Gismondo, re di Polonia (deutsch: ‚Gismondo, König von Polen‘) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in drei Akten von Leonardo Vinci (Musik), die am 11. Januar 1727 im Teatro delle Dame in Rom uraufgeführt wurde. Das Libretto ist eine anonyme Bearbeitung von Francesco Brianis Text für die 1708 uraufgeführte Oper Il vincitor generoso von Antonio Lotti.
Handlung
Vorwort
Das gedruckte Libretto von 1727 enthält das folgende „Argomento“:
Kurzfassung
Erster Akt. Nach seiner Krönung nimmt der polnische König Gismondo (Sigismund II. August) der Tradition seines Landes folgend die Lehnseide der Reichsfürsten entgegen. Ernesto (Fürst von Livland) und Ermano (Fürst von Mähren) tun dies anstandslos. Lediglich der litauische Herzog Primislao weigert sich aus Stolz. Sowohl Ernesto als auch Ermano hoffen auf eine Ehe mit Gismondos Tochter Giuditta. Diese hat sich jedoch auf einem Maskenball in Primislao verliebt. Gismondos Sohn Otone wiederum liebt Primislaos Tochter Cunegonda. Die Vereinigung der beiden ist auch in Gismondos Interesse, da hierdurch der Frieden gesichert würde. Ermano hasst Primislao, den er für den Tod seines Bruders verantwortlich macht. Schließlich gelingt es Otone und Cunegonda, Primislao umzustimmen: Er ist mit einem nicht-öffentlichen Lehnseid im Zelt des Königs einverstanden.
Zweiter Akt. Als Primislao im kleinen Kreis seinen Eid leistet, stürzt das Zelt ein. Die umstehenden Soldaten beider Lager sehen ihn vor dem König knien. Primislao, der sich verraten und entehrt fühlt, erklärt den Polen den Krieg. Cunegonda ergreift sofort Partei für ihren Vater und sagt sich von Otone los. Giuditta hingegen schwankt zwischen ihrer heimlichen Liebe zu Primislao und ihrer Pflicht als Tochter Gismondos. Sie bittet ihre beiden Verehrer, den Herzog im Kampf zu schonen. Otone gelingt es nicht, Cunegonda zu besänftigen.
Dritter Akt. Die Polen gewinnen die Schlacht. Otone nimmt Cunegonda gefangen. Primislao wird verwundet und für tot gehalten. Giuditta findet ihn und holt Hilfe, um ihn in Sicherheit zu bringen. In der Zwischenzeit wird er von Ermano aufgespürt, der ihn sofort töten will. Giuditta kehrt gerade noch rechtzeitig zurück, um dies zu verhindern. Ermano sieht ein, dass er zu weit gegangen ist und auf Giuditta verzichten muss. Primislao ist jetzt bereit, den Lehnseid zu leisten. Durch einen Boten erfahren alle, dass Ermano während der Zeremonie das Zelt zu Einsturz brachte. Er hat sich selbst gerichtet. Primislao und Giuditta sowie Otone und Cunegonda werden heiraten.
Erster Akt
Die Stadt Warschau am Ufer der Weichsel mit einer großen Brücke; in der Ferne Gismondos Feldlager; am Fluss entlang einige Schiffe
Szene 1. Der frisch gekrönte polnische König Gismondo und sein Sohn Otone betreten von einem der Schiffe das Ufer, wo sie von den Bürgern und den Fürsten Ermano und Ernesto empfangen werden. Die beiden letzteren bekräftigen ihren Lehnseid. Gismondo dankt ihnen und besonders Ernesto, dem es gelungen ist, Primislao, den widerspenstigen Herzog von Litauen, zu überreden, ebenfalls seinen Eid zu leisten. Ermano ist wenig erfreut darüber, denn er hat eine alte Rechnung mit Primislao offen und fürchtet, nun seine Rache nicht vollenden zu können. Otone verabschiedet sich, um Primislaos Tochter Cunegonda, die er mit Billigung seines Vaters liebt, seine Aufwartung machen (Otone: „Vado ai rai delle sue stelle“).
Szene 2. Sowohl Ermano als auch Ernesto lieben Gismondos Tochter Giuditta. Ermano fühlt sich zurückgesetzt, als Gismondo ihn bittet, ihr zu dienen, während er sich mit Ernesto entfernt (Gismondo: „Bella pace dal seno di Giove“).
Szene 3. Ermano macht der in einer Barke eintreffenden Giuditta Komplimente. Giuditta weist ihn freundlich, aber bestimmt zurück. Sie weiß, dass Ermano Primislao hasst, den sie selbst insgeheim liebt. Ermano erklärt ihr, dass Primislao einst seinen Bruder ermordet habe. Dennoch würde er auf seine Rache verzichten, wenn er auf ihre Liebe hoffen könnte. Giuditta gefällt diese Antwort (Giuditta: „Così mi piacerai“).
