mini|alt=La Veneno sitzt auf einem roten Sofa und hält in der rechten Hand ein hellblaues Buch. Sie trägt ein rotes Kleid mit weißen Punkten, rote, runde Ohrringe sowie ihr braunes Haar offen und bis zu den Oberarmen reichend. Hinter ihr befinden sich auf einer braunen Kommode mehrere eingerahmte Fotos, weiße Porzellanfiguren und eine Tischlampe bestehend aus einem weißen Lampenschirm, einer silbernen Säule und einem dunkelblauen Sockel.|La Veneno bei einem Interview 2016 Cristina Ortiz Rodríguez (* 19. März 1964 in Adra; † 9. November 2016 in Madrid), besser bekannt unter ihrem Künstlernamen La Veneno (Esperanto: Das Gift), war eine spanische Fernsehpersönlichkeit und Varietédarstellerin. Sie wurde zunächst durch regelmäßige Gastauftritte in der Late-Night-Show Esta noche cruzamos el Mississippi auf Telecinco bekannt, ihr Durchbruch kam durch ein Interview in derselben Sendung zustande, das eine Journalistin mit ihr in einem Park in Madrid führte, welches aufgrund ihrer eigensinnigen Antworten in Spanien schnell hohe Aufmerksamkeit erhielt. Nachdem La Veneno eine erfolgreiche Karriere im Fernsehen und Varieté durchlebt hatte, kam diese zum Erliegen, als sie 2003 zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Nach ihrer Entlassung war sie hauptsächlich in Boulevard-Talkshows zu sehen und konnte erst durch die Veröffentlichung ihrer Autobiografie kurz vor ihrem Tod 2016 wieder an frühere Erfolge anknüpfen. 2021 wurde die Serie Veneno über ihr Leben veröffentlicht.
Wegen ihrer hohen Medienpräsenz galt La Veneno als eine der berühmtesten trans Frauen in Spanien und eine der ersten, die die Sichtbarkeit von trans Personen im Land erhöhte. Aus diesem Grund wird sie auch nach ihrem Tod vor allem in ihrem Heimatland und im lateinamerikanischen Raum als wichtige Figur der LGBT-Gemeinschaft betrachtet.
Frühe Jahre Rodríguez wurde 1964 in der Gemeinde Adra in Andalusien geboren, wo sie zusammen mit ihren Eltern und sechs Geschwistern aufwuchs. Rodríguez merkte bereits als Kind, dass sie sich dem ihr bei der Geburt zugewiesenen männlichen Geschlecht nicht zugehörig fühlte. Aus diesem Grund trat sie feminin auf, weswegen sie laut eigener Aussage sowohl von Familienmitgliedern als auch Nachbarn oft verbal und körperlich angegriffen wurde. Sie genoss allerdings eine gewisse Popularität in ihrem Heimatort, weil sie selbst Kleidung entwarf und sie in einer Art Modenschauen präsentierte, die von vielen Bewohnern positiv aufgenommen wurden. Im Alter von 13 Jahren brach sie die Schule ab und verdiente Geld durch Bohnenpflücken. Nach zwei Jahren wurde sie von ihrer Familie des Hauses verwiesen und ging nach einer Zwischenstation in San Pedro de Alcántara nach Torremolinos, wo sie Arbeit als Kellnerin und Model fand, obwohl sie damals kaum lesen und schreiben konnte.
Mit 18 Jahren absolvierte Rodríguez in Granada eine Ausbildung zur Friseurin, 1989 wurde sie bei einem Schönheitswettbewerb zum Míster Andalucía ernannt. 1990 lernte Rodríguez Paca La Piraña kennen, die in ihrem späteren Leben zu ihren engsten Vertrauten zählte und Rodríguez davon überzeugte, als Drag-Darstellerin aufzutreten. Ein Jahr darauf zog Rodríguez nach Madrid und wurde in einer Krankenhausküche angestellt. Im selben Jahr hatte Rodríguez, als sie sich in der Öffentlichkeit noch männlich präsentierte und ihren Geburtsnamen verwendete, ihren ersten Fernsehauftritt. Sie wurde von der Kandidatin in der Telecinco-Flirtsendung Vivan los novios (ähnlich dem deutschen Herzblatt) ausgewählt; die beiden erhielten als Preis eine Reise nach Thailand. Als sie dort mehreren trans Personen begegnete, erkannte Rodríguez schließlich, selbst eine trans Frau zu sein.
