Die Maschinenfabrik Edmund Kletzsch entstand 1897 und hatte ihren Sitz zunächst in Löbtau. Vorgängerin war die 1867 in Dresden gegründete Maschinenfabrik Johann Hampel. Nach der Eingemeindung von Löbtau nach Dresden ging Kletzsch 1903 nach Coswig bei Dresden.

mini|Maischapparat nach Johann Hampel mini|Früher Bericht über den Maischapparat der Gebrüder Hampel in der Allgemeinen Hopfen-Zeitung von 1870 Johann Hampel Johann und Josef Adolf Hampel gründeten 1867 in Dresden die Eisengießerei und Kesselfabrik Gebrüder Hampel.[Aemilius] O[tto] Siebdrat: Die technisch-industriellen Anlagen. 4. Abschnitt in: Die Bauten, technischen und industriellen Anlagen von Dresden. Meinhold, Dresden 1878. S. 562 f. Digitalisat.Handelsregister Dresden Nummer 1685.Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden. Band 15.1869. 2. Abtheilung: Geschäftshandbuch. S. 202. Hampel: Maschinenbauer für Brauerei und Brennerei, Ammonstraße 26. Die Brüder gingen bald getrennte Wege. Josef Adolf (Adolf Hampel sen.) schied 1871 aus und gründete im folgenden Jahr in Dresden die Sächsische Dampfkesselfabrik, die er ab 1873 Sächsische Dampfkesselfabrik und Maschinenbau-Anstalt nannte und später nach Löbtau verlegte.Handelsregister Dresden Nummer 2601; Handelsregister Löbtau Nummer 79.Kirchliche Wochenzettel Dresden. Eintrag Nummer 18/1874. Taufe von Rob. Reinhard am 3. Mai 1874 (geboren 21. März 1874); Vater: Commissionsrath und Fabrikbesitzer Josef Adolf Hampel; Wohnung: Neulöbtau Nummer 2. Die Fabrik wurde 1875 von Franz Adolf Hampel (Adolf Hampel jun.) übernommen und erlosch 1890 im Handelsregister.

Johann Hampel blieb in der ehemaligen Fabrik Gebrüder Hampel in Dresden und spezialisierte sich auf den Bau von Maschinen für Brauereien und Brennereien. Er meldete Patente für Maischapparate und Kühleinrichtungen an. Das erste Patent, das Johann Hampel beim neu gegründeten Kaiserlichen Patentamt anmeldete, wurde als Nummer 352 am 6. Juli 1877 erteilt, gerade einmal vier Tage nach dem allerersten Patent in Deutschland überhaupt.pdf DE000000000352A In den ersten zehn Jahren seit der Gründung hatte die Firma Johann Hampel schon 150 Spiritusbrennereien in Deutschland, Russland, Österreich, Belgien und Schweden ausgerüstet. Die Fabrik in der damaligen Falkenstraße 44Adreß- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden. Band 21.1875. II. Abschnitt, S. 71. Grundstück Nummer 164B. beschäftigte etwa 50 Arbeiter. 1878 bekam das Grundstück die Adresse Zwickauer Straße 32.Adreß- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden. Band 24.1878. II. Abtheilung, S. 371. Grundstück Nummer 164B.

mini|Reklame von 1903 nach dem Umzug von Löbtau nach Coswig bei Dresden

Edmund Kletzsch Ernst Heinrich Edmund Kletzsch wurde am 11. Juli 1855 in Bischofswerda geboren.Heiratsregister Dresden II B 513/1891. Er war der Sohn des Zigarrenfabrikanten Heinrich Wilhelm Kletzsch (1823–1895)Sterberegister Bischofswerda C 106/1895. und dessen Ehefrau Louise Eleonore Ahsmann (1828–1900).Sterberegister Bischofswerda C 87/1900. Seit 1887 findet sich Edmund Kletzsch schon als Werkführer im Adressbuch von Dresden in der dritten Etage der Zwickauer Straße 32, dem Standort der Maschinenfabrik Johann Hampel.Adreß- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden. Band 33.1887, 1. Theil, II. Abschnitt, S. 1073. Vermutlich war er dort angestellt. 1891 heiratete Kletzsch die aus Chemnitz stammende Haustochter Auguste Camilla Stein (1871–1922)Sterberegister Coswig C 59/1922, die Tochter eines Lokomotivführers.Der Lokomotivführer Stein wohnte seit 1891 in der Zwickauer Straße 40, siehe Wohnungs- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden. Band 37.1891, 1. Theil, II. Abschnitt, S. 1275. Nach der Geburt des ersten Sohnes Edmund Walter (1892–1918)Geburtsurkunde Dresden A 2145/1892: 22. Juli 1892 zog die Familie in das benachbarte Plauen in die Poststraße 3.Wohnungs- und Geschäfts-Handbuch der Gemeinde Plauen bei Dresden. Band 1896, S. 31. Walter wurde Ingenieur und starb 26-jährig als Leutnant der Reserve an der Spanischen Grippe.Sterbeurkunde Coswig C 178/1918: 30. November 1918 in Coswig, Kirchstraße 5; angezeigt durch den ebenfalls dort wohnenden Prokuristen der Firma, Max Richard Wetzig; nach Sterbefallanzeige war Walter Ingenieur (zur Zeit im Heeresdienst Leutnant der Reserve) und starb an Grippe mit Lungen- und Rippenfellentzündung; Walter Kletzsch ist auf dem Kriegerdenkmal an der Alten Kirche in Coswig verzeichnet, siehe Coswig WKI Sachsen Denkmalprojekt

