mini|Einsatz des SARS-CoV-2-Impfstoffes der chinesischen Sinopharm Group in Peru Impfdiplomatie oder Impfstoffdiplomatie (englisch: „Vaccine diplomacy“) bezeichnet die Herstellung von Impfstoffen in einzelnen Ländern und die Weitergabe an andere Länder als Mittel der Diplomatie und Strategie in der Pandemiebekämpfung. Damit werden diese Impfstoffe zur Stärkung von diplomatischen Beziehungen und des Einflusses einzelner Länder auf andere Länder gestärkt.
Verwendet wurde der Begriff vor allem im Rahmen der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022, das damit beschriebene Vorgehen kann jedoch auch auf andere Impfkampagnen wie die historische Verteilung von Pockenimpfstoffen übertragen werden. In verschiedenen Medien und auch in der politischen Diskussion wurden diese Begriffe vor allem als negativ bewertende politische Schlagworte verwendet, teilweise jedoch auch als Option zur Erreichung von internationaler Impfgerechtigkeit.
Begriffsgeschichte Im Rahmen der COVID-19-Pandemie wurde der Begriff Impfstoffdiplomatie zum ersten Mal in der US-amerikanischen Zeitung Wall Street Journal im August 2020 erwähnt. Der Autor führte im Artikel aus, dass die Volksrepublik China ihre hergestellten Impfstoffe zu geopolitischen Zwecken missbrauche. Seitdem wurde die Verteilung von Impfstoffen an verbündete Staaten mehrfach als Impfstoffdiplomatie bezeichnet und neben der Presse griffen auch Stiftungen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung oder Politiker wie der damalige deutsche Außenminister Heiko Maas die Bezeichnung auf.
Beispiele
Grundsätzlich gab es international zahlreiche Beispiele für die Lieferung von Impfstoffen von Impfstoffen von einzelnen Ländern in andere mit politischer Unterstützung. So lieferte etwa Indien im Rahmen von COVAX und anderen Programmen mehrere Millionen Dosen von COVID-19-Impfstoffe an zahlreiche andere Länder, darunter auch an Pakistan.
In Europa wurden vor allem Impfstofflieferungen aus China und Russland als Impfstoffdiplomatie kommentiert. So lieferte die Volksrepublik China bis Ende Februar 2021 Impfstoffe des Herstellers Sinopharm an Länder wie Ungarn, Serbien und Belarus. Ungarn bestellte damit außerhalb der EU-Impfstoffbeschaffung Vakzine aus China. Ungarn nutzte außerdem das Vakzin Sputnik V aus Russland, obwohl dieses in der EU mit Stand Februar 2021 nicht zugelassen war. Ungarn verteidigte die Bestellungen mit dem Argument, dass es aktuell gerade an anderen Impfstoffen fehle.
Im März 2021 wurde bekannt, dass San Marino ebenfalls das russische Vakzin Sputnik V einsetzen wollte. Der Russland-Experte Pellicciari von der Universität Urbino bezeichnete den Impfstoff als "trojanisches Pferd". Ein weiteres Beispiel für Impfstoffdiplomatie ist das Angebot Chinas, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Impfdosen für Athletinnen und Athleten der Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio und Peking zur Verfügung zu stellen.
Einzelnachweise
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