Kurz nachdem Rodríguez 1992 nach Spanien zurückgekehrt war, unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Maßnahme. Als sie wenig später von ihrer Arbeit in der Klinik entlassen wurde, entschloss sie sich, ihren Lebensunterhalt mit Prostitution zu verdienen. Sie war auf der Suche nach Freiern sowohl im Stadtpark Parque del Oeste als auch in der Paseo del Pintor Rosales unterwegs, einer Innerortsstraße in Argüelles. Als Pseudonym verwendete sie zunächst den Namen Tania, später nannte sie sich nach einer verstorbenen Kollegin Cristina, den Namen verwendete sie auch in ihrem Privatleben als Vornamen. Nachdem Rodríguez eines Tages von La Piraña scherzhaft La Veneno, also Gift, genannt wurde, benutzte sie diese Bezeichnung fortan als Namen bei ihrer Arbeit als Prostituierte, weil sie ihr selbst gefiel.
Ihren ersten bekannten Fernsehauftritt nach ihrer Transition hatte Rodríguez 1994 in einer Reportage von RTVE. Darin ging es um die AIDS-Pandemie. Rodríguez erklärte dem Reporter im Parque del Oeste ihre Ansichten zur Prophylaxe und schilderte ihre eigenen Erfahrungen mit der Krankheit, da viele Personen in ihrem Bekanntenkreis dieser zum Opfer gefallen seien. Bereits in diesem Beitrag redete Rodríguez auf eine sehr direkte Art und Weise, die später zu ihrer Bekanntheit beitrug.
Karriere Durchbruch im Fernsehen Im April 1996 sollte die Journalistin Faela Sainz, Mitarbeiterin bei Esta noche cruzamos el Mississippi, einer auf Telecinco ausgestrahlten Late-Night-Show, einen nächtlichen Reportage-Beitrag drehen. Weil sie spontan von einem eigentlich bereits fest eingeplanten Dreh abberufen wurde und sich daher nicht vorbereiten konnte, wusste sie nicht, welches Thema sie behandeln sollte. Schließlich kam ihr die Idee, in den Parque del Oeste zu fahren, weil sie bereits in der Vergangenheit dort Interviewpartner gefunden hatte. Dort angekommen fiel ihr eine groß gewachsene Frau auf, die selbstgenähte Kleidung trug. Als Sainz sie ansprach, stellte sich die Frau als La Veneno vor und antwortete mit einem höchst eigenen Humor auf Sainz’ Fragen, so erwiderte sie, als Sainz ihr Geschlecht wissen wollte, mit den Worten Meine Liebe, ich bin eine Sultanin, eine Maurin, eine Indianerin, wie Pocahontas. Das Interview wurde noch in der Nacht der Ausstrahlung und den darauffolgenden Tagen landesweit bekannt, aufgrund der positiven Resonanz der Zuschauer, denen La Venenos Persönlichkeit gefiel, bot Pepe Navarro, der Moderator der Sendung, ihr an, als feste Gesprächsteilnehmerin in der Show aufzutreten. Nachdem sie zusagte, stiegen die Einschaltquoten der Sendung, wodurch La Veneno bald einem Millionenpublikum ein Begriff war.
La Veneno sorgte dank ihrer Berühmtheit auch für eine vermehrte Sichtbarkeit mehrerer Gruppen im Land, die bis dahin in den Medien so gut wie gar nicht repräsentiert worden waren. So redete sie in den Talkshows, in die sie eingeladen wurde, regelmäßig äußerst offen über ihre Erfahrungen als Prostituierte, die Homophobie, mit denen sie in ihrer Kindheit und Jugend konfrontiert wurde, sowie die gegen sie gerichtete Transphobie in der Gegenwart. La Veneno entwickelte sich deswegen in kurzer Zeit zu einem Vorbild vor allem für die trans Gemeinde im Land, weswegen sie in der spanischen LGBT-Gemeinschaft eine große Popularität genoss.
Im Juli 1997 endete Esta noche cruzamos el Mississippi wegen einer umstrittenen Berichterstattung zum Fall der Alcàsser-Mädchen. Daraufhin moderierte Navarro ab dem 15. September eine andere Late-Night-Sendung auf Antena 3 mit dem Titel La sonrisa del pelícano. Diese war ähnlich wie ihr Vorgänger aufgebaut, auch war La Veneno erneut regelmäßig als Gesprächspartnerin eingeladen, die Sendung erreichte mit durchschnittlich knapp zwei Millionen Zuschauenden pro Folge ebenfalls vergleichsweise hohe Quoten, obgleich diese deutlich niedriger als die von Esta noche cruzamos el Mississippi waren. Am 2. Dezember wurde La sonrisa del pelícano vier Stunden vor Ausstrahlung abgesetzt, da sie gegen den Ethik-Kodex des Senders verstoße.
