Eine der Basistätigkeiten des Rettungsfachpersonals ist die Patientenuntersuchung. Sie setzt sich aus professionellen Untersuchungsschritten und einer gezielten Patientenbeobachtung zusammen, an die sich Sofortmaßnahmen anschließen. Hierfür gibt es Rettungsdienst-Schemata, die in Einsatz und Übung Anwendung finden.Frank Flake, Boris A. Hoffmann: Leitfaden Rettungsdienst. (PDF) 6. Auflage. Elsevier, S. 26 ff. Es gibt eine Fülle von Akronymen in der Notfallmedizin, welche die Arbeit erleichtern sollen.

SiSURF-Schema Bei Anfahrt zum Einsatz bereitet sich das Team auf die möglichen Situationen vor und kann dafür SiSURF nutzen. +SiSURFKürzel BezeichnungZweckSiSicherheitIst die Sicherheit gegeben? (Straße, Fluchtwege...)SSituationWas ist das Einsatzstichwort? Best-Case / Worst-Case Szenario?UUmgebungKönnen wir alles nachalarmieren? Wie weit sind Krankenhäuser mit welchen Möglichkeiten entfernt?RRessourcenWie ist das Team aufgebaut? Was ist mitalarmiert? Was nimmt man aus dem Auto mit?FFremdkontakt Gibt es Angehörige, Kinder, pflegebedürftige Angehörige o. ä., an die man denken muss.

SSSS-Schema Unmittelbar nach Eintreffen an der Einsatzstelle erfolgt die Beurteilung der Lage. Das SSSS-Schema (4S-Schema) berücksichtigt dabei vor allem den Eigenschutz.

Zusätzlich kann das 4S-Schema auch zum 9S-Schema bei einem Patienten ausgeweitet werden. Damit beschreibt es zusätzlich die Kontaktaufnahme zu dem Patient / der Patientin. + SSSS-Schema Kürzel Bezeichnung Zweck SSSS Scene Einsatzstelle beurteilen, Anzahl Patienten feststellen Safety Gefährdung für Helfer (Eigengefährdung), Patienten und Anwesende (Fremdgefährdung) abschätzen Situation Verletzungsmechanismus / Krankheitsbild bestimmen Support Bedarf an weiteren Kräften (Notarzt, technische Rettung, Einsatzleitung, Polizei) prüfenSSSSSSag, dass du da bistVerschaffe dir Aufmerksamkeit und stelle dich dem Patienten vorSchirme den Patienten abSchütze vor Gaffern und verschaff dem Patient (und dir) RuheSchau dir den Patient anErster Eindruck über den Patient. Blass? (Starker) Blutverlust? Erster Eindruck über die AtmungSprich und höre zuWas sagt der Patient? Wie geht es ihm? Suche VertrauenSuche KontaktSuche vorsichtig Körperkontakt zu dem Patienten.

SICK-Schema Das SICK-Schema stammt aus der taktischen bzw. militärischen Medizin und dient der Strukturierung der Care under Fire (CuF) und Tactical Field Care (TFC) Maßnahmen. Es behandelt dabei teils ähnliche Aspekte wie das 4S-Schema und wird dem ABCDE-Schema vorangestellt bzw. in das cABCDE-Schema integriert. +SICK-SchemaKürzelBezeichnungZweckSICKSecurityÜberblick über Lage verschaffen mit Schwerpunkt auf Sicherheit, Nachforderung weiterer KräfteImpressionOrientierende Erstuntersuchung des Patienten und Festlegung eines individuellen Vorgehens („treat and go“)Critical BleedingIdentifikation lebensbedrohlicher Blutungen und BlutstillungKinematicsBeurteilung des Verletzungsmechanismus

AVPU-Schema / WASB-Schema Das AVPU-Schema dient dazu, den Wachheitsgrad bei der ersten Annäherung an einen Patienten zu beurteilen. Die deutschsprachige Version spricht vom WASB-Schema + AVPU-/WASB-Schema Kürzel Bezeichnung deutsch Beurteilung AVPU / WASB Alert Wach Patient wach und reagiert auf Ansprache Verbal response Ansprache Patient reagiert erst auf laute Ansprache Painful stimuli Schmerzreiz Patient reagiert erst auf Schmerzreize. Unresponsive Bewusstlos Patient reagiert weder auf laute Ansprache noch auf Schmerzreize.

