Soroptimist International Österreich ist die österreichische Organisation von Soroptimist International (SI). Soroptimist International ist die weltweit größte Service-Organisation berufstätiger Frauen und engagiert sich gesellschaftspolitisch für die Besserstellung von Frauen und Mädchen. In der Österreichischen Union sind 61 Clubs mit ca. 2.000 Mitgliedern vereint – Stand 2024. In Österreich gibt es auch eine Jugendorganisation: Juvenilia. In den vier Juvenilia-Clubs treffen einander weibliche Jugendliche, die ebenfalls die Werte und Ziele des Soroptimismus unterstützen. Der Name Soroptimist leitet sich aus dem Lateinischen „Sorores optimae“ ab und bedeutet frei übersetzt „Schwestern, die das Beste wollen“, ein Anspruch, den die Mitglieder an sich selbst stellen. Die Mitglieder arbeiten alle ehrenamtlich und freiwillig, sind religiös und politisch unabhängig.
Mitglieder der Soroptimist-Clubs, „Clubschwestern“, „Soroptimistinnen“ oder „Sorores“ genannt, sind berufstätige Frauen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen.
Geschichte
Geschichtliche Entwicklung vor 1929 Nachdem 1921 der erste soroptimistische Club in Kalifornien gegründet worden war, brachte 1924 die plastische Chirurgin Suzanne Noël diese Idee nach Europa. Sie gründete neben einem Club in ihrer Heimatstadt Paris und durch ihre beruflichen Kontakte und Fachvorträge auch zehn weitere Clubs in Europa und wurde erste Föderationspräsidentin.
Die Jahre 1929–1938 Auf die InitiativeNeues Wiener Journal vom 5. Februar 1927 „Aus der Werkstatt der Pariser Schönheitskünstlerin – Was die Chirurgin Dr. Noel erzählt“ von Suzanne Noël wurde als fünfter europäischer Club 1929 der erste österreichische Soroptimist-Club in Wien gegründetWiener Sonn- und Montagszeitung vom 16. Dezember 1929, „Der Club der Wiener Optimistinnen – Aus jedem Berufszweig nur eine Vertreterin“ und Wiener Sonn- und Montagszeitung vom 6. Januar 1930 „Die Wiener „Soroptimistinnen“ – Klub berufstätiger Frauen“ und ins Vereinsregister eingetragen. Er verstand sich als Zusammenschluss außergewöhnlicher berufstätiger Frauen. Sie trafen einander einmal im Monat zum Mittagessen und einmal zum Abendessen und hörten einen Vortrag einer ihrer Mitglieder über deren Spezialgebiet.Neue Freie Presse 6. Februar 1930 „Der österreichische Soroptimistclub – Neues Klubleben unter Frauen“ Aus der Zeit der Gründung sind durch Nennung in der zeitgenössischen Presse knapp 30 Mitglieder namentlich bekannt.
Erste Präsidentin war Wilhelmine Löwenstein-Brill, eine bekannte Wiener Ärztin, Vizepräsidentin war Marianne Beth. Sie war die erste Frau, die als Gerichtsdolmetsch zugelassen wurde, sowie die erste Frau, die in die Anwaltsliste in Österreich eingetragen wurde. Universitätsprofessorin Charlotte Bühler war eine anerkannte Psychologin, Gertrud von Felsövany (geb. Löw) besaß und leitete die damals größte private Krankenanstalt Wiens. Cäcilie RipperIllustrierte Technik für Jedermann, Jahrgang 1926, Heft 7, Seite 74. war die erste Patentanwältin Österreichs. Liane Zimbler arbeitete als selbstständige Architektin mit Büros in Wien und Prag und war die erste Frau, die die Ziviltechnikerprüfung in Österreich absolvierte. Nona Spiegel-Adolf war Chemikerin und Dozentin an der Universität Wien. Stella Kramrisch unterrichtete als Universitätsprofessorin für indische Kunst an der Universität Kalkutta. Auch verschiedene Künstlerinnen waren Gründungsmitglieder, darunter Gertrud Bodenwieser, die an der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst Wien den Ausdruckstanz etablierte und mit ihrer Truppe international gefragt und anerkannt war. Auch Rose Silberer, eine Schriftstellerin und Bildhauerin, Hansi Niese, eine damals sehr beliebte Schauspielerin und Operettensängerin, Emmy Heim, eine Konzertsängerin, und Louise Kartousch, eine Operettensängerin waren Mitglieder. Alice Schalek war als Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg bekannt und arbeitete als Schriftstellerin und Weltreisende. Im Bereich Kunstgewerbe und Malerei waren Illy Kjaer und Tilly Klopfer tätig. Gusti Bondy kam aus der Schwerindustrie und leitete nach dem Tod ihres Mannes eine Schraubenfabrik in Simmering. Grete von Urbanitzky war Schriftstellerin, Publizistin und Mitgründerin der österreichischen Sektion des PEN-Clubs. Olga Ehrenhaft-Steindler war die erste promovierte Physikerin in Wien und gründete eine Handelsakademie und Realgymnasium für Mädchen. Hella Hofmann war Kunsthistorikerin, Kritikerin und Redakteurin der Zeitschrift „Österreichische Kunst“ sowie Mitgründerin der Volkshochschule. Jella Liebel unterrichtete an der Handelsakademie der Wiener Kaufmannschaft. Durch ihre Radioauftritte und Vorträge war Suzanne Mercier,Der Abend, 9. September 1933, Seite 7, Radioprogramm eine französische Sprachlehrerin, bekannt. Von manchen Damen ist heute recht wenig bekannt, wie von der Schuhfabrikantin Emmy Hirsch oder der Gesandtschaftssekretärin Wanda Resetka.
