Die Hanseaten-Kaserne war eine Garnison der Bundeswehr in Lübeck, Schleswig-Holstein. Sie war bereits zwischen 1935 und 1936 durch den NS-Staat als Teil des Fliegerhorsts Lübeck-Blankensee errichtet worden und beherbergte bis 1945 Luft- und Bodenpersonal von Kampfverbänden der Luftwaffe. 1945 bis 1951 wurde die Kaserne durch Einheiten der Royal Air Force belegt. Zwischen 1951 und 1959 waren Flüchtlinge hier untergebracht. 1960 übernahm die Bundeswehr die Anlage und nutzte sie bis zu ihrer Aufgabe Ende 1994. Das Kasernengelände umfasste eine Fläche von etwa 36 Hektar. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung 1992 wurden die Unterkunftsgebäude zu einem Ausbildungszentrum umgenutzt. Für andere Teile ist eine gewerbliche Nutzung vorgesehen.

Vorgeschichte, Bau und Stationierungen Deutsches Kaiserreich Die Entstehung der Hanseaten-Kaserne ist mit der Geschichte des Lübecker Flughafens eng verbunden. Sie beginnt am 23. August 1915 inmitten des Ersten Weltkriegs mit der Anfrage zu einem verfügbaren Gelände für eine Fliegerstation des IX. Armeekorps mit Flugfeld und Unterkünften für 300 Mann, 50 Unteroffiziere und 25 Offiziere mit einem Gesamtflächenbedarf von ca. 100 bis 120 Hektar. Zwar beantwortete die Stadt Lübeck das Gesuch bereits am 30. August 1915 und schlug 3 Flächen im Stadtgebiet als mögliche Standorte vor. Doch am 11. September 1915 fiel die Entscheidung zugunsten einer anderen Stadt. Eine erneute Interessensbekundung des Reichskriegsministeriums ging am 22. Februar 1916 bei der Stadt ein. Nach erneuten Geländesondierungen bot die Stadt eine Fläche von 135 Hektar bei Blankensee zur Errichtung der Fliegerstation an. Am 5. April 1916 stimmte das Reichskriegsministerium den Erkundungen dieses Standortes zu und erteilte schließlich am 30. Mai 1916 die Genehmigung zum Bau des Flugplatzes. Nachdem am 21. Juni 1916 auch der Bürgerausschuss der Stadt Lübeck dem Vorhaben sein Einvernehmen erteilt hatte, kam es am 7. Juli 1916 zum Vertragsschluss zwischen dem Kaiserreich und der Stadt Lübeck. Das Projekt war mit Kosten von 445.320 Mark veranschlagt. Am 25. Juli 1916 wurde bereits das Militär-Neubauamt Lübeck eingerichtet, das die Errichtung von 7 Unterkunftsgebäuden, zunächst 6 der 8 geplanten Flugzeughallen, Werft, Offizierskasino, Unteroffiziersmesse, Verwaltung, Wache, Motorenprüfstand, Lager, Garagen, Kriegsdepot, Wasserver- und Entsorgungsanlagen sowie Start- und Landebahn begleiten sollte. Ende Mai 1917 begann der Bezug der Anlagen durch die „Königlich-preußische Fliegerschule Lübeck“ der Flieger-Ersatz-Abteilung 5. Am 15. Juli 1917 wurde der Stadt die Aufnahme des Flugbetriebs angekündigt und am 6. August mitgeteilt, dass dieser nunmehr stattfindet. Doch die Bauarbeiten waren längst nicht abgeschlossen. Am 1. Oktober 1917 erfolgte formal die Übergabe der Fliegerstation durch die Stadt an die Armee. Doch der militärische Flugbetrieb fand nur kurz statt: die Niederlage des Deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg war nicht mehr abzuwenden. Am 9. November 1918 besetzten revolutionäre Kieler Matrosen die Fliegerstation und am 11. November 1918 wurde ein Waffenstillstandsabkommen mit der Entente geschlossen, das schließlich am 28. Juni 1919 in den Friedensvertrag von Versailles mündete. Zwar wurde noch im September 1919 die Artillerie-Fliegerstaffel 115 hier stationiert. Doch der Prozess der Abrüstung führte konsequent zur Auflösung von fliegenden Einheiten.

