miniatur|Gemeindegebiet mit Ortsteilen Jossgrund ist eine Gemeinde im hessischen Main-Kinzig-Kreis im Spessart. Sie besteht aus den vier Ortsteilen Burgjoß, Oberndorf, Pfaffenhausen und Lettgenbrunn mit dem Weiler Villbach.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt mit allen ihren Ortsteilen am Oberlauf des Flüsschens Jossa im hessischen Spessart, an der Grenze zum bayerischen Landkreis Main-Spessart. Die nächstgelegene Stadt ist Bad Orb, 8 bis 15 Kilometer von den Ortsteilen entfernt. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit etwa am Gipfel des Langen Berges.

Nachbargemeinden Jossgrund grenzt im Norden an die Stadt Bad Orb, an das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Spessart und die Stadt Bad Soden-Salmünster, im Osten an das gemeindefreie, bayerische Gebiet Burgjoß (Landkreis Main-Spessart) und die Gemeinde Aura im Sinngrund, im Süden an die Gemeinde Flörsbachtal sowie im Westen an die Gemeinde Biebergemünd.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Jossgrund besteht aus den bis zum 31. Dezember 1971 selbständigen Gemeinden Burgjoß, Oberndorf (heute Sitz der Gemeindeverwaltung) und Pfaffenhausen und der am 1. Juli 1974 per Gesetz hinzugefügten Gemeinde Lettgenbrunn, mit dem Weiler Villbach.

Geschichte mini|Die Wasserburg von Burgjoß datiert aus dem Jahre 1572. Mittelalter Burgjoß, der älteste der Ortsteile, wurde im Jahre 850 erstmals urkundlich erwähnt, Pfaffenhausen 1059, Lettgenbrunn 1313 und Oberndorf 1346. Ab 1450 gehörte die Gegend zum Kurfürstentum Mainz.

Neuzeit Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die rechtsrheinischen Gebiete des Kurfürstentums Mainz dem neu geschaffenen Fürstentum Aschaffenburg zugeschlagen, das wiederum 1810 an das Großherzogtum Frankfurt fiel. Durch den, nach der Völkerschlacht bei Leipzig geschlossenen Pariser Frieden von 1814 kam die Gegend an das Königreich Bayern und gehörte dort zum Bezirk Orb und ab 1862 zum Bezirksamt Gemünden am Main.

Durch die Niederlage im Deutschen Krieg 1866 verlor Bayern den Bezirk Orb (ohne Aura) an Preußen, das es in den Landkreis Gelnhausen seiner Provinz Hessen-Nassau eingliederte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten die Besatzungsmächte Preußen auf. Die amerikanisch besetzten Gebiete Hessen-Nassaus wurden dem neuen Land Hessen zugeordnet.

Waldarbeitersiedlungen Spürbare Ortsvergrößerungen und einen deutlichen Entwicklungsschub gaben den Jossgrundgemeinden Burgjoß, Pfaffenhausen und Oberndorf die ab 1938 bis nach 1945 geschaffenen Waldarbeitersiedlungen. Ein staatlich gefördertes Siedlungsprogramm, sollte „der Sesshaftmachung von Arbeitnehmer in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, der Linderung der Wohnungsnot …“Oskar Amberg, „Waldarbeiter-Siedlungen mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb in Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen“, Zwischen Vogelsberg und Spessart, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 1989, S. 87–92 dienen. Gleichzeitig sollte es landwirtschaftlichen Nebenerwerb ermöglichen. Daher kamen zu den Siedlungshäusern für jede Familie noch: 1 Stall, 1 Scheune, 1 Garten und eine kleine Ackerfläche hinzu.

Die Maßnahme brachte Burgjoß, wo im Jahr 1939 nur 60 Häuser standen, einen einmaligen Zuwachs von 10 Familien mit 23 Kindern, im kleineren Pfaffenhausen waren es 4 Familien und in Oberndorf, das kriegsbedingt etwas später folgte, nochmal 7 Familien mit 23 Kindern.

Gebietsreform Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1974 die Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern mit der Stadt Hanau zum Main-Kinzig-Kreis zusammengeschlossen. Gleichzeitig erfolgte die Gründung der Gemeinde Jossgrund durch Zusammenschluss der Gemeinden Lettgenbrunn mit dem Weiler Villbach und Jossatal, das wiederum aus den Ortsteilen Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen bestand. Als Verwaltungssitz wurde der Ortsteil Oberndorf festgelegt. Ortsbezirke wurden nicht gebildet.

