HMS Grenville (R97) entstand im Zweiten Weltkrieg als Flottillenführer für die Zerstörer der U-Gruppe der britischen Zerstörer des War Emergency Programms. Gebaut wurde der Zerstörer bei Swan Hunter and Wigham Richardson Ltd. in Wallsend-on-Tyne unter der Baunummer 1669 und am 27. Mai 1943 in Dienst der Royal Navy übernommen.
Die Flottillenführer der S- bis Z-Gruppe („5th to 10th Emergency Flotilla“) der britischen Zerstörer des War Emergency Programms erhielten Namen von britischen Seeoffizieren aber ab der U-Gruppe mit abweichenden Anfangsbuchstaben gegenüber ihren Flottillenschiffen wie schon die ersten drei Flottillenführer der A- bis I-Klasse 1929/31. Sie kamen als Grenville (L U-Gruppe), Hardy (L V-), Kempenfelt (L W-), Myngs (L Z-Gruppe) in den Dienst der Royal Navy. Grenville, Hardy und Kempenfelt waren dazu Namen von Einheiten, die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen waren.
1953/54 wurde der Zerstörer zu einer U-Boot-Abwehr-Fregatte vom Typ 15 umgebaut. Ab 1966 wurde die Fregatte meist als Versuchsschiff eingesetzt, bis sie 1974 außer Dienst gestellt wurde. 1983 begann der Abbruch der Grenville als letzter britischer Type 15 frigate.
Geschichte des Zerstörers Grenville mini|Die Hope, der erste von Swan Hunter gebaute Zerstörer
Am 12. Juni 1941 erhielt die Werft Swan Hunter and Wigham Richardson Aufträge für zwei weitere Zerstörer des War Emergency Type. Es war für die Bauwerft der 3. Auftrag für ein Zerstörerpaar der War Emergency Types nach Quality und Queenborough (BauNr. 1603/1605, Bau Oktober 1940 bis Dezember 1942) sowie Tuscan und Tyrian (BauNr. 1663/1665, Bau September 1941 bis April 1943).
Die Bauwerft am Tyne hatte 1911 mit der Hope der Acorn-Klasse erstmals einen Zerstörer für die Royal Navy geliefert und bis Anfang der zwanziger Jahre 37 Zerstörer verschiedener Klassen für die Royal Navy gefertigt.
Ab 1929 begann die Werft wieder mit dem Bau von Zerstörern für die Royal Navy. Nach dem Bau des Flottillenführers Codrington für die neue A-Klasse folgten bis zum Kriegsbeginn Aufträge fünf weitere Flottenzerstörer-Paare. Vorrangig entstanden auf der Werft an der Mündung des Tyne aber immer Handelsschiffe, von denen die Mauretania das bekannteste war, die von 1907 bis 1911 das größte Schiff der Welt war und die von 1909 bis 1929 Besitzerin des Blauen Bandes war.
Im Ersten Weltkrieg hatte die Werft mit dem Monitor Roberts und den Leichten Kreuzern Comus und Coventry erstmals auch größere Kriegsschiffe gefertigt. Ab 1933 setzte sich dies mit dem Aufträgen für die Leichten Kreuzer Phaeton, fertig als Sydney, und Edinburgh fort.
mini|Die Hambledon, der erste Geleitzerstörer von Swan Hunter Beim Kriegsbeginn 1939 waren bei Swan Hunter das Schlachtschiff Anson (fertig 22. Juni 1942) und die Kreuzer Mauritius (bereits vom Stapel, fertig 13. Dezember 1940) und Gambia (fertig 3. Februar 1942) in Bau; daneben aber auch vier Geleitzerstörer des neuen Hunt-Klasse. Von dieser Klasse baute die Werft neben den vier Schiffen vom Typ 1 zwischen Juni 1939 und Dezember 1940 noch acht Schiffe vom Typ 2 zwischen März 1940 und März 1942 und vier Schiffe vom Typ 3 zwischen April 1941 und Dezember 1942. Die Fertigstellung des Schlachtschiffs, der Kreuzer der Crown-Colony-Klasse (einschließlich weiterer Nachbauten) und der 16 Geleitzerstörer ließen den Bau neuer Zerstörer anfangs nicht zu. Erst bei der Vergabe der „3rd Emergency Flotilla“ Ende März 1940 erhielt die Werft am Tyne einen Auftrag für zwei Zerstörer, deren Kiellegung erst am 10. Oktober und 24. September 1940 unter den Baunummern 1603 bzw. 1605 erfolgte. Der Bau ging nur zögerlich voran, da Reparaturarbeiten nach den Kämpfen um Norwegen und den Evakuierungen aus Frankreich absoluten Vorrang hatten. Die Namen der beiden Zerstörer wurden erstmals für Schiffe der Royal Navy vergeben: Quality und das etwas früher auf Kiel gelegte Schwesterschiff Quadrant wurden erst am 7. September bzw. 26. November 1942 nach einer Bauzeit von 23 bzw. 25 Monaten abgeliefert.Raven/Roberts: War built DestroyersO to Z classes. S. 3. Trotz der Veränderungen an der Rumpfform konnte die Wert die nächsten Aufträge der „6th Emergency Flotilla“ für Tuscan und Tyrian in etwa 18 Monaten abwickeln.
