mini|Wolfgang Schöller 2018 Wolfgang Schöller (* 1953 in Essen) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer.

Biografie

Wolfgang Schöller studierte nach dem Abitur 1972 am Gymnasium BorbeckVgl. Klaus Lindemann: „Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend.“ Das Gymnasium Borbeck seit der Kaiserzeit. Essen 2005, hier: Die Abiturientinnen und Abiturienten des Gymnasium Borbeck bis zum Schuljahr 2004/2005. an der Philipps-Universität Marburg Kunstgeschichte, klassische und christliche Archäologie. 1986 wurde er dort bei Heinrich Klotz mit einer Arbeit über die rechtliche Organisation des Kirchenbaues im Mittelalter, vornehmlich des Kathedralbaues Summa cum laude promoviert.

Es folgte die Assistentenzeit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main,Ehemalige Professor:innen, auf kunst.uni-frankfurt.de wo er sich 1992 mit einer Arbeit über die Pariser Académie royale d’architecture 1671–1793 habilitierte. Schöller war Privatdozent in Frankfurt und hatte dort außerdem Lehrstuhlvertretungen inne, bis er 1997 dem Ruf auf eine Professur für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg folgte.Regensburger Universitätszeitung, 22. Jg., Mai 3/97. Dort vertrat er insbesondere die Schwerpunkte Architekturgeschichte, Denkmalpflege und Geschichte des Designs. Schöller war von 1999 bis 2010 Studiendekan der Philosophischen Fakultät I (heute: Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften) der Universität Regensburg.Regensburger Universitätszeitung, 24. Jg., Februar 2/99.

Sein Interesse am Mittelalter konkretisierte sich bereits zu Beginn seines Studiums der Kunstgeschichte. Das selbstgewählte Thema seiner 1985 eingereichten Dissertation über die rechtliche Organisation des mittelalterlichen Kirchenbaues zählte indessen keineswegs zum Kanon landläufiger kunstgeschichtlicher Forschungsinteressen. Selbst in der Rechtsgeschichte gab es hierzu keinerlei Vorbilder. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts reichend, belegte die heute als Standardwerk zu verortende Studie beispielhaft, auf welch vielfältige Weise der mittelalterliche Sakralbau mit den Normen des kirchlichen wie auch des weltlichen Rechts in Berührung kam. Damit behandelte die Untersuchung erstmals geschlossen und umfassend die rechtlichen Aspekte des Kirchenbaues, insbesondere des Kathedralbaues im deutschen und französischen Kulturraum jener Zeit.Besprechungen: architectura, 20, 1990 / Kunstchronik, 43, 1990 / Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, 46, 1990 / Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, 16/17, 1988/89 / Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 77, 1990 / Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung, 108, 1991 / Philosophy and History, 24, 1991 / Historische Zeitschrift, 255, 1992 / Historisches Jahrbuch, 113, 1993 / Mitteilungen des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung, 101, 1993 / Ius Commune. Zeitschrift für Europäische Rechtsgeschichte, 21, 1994.

Mit seiner Habilitationsschrift über die Pariser Académie Royale d’Architecture (1671–1793) wandte sich Schöller einer anderen Epoche zu. Zweihundert Jahre nach ihrer Schließung durch den französischen Staat lag mit ihr die erste Monographie über die einzige Akademie nicht privater Natur Europas vor, die sich zu ihrer Zeit ausschließlich mit der Architektur und ihrer Zweige beschäftigte. Gestützt auf zahlreiche, zum großen Teil noch unveröffentlichte Dokumente, leistete diese Studie nicht nur einen Beitrag zur Geschichte der Kunstakademien, sondern auch zur Architekturtheorie des 17. und 18. Jahrhunderts, zur Institutionalisierung des Architektenberufs bzw. zu einer Sozialgeschichte des Architekten wie ebenso zu einer Geschichte der französischen Institutionen im Ancien Régime im Allgemeinen.Gazette des Beaux-Arts, November 1993, S. 16; Francia, 21/2 (1995), S. 287–290.

