mini|Hertha Degn: Porträt Walther Kohlhase (1934) Walther Kohlhase (* 6. März 1908 in Raguhn/Anhalt; † 14. April 1993 in Raisdorf bei Kiel) war ein deutscher Maler, Grafiker und Kunsterzieher. 1932 nahm er an den Olympischen Kunstwettbewerben in Los Angeles teil.siehe Games of the Xth Olympiad, Los Angeles 1932, Official Report, S. 803Der olympische Kunstwettbewerb fand in verschiedenen Kategorien statt (Malerei, Bildhauerei, Architektur, Literatur, Musik). Zu der etwa 50 Künstler umfassenden deutschen Mannschaft gehörten u. a. Erich Heckel, Gerhard Marcks, Walter Gropius, Renée Sintenis, Anton Räderscheidt, Willi Baumeister oder Ludwig Hohlwein. Kohlhase war das jüngste Mitglied der deutschen Mannschaft.
Leben Hans WaltherLaut Geburtsurkunde wird der Name Walther ohne „h“ geschrieben, weshalb mancherorts der Name Walter Kohlhase anzufinden ist. Anzumerken ist deshalb, dass sich Kohlhase den Namen Walther selbst gab, mithin bereits in jungen Jahren das „h“ hinzufügte. Kohlhase wurde als zweites Kind des Bahnbeamten Johann Maximilian Kohlhase und seiner Frau Friederike Minna, geb. Diener, geboren. Sein Elternhaus befand sich in der Karlstraße 15 in Dessau. Von 1926 bis 1928 studierte er zunächst an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Seine Lehrer waren Hans Soltmann, Walter Buhe und Heinz Dörffel; Hans Alexander Müller führte ihn an die Technik des Holzstichs heran. 1928 wechselte Kohlhase an die progressive Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau („Bauhaus vor dem Bauhaus“), wo seine Lehrer Otto Mueller, Carlo Mense, Oskar Moll, Oskar Schlemmer (Bühnenkunst) und Paul Holz (Wandtafelzeichnen) wurden. Es entwickelte sich eine enge Verbundenheit mit Paul HolzDie innere Nähe zwischen Holz und Kohlhase ist den frühen Zeichnungen Kohlhases ablesbar. Von dem Methodiker Paul Holz hat Kohlhase insbesondere aber auch das sog. Tafelzeichnen übernommen, das dadurch Einzug in die Referendarausbildung Schleswig-Holsteins erhalten hat. sowie mit Alexander Kanoldt, einem Protagonisten der Neuen Sachlichkeit.Kanoldt gehörte zwar nicht zu den eigentlichen Lehrern Kohlhases in Breslau. Beide lernten sich jedoch über Hertha Degn kennen, die spätere Ehefrau Kohlhases und eine Studentin Kanoldts. Überliefert ist, dass Kanoldt Kohlhase bei der Bewerbung um eine Professur in Berlin unterstützte. Allerdings galt er zu damaliger Zeit bereits als „entartet“, weshalb sein Einfluss nicht mehr sonderlich groß war. Der Schriftwechsel mit Kanoldt, der nach dessen frühen Tod am 24. Januar 1939 mit seiner Witwe fortgeführt wurde, ist im Zweiten Weltkrieg untergegangen. Erhalten haben sich jedoch einige Lithografien, die Frau Kanoldt dem Künstlerpaar Kohlhase-Degn hinterließ. Parallel zu seinem Studium der Künste war Kohlhase für die Fächer Geografie und Kunstgeschichte an den Universitäten Leipzig und Breslau immatrikuliert.Kohlhase war bis zu seinem Lebensende Mitglied im Weinheimer Verband der Corpsstudenten (WVAC), d. h. er gehörte zu Studienzeiten einer schlagenden Verbindung an. Das Thema der Mensur, das von Kohlhase zeichnerisch und druckgrafisch aufgegriffen wurde, zeugt von dieser Zeit. 1965 hatte er zum 75-jährigen Stiftungsfest der Weinheimer Vereinigung alter Corpsstudenten die Festrede gehalten. Das erste Staatsexamen legte er 1931 in Berlin ab, das zweite 1933 in Magdeburg. Er war Mitglied im Corps Staufia Leipzig und Corps Silingia Breslau zu Köln.Mitgliederliste des Corps Silingia Breslau zu Köln (2022)
Bis 1939 war Kohlhase als Kunsterzieher in Dessau tätig. 1939 bis 1945 war er im Kriegsdienst, dem sich eine Gefangenschaft bis November 1947 anschloss. Bis 1950 war er in Hohenhude am Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) freischaffend tätig, unter anderem nahm er öffentliche AufträgeFür die Biologische Bundesanstalt entwarf Kohlhase bspw. ein Warnschutzblatt für das Kartoffelälchen, das in einer Auflage von 100.000 Stück gedruckt wurde. an. 1950 bis 1973 war Kohlhase Kunsterzieher in Kiel (Goetheschule, Hebbelschule und Humboldtschule) und zuletzt als Studiendirektor tätig. 1952 erfolgte die Berufung zum Fachleiter für Kunsterziehung und Werken am Studienseminar Kiel, später die zum Fachberater des Landes Schleswig-Holstein. Des Weiteren war Kohlhase im Bundesvorstand des Bundes Deutscher Kunsterzieher tätig und war Mitarbeiter am Handbuch für Kunsterzieher. Er hielt zahlreiche Vorträge im In- und Ausland. 1964 bis 1968 war er Mitglied des Kultursenats der Stadt Kiel. Freundschaft verband Kohlhase u. a. mit dem Kieler Realisten Peter Nagel (Gruppe Zebra), einem seiner ehemaligen Referendare.
