mini|Schloss Elmau von Nordosten (von der Elmauer Alm aus) gesehen mini|Schloss Elmau, Zufahrt und Eingangsseite von Osten

Schloss Elmau liegt oberhalb der Ortschaft Klais, Gemeinde Krün, im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf 1008 Meter Höhe am Fuß des Wettersteingebirges (Oberbayern). Es wurde von Carl Sattler und dem Bauherrn Johannes Müller in Formen der Reformarchitektur während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1916 mit ausgebautem Walmdach, Turm und Vorhallen erbaut.

2005 wurde das Schloss bei einem Brand zerstört und in der Folge teilweise abgerissen. Müllers Enkel Dietmar Mueller-Elmau als Bauherr und Sattlers Enkel Christoph Sattler als Architekt bauten das Schloss von 2006 bis 2007 wieder neu als Fünf-Sterne-S-Hotel auf.

Teile des Gebäudes sind als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.Aktennummer D-1-80-122-8 Der Südflügel bietet auf sechs Stockwerken Zimmer für Gäste an. Die Reformarchitektur ist hier nicht mehr erkennbar. Das Schloss Elmau gehört zur Allianz The Leading Hotels of the World.

Geschichte Erstmals wurde der Name Elmau im Jahr 1395 urkundlich erwähnt. Der Name kommt von Elmen-Aue. Elme ist eine Form des Pflanzennamens Ulme. Der Name bedeutet also: Eine mit Ulmen bewachsene Aue. Schloss Elmau steht auf spätglazialen Schottern der Würm-Kaltzeit. Den Untergrund dieser Schotter bilden vor allem Gesteine der Raibler Schichten, die in der Oberen Trias vor ca. 230 Millionen Jahren als Meeresablagerungen gebildet wurden.Erläuterungen zur Geologischen Karte 1:25000, Blatt Mittenwald, 1966, S. 29 und 64. Hrsg.: Bayer. Landesamt für Umwelt Die Aue (der Drüsselgraben, der eingebettet zwischen dem Wamberg im Norden und der Wettersteinwand im Süden liegt) steht unter Naturschutz, „vor allem wegen der vielen geschützten Blumen wie der Enziane, die im Frühjahr die Huckel und Hügel mit einem blauen Teppich überziehen.“Dietmar Mueller-Elmau: Die Geschichte von Schloss Elmau. Elmau, o. J., S. 3 und auf der Website des Schlosses

Ab 1542 wurde Elmau mit Einödhöfen, einer Sägemühle und einem Gasthaus bebaut. Als sich die Bewirtschaftung nicht mehr lohnte, verkauften die Bauern ihren Besitz an zwei Verehrerinnen König Ludwigs II., der sich um 1870 das Königshaus am Schachen errichten ließ und stets im Gut Elmau übernachtete. Zum Schloss ließ sich König Ludwig mit Pferdekutsche oder -schlitten hinauffahren. Nach dem Tod des Märchenkönigs im Jahr 1886 verlor das Anwesen dann gänzlich an Bedeutung, der Schachenweg ist noch beliebt, um den rund 850 Meter höheren Schachen (Höhe 1866 Meter) zu erwandern.

Bau von Schloss Elmau und Anfangszeit 1912 erwarb der Schriftsteller, Philosoph und Theologe Johannes Müller das Einödanwesen. Ab 1914 gelang im Laufe von zwei Jahren mit wesentlicher finanzieller Unterstützung durch Elsa von Michael, geborene Haniel,Gräfin Elsa von Waldersee, geboren am 11. April 1871, Ruhrort; gestorben am 7. November 1955, Berchtesgaden, Eheschließung am 15. Februar 1892 mit Friedrich Heinrich Christian Ludwig von Michael (1857–1929), zweite Eheschließung am 24. Juni 1921 mit Franz Georg Kurt Eduard von Waldersee, Graf von Waldersee (1862–1927) Stammbaum Bau und Eröffnung (Pfingsten 1916) einer Institution, die laut Müller als „Freiraum des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens“ dienen sollte. Gäste sollten hier durch das Erlebnis der Stille in der Natur sowie durch Konzerte und Tanzabende „im Sinne der Bergpredigt selbstvergessen, unbewusst und unmittelbar wie die Kinder ihrem göttlichen Wesen gewahr werden können.“ Bereits 1916 wurden pro Jahr 150 Konzerte veranstaltet, von Klavier- über Lieder- bis hin zu Kammermusikabenden. Insbesondere durch Elly NeyNey war eine glühende Propagandistin für Hitler. Sie hielt Reden an die Jugend, in denen sie Beethoven und die „nordische Musik“ im Geist des Nationalsozialismus deutete. U. a. beschwerte sie sich beim Reichspropagandaministerium über zu wenige staatliche Aufträge als Honorarkünstlerin. wurden die Kammerkonzerte – bewusst begrenzt auf Mozart, Beethoven und Schubert – zu einer festen Einrichtung. Zu den engsten Freunden und Gästen von Johannes Müller zählten damals unter anderem die Theologen Adolf von Harnack und Ernst TroeltschHarald Haury: Von Riesa nach Schloss Elmau. ISBN 3-579-02612-7, S. 200. sowie der Thronfolger des Hauses Baden und Generalmajor Prinz Max von Baden, der sich von Müller die Heilung von seinen Angstattacken und die Überwindung seiner seelischen Isolation erhoffte.Harald Haury: Von Riesa nach Schloss Elmau. ISBN 3-579-02612-7, S. 169 f.