Die Damen des Soroptimistclubs engagierten sich auch immer wieder in sozialen Bereichen, wie beispielsweise 1934 durch Vorträge„Die Stunde“ vom 12. Mai 1934, Seite 10, und Neues Wiener Journal, 6. Juni 1934, Seite 11 zugunsten einer Kinderhilfsaktion im Rahmen des Frauennotdienstes sowie in verschiedenen Bereichen für die Förderung der Frauen.
In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Mitglieder auf fast 60 an. Aus der Zeit 1936/1937 ist im Archiv des Soroptimistclub Wien I ein Mitgliedsverzeichnis erhalten. Etliche damals sehr interessante Persönlichkeiten waren Mitglied geworden: Käthe Böhm war 1925 die erste Frau, die an der Technischen Hochschule Wien Maschinenbau und Elektrotechnik studierte. Die nächste Frau absolvierte dieses Studium erst 1939. Jolan Jacobi, eine Psychologin, war geschäftsführende Vizepräsidentin des Kulturbundes. Maria Strauss-Likarz, eine Designerin, unterrichtete als erste Frau an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichstein. Agnes FuchsDie Österreicherin, 1934, Nummer 6, Seite 2, „Der erste weibliche Konsul in Wien“ war der erste weibliche Konsul in Österreich. Sie vertrat die Republik Chile. Manche Damen wurden auch als „Freundin“ geführt, da sie nicht alle Voraussetzungen für ein Vollmitglied erfüllten. Entweder waren sie nicht das ganze Jahr über in Österreich, da sie im Ausland in verantwortungsvoller Position tätig waren, oder ihre Profession war durch eine andere Dame bereits besetzt. Im Mitgliedsverzeichnis aus 1936/37 waren 10 Mitglieder als Freundinnen verzeichnet, darunter die gebürtige Dänin Emmy von Medinger-Harton, die immer wieder karitativ tätig war und in der Zwischenkriegszeit unter anderem Hilfsaufenthalte für über 20.000 Kinder nach Dänemark organisierte, um ihnen durch die Wirtschaftskrise zu helfen.
Die Kriegsjahre 1938–1945 Eine Zäsur bildete das Jahr 1938. Da viele der Mitglieder jüdischen Hintergrund hatten, bekamen sie Berufsverbot, verließen ihre Heimat, oder es drohte eine Deportation. Da die damaligen Statuten – entsprechend den internationalen Vorgaben – eine Mindestanzahl von 30 berufstätigen, aktiven Mitgliedern vorsahen, konnte diese Voraussetzung nun nicht mehr erfüllt werden. Reguläre Clubtreffen waren damit nicht mehr möglich. Darüber hinaus wurde dem Club im April 1938 behördlicherseits vorgehalten, „schwesterliches Empfinden“ zu verbreiten und eine homosexuelle Vereinigung zu sein. Es wurde daher ihre Auflösung empfohlen. Im Juli 1938 sah sich die damalige Vizepräsidentin, Marianne Beth gezwungen, die vereinsrechtliche Auflösung zu beantragen. Mit dem Aktenschlussblatt vom 19. September 1939, Aktenzahl III-90-635, wurde der Österreichische Soroptimisten-Club behördlich aufgelöst und das Vereinsvermögen eingezogen.