xABCDE-Schema In der Notfallmedizin ist das ABCDE-Schema ein standardisierter Untersuchungsgang, um gesundheitliche Probleme des Patienten zu erkennen und lebensbedrohliche Zustände unverzüglich zu behandeln. Verfolgt werden zwei Ziele: Beurteilung des Patienten (Erkennen der Lebensbedrohung) Behandlung des Patienten („Treat first what kills first“: „Behandle zuerst das, was zuerst tötet“). Der Ursprung des Schemas geht auf Peter Safar zurück, der 1957 das Buch ABC of Resuscitation schrieb, was 1973 von der American Heart Association als Basis für die Herangehensweise der Kardiopulmonalen Reanimation übernommen und 1975 erstmals publiziert wurde.History of CPR. AHA Website; abgerufen am 7. Juli 2022. Seitdem haben viele Institutionen der Notfallmedizin das Schema übernommen und teils weiterentwickelt. Im Juni 2005 wurde vom Wiederbelebungsrat Großbritanniens das bis heute am meisten verwendete ABCDE-Schema veröffentlicht,ResusCouncilUK Website: web.archive.org; abgerufen am 7. Juli 2022. was durch die Veröffentlichung von Thim et al.Troels Thim et al.: Initial assessment and treatment with the Airway, Breathing, Circulation, Disability, Exposure (ABCDE) approach. In: International Journal of General medicine, 2012, 5, S. 117–121. doi:10.2147/IJGM.S28478 detailliert beschrieben wurde. Eine wesentliche Weiterentwicklung folgte 2006, als Hodgetts den kritischen Blutverlust in den Mittelpunkt gerückt und so das Schema zu <c>ABCDET. J. Hodgetts et al.: ABC to <C>ABC: redefining the military trauma paradigm. In: Emergency Medicine Journal, 2006, 23, S. 745–746. doi:10.1136/emj.2006.039610 angepasst hat.

+ ABCDE-Schema für nicht-traumatologische und traumatologische Patienten Kürzel Bezeichnung deutsch UntersuchungxABCDEexsanguinationstarke BlutungHochlagern, Druck, Druckverband, Tourniquet Airway Atemweg Kontrolle der Atemwege (Fremdkörper?) und Sicherung dieser wenn notwendig. HWS-Immobilisation bei Trauma überprüfen. Breathing Atemfrequenz Kontrolle der Atemfrequenz, Oxygenierung, Atemarbeit, Hautemphysem, gestauten Halsvenen. Auskultation. Beim Trauma: Thoraxstabilität Circulation Kreislauf Erfassen von Puls, Blutdruck, Rekapillarisierungszeit, Diaphorese, Abdomenuntersuchung. Beim Trauma: Becken und Oberschenkel Disability Defizit (neurologisch) FAST-Schema, GCS, Blutzucker, Pupillenkontrolle Exposure Exploration Bodycheck, Temperaturmessung, Wärmemanagement, Beim Trauma: Frakturschienung

Das Vorgehen nach dem ABCDE-Schema ist bei Zustandsänderung oder nach Maßnahmen zu wiederholen, um Ursache oder Ergebnis zu erkennen.

Das ABCDE-Schema wird durch ein vorangestelltes <c> zum <c>ABCDE-Schema erweitert. Das 'c' steht für critical bleeding = lebensbedrohliche externe Blutungen. Kritische Blutungen müssen sofort gestoppt werden durch manuelle Kompression oder Druckverband / Tourniquet (Zeit notieren), da starke Blutungen der wesentliche Punkt für die Sterblichkeit insbesondere von traumatologischen Patienten sind. Nach neuer Definition des Pre Hospital Trauma Life Support wurde <c> durch das Präfix <x> ersetzt, also xABCDE, wobei das <x> für eine eXsanguination (deutsch „Ausblutung“) steht. Im militärischen Bereich wird teilweise <c>ABCDE mit dem SICK-Schema zu <sick>ABCDE erweitert.

Bei der Übergabe eines Patienten vom Rettungsdienst/Notarzt in der Notaufnahme einer Klinik sollten die Befunde des ABCDE-Schemas enthalten sein.

ABC-Schema mini|Training der Herzdruckmassage

Wird bei einem („leblosen“) Patienten eine fehlende oder nicht normale Atmung und Pulslosigkeit festgestellt, wird nicht nach dem ABCDE-Schema vorgegangen, sondern nach den Algorithmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation). Als Merkregel wurde ein ABC-Schema der lebensrettenden Sofortmaßnahmen entwickelt: + ABC-Schema der Reanimation Kürzel Maßnahme Durchführung ABC Atemwege freimachen und freihalten Beatmen bzw. Beatmung 2× alle 30 Sekunden Circulation – Zirkulation in Gang bringen → Herzdruckmassage 100–120×/Minute – alle 2 Minuten Helfer wechseln; nie länger als 5 Sekunden unterbrechen.

Im Training werden als Rhythmusvorgabe für die Herzdruckmassage Lieder mit etwa 100bpm empfohlen, u. a. der Song der Bee Gees aus dem Jahr 1977 Stayin’ Alive, Atemlos von Helene Fischer oder auch Highway to Hell von AC/DC.

Wegen der hohen körperlichen Belastung bei der Herzdruckmassage sollten mindestens zwei Ersthelfer im Wechsel tätig sein.

Bei Ertrinkungsnotfällen, Rauchgasvergiftungen, Säuglingen und Kleinkindern sollen 5 initiale Beatmungen durchgeführt werden.

