Die Heiligegeiststraße war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war die Straße aufgegeben worden. 2021 begann eine öffentliche Diskussion über die Wiedererrichtung des Straßenzugs.

Lage und Verlauf mini|Heiligegeiststraße in Magdeburg in der Zeit um 1885, Karte nicht eingenordet, Norden ist rechts, links ist die Große Klosterstraße zu sehen Die Straße befand sich im östlichen Teil der Magdeburger Altstadt. Sie führte in östlicher Verlängerung der Bärstraße bis zur Einmündung auf die Fürstenwallstraße und Fürstenstraße, nahe der Elbe. Sie verlief dabei etwas nördlich in einem Bogen weitgehend parallel zur Großen Klosterstraße. Der westliche Beginn befand sich an der Kreuzung der von Westen kommenden Bärstraße, der von Süden einmündenden Regierungsstraße und der ursprünglich von Norden dort mündenden Goldschmiedebrücke. Im weiteren Verlauf nach Osten mündeten von Norden zunächst der St.-Annen-Durchgang, dann die Straßen Pfeifersberg und Weißgerberstraße ein. Insgesamt hatte die Straße eine Länge von etwa 250 Metern und fiel von Westen nach Osten zum Elbufer hin deutlich ab. Die Südseite gehörten zur Magdeburger Domfreiheit.

Nach Einführung der straßenweisen Hausnummerierung befand sich die Nummer 1 am westlichen Ende auf der Südseite. Die Nummerierung verlief dann aufsteigend nach Osten bis zur Einmündung auf die Fürstenwallstraße und sodann von dort auf der Nordseite weiter aufsteigend bis zur Goldschmiedebrücke.

Geschichte Die Straße bestand bereits im Mittelalter und wird im Urkundenbuch der Stadt Magdeburg in den Jahren 1470 bis 1490 als Papenstraße, im Sinne von Pfaffenstraße, erwähnt. Noch im Jahr 1803 findet sich in einer Veröffentlichung von Heinrich Rathmann die Bezeichnung Priesterstraße. Der Name Heiligegeiststraße ist erstmals aus dem Jahr 1552 überliefert. Der Name bezieht sich dabei auf die Heilig-Geist-Kirche. Diese befand sich weiter nördlich an der Kuhstraße, der späteren Berliner Straße. Die Heiligegeiststraße verlief jedoch in ihrem westlichen Teil unmittelbar nördlich von zur Gemeinde gehörenden Pfarrhäusern und dem Friedhof, die so durch die Heiligegeiststraße von dem dazugehörigen nördlichen Gebiet um die Kirche getrennt waren. Der Name war allerdings zunächst wohl nur wenig gebräuchlich. 1651 findet sich eine Erwähnung als Heiligegeistkirchenstraße. Zumeist wurde der westliche Teil in Akten jedoch als Hinter des Heiligen Geistes Kirchhof bezeichnet, während der östliche Teil zum Pfeifersberg gezählt wurde. Um 1729 wurde die Straße als neue Straße erwähnt. Ursächlich war möglicherweise, dass auch diese Straße von Leopold I. neu angelegt oder befestigt wurde.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, Heiligegeiststrasse in STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 41 Etwa ab 1755 wurde dann der Name Heiligegeiststraße verwendet. Die Bebauung der Straße wurde bei der Zerstörung Magdeburgs 1631 zerstört. Danach erfolgte über längere Zeiträume hinweg eine Neubebauung. 1831/1832 wohnten in der Straße 291 Menschen in 25 Gebäuden.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 65 miniatur|Blick von Osten (von der Materlikstraße) auf den Verlauf der ehemaligen Heiligegeiststraße, 2021 Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Magdeburger Innenstadt und dabei auch der Bereich der Heiligegeiststraße wieder schwer zerstört. Alle Bauten der Straße, bis auf das am Ostende befindliche Haus Nummer 17 wurden zerstört. Die Bebauung war zuvor drei- bis viergeschossig, bis auf die nur zweigeschossige Nummer 8. Die Bausubstanz war zum größten Teil um bzw. vor 1800 entstanden.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, Heiligegeiststrasse in STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 43

In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Die Heiligegeiststraße wurde dabei aufgegeben und auch das erhaltene Haus abgerissen. Der westliche Teil wurde mit Wohnhäusern in Plattenbauweise, insbesondere der heutigen Wobau-Welle überbaut, der östliche Teil wurde Bestandteil einer ausgedehnten Grünfläche.

2021 trat der ehemalige Magdeburger Oberbürgermeister Willi Polte gemeinsam mit dem ehemaligen Baubeigeordneten Werner Kaleschky und den ehemaligen Leitern des Stadtplanungsamtes Eckhart Peters und Heinz-Joachim Olbricht mit einem Plan zur Wiedererrichtung der Straße an die Öffentlichkeit. Sie soll danach in ihrem östlichen, nicht überbauten Teil wieder angelegt werden, wobei eine kleinteilige Bebauung mit zum Teil historisierenden Fassaden vorgeschlagen wird. Das Konzept sieht auch eine teilweise Wiederanlage der Straßen Pfeifersberg und Weißgerberstraße sowie eine Wiederbebauung der Nordseite der Großen Klosterstraße vor.Stefan Harter, Das alte Magdeburg soll am Prämonstratenserberg wieder auferstehen. vom 22. Februar 2021 auf www.volksstimme.de

Historische Häuser der Heiligegeiststraße