mini|Rosa Luxemburg-Denkmal von Siegfried Tschierschky und Franz Dospiel 1959 Siegfried Tschierschky (* 27. Dezember 1898 in Gropoli (Agropoli).So die Ortsangaben in: Hans J. Domsta (Hrsg.): Die Reise des Philipp von Merode nach Italien und Malta 1586-1588. Das Tagebuch, Verlag Waxmann, Münster-New-York-München-Berlin 2007. So u. a. auf S. 135 und im Register S. 352./Italien; † 6. November 1965 in Weimar) war ein deutscher Bildhauer.

Biografie Seine Ausbildung erhielt Tschierschky in Berlin. 1933 nahm er gegen die Entlassung von Käthe Kollwitz durch die Nazis Stellung und unterzeichnete eine Note der Studierenden, weshalb er als "politisch verdächtig galt.

1933 war er in Bautzen auf der letzten Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Lausitzer Bildenden Künstler vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit dem Bildnis Lotte Wegeleben vertretenKatalog der 5. Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Lausitzer Bildenden Künstler; S. 11.

1937 legte er die Meisterprüfung ab. Das Berliner Adressbuch verzeichnete ihn erstmals 1937 als Bildhauer. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Er nahm jedoch offenbar nur 1935 in Berlin an der Ausstellung „Technik und Kunst“ der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude teil. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Zuletzt wohnte er in Berlin mit seiner Frau, der Kupferstecherin Charlotte Tschierschky-Wegeleben, in der Brandenburgstraße 58.Adressbuch 1943 Das Haus wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs bombardiert. Dabei wurden nahezu alle seine Werke zerstört.

Nach dem Ende des NS-Staats war Tschierschky Professor für das Bildkünstlerische in der Architektur an der Staatlichen Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar, Prodekan der Fakultät Architektur der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, der heutigen Bauhaus-Universität Weimar. Zu seinen Schülern gehörten Lore Plietzsch und Werner Stötzer. Sein Nachfolger im Fach Bildhauerei wurde Hubert Schiefelbein.

Tschierschky war Mitglied des Verband Bildender Künstler der DDR.

Bemerkungen zu seinem Schaffen Mit am Präsentesten in Weimar ist er mit dem 1959 zusammen mit Franz Dospiel geschaffenen Rosa-Luxemburg-Denkmal im Weimarer Stadtteil Schöndorf. Das stellt einen Obelisken dar, der statt in einer Spitze oben mit Hammer und Sichel endet. Das Material ist Ehringsdorfer Travertin.Gerd Seidel, Walter Steiner: Baustein und Bauwerk in Weimar (= Ständige Kommissionen Kultur der Stadtverordnetenversammlung Weimar und des Kreistages Weimar-Land in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Weimar (Hrsg.): Tradition und Gegenwart.). Weimarer Schriften. Heft 32. Weimar 1988, ISBN 3-910053-08-4, S. 69. Der Ort der Aufstellung wurde Rosa-Luxemburg-Platz genannt. Tschierschky fühlte sich dem Sozialistischen Realismus verpflichtet. Stärker noch tritt dem Besucher der Stadt Weimar das überlebensgroße Ernst-Thälmann-Denkmal auf dem Buchenwaldplatz entgegen, das sich unweit des Hauptbahnhofes befindet.Art. Ernst-Thälmann-Denkmal, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 110. Für die Gestaltung des Platzes mit Walter Arnold und Otto Engelberger erhielt er 1958 den Literatur- und Kunstpreis der Stadt Weimar.Das Blatt des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands. Berlin, 12/1959, S. 11

Tschierschky war auch an der Planung des Mahnmals in Buchenwald beteiligt.https://www.buchenwald.de/626/ Er machte 1950 mit seinen Kollegen einen Entwurf für das Denkmal, welches so aber nicht realisiert wurde. Tschierschky hatte ein der architektonischen Formensprache des Bauhauses angelehntes monumentales Dreieck entworfen, welches Symbol für die Häftlinge Buchenwalds sein sollte, die bekanntlich ein solches an ihrer Kleidung zu tragen hatten.Peter Fibich: Gedenkstätten, Mahnmale und Ehrenfriedhöfe für die Verfolgten des Nationalsozialismus: Ihre landschaftsarchitektonische Gestaltung in Deutschland 1945 bis 1960, Diss. Dresden 1998. Hier S. 140, S. 183 und S. 192. Auf S. 192 fällt der Begriff "Häftlingswinkel". Der Entwurf von Tschierschky scheiterte nicht nur an den Kosten, sondern auch an dem Formalismusstreit. Tschierschkys Entwurf fand einhellige Zustimmung, was in Bezug auf die Ideologie sowohl der SMAD als auch der SED unter dem Schlagwort Sozialistischer Realismus erstaunen mag, scheiterte aber letztlich nicht nur an den Kosten, sondern am Formalismusstreit. Tschierschky bekam den Vorwurf des Formalismus im Juni 1952 auf der Kreisparteitagskonferenz in Weimar von dem Mitglied der Kulturabteilung des Zentralkomitees der SED Egon Rentzsch direkt ab. Der Vorwurf bezog sich nicht nur auf diesen Entwurf, sondern auf Tschierschky's Gesamtwerk.Dirk Hoffmann (Hrsg.): Das Gedächtnis der Dinge: KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945-1995, Campus-Verlag Frankfurt/M.-New York 1998, S. 108. Dennoch ging das 1958 realisierte Denkmal aller Wahrscheinlichkeit nach auf Tschierschky zurück.Volkhard Knigge, Jürgen M. Pietsch, Thomas A. Seidel: Versteinertes Gedenken: das Buchenwalder Mahnmal von 1958, 1997, S. 53. Bekanntermaßen hatte Fritz Cremer dieses letztlich realisiert.Thomas Klemm: Die Kunst der Erinnerung: Die Figurengruppe Fritz Cremers in der Gedenkstätte Buchenwald im Spannungsfeld zwischen staatlicher Erinnerungspolitik und künstlerischem Anspruch, Edition Leipziger Kreis, Leipzig 2002, S. 25. Der Entwurf einer Lenin-Statue 1949/50 dürfte den Prinzipien des Sozialistischen Realismus eher entsprochen haben.