Ab 1935 war Kohlhase mit Hertha Degn (1908–2003) verheiratet, die ihrerseits Schülerin von Karl Storch dem Älteren und Heinrich Wolff (Kunstakademie Königsberg), Otto Mueller, Alexander Kanoldt und Carlo Mense (Kunstakademie Breslau) sowie Georg Tappert (Kunstschule Berlin) gewesen war (zu Hertha Degn siehe auch den Katalog Rollenwechsel – Künstlerinnen in Schlesien um 1880 bis 1945, Schlesisches Museum zu GörlitzVerlag Gunter Oettel, Görlitz/Zittau 2009. Mit mehreren Abbildungen und einem Lebenslauf Degns.). Das Künstlerpaar lernte sich in Breslau kennen. Es hinterließ sechs Kinder.Die Kieler Künstlerin Luise Wulff (1935–1993) widmete dem Künstlerpaar Kohlhase-Degn 1978 eine Hommage in Form einer Radierung. Die Familie Kohlhase lebte zunächst in Dessau. 1943 flüchtete man im Zuge des Bombenkriegs nach Schleswig-Holstein, der Heimat Degns. Hertha Degn hat das „Lebenswerk ihres Mannes in übergroßer Bescheidenheit mitgetragen und mitberaten“"Denn auch Hertha Kohlhase, geb. Degn, absolvierte ein Kunststudium in Genf, Königsberg, Breslau - wo sich beide fanden -, Kassel und Berlin, legte ihr Staatsexamen als Kunst- und Werkerzieherin ab - und, wenngleich sie in übergroßer Bescheidenheit bis zum heutigen Tag das Werk ihres Mannes mitträgt und mitberät, so sollten wir hier nicht vergessen, dass auch sie bildnerisch tätig war, und manche behaupten, dass ihre Aquarelle mindestens so schön wie die des Mannes sind" (so Dieter Opper, Das Werk von Walther Kohlhase, S. 265).. Werk Vieles ist nicht zuletzt durch die Wirren des Krieges und durch die deutsche Teilung in Vergessenheit geraten bzw. verschollen. Auch hat ein Hochwasser der Mulde in Dessau viele Arbeiten nicht nur sprichwörtlich untergehen lassen. Diese waren während der Kriegszeit im vermeintlich sicheren Keller zwischengelagert worden. Das frühere Werk (bis 1953) ist jedoch vorwiegend malerisch bzw. zeichnerisch bestimmt. Bereits 1930 entstanden die Illustrationen zu Hugo Jägers Wie mich der Schnawwel jewachsen is. Geschichten in heimatlicher Mundart (Verlag Walther Schwalbe, Dessau). 1932 entstand die (verschollene) Arbeit Boxen im Sportpalast, die als Wettbewerbsbeitrag an der Sommerolympiade in Los Angeles in der Kategorie Prints, Posters, Drawings teilgenommen hat.Der olympische Wettbewerb fand von Juli bis August im Los Angeles Museum of History, Science and Art statt. Die deutschen Wettbewerbsbeiträge wurden aber auch im eigenen Land vorgestellt. Wann und wo das geschehen ist, konnte nicht mehr ermittelt werden. 1933 veröffentlichte die Zeitschrift Die Heimat (Illustrierte Beilage des Anhalter Anzeigers, Dessau den 28.10.1933) ganzseitig die Zeichnung Oktoberstimmung. In der Nachkriegszeit widmete sich Kohlhase verstärkt der Aktzeichnung, der Landschaftsmalerei (vorwiegend Ölmalerei und PastellzeichnungenErste Pastelle wurden zeitnah vom Landwirtschaftsministerium und vom Kultusministerium Schleswig-Holstein angekauft. Ein Pastell vom Annenhof befindet sich in der Kunstsammlung der Stadt Kiel. ) sowie der Karikatur. 1948 publizierte die satirische und in der Nachfolge des Simplicissimus stehende Zeitschrift Der Simpl das Blatt Herr Meier rettet die Kultur.Der Simpl: Kunst – Karikatur – Kritik, 3. 1948, Nr. 19, S. 221. Zum Teil arbeitete Kohlhase an den Ausgaben des Simpl mit. Vgl. hierzu auch das Forschungsprojekt der Universität Heidelberg unter https://simpl.uni-hd.de/ Auch in der Kriegszeit war Kohlhase äußerst produktiv (insbesondere Landschaftsdarstellungen). In der Zeit der Gefangenschaft leitete er einen Zeichenkurs für Offiziere unter marokkanischer Bewachung. Hier entstanden zahlreiche Soldatenporträts.