Die Jahre 1938 bis 1945 wurden für die wenigen in Österreich verbliebenen Mitglieder eine schwierige Zeit. Rose Silberer wurde ins KZ Theresienstadt deportiert und im September 1942 ermordet. Hedwig Wahle, eine Mathematikerin, überlebte mit ihrem Mann im Untergrund. Ihre Kinder konnten sie mit einem von den Soroptimistinnen Emma Cadbury und Marianne Beth organisierten Kinder-Flüchtlingstransport der Quaker nach England bringen. Andere Soroptimistinnen, die Rechtsanwältin Ilsa Knapitsch-Jaschke, die erste in Graz promovierte Juristin, und Grete Maria Prutscher, die vor dem Krieg einen Reklameartikel-Vertrieb hatte, unterstützten sie fallweise mit Essensmarken. Suzanne Mercier wurde zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt, da sie Juden half, ihr Vermögen ins Ausland zu schaffen.Völkischer Beobachter vom 12. November 1939 Seite 10, „Mitleid gegen bare Kasse – Zuchthaus und Gefängnis für Suzanne Mercie und ihre Mitangeklagte“
Die Jahre nach dem Krieg
Nach dem Krieg waren nur mehr wenige ehemalige Soroptimistinnen in Wien.Chronik zum 40-jährigen Jubiläum der Österreichischen Union, 1958–1998, Seite 10–20. Grete Maria Prutscher versuchte, den Kontakt zu den noch in Wien lebenden Mitgliedern wiederherzustellen. Ilse Knapitsch-Jaksche beantragte im Oktober 1945 die Reaktivierung des Clubs und die Rückerstattung des Vereinsvermögens. Grete Maria Prutscher wurde die erste Präsidentin des wiedererstandenen Soroptimistclubs Wien, der ab 1947 wieder als solcher im Vereinsregister eingetragen warDokument Antrag Vereinsregister Pol. Mariahilf 28. Februar 1947. Vereinsrechtlich durften nur jene Damen Mitglieder sein, die dies bereits bei der Auflösung des Clubs waren. Erinnerungen eines Mitglieds aus den ersten Jahren nach Ende des Krieges zufolge lebten nur mehr sechs dieser ursprünglichen Mitglieder in Wien. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage konnten bald weitere Interessierte gefunden werden. Die ersten Zusammenkünfte fanden in der Wohnung von Anne Maria Prutscher statt, dann folgten Einladungen zu amerikanischen Soroptimistinnen, die als Angehörige amerikanischer Offiziere nach Wien kamen. Durch die Verbindung mit amerikanischen Soroptimistinnen konnten umfangreiche Hilfslieferungen mit getragenem oder auch neuem Gewand, Schuhen und Carepaketen die große Not in Wien etwas lindern. Durch eine Versteigerung der Waren wurden die Unkosten und kleine Dankgeschenke organisiert. Ein Schreiben aus dieser Zeit zeigt, dass auch der Kontakt zu Suzanne Noël, der französischen Gründerin des Clubs aus 1929, gepflegt wurde und die Wieder-Anerkennung als Soroptimistclub International forciert wurdeChronik zum 40-jährigen Jubiläum der Österreichischen Union 1958–1998 Seite 63–65 Archiv Si Club Wien I. Die Anerkennung durch die Föderation erfolgte einige Jahre später. 1952 nahm eine Vertreterin des Wiener Soroptimistclubs am Governorsmeeting in Florenz teil, einem Treffen der verschiedenen Unionen der europäischen Föderation.
Mit der Gründung des zweiten österreichischen Clubs im November 1958 in Graz in Anwesenheit der damaligen Schweizer Föderationspräsidentin und zahlreicher italienischer Gäste konnte die Österreichische Union gegründet und am 3. Juli 1960 ins Vereinsregister eingetragen werden.Chronik 40 Jahre Österreichische Union Seite 22, Archiv SI Club Wien I In den ersten zehn Jahren nach der Unionsgründung wurden fünf neue Clubs inauguriert: Salzburg und Linz (1963), Klagenfurt und Wien-Donau (1966), Wels (1968).
Auch in dieser Phase gehörten etliche bekannte Persönlichkeiten den verschiedenen Soroptimistclubs an. Unter anderem waren die Gymnastiklehrerin, Radiomoderatorin und Autorin Ilse Buck und die Film- und Theaterschauspielerin Paula Wessely Soroptimistinnen.
SIOLENCE – soroptimistische Initiative gegen Gewalt an Frauen