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Jossgrund erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Jossgrund 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 37,2852,81255,51346,11144,71040,29 30,0625,7627,8638,4939,0947,011 17,6421,5516,7415,4316,3412,73 15,23–––––––––– Gesamt 100,0 21 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 69,5 64,2 65,5 63,6 59,3 65,9

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Jossgrund neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2023 Victor Röder (SPD). Er wurde als Nachfolger von Rainer Schreiber (SPD), der nach drei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 29. Januar 2023 im ersten Wahlgang bei 67,85 Prozent Wahlbeteiligung mit 60,09 Prozent der Stimmen gewählt.Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der jeweils letzten Direktwahl von Landrätinnen und Landräte sowie (Ober-)Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeister in Hessen, Stand 20.11.2023

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2023–2029 Victor Röder (SPD)GNZ, 9. Mai 2023: Wechsel am 1. Juli – Bürgermeister in Jossgrund: Victor Röder vereidigt 2005–2023 Rainer Schreiber (SPD)Frankfurter Rundschau, 23. März 2011: Schreiber ohne Konkurrenz: „Schreiber stammt aus Burgjoß, das sich als Bioenergiedorf durch den Anschluss fast aller Haushalte an eine Holzhackschnitzelanlage einen Namen macht hat. Die 3600-Einwohner-Gemeinde Jossgrund war jahrzehntelang schuldenfrei.“ – SPD Main-Kinzig, 11. März 2022: Rainer Schreiber ist Neumitglied der SPD 1993–2005 Robert Ruppel (CDU)FAZ, 10. Januar 2005: Schuldenfreie Gemeinde sucht neuen Bürgermeister: „Der 58Jahre alte CDU-Politiker Robert Ruppel. Er hatte vor zwölf Jahren den Posten eines Bankprokuristen gegen den des Bürgermeisters von Jossgrund eingetauscht und es geschafft, die Gemeinde von jeglichen Kapitaldienstbelastungen zu befreien.“

Wappen mini|Wappen Jossgrund Blasonierung: „In Rot mit silberner Linksflanke, darin ein schwarzer Specht mit roter Kopfplatte am Spalt, ein sechsspeichiges silbernes Wagenrad, aus dessen Oberrand wachsend vier silberne Eichenblätter, die beiden mittleren an längeren Stielen.“

Die Eichenblätter und der Schwarzspecht weisen auf den Spessart hin, zu dem die Gemeinde Jossgrund gehört, außerdem stehen die vier Eichenblätter für die vier Ortsteile der Gemeinde. Das Rad (Mainzer Rad) ist die Versinnbildlichung der ehemaligen Zugehörigkeit zu Kurmainz. Rot und Weiß sind die Landesfarben des Landes Hessen.

Die Genehmigung für das Wappen der Gemeinde Jossgrund wurde auf ihren Antrag vom 6. Januar 1976 am 27. Februar 1976 durch die Landesregierung erteilt.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehrsanbindung und Tourismus Bahn Jossgrund gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Wächtersbach und Bad Soden-Salmünster an der Kinzigtalbahn Fulda–Hanau(–Frankfurt) sowie Mittelsinn an der Strecke Fulda–Gemünden (Main), jeweils 12 bis 20 Kilometer entfernt. Beide Strecken werden von der DB Regio AG bedient.

Straße Die Bundesstraße 276 verläuft etwa 5 bis 15 Kilometer südlich der Ortschaften. Der nächste Autobahnanschluss ist die 12 bis 16 Kilometer entfernte Anschlussstelle Bad Orb/Wächtersbach an der Bundesautobahn 66 in nordwestlicher Richtung bzw. in 15 bis 19 Kilometer entfernte Anschlussstelle Bad Soden-Salmünster/Jossgrund an der Bundesautobahn 66 in nordöstlicher Richtung.

Durch die Ortsteile Pfaffenhausen und Lettgenbrunn verläuft die Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee (DFAO), die von Berchtesgaden (Königssee) nach Puttgarden auf Fehmarn führt. Sie ist mit 1738 km die längste der in Deutschland ausgeschilderten Touristenrouten. Durch Lettgenbrunn führt außerdem die Spessart-Höhenstraße. Über die Gemarkungen von Pfaffenhausen und Lettgenbrunn führt schließlich der historische Eselsweg.

