mini|Kirche in Assenheim Die Evangelische Kirche in Assenheim in der Gemeinde Niddatal im Wetteraukreis (Hessen) ist eine klassizistische Querkirche, die in den Jahren 1782 bis 1785 anstelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet wurde. Die denkmalgeschützte Kirche mit Walmdach hat einen Mittelrisalit im Osten und im Westen einen Glockenturm mit zweigeschossigem Haubenhelm. Sie ist aufgrund ihrer geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung hessisches Kulturdenkmal..
Geschichte In Assenheim sind 1229 ein Kaplan und 1260 eine Pfarrei bezeugt, was die Existenz eines Kirchengebäudes voraussetzt. Der Ort lag mit Bönstadt und Erbstadt eigentlich im Bereich des Archidiakonats von St. Maria ad Gradus in Mainz, unterstand aber dem Propst von Ilbenstadt, der sich 1404 in einem Vergleich die Kollaturrechte gesichert hatte.Kleinfeldt, Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation. 1984, S. 46–47. 1518 wird ein Katharinen-Altar erwähntAdamy: Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. Provinz Oberhessen. Kreis Friedberg. 1895, S. 5 (online). und 1550 ein Altar St. Peter.Jürgen Rainer Wolf (Bearb.): Das Erzbistum Mainz 1. Die Prämonstratenserstifte Ober- und Nieder-Ilbenstadt (= Germania Sacra. Dritte Folge 16, 1). De Gruyter Akademie Forschung, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-11-059681-6, S. 710.
Nach ersten evangelischen Anfängen in den 1530er Jahren wurde die Reformation in den 1550er Jahren eingeführt. Nachdem die Assenheimer 1551 einen lutherischen Pfarrer eingesetzt hatten, setzte das Prämonstratenser-Kloster Ilbenstadt den ehemaligen Mönch Bonifacius Meußerius (1554–1574) durch.Diehl: Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die hessen-darmstädtischen Souveränitätslande. 1930, S. 218. Weil Assenheim in nachreformatorischer Zeit zu den Herrschaften von Solms (lutherisch), Isenburg-Büdingen und Hanau-Münzenberg (seit 1593 reformiert) gleichzeitig gehörte, kam es zu Konflikten wegen des Patronatsrechts. Solms bestätigte Meußerius, während Hanau und Ysenburg die Bestätigung verweigerten. Die Kirchengemeinde wechselte unter Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg 1601 zum reformierten Bekenntnis, der mit Waffengewalt einen reformierten Prediger einführen ließ.Heinz P. Probst: Sehenswerte Kirchen in der Stadt Niddatal. Abgerufen am 3. März 2021.
Bis 1629 diente die Kirche als Simultankirche, sodass im wöchentlichen Wechsel reformierte und lutherische Gottesdienste abgehalten wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gemeinde in den Jahren 1629–1631 römisch-katholisch, bis für die nächsten zehn Jahre wieder das Simultaneum eingeführt wurde. Mit dem Wechsel zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im Jahr 1641 wurde die Gemeinde lutherisch und mit dem Aussterben der Linie Hanau-Münzenberg im Jahr 1642, die an die lutherische Linie Hanau-Lichtenberg fiel, erhielten die Lutheraner in dem Kondominium die Mehrheit. Die Assenheimer durften während der Zeit des nächsten Simultaneums (1657–1716) unter Androhung hoher Strafen nicht die reformierten Gottesdienste besuchen, die jeden dritten Sonntag vom Isenburgischen Pfarrer aus Bönstadt durchgeführt wurden.Diehl: Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die hessen-darmstädtischen Souveränitätslande. 1930, S. 216–217. Nach einem Vergleich im Jahr 1716 erhielt der reformierte Prediger aus Bönstadt die Erlaubnis, in Assenheim zu residieren. 1722 erfolgte die Gründung der reformierten Gemeinde.. Die kirchliche Union von 1817 beendete den konfessionellen Konflikt.
Nach einem Schreiben des Assenheimer Pfarrers befand sich die Kirche 1764 in einem schlechten Zustand, sodass er um eine Kollekte für einen Neubau bat.Svenja Müller: Drei Grafen. Herrschaftspraxis in der gemeinschaftlich regierten Stadt Assenheim im Spiegel eines Kindsmordprozesses 1760–66. Diss. Berlin 2015, S. 72. Die mittelalterliche Kirche wurde 1782 abgerissen und bis 1785 durch einen Neubau ersetzt.