Königliche Gemächer Primislaos
Szene 4. Primislao zögert erneut, den Lehnseid zu leisten. Cunegonda versucht, ihn umzustimmen. Sie befürchtet, dass sie sonst ihren Geliebten Otone nicht heiraten könne. Primislao will sich jedoch nicht öffentlich unterwerfen. Er weist Cunegonda darauf hin, dass sie noch nicht verheiratet sei und ihm als Vater Gehorsam schulde (Cunegonda: „Son figlia è vero“).
Szene 5. Als Ernesto Primislao abholen will, teilt dieser ihm mit, dass er sich nicht erniedrigen werde. Er werde nur einen Frieden akzeptieren, der seines Ruhms würdig sei (Primislao: „Va, ritorna, di al tuo Re“).
Szene 6. Ernesto informiert Cunegonda und Otone über den Sinneswandel Primislaos, der ihn zutiefst empört (Ernesto: „Tutto sdegno è questo core“).
Szene 7. Otone und Cunegonda sehen ihre Hoffnung auf eine Ehe in Gefahr. Sie versichern einander ihre tiefe Liebe (Cunegonda/Otone: „L’idolo mio tu sei“).
Szene 8. Die beiden versuchen, Primislao umzustimmen. Sie versichern ihm, dass ihre Liebe erst entstanden sei, nachdem sich der Frieden abzeichnete. Sie sei durch sein Einverständnis noch gewachsen. Sein Ruhm werde sicher nicht leiden, wenn er jetzt nachgebe. Primislao bleibt jedoch unerbittlich (Primislao: „Nave altera, che in mezzo all’onde“).
Szene 9. Otone und Cunegonda wollen nicht aufgeben. Cunegona bittet ihren Geliebten, zunächst allein einen Vorstoß zu wagen, um Primislao mit Vernunftsgründen zu überreden. Anschließend will sie ihm mit Flehen und Tränen zu Hilfe kommen.
Szene 10. Cunegonda hofft inständig, dass ihr Vater einlenken wird, erinnert sich aber auch an ihre Gehorsamspflicht als seine Tochter (Cunegonda: „Sentirsi il petto accendere“).
Königlicher Säulengang
Szene 11. Während Gismondo und Ermano die Unbeständigkeit Primislaos beklagen, hofft Giuditta noch immer darauf, dass Ernesto ihn erneut umstimmen kann.
Szene 12. Ernesto bestätigt die Unnachgiebigkeit Primislaos. Ein Krieg scheint nicht mehr zu vermeiden. Gismondo schwört, den Hochmütigen zu vernichten.
Szene 13. Da erscheint Otone mit der Nachricht, dass Primislao nun doch seinen und Cunegondas Bitten nachgegeben und eingelenkt habe. Einzige Bedingung sei, dass er den Lehnseid in einem Zelt unter Ausschluss der Öffentlichkeit leisten dürfe. Ermano hält dies für einen Affront. Dennoch ist Gismondo einverstanden. Ernesto soll als einziger Zeuge der Zeremonie beiwohnen (Gismondo: „Se soffia irato il vento“).
Szene 14. Otone freut sich auf die Hochzeit mit Cunegonda. Seine Schwester Giuditta gesteht ihm, dass auch sie selbst verliebt sei. Sie habe sich auf dem Maskenball in Warschau als Minerva verkleidet in Primislao verliebt, und er habe ihr Hoffnung gemacht (Giuditta: „S’avanza la speranza“).
Szene 15. Otone besingt den Trost, den Verliebte einander geben können (Otone: „Quell’usignuolo, ch’è innamorato“).
Zweiter Akt
Königliches Zelt mit einem Thron sowie einem kleinen Tisch mit den Bannern der Provinzen
Szene 1. Zu Beginn der Eid-Zeremonie erhält Primislao von Ernesto die Banner der Provinzen und senkt sie einzeln zu Gismondos Füßen ab. Anschließend kniet er nieder und beginnt mit der Eidesformel. In diesem Moment bricht das Zelt zusammen, sodass der kniende Herzog von den draußen versammelten Armeen beider Länder gesehen werden kann.
Szene 2. Ermano beobachtet mit Genugtuung, wie Primislao zunehmend in Rage gerät. Obwohl Gismondo seine Unschuld beteuert, zerreißt Primislao die Banner und ruft den Krieg aus.
Szene 3. Cunegonda fühlt sich von Gismondo und Otone verraten (Otone: „Tu mi tradisti, ingrato“).
Szene 4. Gismondo, Ernesto, Ermano und Otone schwören sich, den wahren Schuldigen aufzudecken, um ihre Ehre wiederherzustellen. Ermano soll die Ermittlungen leiten und zugleich die Bewegungen der Feinde beobachten (Ermano: „E col senno, e colla mano“).
Szene 5. Otone steht wie versteinert da, Ernesto rät zur Flucht, und Gismondo ist fassungslos (Gismondo: „Sta l’alma pensosa“).