1897 wurde Edmund Kletzsch Unternehmer, übernahm Erfahrung und Patente von Johann Hampel und gründete 1899 in Löbtau seine eigene Maschinenfabrik.Amtsgericht Dresden Handelsregister-Nummer 8884: Edmund Kletzsch, Maschinenfabrik in Löbtau.Adreßbuch für Dresden und seine Vororte. Band 1900, VI. Theil, S. 205. Sie hatte ihren Sitz in der damaligen Dresdner Straße 3.Adreßbuch für Dresden und seine Vororte. 1900. VI. Theil (Löbtau) S. 234/273. Als Löbtau 1903 nach Dresden eingemeindet wurde, ging die Firma in das nahe gelegene Coswig.Amtsgericht Radebeul, Handelsregister-Nummer 189. Der Sitz war von nun an bis zuletzt in der Fabrikstraße 22. Das Grundstück befand sich damals am Rand von Coswig und grenzte an die Gemeinde Brockwitz.Flurstück 205 (heute 290/1). 1918 zog auch die Familie Kletzsch nach Coswig. Gleichzeitig bekam der zweite Sohn Heinrich Hermann Martin (1894–1943) * 25. Juli 1894 Plauen bei Dresden; 27. April 1920 Hochzeit; Scheidung 15. November 1923; 2. Hochzeit 20. August 1932 (DD B 660/1932); wohnte 1940 in Magdeburg, Königstraße 22, und war Wehrmachtsangestellter (Magdeburger Adreßbuch. August Scherl Nachfolger, Magdeburg 1940; S. 193.); Selbstmord durch Erschießen 6. Oktober 1943 in Magdeburg (in seiner Wohnung); Sterberegister Magdeburg C 2672/1943; beide Eltern waren zu der Zeit schon tot und hatten zuletzt in Coswig bei Dresden gewohnt. Prokura.Sächsisches Staatsarchiv: 11088 Amtsgericht Radebeul Nr. 00206. Handelsregister 189. Er agierte fortan neben dem langjährigen Prokuristen Max Richard Wetzig (1878–1945).Eheregister Dresden XI B 11/1905 (* 29. Dezember 1878 in Kreischa bei Dippoldiswalde; † 13. April 1945 in Freital (Freital C 393/1945))

In den 1920er Jahren kam als zweites Standbein die Produktion von Windturbinen hinzu.Evelies Baumann: Coswig in Sachsen im Wandel der Zeiten. Sutton, Erfurt 2006. S. 110, ISBN 978-3-89702-958-3. Drei Jahre nachdem seine Ehefrau 50-jährig an Rippenfellentzündung gestorben war, nahm sich Edmund Kletzsch in der Nacht vom 6. zum 7. Oktober 1925 in seiner Wohnung in der Coswiger Kirchstraße 5 das Leben.Anzeige F für Sterbefälle von über ein Jahr alten Personen. zu Sterberegister 77/1925: Gasvergiftung (Selbstmord) Im Januar 1926 übernahm sein Sohn Martin die verschuldete Maschinenfabrik. Zwei Jahre später wurde ein Konkursverfahren gegen ihn eröffnet. In dessen Folge erwarb die in Milwaukee ansässige Firma Kletzsch Realty CompanyDie US-Firma wurde in Deutschland vertreten durch den Ministerialrechnungsdirektor Paul Großmann, Zöllnerstraße 1, II. Etage, Dresden das Fabrikgrundstück mit allen darin befindlichen Maschinen, Werkzeugen und Betriebsbeständen. 1930 erlosch die Edmund Kletzsch Maschinenfabrik im Handelsregister. Martin Kletzsch arbeitete 1938 als Wehrmachtsangestellter beim Heeres-Gruppenkommando 4 in Leipzig und ging später nach Magdeburg, wo er sich 1943 in seiner Wohnung erschoss.

