Die deutsche Betonung altgriechischer Eigennamen, aber auch wissenschaftlicher Fachbegriffe aus dem Griechischen, ruft Unsicherheit hervor, da sie meist von der Betonung des altgriechischen Originals abweicht. Sie richtet sich nach der Betonung der lateinischen Transkription.

Problemstellung Wir sagen Sókrates und nicht wie im Griechischen Sokrátes sowie Aristóteles statt Aristotéles. Was aus dem Griechischen ins Deutsche übernommen wurde, ist lateinisch geprägt und nach den für das Lateinische geltenden Regeln auszusprechen.„Denn die Betonung der Wörter ist lateinisch und muß es nach allgemeinem Zugeständnis bleiben.“ Siehe Literatur: Weise 1897, Seite 248 (). Gegen die richtige Aussprache wird häufig verstoßen, zumal dafür Griechisch- und Lateinkenntnisse erforderlich sind.

Historischer Hintergrund In der Renaissance sprang Latein in seiner Vermittlerfunktion zu den modernen Sprachen dem Griechischen bei und bot eine eindeutige Orientierung an.

Die Humanisten der Renaissance kommunizierten in Latein; Griechisch war für sie nurmehr ein Objekt der Untersuchung und der Nachahmung. Sie benutzten für die griechischen Eigennamen die Betonung der lateinischen Übertragung, die dann auch im Deutschen üblich wurde, und bei dieser deutsch-lateinischen Betonung ist es bis heute geblieben.

Hans Poeschel schrieb 1950 zur deutschen Betonung und Aussprache der griechischen Namen, Lehn- und Fremdwörter:

Regeln Für die Betonung der griechischen Namen wird die lateinische Pänultimaregel angewandt, die keine Ausnahmen zulässt und Sicherheit für eine korrekte Betonung bietet. Zweisilbige Namen werden konsequent auf der ersten Silbe betont; beispielsweise wird die Hetäre Lais, griechisch  – beachte das Trema –, lateinisch-deutsch zu Lá-ïs. Für Namen ab drei Silben ist die Länge der vorletzten Silbe entscheidend. Ist sie lang, wird sie betont, ist sie kurz, wird die drittletzte betont. Die Länge der vorletzten Silbe lässt sich eindeutig bestimmen, siehe dazu die lateinischen Hauptregeln der Betonung.

Beispiele Homer: altgriechisch , Betonung auf der ersten Silbe, gekennzeichnet durch den Akzent (); das Makron über dem ē () zeigt in der Transkription einen langen Vokal, somit eine lange Silbe an. Letzteres ist entscheidend für die lateinische Betonung. Nach der Pänultimaregel ist die vorletzte Silbe () lang und wird deshalb – jetzt unabhängig vom Griechischen – betont, somit lateinisch ; also nach Abfall der Endung -us auch auf Deutsch: Homḗr. Vergleiche zum Unterschied das englische Hómer, dessen Betonung das griechische Original übernimmt. Aristoteles: altgriechisch , Betonung der vorletzten Silbe mit Akzent (); deutsch-lateinisch Aristó-te-les, da die vorletzte Silbe () kurz ist und somit die drittletzte (to) zu betonen ist. Peloponnes: altgriechisch ; lateinisch , da die vorletzte Silbe () lang ist; also nach Abfall der Endung -us auch deutsch Peloponnḗs.

Literatur Oskar Weise: Die Aussprache und Schreibart griechischer Eigennamen, Zeitschrift für den deutschen Unterricht, Heft 4, 1897, Seite 243–250; argumentiert gegen die Einführung einer Sprach- und Schreibweise, die sich am griechischen Original orientieren will (). Hans Poeschel: Die griechische Sprache, Heimeran, München 1950; Seiten 344–352 zur deutschen Betonung und Aussprache der griechischen Namen, Lehn- und Fremdwörter. Rolf Kussel: Wir sprechen alle Griechisch, in: Rolf Kussel (Herausgeber): Lateinische Lektüre in der Mittelstufe, Band 42 in der Reihe: Dialog Schule und Wissenschaft, Speyer 2008, Seite 249–258; Darstellung der Übernahme und Einbürgerung griechischer Wörter in das Deutsche.

Siehe auch Deutsche Aussprache des Lateinischen Lateinische Aussprache Schulaussprache des Lateinischen

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Einzelnachweise