Weitere Projekte Nach ihrem Durchbruch in Esta noche cruzamos el Mississippi begann La Veneno, als Vedette (in spanischsprachigen Ländern verbreitete Bezeichnung für eine Varieté-Hauptdarstellerin) durch ganz Spanien auf Tournee zu gehen. Aufgrund ihrer großen Popularität wurde sie zudem als Vedette in frequentierten Nachtclubs und auf Festivals engagiert. Bei ihren Auftritten lernte sie mehrere Prominente wie Ricky Martin persönlich kennen und fungierte in einer weiteren Nebentätigkeit als Model für den spanischen Designer Antonio Alvarado.
1996 veröffentlichte La Veneno eine Schallplatte mit dem Titel Veneno pa tu piel. Diese beinhaltete neben dem Titellied den Rap El rap de La Veneno. In Veneno pa tu piel geht es um einen Mann, mit dem La Veneno eine Beziehung führt, zu der er sich nicht bekennen will und in seiner Liebe zu ihr wegen ihrer Transidentität gespalten ist. La Veneno fordert ihn im Text auf, zu ihrer Beziehung zu stehen und ihr offen zu sagen, welche Gefühle er für sie empfindet. El rap de La Veneno ist ein House-Lied, bei dem La Veneno einen improvisierten Rap vortrug, der aus einigen ihrer bekanntesten Zitate bestand. In den spanischen Charts konnte sich Veneno pa tu piel auf dem neunten Platz positionieren,Hits of the World. Billboard, Ausgabe vom 14. Dezember 1996, Seite 39. die Single wurde gut 50.000 Mal verkauft, wofür La Veneno eine goldene Schallplatte erhielt.
Ende der 1990er Jahre wurde erstmals eine Filmbiografie über La Veneno geplant, allerdings entwickelte sich aus diesem Vorhaben letztlich nichts. Als Schauspielerin wirkte sie dafür 1997 in sechs Folgen der kurzlebigen Antena-3-Comedyserie En plena forma mit. Sie verkörperte in einer wiederkehrenden Nebenrolle eine Trainerin im Fitnessstudio der von Alfredo Landa gespielten Hauptfigur. Nach dem Ende von La sonrisa del pelícano begab sich La Veneno für eine kurze Zeit nach Buenos Aires. Dort war sie regelmäßig in der nach der Moderatorin benannten Talkshow Susana Giménez auf Telefe als Gesprächsteilnehmerin und Vedette zu sehen. Von 2001 bis 2003 war La Veneno regelmäßig zu Gast in der Late-Night-Show Crónicas marcianas auf Telecinco.
Gefängnisstrafe und Comeback Im April 2003 wurde Rodríguez von ihrem damaligen Lebensgefährten bei der Polizei angezeigt. Sie soll ihre gemeinsame Wohnung absichtlich in Brand gesteckt haben, um an die Versicherungssumme zu gelangen. Rodríguez kam wegen Brandstiftung und Versicherungsbetrug vor Gericht, das sie schuldig sprach und zu drei Jahren Haft verurteilte. Diese saß sie in einem Männergefängnis ab, weil sich in Spanien zur damaligen Zeit die Haftunterbringung von trans Personen nach ihrem Geburtsgeschlecht richtete. 2021 gestand Rodríguez’ ehemaliger Lebenspartner in einem Interview, die Wohnung selbst angezündet zu haben, weil Rodríguez ihm nichts von ihrem Vermögen abgegeben hatte.
Nach ihrer Haftentlassung litt Rodríguez unter gesundheitlichen Problemen, vor allem an starkem Übergewicht. Sie zog von Madrid nach Valencia, wo sie sich eine Wohnung mit La Piraña teilte. Rodríguez trat bald wieder im Fernsehen in Erscheinung, weil sie bereits kurz nach ihrer Haftentlassung über ihre Zeit im Gefängnis interviewt worden war. Sie behauptete, von den Wachleuten sowie anderen Häftlingen körperlich, seelisch und sexuell misshandelt worden zu sein. Die Strafvollzugsanstalt stellte deswegen bei der Staatsanwaltschaft von Madrid den Antrag, Rodríguez wegen übler Nachrede oder Verleumdung anzuklagen, wozu es aber nicht kam.