Am 1. November 1941 erfolgte bei Swan Hunter in Wallsend die Kiellegung des Neubaus mit der Baunummer 1669, der am 12. Oktober 1942 vom Stapel lief und den Namen Grenville erhielt. Namensgeber der Grenville war Vizeadmiral Sir Richard Grenville (1541–1591), dessen Namen zuletzt der Flottillenführer Grenville geführt hatte, der am 19. Januar 1940 schon früh im Zweiten Weltkrieg durch einen Minentreffer verloren gegangen war; 77 Besatzungsangehörige hatten dabei ihr Leben verloren.
Am 27. Mai 1943 übernahm dann die Royal Navy die neue Grenville für den Dienst bei der Home Fleet als 6. Zerstörer der neuen Variante des War Emergency Destroyers nach zwei Zerstörern von John Brown, den ebenfalls bei Swan Hunter gebauten Tuscan und Tyrian sowie der von Cammell Laird gebauten Scorpion. Dass die Fertigstellung des dritten Zerstörerpaares durch Swan Hunter wieder etwas länger dauerte, lag an der späten Anlieferung der neuen Feuerleitanlage für diese Schiffe. Die Flottillenboote wurden zwischen dem 30. Juni 1943 (Ulster von Swan Hunter) und dem 3. März 1944 (Undaunted von Cammell Laird) abgeliefert. In diesem Zeitraum hatte Swan Hunter mit der am 10. September 1943 abgelieferten Vigilant (R93) und am 5. November 1943 fertig gestellten Virago (R75) die restlichen Bauaufträge der Werft zu diesem Typ abgewickelt. Die Bauwerft war am Bau der „9th bis 14th Emergency Flotilla“ (W-, Z-, Ca-, Ch-, Co-, Cr-Flottillen) nicht mehr beteiligt, sondern wurde in die Entwicklung und den Bau der größeren Zerstörer der Battle-Klasse eingebunden. Von diesem Typ wurden nur fünf Schiffe bis zum Kriegsende fertiggestellt, aber nur die von Swan Hunter gebaute Barfleur kam noch zum Kriegseinsatz vor Japan.
mini|links|1.Hilfe-Unterricht während des Vorstosses nach Norwegen
Einsätze Anfang Juli 1943 erfolgte der erste Einsatz der neuen Grenville mit der Home Fleet sowie einer US Task Force, um die Deutschen von der Landung der Alliierten auf Sizilien abzulenken. Dieser Vorstoß mit den Schlachtschiffen Anson, Duke of York, Malaya sowie der South Dakota und Alabama der US Navy wurde aber von der deutschen Aufklärung nicht erkannt. Ein zweiter Vorstoß gegen Ende des Monats (Operation Governor) wurde von den Deutschen erkannt und die Briten konnten fünf deutsche BV 138 Aufklärungs-Flugboote abschießen; die schweren deutschen Marine-Einheiten liefen jedoch nicht aus.Rohwer: Seekrieg, 8.7.1943 Norwegen, Operation Camera und 26.– 29.7.1943 Norwegen
mini|Die Athabaskan (G07) Am 26. August übernahmen die Grenville zusammen mit der Athabaskan und vor der Biscaya mit der 1. Support Group, zu der die Sloops Pelican und Egret sowie die Fregatten Jed, Rother, Spey und Evenlode gehörten, die Jagd auf die deutschen U-Boote während Aus- und Einlaufens zu ihren Einsatzhäfen in Westfrankreich. Die beiden Zerstörer ersetzten den zuvor als Rückhalt gegen deutsche Überwasserstreitkräfte eingesetzten Kreuzer Bermuda. Inzwischen war durch Ultra-Entzifferungen bekannt, dass die Deutschen erneut ein neues Waffensystem einsetzen würden und die Egret sowie die Grenville wurden darauf vorbereitet. Der erste Einsatz der Hs 293-Lenkwaffe erfolgte am 25. August 1943 und beschädigte die britische Sloops Bideford (1 Toter / 16 Schwerverletzte) und HMS Landguard ex USCGC Shoshone. Als am 28. Juli achtzehn Do 217-Bomber der Luftwaffe die Briten angriffen, wurde die Egret mit einer Hs 293-Lenkwaffe getroffen und explodierte sofort (197 Tote). Auch die Athabascan wurde von einem der Flugkörper getroffen, der glücklicherweise das Schiff durchschlug, ehe er zündete. So konnte der Zerstörer noch 35 Seeleute der Egret retten und schwer beschädigt Großbritannien erreichen. Sechs Maschinen griffen die Grenville an, die mit schnellen Ausweichmanövern Schäden vermeiden konnte, während ein eingeschifftes Kamerateam die Angriffe filmte. Nach diesem Angriff stellten die Briten ihrer Operation gegen die U-Boot-Marschrouten vorerst ein.Rohwer: Seekrieg, 23.– 29.8.1943 >Biskaya, Operation Percussion