Der nach langen Jahren intensiver Forschungstätigkeit 2010 vorgelegte Band Stadtplanung und Denkmalpflege in Regensburg, 1950–1975Die alte Stadt. Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege, Forum Stadt, 2/2012, S. 206–209. schritt noch weiter in der Zeitachse voran, blieb jedoch Schöllers Interesse an der Institutionengeschichte verpflichtet. Obwohl rein lokalgeschichtlich ausgerichtet, beschrieb die Studie ausführlich eines der interessantesten und kontroversesten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in Sachen Stadtplanung und Denkmalpflege. Weder ein Buch über Denkmalpflege noch über Verkehrsplanung im technischen Sinn, standen vielmehr die an den Prozessen beteiligten Institutionen: Regierungen, Behörden, Ämter und Verbände, Gruppen und Einzelpersonen, die (nicht selten aus konträrem Blickwinkel) Entscheidungen begründeten oder mittrugen, im Mittelpunkt und damit letztlich die Frage, warum und unter welchen Bedingungen eine Entscheidung so und nicht anders getroffen wurde. Wo das Buch die unterschiedlichen Wertehaltungen wie menschengerechte versus verkehrsgerechte Altstadt einer jüngeren mit denen der institutionell besser verankerten älteren Generation konfrontierte, lieferte es zugleich einen allgemeinen Beitrag zur politischen Kultur der unruhigen Zeit zwischen 1965 und 1975.Vgl. Mittelbayerische Zeitung, Regensburg 17. November 2010, S. 23.

Schöller ist mit der Kunsthistorikerin und Videografin Bernadette Schöller verheiratet.

Publikationen Monographien Die rechtliche Organisation des Kirchenbaues im Mittelalter, insbesondere des Kathedralbaues. Baulast, Bauherrenschaft, Baufinanzierung. Köln/Wien 1989, ISBN 3-412-12088-X. Die Académie royale d’architecture, 1671–1793. Anatomie einer Institution. Köln/Weimar/Wien 1993, ISBN 3-412-00993-8. Stadtplanung und Denkmalpflege in Regensburg, 1950–1975 (= Regensburger Studien, Bd. 15). Regensburg 2010, ISBN 978-3-935052-84-9.