Drucktiefe bei Erwachsenen: mindestens 5 cm, jedoch nicht mehr als 6 cm.

Vorausgesetzt, die Herzdruckmassage wird richtig durchgeführt, kann der Blutkreislauf maximal zu einem Drittel der normalen Funktion aufrechterhalten werden.

AMPEL-Schema Das AMPEL-Schema ist eine einfache Abfrage zur Patientenuntersuchung, welches das „Umfeld“ des Patienten darstellt. Als Alternative kann auch das SAMPLER-Schema verwendet werden.

+ AMPEL-Schema für die Patientenabfrage Kürzel Bezeichnung Frage Erläuterung AMPEL Allergie Frage nach Allergien allgemeine (Heuschnupfen), oder auf Medikamente Medikamente Frage nach Einnahme von Medikamenten bei Frauen auch Minipille Patientengeschichte Operation während der letzten 6-8 Wochen Ereignisrelevante Eingriffe Ereignis wie ist der Unfall passiert ggf. Zeugen befragen Letzte Letztes Essen, Trinken, Ausscheiden, Periode Zeitangaben

BASICS-Schema Nach dem BASICS-Schema wird vor allem bei der Versorgung von wachen und ansprechbaren Patienten vorgegangen. + BASICS-Schema Kürzel Maßnahme Maßnahmen BASICS Beruhigen Vermeiden von Blutdrucksteigerung, Hyperventilation Atmung optimieren Vermeiden von Hypo-/ Hyperventilation; Störfaktoren entfernen Stabiler Blutdruck Bei tastbarem peripheren Puls: systolischer RR >80 mmHG Immobilisation / Lagerung Frakturfixierung; Hoch- bzw. Tieflagerung des Oberkörpers; Cave: Unterkühlte so wenig wie möglich bewegen* Check-up / Basismonitoring umfassen Blutdruck, EKG, Blutzucker, Pulsoxymetrie und körperliche Inspektion. Schutz vor äußeren Einflüssen Wetter, Straßenverkehr, Unterkühlung

* Bei Umverteilung des kalten Bluts aus der Körperschale in den Körperkern können schwere Herzrhythmusstörungen bis zum Kreislaufstillstand resultieren.

4H & HITS Sobald die Basismaßnahmen der Reanimation stehen, kommt man in den Bereich des Advanced Life Support (Erweiterte Maßnahmen bei der Reanimation). Es folgt die Frage nach der Ursache für den Herzkreislaufstillstand. Ist es eine Ursache, die ggf. behoben werden kann, sollte dies möglichst bald erfolgen. Um sich die reversiblen Ursachen eines Herzkreislaufstillstandes merken zu können, gibt es die Merkregel 4H & HITS.HITS bei der Reanimation. Medinstrukt. Abgerufen am 25. Februar 2021. + 4H & HITS Kürzel Bezeichnung Inhalt 4H Hypoxie Sauerstoffmangel Hypovolämie Volumenmangel Hypothermie Unterkühlung Hypo- / Hyperkaliämie (Stoffwechselstörungen) HITS Herzbeuteltamponade Intoxikation Vergiftung Thromboembolie Spannungspneumothorax

(BE)FAST-Schema Für die neurologische Untersuchung hat sich das so genannte (BE)FAST-Schema bewährt.Lars Schmitz-Eggen: FAST-Regel für neurologische Untersuchung, Rettungsdienst.de, 17. Oktober 2018; abgerufen am 25. Februar 2021.

+ FAST-Schema für neurologische Patientenbefunde Kürzel Bezeichnung Untersuchung / Maßnahme FAST Face Kann der Patient lächeln / die Zunge rausstrecken / die Stirn runzeln? Arms Kann der Patient die ausgestreckten Arme/Beine auf gleiche Höhe heben und halten? Speech Kann der Patient einen Satz nachsprechen? Time Ist der Patient räumlich und zeitlich orientiert?→Sonst schnellstmöglich in eine geeignete Klinik – vorzugsweise in eine Stroke Unit – transportieren (Time is Brain)

Das FAST-Schema ist vielen zur Diagnostik bei einem vermuteten Schlaganfall (Apoplex) bekannt. Im Jahr 2017 veröffentlichten Sushanth Aroor, Rajpreet Singh, and Larry B. Goldstein einen Artikel, der sich mit den Ergebnissen einer Untersuchung mit dem FAST-Schema befasste. Es ergab sich, dass 14 % der insgesamt 736 Patienten durch das FAST-Schema nicht erkannt worden wären. Es stellten sich zwei klinische Merkmale bei den nicht diagnostizierten Patienten als führend heraus:

Stand- und Gangunsicherheit (= B wie Balance) Sehstörungen (= E wie Eyes)

Man vermutete eine Verbesserung der Erfassung von Schlaganfällen, wenn das BEFAST-Schema angewandt wird.