siehe auch: Ende der Egret
Auch in den folgenden Monaten blieb die Grenville gegen deutsche Bewegungen an der französischen Küste im Einsatz (Operation Tunnel). Dabei kam es in der Nacht zum 4. Oktober zu einem Seegefecht der deutschen 4. T-Flottille mit T 23, T 22, T 25 und T 27 vor Les Sept Îles mit der Grenville und der Ulster sowie vier Geleitzerstörern der Hunt-Klasse. Beide Zerstörer erhielten Treffer, mit je einem Toten.Rohwer: Seekrieg, 3./4.10.1943 KanalCasualty Lists 1st - 31st OCTOBER 1943 Ende Oktober 1943 endete eine Kontrollfahrt der Grenville mit dem Kreuzer Charybdis und weiteren Einheiten sehr verlustreich, als die Charybdis (464 Tote) und der Geleitzerstörer Limbourne (40 Tote) durch deutsche (Flottentorpedoboote) versenkt wurden.Rohwer: Seekrieg, 23.10.1943 Kanal
siehe → T 23- Einsätze 1943 und siehe →HMS Charybdis (88) → Verlust
Von November 1943 bis Mai 1944 wurde die Grenville im Mittelmeer in der 24th Destroyer Flotilla (Flottillenführer HMS Troubridge) der Mediterranean Fleet eingesetzt. Am 3. Dezember 1943 lief der Zerstörer zum Auftanken Bari an, das am Abend zuvor von deutschen Ju 88-Bombern Bombern angegriffen worden war. Im Hafen herrschte Chaos, da die Angreifer nicht nur etliche Schiffe versenkt hatten. Sie hatten auch Munitionstransporter getroffen, die explodierten und den US-amerikanischen Frachter John Harvey versenkten, der mit Senfgas-Granaten beladen war, welches austrat und Teile des Hafens verseuchte.Roger P. Hill: Destroyer Captain. S. 176 f.Der Spiegel: Vom Himmel hoch, Der Spiegel 43/1988Robert Harris, Jeremy Paxman: Der lautlose Tod – Die Geschichte der biologischen und chemischen Waffen. Heyne Verlag, 2002.
siehe → Senfgas → Zweiter Weltkrieg
Bei der Landung der Alliierten nahe Anzio gehörte die Grenville zu den Sicherungs- und Unterstützungskräften bei der Landung und in den ersten Tagen danach.
Ab Mai 1944 bereitete sich der nach Großbritannien zurückgekehrte Zerstörer auf den Einsatz bei der alliierten Invasion in der Normandie vor. Als die Operation am 6. Juni 1944 begann, wurde die Grenville der Force K, die den Landungsabschnitt Gold sicherte, zugeteilt. Als Führungszerstörer der 25. Flottille wurde sie zusammen mit allen Zerstörern der U-Gruppe (Ulster, Ulysses, Undaunted, Undine, Urania, Urchin, Ursa) und Jervis zusammen mit den britischen Kreuzern Argonaut, Orion, Ajax und Emerald sowie dem niederländischen Kanonenboot Flores und den Hunt-Zerstörern Cattistock, Cottesmore, Pytchley und Krakowiak dort eingesetzt.Rohwer: Seekrieg, 6.06.1944 Kanal, Alliierte Invasion (Decision-Day) in der Normandie. Operation Neptune (amphibischer Teil der Operation Overlord).
Einsätze bei der Eastern und Pacific Fleet Nach einer Überholung am Humber wurde die Grenville in den Indischen Ozean verlegt, wo sie im Januar 1945 mit anderen Zerstörern der U-Gruppe die 26th Destroyer Flotilla bildete, die zur neu gebildeten British Pacific Fleet treten sollte. Vor der eigentlichen Verlegung sicherte die Grenville mit der Urania, der Undaunted, der Undine und der Ursa sowie der Kempenfelt, der Whelp und der Wager einen Vorstoß des 1. Träger-Geschwaders unter Konteradmiral Vian mit den Trägern Indomitable, Victorious, Indefatigable gegen die Ölraffinerien von Pangkalan-Brandan (NO-Sumatra). Zum Einsatz kamen Avenger-Bomber und zu deren Sicherung Hellcat- und Corsair-Jäger.Rohwer: Seekrieg, 2.– 4.1.1945 Indischer Ozean, Operation Lentil Zu weiteren Angriffen gegen die Ölindustrie auf Sumatra während der Überführung zum Pazifik ab dem 16. Januar 1945
siehe → Indomitable (R92) → Indischer Ozean und Pazifik