Neben 150 Zimmern verfügte Elmau über einen großen Speisesaal, Konzertsaal, Teesaal mit Terrasse, Kaminsaal, Trinkstüberl, Salettl, Innenhof, weiträumige Flure und mehrere Treppenhäuser sowie zwei Tennisplätze und Bocciabahnen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus mini|343x343px|alt=Johannes Müller, der Gründer des Schloss Elmau|Johannes Müller, Bronzerelief von seiner Frau Irene Sattler Im Dritten Reich war das Schloss Elmau in vielerlei Hinsicht ein Ort der Widersprüche. Johannes Müller, der den Nationalsozialismus bis 1933 abgelehnt hatte, wandelte sich im April 1933 plötzlich in einen Verehrer Adolf Hitlers, den er als „Werkzeug in Gottes Hand“ und Anführer der „nationalen Revolution des Gemeinnutzes über den Eigennutz“ sah, die Hitler jedoch nur mit Hilfe der deutschen Juden zu einem Erfolg führen könne. Gleichzeitig bezeichnete er im April 1933 den Biologismus und den Antisemitismus der Nationalsozialisten öffentlich als „Schande für Deutschland“, die ihm „Schamesröte ins Gesicht treibe“. Infolgedessen geriet Müller als „Judenfreund“ ins Visier des Propagandaministeriums und mehrere Maßnahmen gegen ihn wurden angestrebt. Anfangs wurden die einschlägigen Publikationen beschlagnahmt und ihm mit Ausnahme seiner Erinnerungen bis 1932 weitere Veröffentlichungen und schließlich auch öffentliche Vorträge verboten. Anfang 1942 beantragte das KZ Mauthausen seine Festnahme, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht erfolgte.

Im Nachklang dieser Ereignisse verbot Müller den Hitlergruß auf Schloss Elmau. Zudem galt das Schloss nicht als antisemitisch und wurde nicht zu einem bevorzugten Hotel der nationalsozialistischen Funktionseliten.

Dennoch blieb Hitler für Müller „das Empfangsorgan für die Regierung Gottes und Sender der ewigen Strahlen“. Ab 1942 wurde ein Teil des Schlosses an die Wehrmacht verpachtet, die das Haus als Erholungsheim für Soldaten nutzte. 1943 versuchte Alexander Schmorell, Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose, via Elmau in die Schweiz zu fliehen. Als klar wurde, dass dies nicht gelingen würde, musste er nach München zurückkehren, wo er denunziert, verhaftet und schließlich hingerichtet wurde. 1944 wurde das Schloss schließlich in ein Lazarett umgewandelt.

Nachkriegszeit Nach Kriegsende 1945 wurde Johannes Müller in einem Entnazifizierungsverfahren wegen Verherrlichung von Hitler in Wort und Schrift als Hauptschuldiger (Kriegsverbrecher) verurteilt. Die Verurteilung war rechtlich umstritten, da Müller weder Mitglied in der Partei noch einer ihrer Unterorganisationen und auch kein Kriegsteilnehmer war. Er bekannte sich dennoch zu seiner Schuld und wollte sich nicht verteidigen. Die Familie Müller klagte schließlich gegen das Urteil der Spruchkammer.Bayerisches Staatsarchiv, München Initiator des Verfahrens war Philipp Auerbach, bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte. Dieser übernahm das Schloss 1947 ohne Rechtstitel und betrieb es, nachdem es kurze Zeit als Lazarett und Winterkampfschule der US-Armee gedient hatte, dann als Erholungsheim für Tuberkulose-Kranke, Displaced Persons und Überlebende des Holocaust. Henri Heitan, Chefarzt des Joint Distribution Committee in Feldafing, hatte Elmau ausfindig gemacht und beschlossen, dort ein Erholungsheim für Überlebende einzurichten. Direktor war der Lederindustrielle Jakob Rosenberg.Ernest Landau: Purim in Elmau – Um die jüdische Zukunft in Deutschland – Texte jüdischen Überlebens. In: Wolfgang Benz u. a. (Hrsg.): KZ und Nachwelt. (= Dachauer Hefte. 24). 2008, ISBN 978-3-9808587-9-3.Siehe: Michael Brenner (Hrsg.): Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart. Politik, Kultur, Gesellschaft. München 2012, S. 83. Überlebende konnten sich dabei für jeweils 14 Tage in Elmau erholen. Johannes Müller starb am 4. Januar 1949 in Elmau.