Tschierschky war Wegbereiter durchbruchplastischer Wände aus Beton in Architekturfassaden. Er veröffentlichte mehrere Essays insbesondere zu Fragen der Architektur u. a. in der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen und in den Zeitschriften Architektur der DDR und Bildende Kunst.

Tschierschky war 1953 auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden mit einem Kapitell (Friedenstauben; Gips, Höhe 134 cm) vertreten.Katalog Position 534 Im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar befinden sich ein von ihm geschaffenes Porträt von Henry van de Velde und Walter Gropius aus dem Jahre 1957.

Ehrungen Literatur- und Kunstpreis der Stadt Weimar

Werkbeispiele

Durchbruchsplastische Wände

1967: Karl-Marx-Stadt, Straße der Nationen, Treppenhaus des damaligen Hauses der Industrieverwaltung; 25,60 × 18,00 m; Ausführung VEB Betonwerk Lengenfeld/VogtlRuth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 23 1967: Karl-Marx-Stadt, Straße der Nationen, Fassade an der Straßenseite und zum Innenhof des damaligen Hauptpostamts; 250 m2; Ausführung Fa. Fischer, Gerichshain, Wohnungsbaukombinat Karl-Marx-StadtRuth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 12/13.

Plastiken, Plaketten und Medaillen Preismedaille 1931 mit der rückseitigen Widmung „VER/EINIGTE / STAATSSCHULEN / FÜR FREIE UND / ANGEWANDTE / KUNST / BERLIN / 1931“, Preismedaille für 1932; gegossen in der Gießerei von Hermann Noack: Das waren seine Berliner Schülermedaillen.Wolfgang Steguweit: ARS JUVENTUTI Berliner Schülermedaillen von der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zur Hochschule für Bildende Künste (Das Kabinett Schriftenreihe des Münzkabinetts 11), Staatliches Münzkabinett Berlin 2009 zu Tschierschky S. 34 ff. 1946 Plakette mit dem Porträt von Käthe KollwitzWolfgang Steguweit: ARS JUVENTUTI Berliner Schülermedaillen von der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zur Hochschule für bildende Künste (Das Kabinett Schriftenreihe des Münzkabinetts 11), Staatliches Münzkabinett Berlin 2009 hier S. 36. 1949/50 Entwurf für das Mahnmal in Buchenwald 1957 zusammen mit Kurt Grohmann schuf er die Büsten von Henry van de Velde und Walter Gropius, die sich im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar befinden.https://www.digitus.art/referenz/walter-gropius-und-henry-van-de-velde.html 1959 zusammen mit Franz Dospiel in Schöndorf das Rosa-Luxemburg-Denkmal u. a. zusammen mit Hubert Schiefelbein entwickelte Tschierschky eine Reihe von Betonelementen wie z. B. Betonsteinwänden.https://www.aff-architekten.com/story/69/formsteinwand.html 1949/50 arbeitete Tschierschky mit seinen Studenten auch an einer Lenin-Statue.Klaus-Jürgen Winkler: Bemerkungen zur Bauhausrezeption an der Weimarer Hochschule unmittelbar nach dem Kriege. Workshop 1, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen - A - Weimar 38 (1992) 5/6, S. 277–286. Hier S. 284.

Publizierte Essays In Bildende Kunst Bauhaus und architekturgebundene Kunst. 1965, S. 512–516 Zur Frage des Reliefs im industriellen Bauen. 1961, S. 543–552 Zum Problem des Wandbildes. 1961, S. 723–729

In der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Hochschule für Architektur Über das Komponieren mit architektonischen Strukturen. 1953, S. 15–31 Zur Rolle des Plastischen Ornaments in den industriellen Bauweisen. 1955/56, S. 194–200 Die „Zweite Struktur“ in der Fassade. 1956/57, S. 109–113 Einiges über den Balkon als Gestaltungselement. 1956/57, S. 329–336 Zur Verteidigung der Architektur als Kunst. 1958/59, S. 303–307 Zur Frage der Beziehungen von Relief und Architektur unter den Bedingungen des konsequenten industriellen Bauens. 1959/60, S. 423–439

In Das Blatt des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands

Bildende Kunst und industrielles Bauen . 2/62, S. 12–13

Literatur

Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 962

Luise Helas: Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus. Wandbilder und Betonformsteine. In: Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR. Bauhaus Universitätsverlag, Weimar, 2014; ISBN 3-95773-171-2; 9783957731715

Weblinks

https://smb.museum-digital.de/index.php?t=people_to_people&id=59782&navlang=ar https://www.uni-weimar.de/de/universitaet/struktur/zentrale-einrichtungen/archiv-der-moderne-universitaetsarchiv/ausstellung-bildende-kunst/bildhauerei/ Wolfgang Steguweit: ARS JUVENTUTI Berliner Schülermedaillen von der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zur Hochschule für bildende Künste (Das Kabinett Schriftenreihe des Münzkabinetts 11), Staatliches Münzkabinett Berlin 2009 Peter Fibich: Gedenkstätten, Mahnmale und Ehrenfriedhöfe für die Verfolgten des Nationalsozialismus: Ihre landschaftsarchitektonische Gestaltung in Deutschland 1945 bis 1960, Diss. Dresden 1998.

Einzelnachweise

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