Szene 6. Otone ist verzweifelt über diese unerwartete Wendung des Schicksals. Seine Geliebte wünscht nun offenbar seinen Tod (Otone: „Vuoi ch’io moro?“).
Zimmer im Parterre
Szene 7. Giuditta schwankt zwischen der Sorge um ihren Vater und ihrer Liebe zu Primislao. Als Ernesto hereinkommt, um ihr seine Hilfe zu versprechen, macht sie ihm Hoffnung auf Gegenliebe.
Szene 8. Giuditta macht Ermano ebenfalls Hoffnung und bittet ihn, bei der bevorstehenden Schlacht das Leben Primislaos zu verschonen (Giuditta: „Tu serai il mio diletto“).
Szene 9. Gismondo schickt Ermano ins Feldlager.
Szene 10. Gismondo will in der Schlacht persönlich das Kommando übernehmen. Er fordert Otone auf, seine Liebe zu Cunegonda zu vergessen und an seiner Seite zu kämpfen oder als Held zu sterben (Gismondo: „Torna cinto il crin d’alloro“).
Szene 11. Otone will sofort zu Cunegonda eilen, um ihre Vergebung zu erhalten. Er ignoriert Ernestos Mahnungen (Otone: „Assalirò quel core“).
Szene 12. Im Grunde kann Ernesto Otone gut verstehen, denn auch er selbst ist verliebt (Ernesto: „D’adorarvi così“).
Waffensaal bei den Zimmern Cunegondas mit Statuen der polnischen Könige und Fürsten einschließlich Gismondos und Otones
Szene 13. Primislao und Cunegonda steigern sich in ihren Hass auf Gismondo und Otone hinein (Primislao: „Se al foco del tuo sdegno“).
Szene 14. Cunegonda will die letzten Überreste ihrer Liebe zu Otone vertreiben.
Szene 15. Otone versichert Cunegonda seine Unschuld. Da sie so versessen auf seinen Tod ist, ist er bereit, durch ihre Hand zu sterben. Sie will ihre Rache jedoch nicht als Geschenk erhalten. Immerhin gesteht sie ihm, dass sie wegen ihres Hasses auf ihn leide (Otone/Cunegonda: „Dimmi una volta addio“).
Dritter Akt
Das für die Schlacht vorgesehene weite Feld
Szene 1. Die beiden Heere marschieren aufeinander zu. Primislao und die als Soldat gerüstete Cunegonda feuern ihre Leute an (Primislao: „Vendetto, o Ciel, vendetta“). Die Schlacht beginnt. Im Gefecht fällt Primislao verwundet zu Boden. Die Polen siegen.
Szene 2. Eine Gruppe polnischer Soldaten verfolgt die durch ihr Visier unkenntliche Cunegonda. Der von ihrer Tapferkeit beeindruckte Otone fordert seine Leute auf, sie ihm zu überlassen. Erst als sie ihn mit Schmähungen überhäuft, erkennt er ihre Stimme. Da verkündet Ernesto den Sieg der Polen und den Tod Primislaos. Cunegonda schimpft weiter auf Otone (Cunegonda: „Ama chi t’odia ingrato“).
Szene 3. Ernesto versichert Otone, dass die Zeit und seine Liebe den Schmerz Cunegondas lindern werden. Otone leidet mit ihr (Otone: „Pupille vezzose“).
Szene 4. Auf dem Schlachtfeld sucht und findet Giuditta den verwundeten Primislao. Sie erinnert ihn an ihre Begegnung und beginnende Liebe beim Maskenball und macht sich auf die Suche nach ihren Vertrauten, die ihn sicher in den Palast bringen sollen.
Szene 5. Primislao, der bereits den Tod sicher wähnte, verspürt wieder Hoffnung (Primislao: „Sento di morte il gelo“), als er von Ermano aufgespürt wird. Der will ihn sofort töten.
Szene 6. Gerade noch rechtzeitig kehrt Giuditta mit ihren Leuten zurück und stellt Primislao unter ihren Schutz.
Szene 7. Ermano sieht ein, dass er keine Chancen auf Giuditta hat. Er wird von Gewissensbissen gepeinigt (Ermano: „Son come cervo misero“).
Atrium, in das die Beute und die Gefangenen gebracht werden
Szene 8. Ernesto präsentiert Gismondo die erbeuteten Waffen und Banner und die Gefangenen. Außerdem informiert er ihn darüber, dass sich Cunegonda in der Gewalt Otones befinde und Primislao gefallen sei. Gismondo macht ihm Hoffnung auf die Hand seiner Tochter (Ernesto: „Parto con quella speme“).
Szene 9. Als Otone mit Cunegonda eintrifft, bittet Gismondo sie, Otones Werben nachzugeben (Gismondo/Cunegonda/Otone: „Dolce Padre, e re pietoso“).
Szene 10. Giuditta fürchtet den Zorn ihres Vaters wegen ihrer Liebe zu Primislao und sehnt sich nach einem Rat ihres Bruders (Giuditta: „Se l’onda corre al mar“).
Königlicher Thronsaal