Nach einer Sanierung des Turms (2002/2003) und der Fassaden (2003/2004) folgte die Sicherung der Dachkonstruktion mit einer teilweisen Neueindeckung. 2006 wurden der Kirchenplatz und die Außenanlagen neu gestaltet.Dekanat Wetterau. Im Zuge einer umfassenden Renovierung unter Pfarrerin Rita Mick-Solle in den Jahren 2011/2012 wurde die Kirche auf ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt, der Innenraum umfassend renoviert, die farbliche Fassung in Anlehnung an originale Bemalung wiederhergestellt und die Beleuchtung erneuert.Kunst in Kirchen. Abgerufen am 3. März 2021. Zudem schaffte die Gemeinde neues liturgisches Gerät und neue Altarparamente an. Nachdem die alte Lutherlinde bei einem Gewittersturm in der Nacht zum 1. August 2017 entwurzelt worden war, wurden der Kirchenplatz im Osten wiederhergestellt und eine neue Linde gepflanzt.David Heßler: Vom Sturm gefällte Linde in Assenheim wird ersetzt. In: Wetterauer Zeitung vom 18. August 2017. Abgerufen am 3. März 2021.
Seit dem 1. März 2020 bilden die Kirchengemeinden Bönstadt, Kaichen, Ilbenstadt, Assenheim und Wöllstadt einen überregionalen Kooperationsraum Niddatal-Wöllstadt („KoNiWö“). Die Kirchengemeinde Assenheim umfasst etwa 1500 Gemeindeglieder und gehört im Dekanat Wetterau zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.Dekanat Wetterau. Abgerufen am 3. März 2021.
Architektur mini|links|Nordseite mini|hochkant|Westturm Die nicht exakt geostete, sondern leicht nach Ost-Nordost ausgerichtete Saalkirche ist im Ortszentrum östlich des Zusammenflusses von Nidda und Wetter aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung errichtet. Baumeister war Johann Philipp Wörrishöfer aus Nauheim. Er konzipierte den streng symmetrisch angelegten, quergelagerten Bau auf querrechteckigem Grundriss als protestantische Predigtkirche. Architektonisch steht sie noch in barocker Tradition, wird aber durch klassizistische Elemente geprägt. Durch den Mittelrisalit am östlichen Frontispiz und den Westturm in Richtung wird die Mittelachse betont. Die hellbraunen und grauen Werksteine wurden aus dem 1778 abgerissenen alten Münzenberger Burgturm wiederverwendet.
Das Kirchenschiff mit EcklisenenDehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen II. 2008, S. 10. wird von einem verschieferten Walmdach bedeckt, dem im Osten drei kleine Gauben mit Dreiecksgiebel, an der Westseite zwei und an den Schmalseiten je eine Gaube aufgesetzt sind. Die Kirche wird mittig an jeder Seite durch ein hochrechteckiges, zweiflügeliges Portal mit Gewände aus rotem Sandstein erschlossen und durch hohe Fenster mit flachem Stichbogen und Sandsteingewänden belichtet. Im Osten sind vier Fenster eingelassen, an den Schmalseiten je zwei und an der Westseite außen zwei Fenster und innen zwei Blendfenster. Nur das Gewände des Ostportals ist profiliert. Die Seitenportale und das westliche Turmportal haben unter dem Türsturz ein kleines querrechteckiges Fenster mit Wabenverglasung. Der vorgezogene Mittelrisalit des Eingangsvorbaus dient als Eingangsbereich und Treppenaufgang und hat an beiden Seiten ein hohes Fenster. Der flache Dreiecksgiebel ist durch ein Gesims abgesetzt und hat eine kleine Rundöffnung. Über den vier Portalen ist ein kleines Stichbogenfenster eingelassen.
Der eingezogene Kirchturm im Westen auf quadratischem Grundriss wird durch zwei umlaufende Gesimse in drei unterschiedlich hohe Geschosse gegliedert. Das Erdgeschoss dient als Sakristei. Der Turm wird durch ein hochrechteckiges Westportal erschlossen, über dem ein Fenster eingelassen ist. Die beiden Obergeschosse haben Schallöffnungen in Art der Fenster mit flachem Stichbogen und Sandsteingewände. Dem aufgemauerten Schaft ist ein oktogonaler, zweigeschossiger, verschieferter Haubenhelm aufgesetzt, der im ersten Geschoss vier Schallöffnungen hat und an dem im oberen Geschoss die vier Zifferblätter der Turmuhr angebracht sind. Die Welsche Haube wird von einem Turmknauf, einem reich verzierten Kreuz und einem Wetterhahn bekrönt.
