvwashi (bedruckten Rock) um die Taille, darüber ein Emajobo (Lendenfelle aus Kuh- oder Leopardenfell) und Perlenornamente auf der Brust. Gegen Ende der Zeremonie tanzt er mit seiner Braut. Dies ist der Höhepunkt der Tanzzeremonie. Anschließend schenkt die Brautgesellschaft der Familie des Bräutigams eine Kuh (umganu) als Zeichen dafür, dass die Braut aus einer guten Familie stammt, und im rechtlichen Sinne stellt es auch ihren unabhängigen Status dar. Das Fleisch des geschlachteten Tieres dürfen nur die Mitglieder der Familie des Mannes essen, einschließlich der Schwiegertochter. Diese Personen werden als „bomakoti“ bezeichnet. Das Geschenk der umganu spielt eine zentrale Rolle bei zukünftigen Erbansprüchen.

Am Ende dieses Tages wird eine Kuh geschlachtet uns es wird das Sidvudvu (Brei) oder Inkhomo Yemtsimba (Kuh der Umtsimba) oder Indlakudla (Essen) gereicht. Dies gibt der Brautgesellschaft das gesetzliche Recht, auf dem Anwesen des Bräutigams zu essen, und muss vom Sahukulu unterschieden werden, der theoretisch mit Gewalt vom Anwesen weggebracht und gegessen wird.