Das spätere WerkDas Werk Kohlhases weist einen markanten Bruch im Schaffen und Wirken (Ausstellungen) auf. Dieser begründet sich in dem Umstand, dass Kohlhase in dieser Hinsicht gegenüber seinen Referendaren „nicht als Leitbild wirken“ wollte (so Dieter Opper, Das Werk von Walther Kohlhase, S. 269). Kohlhase hat insbesondere die Referendarausbildung in Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg mit aufgebaut und geprägt. (ab 1962) ist dagegen primär druckgrafisch geprägt. Kohlhase wurde als „Meister des Holzstichs“ bezeichnet.„Walther Kohlhase ist ein Meister des Holzstichs. Er beherrscht seine Technik und verfügt auch über eine eigene künstlerische Aussage… Er vermag nicht nur Ansichten topographisch getreu in Hirnholz zu stechen, sondern auch Landschaften und Figuren eine eigene Atmosphäre mitzugeben“. Aus Sprachliche und graphische Variationen zu einer Fabel des Aesop, in: Illustration 63, Heft 1 1979, Seite 20 Mit den Techniken des Holzstichs und Linolschnitts (z. T. auch Linolstichs) hat er „ein unverkennbares Profil in der schleswig-holsteinischen Region gewonnen“.so Dieter Opper, Das Werk von Walther Kohlhase, S. 272 Zum Teil wurden die kleinen Holzstiche auch überregional verbreitet, so über die Fachzeitschriften Graphische KunstGraphische Kunst, Ausgabe 13/2. Heft 1979, Ausgabe 20/1. Heft 1983 und Ausgabe 26/1. Heft 1986 und Illustration 63Illustration 63, Heft 1 1979 der Edition Curt Visel, Memmingen. Die als Graphikbeilagen edierten Holzstiche Blumenpflückendes Mädchen, Zirkuszelt, Windmühle und Der Fuchs und die Weintrauben (IllustrationAus Der Fuchs und die Weintrauben – Fabelhaftes Thema von Äsop mit Sprachspiel-Variationen von Flupp Hugat. Edition Curt Visel, Memmingen 1978. Das Buch und seine Illustrationen wurden 1979 in der Ausstellung Wir und andere im Brunswiker Pavillon Kiel vorgestellt und auch in den Kieler Nachrichten vom 7. März 1979 von Susanne Materleitner („Die Erstauflage von 300 Stück dürfte bald vergriffen sein“) angesprochen. ), die nur einen kleinen Teilausschnitt des Œuvres Kohlhases ausmachen (erste Holzstiche entstanden bereits 1947), sind nicht zuletzt deshalb vielerorts nachweisbar. 1984 entstanden die Illustrationen (Holzstiche) zu Egon Erwin Kischs Wie der Türke auf der Karlsbrücke um seinen Säbel kam (Denklingen, Fuchstaler Presse).Das in einer kleinen Auflage edierte Buch wurde damals u. a. von der British Library und der Deutschen Bücherei in Leipzig erworben. Siehe hierzu auch die Buchbesprechung in Illustration 63, Heft 1 1985, S. 34. Zusammenfassend kann mit Rolf Gaska festgehalten werden: „…für sich selbst fand der in Kiel lebende Kunsterzieher und Maler einen Stil, der durch Klärung der Natur- und Sachformen geprägt ist. Neue Sachlichkeit klingt an als Gesinnung, nicht als historisch manifeste Gestalt“.Rolf Gaska, Kieler Nachrichten, 13. Februar 1976
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) Xth Olympiad Los Angeles 1932. Olympic Competition and Exhibition of Art. Los Angeles Museum of History, Science and Art (1932)Im 1932 zur olympischen Ausstellung erschienenen Catalogue of the Exhibition at the Los Angeles Museum of History, Science, and Art. July 30th - August 31st wird Kohlhase auf Seite 28 aufgeführt. Die Ausstellung wurde damals von 384.000 Menschen besucht.