Aufsätze (Auswahl) Eine Bemerkung zur Wiedergabe der Abteikirche von Vaucelles durch Villard de Honnecourt. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 41, 1978, S. 317–322. Eine Architekturzeichnung im südlichen Querhausarm der Kathedrale von Soissons. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 43, 1980, S. 196–202. Ein Katalog mittelalterlicher Baubetriebsdarstellungen. In: Technikgeschichte, 54, 1987, S. 77–100. Die Kölner Domfabrik im 13. und 14. Jahrhundert. In: Kölner Domblatt. Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins, 53, 1988, S. 75–94. Ritzzeichnungen. Ein Beitrag zur Geschichte der Architekturzeichnung im Mittelalter. In: architectura. Zeitschrift für Geschichte der Baukunst, 19, 1989, S. 36–61. Le dessin d’architecture à l’époque gothique. In: R. Recht (Hrsg.): Les bâtisseurs de cathédrales gotiques. Catalogue de l’exposition. Strassburg 1989, S. 226–235. „Les envois de Rome.“ Architekturkritik im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts am Beispiel der „Romsendungen“, in: architectura. Zeitschrift für Geschichte der Baukunst, 22, 1992, S. 47–55. Pierre-Michel d’Ixnard, Antoine-François Peyre und der Bau des Koblenzer Residenzschlosses. Neue Forschungen. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch. Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte, 53, 1992, S. 155–176. Die Bibliothek der Académie royale d’architecture zu Paris, 1671-1793. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens, 38, 1992, S. 267–276. Frauenarbeit in der mittelalterlichen Bauwirtschaft. In: Archiv für Kulturgeschichte, 76, 1994, S. 305–320. Die Entwicklung der Architekturzeichnung in der Hochgotik. In: Dresdener Beiträge zur Geschichte der Technikwissenschaften, 23/1, 1994 S. 2–9 und 24/1, 1994, S. 39–48. Die französische Königskathedrale. Revision eines Topos. In: Hans-Rudolf Meier, Carola Jäggi, Philippe Büttner (Hrsg.): Für irdischen Ruhm und himmlischen Lohn. Stifter und Auftraggeber in der mittelalterlichen Kunst (= Festschrift Beat Brenk). Berlin 1995, S. 213–226. Das Ende der Ordnung. Ein Kapitel Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts. In: Der Klotz (Festgabe für Heinrich Klotz zum sechzigsten Geburtstag am 20. März 1995). Hg. Andrea Gleininger et al. Ostfildern 1995. – Neuabdruck in: architectura. 32, 2002, S. 64–72. „Veredelt, aber nicht fremd“ – Johann Gottfried Schadow und der sogenannte Kostümstreit. In: Georges-Bloch-Jahrbuch des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Zürich, 3, 1996, S. 171–183. San Julián de los Prados (Oviedo) und Kornelimünster. Planübertragung in karolingischer Zeit. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch.Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte, 57, 1996, S. 11–33. Materialien zu einer Ikonographie der Arbeit: Der mittelalterliche Baubetrieb und seine Darstellungen. In: Reinhold Reith (Hg.): Praxis der Arbeit. Probleme und Perspektiven der handwerksgeschichtlichen Forschung (= Studien zur Historischen Sozialwissenschaft, 23). Frankfurt am Main/New York 1998, S. 99–115. Beobachtungen an Baldachinen. Ein Beitrag zur gotischen Skulptur in Frankreich. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 61, 1998, S. 190–205. Annäherungen an die Wirklichkeit des hochmittelalterlichen Kirchenbaues, Miscellanea mediaevalia. In: Veröffentlichungen des Thomas-Instituts der Universität zu Köln, 27, 2000, S. 422–437. Die Bauorganisation des Mittelalters als Forschungsaufgabe. In: Form und Stil. Festschrift für Günther Binding zum 65. Geburtstag. Hg. Stefanie Lieb. Darmstadt 2001, S. 175–180. Verstreute Bemerkungen zur Organisation des Klosterbaues im Mittelalter. In: Archiv für Kulturgeschichte, 83, 2001, S. 261–277. „Economie sage, économie mal entendue“ – Über den Aspekt der Sparsamkeit in der französischen Architekturtheorie des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. In: Karl Möseneder, Gosbert Schüssler (Hrsg.): Bedeutung in den Bildern. Festschrift für Jörg Traeger zum 60. Geburtstag. Regensburg 2002, S. 293–308. Eine slowenische Variante der „Sondergotik“? – France Stelè, Bayern und eine Gruppe spätgotischer slowenischer Hallenkirchen. In: J. Höfler, J. Traeger (Hrsg.): Bayern und Slowenien in der Früh- und Spätgotik: Beziehungen, Anregungen, Parallelen. Erstes bayerisch-slowenisches kunstgeschichtliches Kolloquium. Regensburg 2003, S. 93–104 Der Kirchenbau des Mittelalters in rechtlicher und ökonomischer Hinsicht. In: Simonetta Cavaciocchi (Hrsg.): L’Ediliza Prima della Rivoluzione Industriale secc. XIII-XVIII (= Atti della “Trentaseiesima Settimana di Studi”, 26–30 aprile 2004) (= Instituto Internazionale di Storia Economia “F. Datini”, Prato. Serie II – Atti delle “Settimane di Studi” e altri Convegni, 36). Prato 2005, S. 219–228. Funding the Construction of Gothic Cathedrals: Financial and Legal Realities of the Middle Ages. In: Athena Review, 2005, vol. 4, Nr. 2, S. 48–52. Die Steinerne Brücke heute: Denkmalpflege und historisches Gedächtnis. In: Edith Feistner (Hrsg.): Die Steinerne Brücke in Regensburg (= Forum Mittelalter, Bd. 1). Regensburg 2005, S. 42–52. Universität und Altstadt – ein Rückblick. In: Universität Regensburg (Hrsg.): Ein Campus für Regensburg. Konzeption-Architektur-Kunst. 40 Jahre Universität Regensburg 1967–2007. Regensburg 2007, S. 25–33. Jacques-François Blondel, die „École des Arts“ und die „École d’Architecture der Académie Royale d’Architecture“ im Kontext der Architektenausbildung im 18. Jahrhundert in Paris. In: Ralph Johannes (Hrsg.): Entwerfen. Architektenausbildung in Europa von Vitruv bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Hamburg 2009, S. 379–391. Positionen in der Denkmalpflege der Sechzigerjahre: Böll, Döllgast, Schlienz, Stadtbau. In: Arbeitskreis Regensburger Herbstsymposion (Hrsg.): „Zum Teufel mit den Baudenkmälern.“ 200 Jahre Denkmalschutz in Regensburg (= Beiträge des 25. Regensburger Herbstsymposions für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege vom 19. bis 21. November 2010). Regensburg 2011, S. 55–60.

Weblinks Wolfgang Schöller in RI-Opac / Literaturdatenbank zum Mittelalter

Einzelnachweise

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