Nachnutzer An der Adresse firmierte seit 1936 die Firma Conrad & Hempel Coswiger MaschinenbauAdreßbuch Meißen Land … der Gemeinden im Landkreis Meißen sowie der Städte Coswig, Lommatzsch, Nossen, Siebenlehn, Wilsdruff und der Großgemeinde Weinböhla. Meißen Band 7.1941. A: Orte im Amtsgerichtsbezirk Meißen; Teil I Stadt Coswig, S. 22. der beiden Schlossermeister Otto Conrad (Coswig) und Erhard Hempel (Meißen).Handelsregister 779: Conrad & Hempel, Coswiger Maschinenbau. Hauptstaatsarchiv Dresden 11088 Redebeul Nr. 00032 Im Coswiger Adressbuch von 1941 erschien als Besitzerin der Immobilie in der Fabrikstraße 22 immer noch die Kletzsch Realty Company Maschinenfabrik.Adreßbuch Meißen Land … der Gemeinden im Landkreis Meißen sowie der Städte Coswig, Lommatzsch, Nossen, Siebenlehn, Wilsdruff und der Großgemeinde Weinböhla. Meißen Band 7.1941. A: Orte im Amtsgerichtsbezirk Meißen; Teil I Stadt Coswig, S. 35. Die Offene Handelsgesellschaft Conrad & Hempel Coswiger Maschinenbau wurde 1942 aufgelöst.Handelsregister A 252: Conrad & Hempel, Coswiger Maschinenbau. Hauptstaatsarchiv Dresden 11088 Redebeul Nr. 00243

Die Straßennummerierung blieb bis zum heutigen Tag erhalten. Die Fabrikstraße wurde allerdings 1963 in Rudolf-Procházka-Straße umbenannt und heißt seit 1990 Industriestraße. Die Reste der Gebäude wurden Ende der 1990er Jahre vom Nachfolger der Firma für Brems- und Kupplungsbeläge COSID, der Rütgers Automotive AG, abgerissen.Helga Schenk und Christine Schöps: Chronik der Industrie von Coswig. Förderverein des Heimatmuseums, Coswig 1998. S. 7. Auf dem benachbarten Grundstück Industriestraße 20 errichtete im Jahre 2004 die OecoPac Grunert Verpackung GmbH neue Gebäude. Das Grundstück der ehemaligen Maschinenfabrik von Edmund Kletzsch ist gemeinsam mit dem von OecoPac eingezäunt, jedoch noch unbebaut (Stand 2021).

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Brennereimaschinen, Trockenanlagen und Geschirrspülmaschinen Nach dem Umzug nach Coswig produzierte Kletzsch in großem Umfang Maisch-Maschinen und Hilfsapparate wie Grünmalzquetschen und Pumpen für die Spiritusproduktion.Max Delbrück (Hrsg.): Max Maerckers Handbuch der Spiritusfabrikation. 8. Auflage. Parey, Berlin 1903. S. 350 ff. Besonders erfolgreich waren offenbar die schon von Hampel patentierten und von Kletzsch weiterentwickelten Maische-Entschaler.Max Delbrück (Hrsg.): Max Maerckers Handbuch der Spiritusfabrikation. 8. Auflage. Parey, Berlin 1903. S. 365 ff. Ab etwa 1915 kamen Walzentrockner und Ventilatoren hinzu. Ein- und Zweiwalzentrockner der Marke Germania für Kartoffel- und Rübenflocken waren die einzigen, deren Walzen statt mit Dampf auch mit 230 °C heißem Öl beheizt werden konnten.Otto Marr, Karl Reyscher: Das Trocknen und die Trockner: Anleitungen zu Entwurf, Beschaffung und Betrieb von Trocknereien für alle Zweige der mechanischen und chemischen Industrie, für gewerbliche und für landwirtschaftliche Unternehmungen. 3. Auflage. Oldenbourg, München 1920. S. 347. Dadurch ließen sich Druckleitungen für Dampf vermeiden. Bei elektrischer Beheizung konnte man sogar auf Dampfkessel verzichten.Edmund Parow: Handbuch der Kartoffeltrocknerei. 2. Auflage. Parey, Berlin 1916. S. 273. (Nachdruck Salzwasser, Paderborn 2012, ISBN 978-3-8460-0882-9.)

Anfang der 1920er Jahre kamen zu den Maschinen zum Maischen auch noch Waschmaschinen für Rüben und Obst sowie Becherwerke und Schwemmanlagen dazu.Berthold Block: Rübensirup – seine Herstellung, Beurteilung und Verwendung. Springer, Berlin 1920. S. 150. 1927 erhielt die Firma Kletzsch auf der Gastwirtsausstellung in Pirna eine Goldmedaille für die dort vorgestellte elektrisch angetriebene Essgeschirr-Waschmaschine Coswiga. Erst 1929 stellte Miele seine Geschirrspülmaschine Modell A vor, die nach einigen Quellen die erste elektrisch betriebene Europas sein soll.Geschichte der Spülmaschinen auf bewusst-haushalten.at (abgerufen am 8. März 2021)Sybille Wilhelm (2011): Als der Abwasch komfortabel wurde. Frankfurter Allgemeine 11. November 2011

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