Nahverkehr Ganzjährig verkehren die Buslinien 82 und 83, der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) und schaffen öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Jossgrund, den Nachbargemeinden und an die Kinzigtalbahn (Hessen) am Bahnhof Wächtersbach. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Die Strecke führt von und nach Wächtersbach und ab Bad Orb entweder Richtung Lettgenbrunn oder über Burgjoß durch alle Ortsteile und zurück über Aufenau nach Wächtersbach.

Medien An Tageszeitungen gibt es die Gelnhäuser Neue Zeitung. Das Jossgründer Blättche ist ein monatlich erscheinendes Anzeigenblatt, das auch zum Download bereitsteht.

Bildung Kindergärten – Kita Die Gemeinde Jossgrund verfügt über mehrere Kindergärten: Den Gemeinde-Kindergarten Lettgenbrunn mit 20 Plätzen, davon fünf für Krippen- und 15 für Kindergartenkinder. Die Betreuung erfolgt in einer altersstufenübergreifenden GruppeKindergarten Lettgenbrunn. In Oberndorf eine ganztags Kindertagesstätte „Unterm Regenbogen“Kindergarten Unterm Regenbogen, abgerufen am 23. November 2022 mit 50 Plätzen, in zwei Gruppen. Sie bietet den Kindern Mittagessen, aus eigener Küche an. Es gibt auch eine U3-Betreuung. In der ehemaligen Volksschule in Pfaffenhausen einen dreigruppigen Kindergarten.

Schulen In Oberndorf befindet sich mit der Jossatal-Schule, eine Grundschule. Weitere allgemeinbildende Schulen gibt es in Bad Orb (Haupt- (Martinus-Schule) und Kreisrealschule), in Gelnhausen das Grimmelshausen-Gymnasium, in Wächtersbach eine kooperative Gesamtschule (Friedrich-August-Genth-Schule) sowie in Bad Soden-Salmünster eine integrierte Gesamtschule.

Freiwillige Feuerwehr In allen vier Ortsteilen der Gemeinde Jossgrund gibt es jeweils eine Ortsgruppe und einen Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der Dom an der Jossa (Kirche St. Martin in Oberndorf), in der Nähe befindet sich seit Ende Juli 2020 ein bekannter BrunnenPanorama: Penis-Brunnen vor der Kirche erregt die Gemüter – Pfarrer überrascht, op-online.de, 9. August 2020, hr-fernsehen.de, 5. August 2020 miniatur|links|Die Jossa in Oberndorf

Religion In allen vier Ortsteilen gibt es katholische Kirchengemeinden; sie gehören zum Bistum Fulda. Außerdem gibt es eine evangelische Kirchengemeinde in Lettgenbrunn, die zur Landeskirche von Kurhessen-Waldeck gehört.

Bauwerke Neben der Kirche in Lettgenbrunn, die zwei Konfessionen unter einem Dach beheimatet, ist auch die Kirche in Oberndorf (auch „Dom an der Jossa“ genannt) sehenswert. Zwischen Lettgenbrunn und dem Weiler Villbach liegt der Beilstein. Ein Basaltkegel mit den Überresten der Burg und mitten im gleichnamigen Naturschutzgebiet mit einer einmaligen Flora. Burgjoss ist das älteste Dorf. Es wurde erstmals in einer Urkunde im Jahre 850 erwähnt. Die Wasserburg in Burgjoss der Herren von Jazaha ist heute Sitz der Forstverwaltung. In Pfaffenhausen ist an der Jossa noch ein intaktes Mühlrad zu sehen, außerdem gibt es hier Hessens größte Kneipp-Anlage mit zwei Tretbecken und einem Arm-Kneipp-Becken.

Rund um den Weiler Villbach kann man noch heute deutliche Überreste des Ersten und Zweiten Weltkrieges sehen. Neben einem gesprengten Bunker (Zweiter Weltkrieg) auf dem heutigen Golfplatz findet man in den Wäldern zahlreiche Schützengräben (Erster Weltkrieg).

Regelmäßige Veranstaltungen und Kultur Dorffeste und Kirchweih Wichtiger Bestandteil der Kultur in Jossgrund sind die Dorffeste mit den jeweiligen Traditionen. Vor allem die von Juli bis August stattfindenden Kirchweihfeste (genannt: Kier oder Kerb) sind hier zu nennen.

Dialekt