Auerbach wurde 1951 aufgrund des in der Nachkriegszeit weiter grassierenden Antisemitismus wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in dem vom Generalanwalt geführten Landesamt für Wiedergutmachung verhaftet. Er nahm sich nach seiner Verurteilung 1952 im Gefängnis das Leben. Zwei Jahre später wurde er von einem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtages in vollem Umfang rehabilitiert. Die Erben Bernhard und Sieglinde Müller pachteten daraufhin das Anwesen vom bayerischen Staat. Sieglinde Müller heiratete 1954 den Hoteldirektor Odoardo Mesirca.

1960 wurde das Spruchkammerverfahren eingestellt und Bernhard Müller-Elmau und seine Schwester Sieglinde Mesirca als Erben eingesetzt. Zusammen mit Odoardo Mesirca und mit Unterstützung von Stammgästen und Künstlern machten sie Schloss Elmau innerhalb von vier Jahrzehnten wieder zu einer unvergleichlichen Kultur- und Erholungseinrichtung.

Klassische Musik und Tanzabende in Schloss Elmau

Musikalisches Kammermusikkonzerte und Tanzabende mit dem Hauspianisten Otto Ludwig, der ein Schüler Edwin Fischers war, spielten seit der Eröffnung von Schloss Elmau 1916, in dem bereits 150 Konzerte stattfanden, die zentrale Rolle im kulturellen Programm des Schlosses. Eine Auseinandersetzung mit der verhängnisvollen Geschichte und Vorträge fanden nicht statt. Fortan gab es nur noch die Musik und den Tanz. Für Johannes Müller galt: Und an anderer Stelle:

Die Stimmung der Elmau damals und ihrer Tanzabende hat der Maler Harrison Compton um 1930 eingefangen. Neben den regelmäßigen Elmauer Tanzabenden mit den Pianisten Otto Ludwig jeden Mittwoch und Samstag fanden regelmäßig Musikwochen, Konzerte und Lesungen statt.

Die Haustöchter gaben dem Elmauer Leben seine ganz besondere Prägung. Laut Martin Cramer wirkte diese Einrichtung stark erzieherisch auf die Gäste. Das Frühstück holte man sich selbst an der Ausgabestelle bei der Küche ab.

International bekannt wurde Schloss Elmau ab Januar 1957, als der deutsch-britische Dirigent Hans OppenheimSieglinde Mesirca: Geleitwort im Programmheft der zehnten Britisch-Deutschen Musiktage vom 6. bis 13. Januar 1969, Elmau, 1969, S. 3.Oppenheim wirkte später auch in Glyndebourne. die ersten Britisch-Deutschen Musiktage auf Schloss Elmau zusammen mit dem Amadeus-Quartett initiierte. Hierbei traten u. a. die berühmten Geiger Yehudi Menuhin und Gidon Kremer, die Pianisten Wilhelm Kempff, Emil Gilels, Alfred Brendel und Friedrich Gulda, der Sänger Hermann Prey und Thomas Quasthoff sowie der britische Komponist und Pianist Benjamin Britten auf.Abendprogramme der ersten Englisch-Deutschen Musiktage vom 6. bis 14. Januar 1959, Elmau, 1959.

Literarisches und Geistiges Im Jahre 1957 tagte die Schriftstellervereinigung Gruppe 47 mit Ingeborg Bachmann und Marcel Reich-Ranicki in Schloss Elmau. Die Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie führte unter der Leitung von Karlfried Graf Dürckheim und dem Zenmeister Pater Enomiya-Lassalle Tagungen zu Themen wie „Abendländische Therapie und östliche Weisheit“ oder „Verantwortung der Wissenschaft vor dem Menschen“ durch.

Die Anthroposophische Gesellschaft veranstaltete hier ihre Jahrestagung. Bundespräsident Johannes Rau, Loriot und Alexander Kluge zählten zu den Stammgästen des Hotels.

Übernahme durch Dietmar Mueller-Elmau mini|Der Südflügel nach dem Großbrand Ausgestattet mit Vermögen durch den Verkauf seiner Firma Fidelio (Hotelsoftware), pachtete der heutige Mehrheitsgesellschafter Dietmar Mueller-Elmau 1997 das Haus und startete seinen exklusiven Wellness-Tourismus.