Ausstattung mini|hochkant|Altar, Kanzel und Orgel mini|hochkant|links|Epitaph aus rotem Sandstein Der helle und hohe Innenraum wird von einer Flachdecke mit abgerundeten Ecken abgeschlossen. Ein äußeres, graues, geschwungenes Bandelwerk aus Stuck umschließt in den vier Ecken jeweils ein gelbes Kreuz. Ein inneres, weißes Bandelwerk ist mit feinen floralen Elementen und Blumenornamenten in Gelb und Orange verziert. In der Raummitte wird das Auge der Vorsehung in einem ovalen Stuckmedaillon von einem vergoldeten Strahlenkranz umgeben. Der gewestete Innenraum ist als Querkirche konzipiert und die hölzerne Kirchenausstattung in weiß-grauer Fassung an der Mittelachse ausgerichtet. Die vierseitig umlaufende, großzügige Empore mit gestaffelten Kirchenbänken ruht auf schlanken Säulen. Die Brüstungen haben schlichte hochrechteckige Füllungen. Die Orgelempore wird von vier mächtigen, braun-marmoriert bemalten Säulen gestützt. Das Kirchengestühl mit geschwungenen Wangen bildet vier Blöcke mit sich kreuzförmig schneidenden Mittelgängen, entsprechend den Portalen. Die Sitzordnung und die besonderen Stühle widerspiegeln die Stände des 18. Jahrhunderts. Vor den Wänden ist umlaufend eine Brüstung angebracht, die im oberen Bereich durchbrochenes Rautenwerk aufweist. Der Fußboden ist mit quadratischen Sandsteinplatten belegt. Eine Inschrift auf einer Platte rechts vom Altar erinnert an Graf Ernst: „JOHANN ERNST KARL REG. GRAF ZU SOLMS-ROEDELHEIM UND ASSENHEIM GEB. 7.5. 1714 GEST. 15. 1. 1790“. Während Heizungsarbeiten in den 1960er Jahren wurde sein Grab geöffnet und seine sterblichen Überreste wurden anschließend auf dem gräflichen Friedhof in Assenheim umgebettet.
Die Prinzipalstücke Altar, Kanzel und Orgel sind auf der Mittelachse im Westen gegenüber dem Eingang über- und hintereinander angeordnet, was in der Region eher selten begegnet.Skoczowski: Die Orgelbauerfamilie Zinck. 2018, S. 4. Der Altar hat eine Mensaplatte aus rotem Sandstein mit abgerundeten Ecken und einen balusterförmigen Stipes aus grauem Werkstein mit Einschießungen. Die vier Beine sind aus einem italienischen Sandstein gefertigt und sollen ursprünglich als Treppengeländer gedient haben, während die Tischplatte von einem Gartentisch aus dem Schloss stammt. Beides wurde vom gräflichen Haus nach Fertigstellung der neuen Kirche gestiftet. Kanzel und Orgel sind einheitlich hellgrau mit edlen Vergoldungen gefasst. Der polygonale Kanzelkorb hat reich profilierte Kranzgesimse, die durch vier bauchige Pfeiler zwischen den Gesims-Auskragungen verbunden werden. Die Kanzelfelder haben hochrechteckige Füllungen, deren obere Ecken abgeschrägt sind. An der Unterseite des Kanzelkorbs hängen vergoldete Spitzen und ist flachgeschnitztes, durchbrochenes Rankenwerk angebracht. Der Schalldeckel nimmt die Formen des Kanzelkorbs auf. Der polygonale Gesimskranz mit vier Auskragungen ist oben und unten mit vergoldeten Spitzen verziert. Der flachgeschnitzte Aufsatz umschließt eine geschweifte Haube, die von einer goldenen Kugel bekrönt wird. Über dem Eingang ist der herrschaftliche Stuhl als geschlossene Loge mit Wabenverglasung in der Brüstung vorkragend. Die Grafenloge ist über eine zweiläufige Treppe im östlichen Vorbau zugänglich. Der neue Taufständer aus Metall besteht aus zwei flachen Lochscheiben, die durch vier schmale Streif9en verbunden sind. Der Ständer kann die flache historische Taufschale wie auch eine neue tiefe Taufschale aufnehmen.