Weimarer Republik Im Dezember 1920 veranlassten die Siegermächte die Demontage von sechs Hallen. Erhalten blieben trotzdem Werft, Unterkünfte und zwei Flugzeughallen. Am 24. Mai 1922 entschloss sich der Senat der Stadt Lübeck zum Kauf der Fliegerstation für 3,425 Millionen Mark. Hiervon ausgenommen waren lediglich zwei Hallen und die Werft, die unter Aufsicht der Entente standen und für eine „Polizeifliegerstaffel Hamburg“ genutzt werden sollten, die 1919 aus der Truppenfliegerstaffel 5 hervorgegangen war. Aber auch dieser Verband, der die Fliegertruppe unter dem Deckmantel polizeilicher Aufgaben am Leben zu erhalten suchte, wurde schließlich aufgelöst. In der Weimarer Republik fand jedoch keine zivile Flugtätigkeit in Lübeck-Blankensee statt. Vielmehr verfiel das Flugfeld in den 1920er Jahren und wurde für landwirtschaftliche Nutzungen verpachtet. Im Sommer 1926 wurde deshalb Lübeck-Blankensee nur noch als Notlandeplatz geführt. Doch kurz darauf wurde ins Auge gefasst, die von der Deutschen Luft Hansa betriebenen Verbindungen nach Lübeck-Travemünde von Blankensee auszuführen. Hierfür musste jedoch der Start- und Landeplatz wieder ertüchtigt werden. Vom 28. März bis 2. April 1927 nahm die Deutsche Luft Hansa den Betrieb tatsächlich auf. Doch dann flog die Linie wieder Travemünde an. Am 19. November 1928 entschied sich die Stadt Lübeck zwar zur Anmietung der noch vorhandenen, der Republik gehörenden Hallen mit dem Ziel einer Ansiedlung von Gewerben, etwa der chemischen Industrie. Und am 17. Januar 1931 kaufte die Stadt die Werft sogar. Doch die Weltwirtschaftskrise bescherte diesem Vorhaben zur Förderung der Gewerbebetriebe keinen Erfolg. Anfang der 1930er Jahre wurden Straßen und Wege auf der Fliegerstation eingeebnet, um Baumaterial für die Stadt Lübeck zu gewinnen.Alexander Steenbeck: 100 Jahre Blankensee. Höhen und Tiefen des Lübecker Flughafens. Lübeck 2016, S. 9–15 sowie 33–41 und 133 f.

NS-Staat Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 und die Errichtung des NS-Staats wurden trotz der noch geltenden Regelungen des Versailler Vertrags die Aufrüstung der Wehrmacht vorangetrieben. Daher bestand nunmehr ein großes Interesse an brachliegenden ehemaligen militärischen Liegenschaften, um sie einer Revitalisierung zur Stationierung neuer Einheiten zuzuführen. Der Flugplatz Lübeck-Blankensee bildete hiervon keine Ausnahme. Am 22. November 1934 erhielt die Stadt Lübeck die Nachricht, dass zur Erweiterung der Fliegerstation Blankensee für Zwecke des Luftamtes in Berlin bereits Ankaufsverhandlungen liefen. 1935 begann der Bau eines großen Kasernenkomplexes am südwestlichen Rand des Start- und Landeplatzes. Geplant war die Unterbringung eines Stuka-Geschwaders. Es entstanden eine Waffenmeisterei, eine neue Werft, 6 neue Flugzeughallen, ein Gebäude für die Flugleitung, ein Kfz-Bereich mit Garagen und Verwaltung, Lager, Mannschaftskantine, Unteroffizierskasino, Flughafenbereichskommandantur, eine neue Wache, eine Horst-Kommandantur, Verwaltungsgebäude, 8 Unterkunftsgebäude, Sanitätsstation, zwei Häuser für Kommandanten sowie am Blankensee südöstlich des Flugfeldes das Offizierskasino und Unterkünfte für Offiziere. Die Gesamtfläche des Flugplatzes erweiterte sich damit auf 362.000 Quadratmeter, davon 41.600 Quadratmeter Gebäudeflächen. Am 1. April 1936 zog die II. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 162 ein, obwohl die Bauarbeiten längst nicht abgeschlossen waren. Am 1. Juli 1936 wurde Richtfest gefeiert. Die Fertigstellung von Anlagen zog sich jedoch bis 1937 hin.Alexander Steenbeck: 100 Jahre Blankensee. Höhen und Tiefen des Lübecker Flughafens. Lübeck 2016, S. 16–18. Mit der Inbetriebnahme des Flughafens wurde eine Fliegerhorstkommandantur mit Verwaltung, Stabskompanie, Technischer Leitung und Flugbetriebsleitung eingerichtet. Anfang April 1937 wurde die II./StG 162 in I./Sturzkampfgeschwader 167 umbenannt. Am 1. April 1938 erfolgte eine weitere Namensänderung zur I./Sturzkampfgeschwader 168 sowie die Verlegung nach Graz im Zusammenhang mit der Annexion Österreichs. Ab Mitte Mai 1938 trat an dessen Stelle die I./Kampfgeschwader 257, die am 1. März 1937 in Zerbst/Anhalt aufgestellt worden war. Die Verlegung dieser Einheit nach Lübeck dauerte noch bis Ende Juni 1938. Nachdem dieser Verband zwischen dem 28. September und 14. Oktober 1938 zur Bedrohung Tschechiens nach Aslau verlegt, aber aufgrund des Münchner Abkommens nicht eingesetzt worden war, kehrte er nach Lübeck-Blankensee wieder zurück. Zum 1. Mai 1939 wurde er in I./Kampfgeschwader 26 umbenannt. Am 1. Juli 1939 wurde Lübeck-Blankensee zum Sitz des Kommandanten eines Flughafenbereichs.Alexander Steenbeck: 100 Jahre Blankensee. Höhen und Tiefen des Lübecker Flughafens. Lübeck 2016, S. 18–20 sowie 42–52.